Amerikanische Raumfahrt Taxi ins All

Die Nasa privatisiert die bemannte Raumfahrt.

Erster und letzter Schritt des Constellation-Programms der US-Weltraumbehörde Nasa: Am 28. Oktober 2009 hob die Ares I-Rakete in Cape Canaveral ab. Astronauten wird sie wohl nie ins All transportieren

Erster und letzter Schritt des Constellation-Programms der US-Weltraumbehörde Nasa: Am 28. Oktober 2009 hob die Ares I-Rakete in Cape Canaveral ab. Astronauten wird sie wohl nie ins All transportieren

Der letzte Flug eines Spaceshuttles ist für September geplant, danach werden Nasa-Astronauten nur noch mit fremden Raketen ins All starten können. Das von George W. Bush angeordnete Constellation-Programm zur Entwicklung einer neuen Rakete und Raumkapsel für den bemannten Flug zur Internationalen Raumstation (ISS) und dann weiter zu Mond und Mars wird ersatzlos gestrichen. Neun Milliarden Dollar sind bereits dafür ausgegeben worden. Die Kündigung aller Verträge kostet noch einmal 2,5 Milliarden.

Privatisieren und Sparen lauten die neuen Ziele der amerikanischen Weltraumpolitik. »Der bisherige Weg hätte uns nicht zum Mond zurückgebracht«, stellte Nasa-Chef Charlie Bolden bei der Vorstellung seines Etats für 2011 fest. Statt einer eigenen Rakete sollen die Nasa-Ingenieure in den nächsten Jahren neue, sparsame und schnellere Antriebstechnologien entwickeln, mit denen ein Flug zum Mars nur Wochen statt eines knappen Jahres dauert. Neben Mond und Mars peilt Bolden auch erdnahe Asteroiden oder einen Marsmond als Ziel bemannter Missionen an. Wegen ihrer geringen Schwerkraft würde die Rückkehr zur Erde wesentlich weniger Treibstoff benötigen.

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Den Astronautentransport in den Erdorbit und zur ISS sollen Privatfirmen übernehmen. Mit sechs Milliarden Dollar will die Nasa deren Entwicklungskosten in den nächsten fünf Jahren unterstützen – und nur noch darauf achten, dass den Privaten dabei keine schwerwiegenden Fehler unterlaufen. »Die privaten Raumfahrzeuge werden sicher sein. Dafür gebe ich Ihnen mein Wort«, versichert Bolden, der selbst viermal mit einem Shuttle im All war.

»Das ist so, als hätte Charles Lindbergh schon 1920 – vor seinem ersten Transatlantikflug – versucht, Jumbos an Pan Am zu verkaufen«, lästerte Boldens Vorgänger Michael Griffin gegenüber der Washington Post. Tatsächlich hat es weltweit erst ein einziges von einer privaten Firma entwickeltes Raumfahrzeug in die Erdumlaufbahn geschafft. Im September 2008 setzte die von PayPal-Gründer Elon Musk finanzierte Minirakete Falcon I nach drei Fehlstarts eine Satellitenattrappe im Erdorbit ab. Ein weiterer erfolgreicher Start folgte im vergangenen Juli. In diesem Jahr will Musk seine wesentlich stärkere Falcon IX testen. Bereits im Dezember 2008 hatte die Nasa zwölf Flüge dieser Rakete für den Materialtransport zur ISS bestellt – für 1,6 Milliarden Dollar. Damit ist der Privattransport ins All nicht billiger als mit langjährig erprobten russischen oder europäischen Raketen.

Über den Erdorbit hinaus plant die Nasa keine nationalen Alleingänge mehr. »Wenn wir auf den Mond zurückkehren, dann nur mit wirklich neuer Technik und internationalen Partnern«, versprach Boldens Stellvertreterin Lori Garver bei der Etat-Vorstellung. Ob sie mit »Partnern« auch die chinesische Raumfahrtagentur meint, die derzeit als einzige ernsthaft einen bemannten Mondflug plant, ließ Garver offen.

Die französische Raumfahrtagentur hatte im vergangenen Jahr in einer Studie gezeigt, wie eine modifizierte europäische Ariane-Rakete amerikanische Raumkapseln ins All bringen könnte. Die Machbarkeit ist weniger eine technische Frage als eine sicherheitspolitische. Bisher sind solche Gedankenspiele an den strengen amerikanischen Hightech-Exportbeschränkungen gescheitert.

 
Leser-Kommentare
  1. Besitzer: Putin.

    SCNR

  2. Ich weiss nicht, wie lange wir uns noch gedulden muessen, bis ein Flug im All oder gar eine Reise zum Mond nicht aussergewoehnlicher ist, als es heute Interkontinentalfluege sind.
    Wahrscheinlich noch viele Jahrzehnte, aber ein wichtiger Zwischenschritt ist der Zeitpunkt, an dem mehrere unabhaengige private Unternehmen in der Lage sein werden, auf diesem Markt rentabel zu konkurrieren.
    Jede neue Technologie hat sich bis jetzt erst dann etablieren koennen, sobald ein profitabler Markteintritt moeglich war. Das ist das klassische Muster: Idee->Entwurf->Prototyp->Werbung->Befriedung von Nachfrage->Verbesserung durch Konkurrenz->Massenproduktion.

    Bei der Raumfahrt hat man mit Hilfe massiver Investitionen zwar schon vor 40 Jahren zum Mond fliegen koennen, aber dabei ging es vor allem um den technologischen Wettlauf mit der USDSSR. Dieser Anreiz ist weg. Der Einreiz, profitabel zu sein, kann dagegegegn nicht verschwinden. Bis man diese Schwelle erreicht hat, dauert es zwar auch noch viele Jahre, aber heute ist zumindest schon der Zeitpunkt in Reichweite, an dem weltweit eine Nachfrage nach Raumfahrtvehikeln existiert. Ich denke, der Einsatz der Falcon IX ist so etwas wie ein Wendepunkt, auch wenn erstmal nur grosse Regierungen zu den Kunden zaehlen werden. Wenn das ein Erfolg wird, werden schnell neue Unternehmen nachwachsen und ein Preiskampf beginnt, der irgendwann auch genug Privatkunden anlockt Raumfahrt in den Mainstream bringt.

    • Crest
    • 05.02.2010 um 19:11 Uhr

    an sich ist nichts Ungewöhnliches und etwas Selbstverständliches, wenn die Raumfahrt einmal den Verbreitungsgrad der Luftfahrt (mit der sie ja in einem Atemzug genannt wird) erreichen will.

    Mit einer technischen Aussage des Artikels habe ich noch ein Problem: die ca. zehnfache Verkürzung der Reisezeit zum Mars.

    Das bedeutet in erster Näherung eine zehnfach höhere Reisegeschwindigkeit. Ohne es im Detail durchgerechnet zu haben, bedeutet das zumindest für das Reisemodul damit die 100(!)-fache kinetische Energie (den Potenzialtopf der Sonne nicht mit eingerechnet).

    Ich will die Machbarkeit nicht ausschließen, aber da hätten einige präzisere Hintergrundinformationen den Artikel wirklich interessant gemacht.

    Herzlichst Crest

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    • PGMN
    • 06.02.2010 um 3:43 Uhr

    Ich hoffe, Sie vergeben mir meine Anmaßung, aber da erlaube ich mir, "in die Bresche zu springen".

    Die "Geschwindigkeit", wie in "Orbitalgeschwindigkeit" hat da mit der Reisezeit recht wenig zu tun. Vielmehr kommt es auf die Wahl der Flugbahn an. Wenn ich Beispielsweise auf einer Hohmannbahn (sehr beliebt, da energieeffizient) eine höhere Orbitalgeschw. habe, komme ich nicht da an, wo ich hin will. Wenn ich aber einen Antrieb habe, der kontinuierlich Schub liefert (Ionenantrieb o.Ä.), dann kann ich beispielsweise einfach redial Schub erzeugen und damit meine Reisezeit (unter Zuführung von wesentlich mehr Energie allerdings) auch drastisch verkürzen.

    • PGMN
    • 06.02.2010 um 3:43 Uhr

    Ich hoffe, Sie vergeben mir meine Anmaßung, aber da erlaube ich mir, "in die Bresche zu springen".

    Die "Geschwindigkeit", wie in "Orbitalgeschwindigkeit" hat da mit der Reisezeit recht wenig zu tun. Vielmehr kommt es auf die Wahl der Flugbahn an. Wenn ich Beispielsweise auf einer Hohmannbahn (sehr beliebt, da energieeffizient) eine höhere Orbitalgeschw. habe, komme ich nicht da an, wo ich hin will. Wenn ich aber einen Antrieb habe, der kontinuierlich Schub liefert (Ionenantrieb o.Ä.), dann kann ich beispielsweise einfach redial Schub erzeugen und damit meine Reisezeit (unter Zuführung von wesentlich mehr Energie allerdings) auch drastisch verkürzen.

  3. nett, die nachricht ist gut eine woche alt und hats nun wider erwarten doch noch auf die deutschen seiten geschafft.....

