Krawatten Eine Bindung fürs LebenSeite 2/2
Meine erste Krawatte bekam ich mit zwölf, sie gehörte zum Konfirmandenanzug. Damals fand ich das fürchterlich, weil ich sie nicht binden konnte, meine Mutter übernahm das für mich. Ich habe es dann aber schnell gelernt und kann es bis heute blind. In den sechziger und siebziger Jahren trug ich auch bei der Arbeit im Fotostudio fast immer eine. Heute besitze ich zwischen dreißig und vierzig Stück. Manche sind mir böse, weil ich sie seit zehn Jahren nicht mehr angeschaut habe. Es kann aber auch sein, dass ich eine nach zwanzig Jahren wieder hervorhole, weil sie plötzlich wieder passt.
Meine Lieblingskrawatte ist eine tiefblaue mit winzigen roten Pünktchen. Meist trage ich auch ein Einstecktuch, aber das ist ein anderes Thema.
- Datum 03.02.2010 - 10:41 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin , 04.02.2010 Nr. 06
- Kommentare 11
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Ich studiere Mathematik in England und trage fast immer auch eine Krawatte :)
(Im Jahr 2 gab es bisher eine Ausnahme...)
Mathematik ist eben stringent
Mathematik ist eben stringent
Krawatten waren mir schon immer zuwider! Sie sind weder schön noch haben sie einen praktischen nutzen. Wenn Herr Gundlach sich herausputzen will stehen ihm ja diverse Möglichkeiten zur Verfügung, jeder sollte das jedoch selbst entscheiden! Wenn Herr Grundlach wirklich aus der Menge hervorstechen will empfehle ich ihm einen Männerrock [1]. Ja so was gibt es, ist nur nicht allzu weit verbreitet. In Schottland habe ich auch schon die Kombination aus Kilt, Sporran, Jackett und Krawatte gesehen. Das müsste dann doch den Geschmack von Herrn Gundlach voll treffen. :-)
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Männerrock
Mathematik ist eben stringent
Daß gerade der Höhepunkt des Anti-Trends zur Krawatte erreicht sein soll kann ich wahrlich nicht bestätigen. Gerade unter den jungen Leuten sehe ich immer häufiger Anzug&Krawatte. Allerdings häufig nicht freiwillig getragen, sondern eher aus Zukunftsangst und dem immensen Zwang, einen möglichst "guten Eindruck" zu machen.
Zweitens: Ich selbst bin in der IT als Freiberufler unterwegs; und einer der wichtigsten Überlebenstipps den ich von einem Sprecher auf einer Konferenz mitgenommen habe: Keine Krawatten tragen. Niemals, unter keinen Umständen. Man darf und soll sich durchaus seriös und gut angezogen geben, nur eben keine Krawatte. Mit einer Krawatte um den Hals als IT-Freiberufler signalisiert man "Ich bin bereit, mich in die Hierarchie einzuordnen". Natürlich impliziert das für die Managerkaste, daß man in der Hierarchie unterhalb steht, und 'nur' Ingenieur ist, den man nach Belieben herumkommandieren darf. In dem Job keine Krawatte zu tragen ist ein eindeutiges Modestatement: "Ich bin bereit für euch Probleme zu lösen, ich bin NICHT bereit, mich in eure Hackordnung einzuordnen".
In der IT ist man auch mit einem Langarmhemd schon beinahe overdressed :-)
In der IT ist man auch mit einem Langarmhemd schon beinahe overdressed :-)
ich bin so ein Ingenieur, aber ich lasse mich nicht herumkommandieren. Ich trage keine Krawatten, ordne mich aber in die Hierarchie ein, anders geht es wohl kaum.
Als Freiberufler müssen Sie kundenorientiert handeln, das kommt einer hierarchischen Einordnung schon sehr nahe, ansonsten könnten Sie nicht erfolgreich sein, egal ob mit oder ohne Krawatte.
Mir ist das Tragen von Anzug und Krawatte ebenfalls zuwider. Nicht das derjenige, der dies unbedingt will, diese Dinge nicht tragen sollte. Nur daß es eben jedem selbst überlassen sein sollte, was Er oder Sie trägt. Bis auf manchmal notwendige Schutzkleidung, Arbeitskleidung oder Uniformen sollte es mit Anzug und Krawatte aber nicht noch eine Ziviluniform geben. Und auch bei der manchmal notwendigen Kleidung sollte eine möglichst freie Auswahl bestehen, die oft auch von der Anzugsform abweichen kann.
Was ich an Kultur jeder Art ganz besonders hasse, sind diverse kulturelle Zwänge. Denn diese zeugen von einer kranken autoritären, nicht aber von einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft. Derart kranke Individuen, welche sich Dinge wie gepuderte Perücken (in früherer Zeit) den Schleier für Frauen oder Anzug und Krawatte für Männer erst ausgedacht und dann zum Zwang erhoben haben, sollte man höchstens bemitleiden, nicht aber auch noch durch Aufrechterhaltung dieser Zwänge hofieren.
