Stimmt's? Keinen kühlen Kopf bewahren
"Gibt der Körper den größten Teil der Wärme über den Kopf ab?", fragt Bruno Schneider aus Kreuzlingen (Schweiz).
Im Winter hört man es häufig von Eltern: »Kind, zieh dir eine Mütze an, der Mensch verliert die meiste Wärme über den Kopf!« Und ein Feldhandbuch der US-Armee spricht tatsächlich davon, dass ein Mensch »40 bis 45 Prozent« seiner Abwärme auf diesem Wege verliere.
Vor Jahrzehnten steckte man versuchsweise Soldaten in arktisgeeignete Survival-Anzüge und setzte sie dann ohne Kopfbedeckung polaren Temperaturen aus. Tatsächlich strahlten die Probanden Wärme vor allem über den Kopf ab. Kein Wunder – wenn man den Rest des Körpers isoliert, stehen ja auch keine anderen Wege offen.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild
Aber strahlt der Kopf auch dann mehr Wärme ab als andere Körperpartien mit ähnlich großer Oberfläche, wenn diese entblößt sind? Daniel Sessler, ein Unterkühlungsexperte von der University of Louisville, antwortet mit einem klaren Nein. Würde man denselben Versuch mit Probanden in Badehose durchführen, dann hätte der Kopf nur einen Abstrahlungsanteil von zehn Prozent.
Allerdings sitzen in der Kopfhaut und im Gesicht relativ viele Nervenenden – wir merken daher besonders schnell, wenn es dort kalt wird, und ebenso spüren wir die wärmende Wirkung einer Mütze besonders gut.
- Datum 04.02.2010 - 10:44 Uhr
- Serie Stimmt's
- Quelle DIE ZEIT, 04.02.2010 Nr. 06
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Nun würde ich ja nicht in der Badehose herum laufem, wenn ich Wäremeverlust befürchtete. Das tue ich nur, wenn ich ihn will.
Louis Trenker soll den Rat gegeben haben: "Wenn Du an die Hände und Füße frierst, setz' einen Hut auf." Und es funktioniert, wenn die Umgebungstemperatur wesentlich niedriger ist als meine Körpertemperatur.
Das Problem ist nämlich dass der unser Körper die Temperatur der wichtigen Organe (Herz, Lunge, Leber, Gehirn) konstant halten will, und bei Gefahr der Auskühlung die "unwichtigen" Körperteile von der Durchblutung abschaltet, zuerst die Hände und Füße.
Den Wärmeverlust über die Körperoberfläche können wir durch einen Wintermantel verringern. Dann verlieren wir - wie im Artikel erwähnt - 40 % der Wärme über den Kopf. Hier sitzt ein besonders wichtiges Organ, das noch dazu einen sehr engene Temperaturbereich tolleriert: das Gehirn. Wenn das friert, werden eben Hände und Füße "abgeschaltet", und wir frieren dort. Da helfen keine gefütterten Winterstiefel, nur eine warme Mütze.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren