Bundeswehr Soldaten sollen denkenSeite 2/2
Hinzu kommt freilich noch eine vierte Beobachtung. Das Militär ist an dieser Entwicklung, deren Quittung es jetzt bekommt, keinesfalls unschuldig. Oft war die Selbstinstrumentalisierung mit dem Lippenbekenntnis zum »Primat der Politik« der bequemere Weg, als sich den Ungewissheiten eines Primats des Politischen auszusetzen. Die militärische Sozialisation prämiert immer noch das angepasste Verhalten, die Hierarchiezwänge einer Laufbahn- und Karriereelite sorgen für Leisetreterei und vorauseilenden Gehorsam. Also nichts lieber, als »Instrument« zu sein – dann ist man der Verantwortung ledig.
Die Sache wird dadurch nicht einfacher, dass die Medien mit an dem fragwürdigen Bild stricken. Ein stählerner Realismus macht sich breit, der normativ schon mal fünfe gerade sein lässt, wenn es darum geht, die »Wirklichkeit« des Krieges »ungeschminkt« in den Blick zu nehmen. So konnte man nach den Luftangriffen in Kundus im Spiegel lesen, es sei »eine Illusion, eine Nation könne in einer kriegerischen Welt sauber bleiben. Es ist Hybris anzunehmen, den Krieg nach eigenen Regeln führen zu können. Der Krieg regiert den Krieg, er vertilgt die Unschuld«. Wenn das so ist, brauchen wir tatsächlich nichts anderes als willige Werkzeuge eines sich selbst steuernden Gewaltprozesses, der weder Moral noch Norm zugänglich ist. Wo gehobelt wird, da fallen Späne – lautet dazu eine der einschlägigen Weisheiten.
Kurzum, der Ruf nach dem militärischen »Instrument« führt in die Sackgasse. Die Sicherheitspolitik verliert, worauf sie am dringendsten angewiesen ist – den Sachverstand, das Engagement und die Mitsprache eines politisch reflektierten Partners im Militär. Denn das größte Problem des politisch-militärischen Verhältnisses in den westlichen Demokratien besteht nach den Worten des britischen Militärhistorikers Hew Strachan nicht in einem militärischen Staatsstreich, sondern in der Unfähigkeit, eine kohärente sicherheitspolitische Strategie zu entwickeln und umzusetzen. Ein Instrument, wie stimmbegabt auch immer, wäre dazu nicht von Nutzen.
Klaus Naumann, 60, ist Historiker am Hamburger Institut für Sozialforschung
- Datum 05.02.2010 - 17:38 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.02.2010 Nr. 06
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Das dürfte der wahre Grund sein:
Bundeswehr und deutsche Öffentlichkeit sollen sukzessive an Kampfeinsätze und Kriege gewöhnt werden.
Natürlich ganz humanitär und ohne das Wort Krieg in den Mund zu nehmen.
Wenn dann mal einige Dutzend Zivilisten dran glauben müssen - Kollateralschäden sind eben nicht zu vermeiden.
Was kommt als nächstes ? Ein Nicht-Krieg gegen den Iran ?
Herr Liebermann (der ja auch den Irakkrieg superklasse fand), hat ja schon mal angedeutet, dass der Iran eigentlich angegriffen werden sollten.
Und Deutschland ?
Gehorcht und macht Männchen ?
Darum geht es.
...Fragen zur Diskussion vor, die bis vor Kurzem in wollige Worte vertuscht wurden. Das Thema ist allerdings breiter anzulagen, wenn wenn wir halbwegs effizient und ohne persönliche Gefahr über die Runden kommen wollen, wie folgender Satz ganz richtig impliziert:
"Ein stählerner Realismus macht sich breit, der normativ schon mal fünfe gerade sein lässt, wenn es darum geht, die »Wirklichkeit« des Krieges »ungeschminkt« in den Blick zu nehmen."
Die Instrumentarien der Gewalt sind für die individuelle Freiheit mit die gefährlichsten Werkzeuge, die der Bürger den Regierenden an die Hand geben muss. Wenn die Kontrollen gegen die Regierenden zu schwach sind, ist der Einzelne der Willkür ausgeliefert. Das war die Erfahrung der 1930er.
Auf anderem Gebiet bestätigt sich das Wollen der Regierenden, dass wie Sie sagen: " stählerner Realismus macht sich breit, der normativ schon mal fünfe gerade sein lässt". Wenn sie die Gesetze beim Einkauf gestohlenen Materials, den Bruch der sozialen Zusagen, einem Lex Flowers, der Änderung der parlamentschen Einsatzbedingungen durch Regierung usw einfach macht, obwohl die Rechtsstaatlichkeit aus Sicht der Beobachter längst verloren ist. Die dazu verwendeten Sprachkünste belegen, wie wenig Sicherheit der Bürger auch in Zukunft aus den gesetzlichen Formulierungen erwarten darf. Letztlich kann man alles kreativ rechtfertigen.
Das ist bedenklich, weil in der Republik das Rechtsstaats begleitende Kontrollinstrument der Checks und Balances kaum besteht.
...Fragen zur Diskussion vor, die bis vor Kurzem in wollige Worte vertuscht wurden. Das Thema ist allerdings breiter anzulagen, wenn wenn wir halbwegs effizient und ohne persönliche Gefahr über die Runden kommen wollen, wie folgender Satz ganz richtig impliziert:
"Ein stählerner Realismus macht sich breit, der normativ schon mal fünfe gerade sein lässt, wenn es darum geht, die »Wirklichkeit« des Krieges »ungeschminkt« in den Blick zu nehmen."
Die Instrumentarien der Gewalt sind für die individuelle Freiheit mit die gefährlichsten Werkzeuge, die der Bürger den Regierenden an die Hand geben muss. Wenn die Kontrollen gegen die Regierenden zu schwach sind, ist der Einzelne der Willkür ausgeliefert. Das war die Erfahrung der 1930er.
Auf anderem Gebiet bestätigt sich das Wollen der Regierenden, dass wie Sie sagen: " stählerner Realismus macht sich breit, der normativ schon mal fünfe gerade sein lässt". Wenn sie die Gesetze beim Einkauf gestohlenen Materials, den Bruch der sozialen Zusagen, einem Lex Flowers, der Änderung der parlamentschen Einsatzbedingungen durch Regierung usw einfach macht, obwohl die Rechtsstaatlichkeit aus Sicht der Beobachter längst verloren ist. Die dazu verwendeten Sprachkünste belegen, wie wenig Sicherheit der Bürger auch in Zukunft aus den gesetzlichen Formulierungen erwarten darf. Letztlich kann man alles kreativ rechtfertigen.
Das ist bedenklich, weil in der Republik das Rechtsstaats begleitende Kontrollinstrument der Checks und Balances kaum besteht.
Egal, welche Armee für welche Ziele kämpft:
Ein Soldat, der denkt, der ist schlimmer als jeder angestellte Zivilist gegenüber seinem Chef:
Wer denkt, der beginnt nämlich am Sinn seiner Tätigkeit zu zweifeln, vor allem dann, wenn der Vorgesetzte Befehle oder Weisungen gibt, die gegen alle logische Konsequenz gerichtet sind.
Mir klingt das noch heute in den Ohren:
"Genosse (Dienstgrad) .., DAS IST EIN BEFEHL!"
"Diesen Befehl haben Sie auszuführen!"
Ja, ja, ich führte dann diesen Befehl so aus, wie er erteilt wurde.
Oft genug ging die Sache dann schief - war mir eben egal - Befehl ist eben Befehl!
...und das ist kein Witz, denn das war nicht nur bei der NVA so - heute ebenda!
Wenn Soldaten richtig denken würden, dann könnten sie nicht in den Krieg ziehen, es sei denn sie würden dazu gezwungen oder ihr Land wäre gefährdet.
In der aktuellen Situation finde ich es einfach nur dumm in den Krieg zu ziehen des Geldes wegen...
Natürlich sollen Soldaten denken und sie tun es auch. Politiker, besonders eine Regierung, überwiegend aus Wehrdienstverweigeren der rot/grünen Koalition hätten es auch tun sollen, besonders als sie den Einsatz der BW in Afghanistan angeordnet haben: Die Freiheit Deutschlands wird am Hindukusch vetrteidigt, einen blöderen Satz eines Politikers habe ich schon lange nicht gehört.