Daß heute, meist aus Angst, von vielen jungen Leuten wieder Anzug und Krawatte getragen wird, zeugt davon, daß sich diese Gesellschaft in eine höchst fragwürdige Richtung entwickelt. Weg von einer freien persönlichen Ausdrucksweise und hin zu einer angepaßten Form, in der diverse selbsternannte Erzieher dem gemeinen Volk sogar vorschreiben wollen, wie es sich denn zu kleiden und aufzuführen hat.
Weiter Teil 2
Und dann möglichst auch noch durch das zwangsweise Einführen diverser kultureller Gewohnheiten die vorherrschende Meinung diesbezüglich zu manipulieren oder besser gesagt vorzuschreiben gedenken. Daß bei den Nazis, in der ehemaligen DDR oder in anderen Diktaturen auch bevorzugt Anzug und Krawatte getragen wurde und wird, scheint dabei wohl mit Absicht in Vergessenheit zu geraten.
Wie die Geschichte es bereits gelehrt hat, entstehen repressive Strukturen nicht von heute auf morgen. Sie beginnen viel eher mit der geistigen und mentalen Kontamination durch Zwänge und ähnliche Belanglosigkeiten.
Lassen wir es also nicht soweit kommen und seien wir einmal ehrlich. Dinge wie der Zwang zu Schleier, Kopftuch, Anzug und Krawatte gehören einfach nicht mehr in eine aufgeklärte und freiheitliche Gesellschaft des 21 Jahrhunderts. Ich persönlich wünsche mir jedenfalls eine Gesellschaft ohne diese Zwänge, in der es selbstverständlich ist, daß Politiker und Manager auch mal in Jeans, T-Shirt und Pullover zu Meetings und Konferenzen gehen, sich also einfach die Freiheit nehmen, die eigentlich einem jeden zustehen sollte. Denn auch dies gehört neben der Akzeptanz von zum Beispiel Homosexualität, alternativen Lebensweisen sowie anderer Meinungen zu einer gesunden Toleranz dazu. Mit Verwahrlosung hat dies nichts zu tun, da man sowohl im Anzug und mit Krawatte als auch anders gekleidet gepflegt oder ungepflegt aussehen kann.
Dr. Jens Romba
Kultur entwickelt sich nie ohne den Druck oder Zwang einer bestimmten Gruppe. Je nach Warte des Betrachters handelt es sich dann im Endeffekt um Kultur oder Zwang oder ganz einfach Unsinn. Den Anzug oder die Krawatte als Repraesentant einer veralteten, diktatorischen Kultur anzusehen, im Gegensatz zu dem freiheitlichen T-shirt oder der demokratischen Jeans, ist, mit Verlaub, Bloedsinn. Die moderne Freizeitkultur mit der "lockeren" Kleidung hat sich genauso aus dem "Zwang" einer Gruppe heraus entwickelt wie jeder andere Modestroemung.
Ich fuer meinen Teil trage gern Anzuege und Krawatten, auch wenn ich das nicht immer muss. Fuer meine Person empfinde ich einen guten Anzug oder eine schoene Krawatte als Ausdruck meiner Kreativitaet und meines Individualismus. Hierbei ist es natuerlich entscheidend, dass das Ensemble von guter Qualitaet und Passform ist und den persoenlichen Geschmack des Traegers repraesentiert. Ein billiger Anzug (a la DDR Politiker) oder eine Polyester Krawatte ist genauso scheusslich, wie ein zerissenes T-shirt oder eine schmuddelige Jeans in der falschen Groesse und Passform.
Kultur entwickelt sich nie ohne den Druck oder Zwang einer bestimmten Gruppe. Je nach Warte des Betrachters handelt es sich dann im Endeffekt um Kultur oder Zwang oder ganz einfach Unsinn. Den Anzug oder die Krawatte als Repraesentant einer veralteten, diktatorischen Kultur anzusehen, im Gegensatz zu dem freiheitlichen T-shirt oder der demokratischen Jeans, ist, mit Verlaub, Bloedsinn. Die moderne Freizeitkultur mit der "lockeren" Kleidung hat sich genauso aus dem "Zwang" einer Gruppe heraus entwickelt wie jeder andere Modestroemung.
Ich fuer meinen Teil trage gern Anzuege und Krawatten, auch wenn ich das nicht immer muss. Fuer meine Person empfinde ich einen guten Anzug oder eine schoene Krawatte als Ausdruck meiner Kreativitaet und meines Individualismus. Hierbei ist es natuerlich entscheidend, dass das Ensemble von guter Qualitaet und Passform ist und den persoenlichen Geschmack des Traegers repraesentiert. Ein billiger Anzug (a la DDR Politiker) oder eine Polyester Krawatte ist genauso scheusslich, wie ein zerissenes T-shirt oder eine schmuddelige Jeans in der falschen Groesse und Passform.
In der IT ist man auch mit einem Langarmhemd schon beinahe overdressed :-)
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