    • PGMN
    • 06.02.2010 um 3:37 Uhr

    Ich bezweifle ehrlich gesagt stark, dass man in den nächsten Jahren private Orbitalflüge sehen wird, da die Entwicklungskosten wohl durch die Privatwirtschaft nicht zu stemmen sein werden. Doch selbst wenn wird sich die Sache für die NASA nicht lohnen, da, und da lehne ich mich einfach mal aus dem Fenster und vermute, die Startkosten auf privaten Trägern ähnlich hoch, wenn nicht höher, sein werden wie bei Hauseigenen Transportern.

    • PGMN
    • 06.02.2010 um 3:43 Uhr
    6. @Crest

    Ich hoffe, Sie vergeben mir meine Anmaßung, aber da erlaube ich mir, "in die Bresche zu springen".

    Die "Geschwindigkeit", wie in "Orbitalgeschwindigkeit" hat da mit der Reisezeit recht wenig zu tun. Vielmehr kommt es auf die Wahl der Flugbahn an. Wenn ich Beispielsweise auf einer Hohmannbahn (sehr beliebt, da energieeffizient) eine höhere Orbitalgeschw. habe, komme ich nicht da an, wo ich hin will. Wenn ich aber einen Antrieb habe, der kontinuierlich Schub liefert (Ionenantrieb o.Ä.), dann kann ich beispielsweise einfach redial Schub erzeugen und damit meine Reisezeit (unter Zuführung von wesentlich mehr Energie allerdings) auch drastisch verkürzen.

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    • Crest
    • 07.02.2010 um 13:03 Uhr

    die Route kann kürzer gewählt werden. (Schön, wenn man aus der eigenen Betriebsblindheit hin und wieder herausgerissen wird. :-))

    Herzlichst Crest

    • Crest
    • 07.02.2010 um 13:03 Uhr

    die Route kann kürzer gewählt werden. (Schön, wenn man aus der eigenen Betriebsblindheit hin und wieder herausgerissen wird. :-))

    Herzlichst Crest

  4. Man kann die Privitasiertung der Raumfahrt nicht mit der rasanten Entwicklung der Luftfahrt vergleichen.
    Dafür gibt es mehrere Gründe:
    Ein massiver Entwicklungsschub für die Luft und Raumfahrttechnik waren die Kriegszustände des 20Jahrhunderts.
    Der zweite Weltkrieg hat diese Entwicklung im wahrsten Sinne "beflügelt", und auch die Entwicklung der V2.
    Der Kalte Krieg hat ein Wettlauf zum Mond in Gang gesetzt.

    Nur mit marktwirtschaftlicher Motivation wird sich keine private Raumfahrt entwickeln. Marktwirtschaft taugt für solche Entwicklungen nicht. Marktwirtschaft hat etwas mit "sicheren" Investitionen und Rendite zu tun. Da wagt niemand den ersten Schritt.
    Die teure Raumfahrt ist viel zu riskant und wird erst weiterentwickelt, wenn die Schmerzgrenze eines kriegerischen Konflikts erreicht ist. Vorher nicht!
    Das war historisch immer so, siehe auch ziviele Nutzung der Kernenergie bzw. Kernfusion.
    Wir brauchen, wie Guttenberg sagen würde, "Kriegsähnliche Zustände", sonst reißen sich die Leute nicht den Hintern auf. Sonst konsumieren die Leute weiterhin iPhones. Für solche Entwicklungen taugt Marktwirtschaft, für den Trash des Alltags. Für Kleinkram!

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    Die Sicherheit hat soeben die NASA gegeben, die 1.6 Milliarden Dollar an SpaceX zahlt.

    Ausserdem ist die Meinung, es wuerde NIEMALS zu marktwirtschaftlich motivierter Raumfahrt kommen, ohne dass ein kriegsaehnlicher Zustand entsteht, wirklich sehr engstirnig.

    Wenn Sie schon aus der Vergangenheit schliessen, sollten Sie auch bedenken, dass es fast nie in der Geschichte so einen so freien Markt gab wie heute. Auch nach dem kalten Krieg hat sich die Welt extrem schnell entwickelt.

    Die Sicherheit hat soeben die NASA gegeben, die 1.6 Milliarden Dollar an SpaceX zahlt.

    Ausserdem ist die Meinung, es wuerde NIEMALS zu marktwirtschaftlich motivierter Raumfahrt kommen, ohne dass ein kriegsaehnlicher Zustand entsteht, wirklich sehr engstirnig.

    Wenn Sie schon aus der Vergangenheit schliessen, sollten Sie auch bedenken, dass es fast nie in der Geschichte so einen so freien Markt gab wie heute. Auch nach dem kalten Krieg hat sich die Welt extrem schnell entwickelt.

  5. Ich meine natürlich "Privatisierung" statt "Privitasiertung".
    Gibt es eine Möglichkeit Schreibfehler zu korrigieren?

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