Doofe Politiker, tote Soldaten, es wird Zeit nachzudenken.
hunterdog
Endlich spricht es mal einer ungeniert aus. Ichhalte das gesamte Soldatentum für unnütz. Kaum ein krieg, kaum ein einsatz in der jüngeren Menschehitsgeschichte war sinnvoll. Ich glaub Pazifismus ist garnicht mal so ne schlechte sache. Auch wenn es viel kritik an ihr gibt. jedenfalls sit diese Kriegstreiberei derzeit, ganz sicher falsch und wir, das deutsche Volk, sind dagegen. Zumindest die die keine Soldaten sind und denken ;)
In einer zilivisierten Gesellschaft sollten Gewaltexzesse (Krieg) nur in absoluten Notfällen akzeptabel sein, z.B. zur Verteidigung des eigenen Territoriums an den Landesgrenzen. Dann haben sie eine Legitimation, das Ziel ist klar definiert und wird vom Volk getragen.
Kriege aus geopoltisch taktischem Kalkül (z.B. zur Errichtung einer neuen Weltordnung wie sie den USA vorschwebt, zur vermeindlichen Sicherung von Resourcen, aus Hegemonialinteresen halte ich für inakzeptabel. Solche Konflikte lassen sich nicht rechtfertigen. Die unmittelbaren Konsequenzen und die langfristigen Folgen die sich aus derartigen kriegerischen Auseinandersetzungen ergeben sind nicht kalkulierbar.
...Fragen zur Diskussion vor, die bis vor Kurzem in wollige Worte vertuscht wurden. Das Thema ist allerdings breiter anzulagen, wenn wenn wir halbwegs effizient und ohne persönliche Gefahr über die Runden kommen wollen, wie folgender Satz ganz richtig impliziert:
"Ein stählerner Realismus macht sich breit, der normativ schon mal fünfe gerade sein lässt, wenn es darum geht, die »Wirklichkeit« des Krieges »ungeschminkt« in den Blick zu nehmen."
Die Instrumentarien der Gewalt sind für die individuelle Freiheit mit die gefährlichsten Werkzeuge, die der Bürger den Regierenden an die Hand geben muss. Wenn die Kontrollen gegen die Regierenden zu schwach sind, ist der Einzelne der Willkür ausgeliefert. Das war die Erfahrung der 1930er.
Auf anderem Gebiet bestätigt sich das Wollen der Regierenden, dass wie Sie sagen: " stählerner Realismus macht sich breit, der normativ schon mal fünfe gerade sein lässt". Wenn sie die Gesetze beim Einkauf gestohlenen Materials, den Bruch der sozialen Zusagen, einem Lex Flowers, der Änderung der parlamentschen Einsatzbedingungen durch Regierung usw einfach macht, obwohl die Rechtsstaatlichkeit aus Sicht der Beobachter längst verloren ist. Die dazu verwendeten Sprachkünste belegen, wie wenig Sicherheit der Bürger auch in Zukunft aus den gesetzlichen Formulierungen erwarten darf. Letztlich kann man alles kreativ rechtfertigen.
Das ist bedenklich, weil in der Republik das Rechtsstaats begleitende Kontrollinstrument der Checks und Balances kaum besteht.
...aber ja, da haben Sie Recht.
Wir haben in der Politik einen generellen Trend, "fünfe gerade sein zu lassen".
Und egal, ob innen- oder aussenpolitisch angewandt, es wird uns, den Bürgern zum Nachteil sein.
...aber ja, da haben Sie Recht.
Wir haben in der Politik einen generellen Trend, "fünfe gerade sein zu lassen".
Und egal, ob innen- oder aussenpolitisch angewandt, es wird uns, den Bürgern zum Nachteil sein.
...aber ja, da haben Sie Recht.
Wir haben in der Politik einen generellen Trend, "fünfe gerade sein zu lassen".
Und egal, ob innen- oder aussenpolitisch angewandt, es wird uns, den Bürgern zum Nachteil sein.
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