Krawatten Eine Bindung fürs Leben

F.C. Gundlach, Fotografenlegende und Stilikone, fordert: Männer, zurück an die Krawatte!

Es gibt in der Mode immer den Moment, in dem ein Trend Allgemeingut geworden ist und kippt. Dieser Augenblick ist nun für die Krawatte gekommen. Schon seit Längerem kann man beobachten, dass auch bei offiziellen Anlässen Männer nicht mehr mit Krawatte erscheinen. Kürzlich bei einem feierlichen Empfang der Zeitschrift Brigitte im Rahmen der Fashion Week in Berlin musste ich feststellen, dass ich tatsächlich der Einzige war, der eine Krawatte trug. Keiner der Herren, die sich im Martin-Gropius-Bau versammelt hatten, wo zurzeit eine Retrospektive meines fotografischen Werks gezeigt wird, hatte den sogenannten Langbinder angelegt. Ich konnte nicht umhin, das in meiner Rede zu bedauern.

Nun könnte man einwenden, dass es im Kulturbetrieb von jeher etwas legerer zugeht. Doch die Krawatte ist auch aus Sphären verschwunden, in denen man sich bis vor Kurzem noch zugeknöpft gab. Noch vor zwei, drei Jahren war es undenkbar, dass ein Vorstandsvorsitzender zur Hauptversammlung ohne Krawatte erscheint, jetzt hat das weiße Hemd mit offenem Kragen auch hier Einzug gehalten. Man will ausdrücken, dass man offen ist, locker.

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Auch in der Politik ist das zu beobachten, selbst wenn unser Außenminister der Entwicklung standhält. Guido Westerwelle, der übrigens einmal zum Krawattenmann des Jahres gewählt wurde, achtet gern darauf, dass in seinem Muster immer etwas Gelb dabei ist. Er sticht hervor aus der Uniformität der Nichtkrawattenträger.

Doch das wird nicht mehr lange so bleiben. Wie gesagt: Der Höhepunkt des Anti-Trends ist erreicht und damit die Geburtsstunde des Gegentrends gekommen. Es ist Zeit, wieder eine Krawatte anzulegen.

Ich persönlich habe sie nie abgelegt. Wir Männer haben sowieso viel weniger Möglichkeiten, uns modisch auszudrücken, als die Frauen. Sie haben im Lauf der Zeit alle Kleidungsstücke von uns übernommen, aber wir keines von ihnen. In früheren Jahrhunderten hatten Männer mehr Spielraum. Die Krawatte ist eines der letzten Relikte aus Zeiten, in denen auch die Männer sich herausputzten.

Sie ist mehr als ein Stückchen Stoff, sie ist ein richtiges Kleidungsstück. Wenn man sie trägt, fühlt man sich sofort ganz anders. Für mich ist eine Krawatte nicht gleich konservativ. Es kommt ganz darauf an, was man dazu trägt, Anzug, Pullover oder Strickjacke. Außerdem kann man mit Muster und Farbe eine Menge ausdrücken. Man denke nur an die Blümchenkrawatten der siebziger Jahre. Zudem gibt es auch noch zig Arten, sie zu binden.

Leser-Kommentare
  1. Ich studiere Mathematik in England und trage fast immer auch eine Krawatte :)

    (Im Jahr 2 gab es bisher eine Ausnahme...)

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    Mathematik ist eben stringent

    Mathematik ist eben stringent

  2. Krawatten waren mir schon immer zuwider! Sie sind weder schön noch haben sie einen praktischen nutzen. Wenn Herr Gundlach sich herausputzen will stehen ihm ja diverse Möglichkeiten zur Verfügung, jeder sollte das jedoch selbst entscheiden! Wenn Herr Grundlach wirklich aus der Menge hervorstechen will empfehle ich ihm einen Männerrock [1]. Ja so was gibt es, ist nur nicht allzu weit verbreitet. In Schottland habe ich auch schon die Kombination aus Kilt, Sporran, Jackett und Krawatte gesehen. Das müsste dann doch den Geschmack von Herrn Gundlach voll treffen. :-)

    [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Männerrock

  3. Mathematik ist eben stringent

    Antwort auf "noch eine Ausnahme :D"
    • Ascag
    • 04.02.2010 um 16:39 Uhr
    4. Nein.

    Daß gerade der Höhepunkt des Anti-Trends zur Krawatte erreicht sein soll kann ich wahrlich nicht bestätigen. Gerade unter den jungen Leuten sehe ich immer häufiger Anzug&Krawatte. Allerdings häufig nicht freiwillig getragen, sondern eher aus Zukunftsangst und dem immensen Zwang, einen möglichst "guten Eindruck" zu machen.

    Zweitens: Ich selbst bin in der IT als Freiberufler unterwegs; und einer der wichtigsten Überlebenstipps den ich von einem Sprecher auf einer Konferenz mitgenommen habe: Keine Krawatten tragen. Niemals, unter keinen Umständen. Man darf und soll sich durchaus seriös und gut angezogen geben, nur eben keine Krawatte. Mit einer Krawatte um den Hals als IT-Freiberufler signalisiert man "Ich bin bereit, mich in die Hierarchie einzuordnen". Natürlich impliziert das für die Managerkaste, daß man in der Hierarchie unterhalb steht, und 'nur' Ingenieur ist, den man nach Belieben herumkommandieren darf. In dem Job keine Krawatte zu tragen ist ein eindeutiges Modestatement: "Ich bin bereit für euch Probleme zu lösen, ich bin NICHT bereit, mich in eure Hackordnung einzuordnen".

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    In der IT ist man auch mit einem Langarmhemd schon beinahe overdressed :-)

    In der IT ist man auch mit einem Langarmhemd schon beinahe overdressed :-)

    • Ingor
    • 04.02.2010 um 21:14 Uhr
    5. Ascag

    ich bin so ein Ingenieur, aber ich lasse mich nicht herumkommandieren. Ich trage keine Krawatten, ordne mich aber in die Hierarchie ein, anders geht es wohl kaum.

    Als Freiberufler müssen Sie kundenorientiert handeln, das kommt einer hierarchischen Einordnung schon sehr nahe, ansonsten könnten Sie nicht erfolgreich sein, egal ob mit oder ohne Krawatte.

  4. Mir ist das Tragen von Anzug und Krawatte ebenfalls zuwider. Nicht das derjenige, der dies unbedingt will, diese Dinge nicht tragen sollte. Nur daß es eben jedem selbst überlassen sein sollte, was Er oder Sie trägt. Bis auf manchmal notwendige Schutzkleidung, Arbeitskleidung oder Uniformen sollte es mit Anzug und Krawatte aber nicht noch eine Ziviluniform geben. Und auch bei der manchmal notwendigen Kleidung sollte eine möglichst freie Auswahl bestehen, die oft auch von der Anzugsform abweichen kann.

    Was ich an Kultur jeder Art ganz besonders hasse, sind diverse kulturelle Zwänge. Denn diese zeugen von einer kranken autoritären, nicht aber von einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft. Derart kranke Individuen, welche sich Dinge wie gepuderte Perücken (in früherer Zeit) den Schleier für Frauen oder Anzug und Krawatte für Männer erst ausgedacht und dann zum Zwang erhoben haben, sollte man höchstens bemitleiden, nicht aber auch noch durch Aufrechterhaltung dieser Zwänge hofieren.

    Daß heute, meist aus Angst, von vielen jungen Leuten wieder Anzug und Krawatte getragen wird, zeugt davon, daß sich diese Gesellschaft in eine höchst fragwürdige Richtung entwickelt. Weg von einer freien persönlichen Ausdrucksweise und hin zu einer angepaßten Form, in der diverse selbsternannte Erzieher dem gemeinen Volk sogar vorschreiben wollen, wie es sich denn zu kleiden und aufzuführen hat.

    Weiter Teil 2

  5. Und dann möglichst auch noch durch das zwangsweise Einführen diverser kultureller Gewohnheiten die vorherrschende Meinung diesbezüglich zu manipulieren oder besser gesagt vorzuschreiben gedenken. Daß bei den Nazis, in der ehemaligen DDR oder in anderen Diktaturen auch bevorzugt Anzug und Krawatte getragen wurde und wird, scheint dabei wohl mit Absicht in Vergessenheit zu geraten.

