Stilkolumne Immer stark und geschmeidig

Wenn es um Leder geht, wurde immer die Vergangenheit beschworen, manchmal gar die Steinzeit. Die neuen Ledermäntel und -kostüme erzählen hingegen von der Zukunft, findet Tillmann Prüfer

Leder machte aus Frauen einst Raubkatzen, jetzt erzählt es von der Zukunft. Kleid von Malene Birger

Leder machte aus Frauen einst Raubkatzen, jetzt erzählt es von der Zukunft. Kleid von Malene Birger

Immer wieder war von der Rückkehr des Leders die Rede – mal als nietenbesetzte Lederjacke im Stil der achtziger Jahre, mal als Rocker-Utensil der Sechziger. Aber immer war eines gleich: Wo Leder aufkam, da wurde es hart. Oder erotisch. Oder beides. Immer waren es archaische Empfindungen, die sich in Leder hüllten. Der wilde Mann zieht einem wilden Tier die Haut vom Leib und stülpt sie sich selbst über. Mindestens überträgt man damit ihre Schutzeigenschaft auf sich – vielleicht aber auch die Stärke des Tieres. Wenn Frauen Leder trugen, ging es ebenfalls darum, sich stärker zu machen oder gefährlicher. Hohe Lederstiefel, enge Lederröcke: Stets sollte die Trägerin sich damit ein paar Raubkatzeneigenschaften aneignen. Wo Leder auftauchte, aktualisierte sich Vergangenheit. Es wurden Dekaden des letzten Jahrhunderts beschworen, die im Gedächtnis blieben – oder gar die Steinzeit.

Nun gibt es Leder, das von der Zukunft erzählt. Leder kann nämlich nicht nur hart und störrisch sein, sondern auch geschmeidig, luxuriös und elegant. Yves Saint Laurent etwa präsentierte bei den letzten Schauen in Paris Mäntel, knallenge Korsagenbodys und weite Latzhosen aus schwarzem Nappaleder. Prada zeigte in Mailand Kostüme aus butterweichem braunem Kalbsleder und schneidert sogar T-Shirts daraus. Moderne Verarbeitungsmethoden erlauben es, Leder ganz neu zu tragen. Allerdings muss man auch neu lernen, sich darin zu kleiden.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

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So zeichnet sich der Leder-Look von heute durch Urbanität aus. Es verbietet sich, ihn sportlich zu tragen, alles, was an eine Biker-Jacke erinnert, muss im Kleiderschrank bleiben. Wer Röcke und Kleider aus Leder anzieht, sollte das Outfit nicht überladen. Leder hat eine starke Ausstrahlung. Für die Frau genügt zusätzlich ein einziges Detail wie roter Lippenstift oder ein Schmuckstück. Männer sollten ganz auf Zierrat verzichten.

Auf gar keinen Fall sollte man versuchen, in Leder besonders sexy zu wirken. Die Sachen müssen gut geschnitten sein. Für Frauen sind tiefe Ausschnitte und Micro-Minis in Leder untragbar. Männer sollten es tunlichst vermeiden, ihre körperlichen Vorzüge auszustellen. Denn obzwar die Kleidung aus der Zukunft kommt, kann ihr Träger darin trotzdem aussehen wie ein Steinzeitmensch.

 
Leser-Kommentare
    • Acrux
    • 08.02.2010 um 18:29 Uhr

    "was an eine Biker-Jacke erinnert, muss im Kleiderschrank bleiben" Wer sich einer Subkultur nicht angehoerig fuehlt, sondern sie lediglich zitieren, bzw. sich von anderen Aussenstehenden ihre Eigenschaften zuschreiben lassen moechte, sollte die Ikonen jener Subkultur wirklich besser haengenlassen. Der legendaere Harleyfahrende "Zahnwalt" ist nicht umsonst ein vielbespottetes Geschoepf.

  1. Lederjacken die nicht zum Fliegen oder Motorradfahren gemacht werden sind einfach nur Verschwendung.

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