Hubert Burda zum 70. Geburtstag Mein reicher Freund

Hubert Burda zum 70. Geburtstag

Es ist im Verlauf der gut vier Jahrzehnte unserer Freundschaft vorgekommen, daß Hubert B. mich fast empört hat. Zum Beispiel eines Tages, als ich ihn, auf seinen Wunsch, an einen »meiner« Orte hoch oben in der Sierra de Gredos inmitten von Spanien mitnahm, wo wir uns am Rand einer Schneefläche zu einem von mir sherpahaft mitgeschleppten, als beschaulich gedachten Picknick niederließen, mit Blick auf den Pico de Almanzor zu unseren Häupten, samt Steinböcken in den Steilstwänden, und zu unseren Füßen den besonderen Gredos-Salamander, der mit den unüblich kleinen Gelbflecken – und als Hubert da sofort alles liegen und stehen ließ, um mit seinem ziemlich anderen Freund Gianni Agnelli in Italien oder sonstwo zu telefonieren, und, das Palaver beendet, unverzüglich zum Aufbruch zurück ins Tal drängte.

Es ist auch vorgekommen, daß H. B., der Doktor der Kunstgeschichte, Senator, Medienobere usw., mich weidlich genervt bzw. angeödet hat. Etwa, als er auf einer gemeinsamen Wanderung zum Schloß von Versailles unterwegs in die einstige Königsstadt sich allmählich, in Worten und in Gehabe, erst in den königlichen Baumeister, dann in den königlichen Gartenarchitekten und zuguterletzt vor der Schloßfassade in den Sonnenkönig höchstselbst verwandelte; oder sooft er eine seiner Paraderollen, die des Internetpioniers und -propheten spielte, mich, den verstockten Ignoranten, verwechselnd mit einem erleuchteten Expertenpublikum in Davos, im Silicon Valley, in Wien-Siebenhirten oder sonstwo.

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Jedoch ungleich häufiger ist es vorgekommen, und kommt es weiter vor, daß mein Freund Hubert Burda mich erstaunt hat, und erstaunt; mich bewegt hat, und bewegt; mich bereichert, und weiterhin bereichert. Zeitweise geschieht das wie unwillkürlich, ohne sein Zutun, ohne persönliche Hinwendung, etwa mit jenem Satz, der ihm einst, am Anfang seiner bis heute mit solch Verantwortung erfüllten Epoche als »Konzernherr«, entfahren ist: »Was mir an mir so gut gefällt, ist meine Willenlosigkeit!« Oder, viel später einmal, eines Morgens in jenem ihm wohl gar ungewohnten Sterne-Hotel irgendwo, sein auf mich übergreifendes Staunen, mit dem er sagte: »Wie schön dieses Zimmer! Keine Zeitschriften auf dem Tisch – nichts, was man darauf vergessen kann!«

Und noch ungleich häufiger kam und kommt es vor, daß Hubert Burda sein Gegenüber überrascht hat, und überrascht, bereichert hat, und bereichert, mit seiner ganz speziellen, wie nur ihm eigenen, in Wort wie Tat höchstpersönlich gemeinten, eben freundschaftlichen Zuwendung. Und viele, viele haben diese wohl schon erfahren, seine sozusagen Angestellten ebenso wie die sozusagen Gleichgestellten. Er ist kein Oberer – es sei denn, im Sinn einer sozialen Pflicht – und niemandes Feind, ermangelnd auch jeden Killerinstinkts (es sei denn im Spiel, und auch da eher nur beim Tischtennis).

Solch freundschaftliche Zuwendungen erfahre ich jeweils als ein Geschenk: Hubert Burda schenkt mir sein Vertrauen. Viele Beispiele könnte ich dazu erzählen. Aber sie gehören nicht hierher – werden, so Allah will, nachzulesen sein in einer anderen Version der Kartause von Parma, voraussichtliches Erscheinungsdatum März 2019, oder wann… Hier erzählt sei nur eines, so geschehen eben erst, am gestrigen Tag, dem 30. Januar 2010, am Telefon. Hubert, gerade zurück von »seinem« Tegernsee oder von einem Weltpolitiker- und Ökonomen-Treffen, oder was, in Davos, oder wo, hatte gerade wieder angesetzt, mich… (siehe oben, zweiter Absatz), als seine Stimme unversehens umsprang und ins Erzählen geriet, grundiert von Staunen und Verwunderung, einer durch und durch herzlichen: »Kennst du Ottobeuren? Was für eine schöne Kirche, und ganz leer. Auf der Rückfahrt bin ich dort eingekehrt, und stell dir vor: das Wasser im Weihwasserbecken war zugefroren! Wie ich mit den Fingern da hineingreife, um mich zu bekreuzigen, stoße ich auf hartes Eis! Was für ein Gefühl. Unglaublich!«

Leicht abgeschmackt die stehende Wendung, mit der ich ab und zu Hubert Burda den Leuten vorstelle: »H. B., mein reicher Freund.« Hier aber ist vielleicht der Ort, der Wendung eine andere Wendung zu geben: Hubert Burda, ein andersreicher Freund, ein wirklichwahrreicher.

Als Geburtstagsgruß ein kleiner Absatz. Eigenhändig übersetzt, aus dem gewaltigzarten Buch, das ich gerade lese, The Journals of John Cheever:

»Die Luft im Tal erscheint rauchig. Im Südwesten ein doppelter Donnerschlag. Ich merke: Käme kein Regen, bräche der Sturm nicht aus, wäre ich bitter enttäuscht. Dann kurvt der Sturm nach Osten und stößt endlich ins Tal. Kaum fällt der Regen, duftet die Luft. Ben schneidet ein Papierflugzeug aus für seinen kleinen Bruder. Der alte Hund weicht nicht von mir.«

 
Leser-Kommentare
  1. das war schon der kommentar. anderswirklichwahr.

    • pbosch
    • 10.02.2010 um 1:01 Uhr

    Ich weiß nicht was ein solche Kommentar auslösen mag oder soll.

    Neid, Missgunst, Frustration oder schlicht Dummheit?

    Ich habe Burdas Eltern - Franz und Aenne - verfolgt - als Vorbilder eigentlich in der Zeit des Wirtschaftswunders. Schließlich dann seinen, Huberts, Lauf.

    Hab ihn immer nur wahrgenommen, dass er da ist - nie jedoch mit Minuszeilen in der Presse. Hab ihn gestern bei Beckmann erlebt als heiteren, sehr aufgeräumten Menschen in der Runde mit Maria Furtwängler, seiner Frau und mit Karl Lagerfeld (locker wie selten) und dem Oberkletterer aus Südtirol, auf den ich in Talkshows gerne verzichte.

    Beckmann - im Rahmen seiner Möglichkeiten ganz gut und Burda wohltuend souverän. Mit Kaiser und Hofberichtserstattung war da nichts.

    Also - genial der Ansatz, die Kritik auf einen Begriff reduzieren zu wollen. Allerdings in diesem Falle - Thema verfehlt - stzen 6.

  2. Seit mehr als 10 Jahren befasse ich mich als Hobby-Historiker mit dem Judenretter Oskar Schindler. Als Dr. Burda den Leo-Baeck-Preis 2006 bekam, schrieb ich ihm als Eigentümer der Reise-Plattform www.holidaycheck.de, denn ich hatte dort einen Reisetipp "Oskar-Schindler-Führung in Hildesheim" veröffentlicht. So entstand eine sehr produktive Zusammenarbeit mit holidaycheck (ca. 3000 Punkte, Rang 7, Nutzername: klmmetzger).

    Herzliche Grüsse

    Klaus Metzger
    HILDESHEIM
    www.twitter.com/klmmetzger

  3. als er in der Prinzen Wohnung in Berlin hauste, getätschelt wird das Genie von vielen Obrigkeiten, Milosevic, Karadic, die Österreichischen, usw. und jetzt von einem Media Fürst;
    fabriziert trotz oder sogar wegen der Sucht wirklich schöne Sachen, an denen es selten was zu schelten gibt. In dem Fall Burda wird anstatt von Leibeigenen abgewonnener Profit,
    der von den Blöden die die Bunte kaufen einmal im Jahr in Geld für auszeichnungswerte Literatur konvertiert, der gut gewaschene Hermann Lenz Preis. Es lässt sich auch bemerken dass Handke es dem Herr Burda erlaubt, wie sonst niemandem, ihn zu nerven - in dem idyllischen Del Gredos: wie eine Szene aus "Die Unvernünftigen Sterben aus" - denkste, sind's gar nicht. Tun nur so, die Schlauen. Der folgende Link führt zu vielen Handke Sachen auf dem w.w.w.

    http://www.handke.scriptm...

    http://www.handke-nobel.s...

    MICHAEL ROLOFF
    http://www.facebook.com/m...

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