    Wie die Geschichte es bereits gelehrt hat, entstehen repressive Strukturen nicht von heute auf morgen. Sie beginnen viel eher mit der geistigen und mentalen Kontamination durch Zwänge und ähnliche Belanglosigkeiten.

    Lassen wir es also nicht soweit kommen und seien wir einmal ehrlich. Dinge wie der Zwang zu Schleier, Kopftuch, Anzug und Krawatte gehören einfach nicht mehr in eine aufgeklärte und freiheitliche Gesellschaft des 21 Jahrhunderts. Ich persönlich wünsche mir jedenfalls eine Gesellschaft ohne diese Zwänge, in der es selbstverständlich ist, daß Politiker und Manager auch mal in Jeans, T-Shirt und Pullover zu Meetings und Konferenzen gehen, sich also einfach die Freiheit nehmen, die eigentlich einem jeden zustehen sollte. Denn auch dies gehört neben der Akzeptanz von zum Beispiel Homosexualität, alternativen Lebensweisen sowie anderer Meinungen zu einer gesunden Toleranz dazu. Mit Verwahrlosung hat dies nichts zu tun, da man sowohl im Anzug und mit Krawatte als auch anders gekleidet gepflegt oder ungepflegt aussehen kann.

    Dr. Jens Romba

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    Kultur entwickelt sich nie ohne den Druck oder Zwang einer bestimmten Gruppe. Je nach Warte des Betrachters handelt es sich dann im Endeffekt um Kultur oder Zwang oder ganz einfach Unsinn. Den Anzug oder die Krawatte als Repraesentant einer veralteten, diktatorischen Kultur anzusehen, im Gegensatz zu dem freiheitlichen T-shirt oder der demokratischen Jeans, ist, mit Verlaub, Bloedsinn. Die moderne Freizeitkultur mit der "lockeren" Kleidung hat sich genauso aus dem "Zwang" einer Gruppe heraus entwickelt wie jeder andere Modestroemung.
    Ich fuer meinen Teil trage gern Anzuege und Krawatten, auch wenn ich das nicht immer muss. Fuer meine Person empfinde ich einen guten Anzug oder eine schoene Krawatte als Ausdruck meiner Kreativitaet und meines Individualismus. Hierbei ist es natuerlich entscheidend, dass das Ensemble von guter Qualitaet und Passform ist und den persoenlichen Geschmack des Traegers repraesentiert. Ein billiger Anzug (a la DDR Politiker) oder eine Polyester Krawatte ist genauso scheusslich, wie ein zerissenes T-shirt oder eine schmuddelige Jeans in der falschen Groesse und Passform.

    Kultur entwickelt sich nie ohne den Druck oder Zwang einer bestimmten Gruppe. Je nach Warte des Betrachters handelt es sich dann im Endeffekt um Kultur oder Zwang oder ganz einfach Unsinn. Den Anzug oder die Krawatte als Repraesentant einer veralteten, diktatorischen Kultur anzusehen, im Gegensatz zu dem freiheitlichen T-shirt oder der demokratischen Jeans, ist, mit Verlaub, Bloedsinn. Die moderne Freizeitkultur mit der "lockeren" Kleidung hat sich genauso aus dem "Zwang" einer Gruppe heraus entwickelt wie jeder andere Modestroemung.
    Ich fuer meinen Teil trage gern Anzuege und Krawatten, auch wenn ich das nicht immer muss. Fuer meine Person empfinde ich einen guten Anzug oder eine schoene Krawatte als Ausdruck meiner Kreativitaet und meines Individualismus. Hierbei ist es natuerlich entscheidend, dass das Ensemble von guter Qualitaet und Passform ist und den persoenlichen Geschmack des Traegers repraesentiert. Ein billiger Anzug (a la DDR Politiker) oder eine Polyester Krawatte ist genauso scheusslich, wie ein zerissenes T-shirt oder eine schmuddelige Jeans in der falschen Groesse und Passform.

  6. In der IT ist man auch mit einem Langarmhemd schon beinahe overdressed :-)

    Antwort auf "Nein."

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