Buchheim Museum Ab und an ein weißer ElefantSeite 2/2
Genau darin liegt der Reiz der anregenden Sammlung: Der sture Buchheim hat ernst gemacht mit der vielbeschworenen Verwischung von Hohem und Niederem, den all- und wechselseitigen Einflüssen. Was die modernen Meister an Trivialem und Exotischem malten, das gibt es hier vom Fetisch bis zum Karusselltier in echt. Man bemerkt die Ähnlichkeit bayerischer Glasbilder und balinesischer Malerei und die verblüffenden biografischen Parallelen des Avantgardisten Christian Rohlfs und des naiven Bauernmalers Max Raffler.
Buchheims künstlerische »Wiesenpfade« führen sozusagen aus dem alten Park über Kirchners Landschaften hinein in die Kristallgärten Hunderter Briefbeschwerer – und noch viel, viel weiter. Buchheim, der Piratenkapitän der deutschen Kunst, beschwört zwischen Glaskugeln und liebenswertem Halbkitsch den Quellgrund nicht nur jener Kunst, die in seiner Jugend als »entartet« galt. Sein Museum macht den ewigen Austausch der Formen, Farben, Bilder fern aller buchgelehrten Kunstgeschichte erfahrbar, kunterbunt, spielerisch, der reinen Lust des Sehens hingegeben.
- Datum 07.02.2010 - 22:11 Uhr
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- Serie ZEIT-Museumsführer
- Quelle DIE ZEIT, 04.02.2010 Nr. 06
- Kommentare 3
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kommen nach meiner Erinnerung auch etliche Quadratmeter Wandfarbe, die von Buchheims eigenen Werken daran gehindert werden, beizeiten und in Ehren zu vergilben. Der kleine Museumsführer hier verzichtet milde, davon Notiz zu nehmen. Ich denke aber, es wäre fair, den neugierigen Lesern auch darauf vorzubereiten. Manch einer mag über einen empfindlichen Magen verfügen und es nicht problemlos verkraften, unvorbereitet auf die teils naive, teils nassforsche Kriegsromantik eines halbwegs talentierten Marineoffiziers zu stoßen. Nun, nicht alles von ihm ist von dieser Sorte. Es gibt auch etliche Stücke, an denen man entspannt vorbeilaufen kann. Und das sind seine besten.
@Hokan
Sie haben vollkommen recht. Auch mir ist hier bei einem Besuch vor einiger Zeit Verschiedenes "auf den Magen geschlagen". Ich werde dieses Museum kein zweites Mal besuchen. Es kann nicht Sinn einer Ausstellung sein, dass man Scheuklappen dabei haben muss, um sich des aufdringlichen Herrn Buchheims zu erwehren.
@Hokan
Sie haben vollkommen recht. Auch mir ist hier bei einem Besuch vor einiger Zeit Verschiedenes "auf den Magen geschlagen". Ich werde dieses Museum kein zweites Mal besuchen. Es kann nicht Sinn einer Ausstellung sein, dass man Scheuklappen dabei haben muss, um sich des aufdringlichen Herrn Buchheims zu erwehren.
Lothar-Günther Buchheim war ein schwieriger Mensch. Das ist nun nicht das Schlechteste, was man einem Menschen nachrufen kann! In einer Zeit der Austauschbarkeit. In einer Zeit, in der viele Menschen gezwungen werden, sich mit dem Aldiismus zu befassen. In einer Zeit der Niedriglöhne, die keinen Mindestlohn kennt. In einer Zeit, in der Siebzehnjährige Bücher schreiben, die zum Teil wohl eher abgeschrieben sind.
Buchheim war umstritten. Buchheim war streitbar. Aber er war immer authentisch! Und so hat er "sein" Museum auch gebaut. Den Eingang für laue Kompromisse hat er einfach weggelassen! Sicher hat er sich (heimlich?) Rat von Museumsdirektoren und Kuratoren geholt. Aber ich bin nicht sicher, inwieweit er auch auf sie gehört hat.
Denn Zuhören - das war nun nicht seine Sache. Selbst reden! Vortragen! Anklagen! Deutlich machen! Das lag ihm Zeit seines Lebens im Blute. Er brauchte keine Überziehungskredite. Er überzog einfach! Manchmal maßlos. Aber immer mit Überzeugung.
Sein Museum kann man durchaus als einen Steckbrief seiner Überzeugungen betrachten. Kitsch neben Kunst. Und Namen neben Vorlieben. Hier, in diesem Haus riecht es nach Buchheim. Hier hängen seine Stärken, aber auch seine Schwächen.
Drücken auch wir - beim Durchschreiten der Räume - das eine oder andere Mal einfach ein Auge zu!
@Hokan
Sie haben vollkommen recht. Auch mir ist hier bei einem Besuch vor einiger Zeit Verschiedenes "auf den Magen geschlagen". Ich werde dieses Museum kein zweites Mal besuchen. Es kann nicht Sinn einer Ausstellung sein, dass man Scheuklappen dabei haben muss, um sich des aufdringlichen Herrn Buchheims zu erwehren.
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