Toyota-Rückruf Zu viel Gas

Toyotas Pedal-Panne zeigt beispielhaft die Risiken globaler Expansion in der Automobilindustrie

Sein Raumkonzept wurde hoch gelobt. Doch auch der Lifestyle-Mini Toyota iQ ist vom Rückruf betroffen

Sein Raumkonzept wurde hoch gelobt. Doch auch der Lifestyle-Mini Toyota iQ ist vom Rückruf betroffen

Sofort das Kupplungspedal betätigen und den Schalthebel in den Leerlauf legen. Dann das Fahrzeug kontrolliert abbremsen und auf den Seitenstreifen rollen. »Anschließend stellen Sie den Motor ab.« So sollen Toyota-Fahrer reagieren, wenn ihr Fahrzeug unverhofft weiterbeschleunigt, obwohl sie den Fuß vom Gas genommen haben. Den Rat können sich besorgte Fahrer der Modelle Aygo, IQ, Yaris, Auris, Corolla, Verso, Avensis und RAV4 bestimmter Bauzeiten seit vergangener Woche auf der Homepage von Toyota Motor Deutschland abrufen.

Obwohl der Fall eines schwergängigen Gaspedals laut Toyota Motor Deutschland »selten« und ein Festklemmen nur »vereinzelt« auftrete, wollen die Japaner europaweit sicherheitshalber 1,8 Millionen Autos zurückrufen, allein in Deutschland dürften in den kommenden zwei Wochen mindestens 200.000 Toyota-Besitzer einen Brief vom Kraftfahrtbundesamt bekommen, der sie zum Werkstattbesuch auffordert.

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Eine »ziemlich dumme Geschichte« sei das, sagt ein gestresster Toyota-Manager in Köln, wo man sich hektisch um Schadensbegrenzung bemüht. Die Toyota-Leute beteuern, dass hierzulande noch kein einziges klemmendes Gaspedal, geschweige denn ein dadurch verursachter Unfall bekannt sei. Doch der deutsche Markt dürfte für den Branchenprimus noch das geringste Problem sein.

Addiert man alle Rückrufe des Herstellers, die seit November vergangenen Jahres in den großen Märkten herausgingen, so kommt man auf die gigantische Zahl von mehr als neun Millionen Fahrzeugen, ungefähr so viele, wie Toyota in seinem bislang besten Verkaufsjahr 2007 weltweit absetzen konnte.

Die massiven Rückrufaktionen seien »ein Totalschaden« für die ehrgeizige Expansionsstrategie der Japaner im vergangenen Jahrzehnt, analysiert Ralf Kalmbach, oberster Autoexperte der Unternehmensberatung Roland Berger, »das wirft den Konzern um Jahre zurück«.

Um zum weltgrößten Autohersteller aufzusteigen, hatten die Japaner ein wahres Höllentempo vorgelegt: Lag die weltweite Toyota-Produktion 2001 mit gut fünf Millionen Fahrzeugen noch gleichauf mit der des VW-Konzerns, so hatten die Strategen aus Toyota-City die Wolfsburger bis zum Jahr 2007 um gut drei Millionen Autos abgehängt und den US-Konzern General Motors als größten Autohersteller überholt. Doch das Expansionstempo, bei dem jedes Jahr irgendwo auf der Welt zwei bis drei komplette Autofabriken hochgezogen wurden, hat das bis dahin in der Branche als vorbildlich gepriesene und oft kopierte Toyota-System, höchste Effizienz mit Qualität zu verbinden, offenbar überstrapaziert. Zu den eng verbundenen japanischen Zulieferern kamen viele neue hinzu. Diese und die neuen Mitarbeiter mussten das Toyota-Qualitätssystem erst lernen.

Leser-Kommentare
    • ankman
    • 04.02.2010 um 22:29 Uhr

    Auch wenn das nicht gut aus sieht für Toyota, und wohl auch nun dadurch bestraft wird, dass man einen Einbruch im Absatz hat...

    Ich habe beim größten europäischen Fahrzeughersteller (ohne Namen nennen zu wollen ;-) gearbeitet, und auch ein KFZ gehabt. Das war das PS-stärkste Modell, entsprechend wenig wurden hergestellt.

    Doch hatte der die Macke, dass die Elektronik das Gas unkontrolliert hin und wieder hoch regelte. Die Werkstatt sah sich trotz mehrerer Versuche nicht in der Lage, das zu beheben.

    Ich hatte Kontakt zu jemandem aus der Abteilung, der für die "Blackbox", die das Problem machte, arbeitete. Er sagte, das sei denen bekannt. Aber zu teuer zu beheben "Wird schon gut gehen". Soll eh selten auftreten...

    In einer anderen Abteilung war der, der für die Qualität zuständig war, ständig betrunken dass er nicht merkte, dass Schweisspunkte für die Gurte des Beifahrers nicht halten würden. Betroffen 1800 KFZ, bis man es bemerkte.

    In keinem Fall wurde eine Rückruf Aktion gestartet. Und auch sonst gibt es das bei diesem Hersteller selten. Auch andere Hersteller fallen selten auf. Wird es überall mit "Es wird schon gut gehen" gehandhabt?

    Nun ist Toyota so ehrlich, und macht diese Rückruf Aktionen. Und wird prompt bestraft durch sinkende Verkäufe. Doch gerade weil Toyota ehrlich ist [im Gegensatz zu vielen anderen?], sollte das eher belohnt werden. Zeigt auch der TUEV Report bei denen am wenigsten Mängel. Aber Ehrlichkeit wird wohl bestraft.

  1. gedacht, das wäre wieder so ´ne axion der amis zur reduxion der impala...äh... importquote von yotodas. wie damals, als audi accused wurde, daß die automatickutschen von alleine
    losfahrn.
    @#1 hihi, da könn sie ja bei der nächsten policecontrol
    bezueglich der hauptunfall..blabla... sagen, das war ich nich, das war mein auto...huahh...es ist böse..es hat einen eigenwillen...
    der gutachter wird es bestätigen, nachdem er die blackbox geöffnet hat und sie sind fein raus. also immer volles brett-
    und wenn es bluezt, warn sies nicht gewesen, cool =:))

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Talor
    • 09.02.2010 um 22:10 Uhr

    Das funktioniert wohl kaum, schließlich kann man sich nicht auf Handlungsunfähigkeit rausreden.

    • Talor
    • 09.02.2010 um 22:10 Uhr

    Das funktioniert wohl kaum, schließlich kann man sich nicht auf Handlungsunfähigkeit rausreden.

    • Talor
    • 09.02.2010 um 22:10 Uhr

    Das funktioniert wohl kaum, schließlich kann man sich nicht auf Handlungsunfähigkeit rausreden.

    Antwort auf "ich hatte erst"
    • delsa
    • 13.02.2010 um 16:49 Uhr

    Ich frage mich oft, wie besonders die Japaner u. Koreaner
    in so kurzen Zyklen neue Autos anbieten !? Kaum ein Auto
    vorgestellt , ist es schon auf dem Markt ! Wann erproben
    und testen sie ? Alles im Labor kann nicht funktionieren !
    Man muß wie die deutschen Hersteller ,die Autos Tausende von
    km in der Wüste und in der Kälte testen und proben !
    Nun haben sie die Schererei !

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