Präsidentschaftswahl in der Ukraine Comeback des Sowjet-Stars

Er hat Wahlen gefälscht, nun will Wiktor Janukowitsch die Macht in der Ukraine – notfalls auf ehrliche Art

Wiktor Janukowitsch (links oben auf dem Plakat) will Präsident der Ukraine werden. Eine seiner größten Aufgaben würde dann die Bekämpfung der Armut werden

Wiktor Janukowitsch (links oben auf dem Plakat) will Präsident der Ukraine werden. Eine seiner größten Aufgaben würde dann die Bekämpfung der Armut werden

Er galt als Vasall Wladimir Putins, als Wahlfälscher, als abgeschrieben. Die Orange Revolution brachte Wiktor Janukowitsch um das sicher geglaubte Präsidentenamt. Laut Kiewer Legenden durfte ihn dafür sein Ziehvater, der damalige Präsident Leonid Kutschma, ungestraft ohrfeigen. Janukowitsch war öffentlich gedemütigt, politisch tot. Nun ist er wieder da.

Am Sonntag könnte er die Präsidentschaftswahlen gegen die Premierministerin Julija Timoschenko gewinnen. Was vor vier Jahren nicht mit Betrug gelang, könnte ihm jetzt mit ehrlichen Mitteln glücken.

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Seit seiner Niederlage verfolgt Janukowitsch ein Ziel: Revanche. Er fühlt sich noch immer als Opfer der Orangenen Revolution, er will als Politiker rehabilitiert werden. Dafür hat er viel getan und von seinen Gegnern gelernt: Er, der sowjetisch geprägte Politiker, hat sich mit den Mitteln moderner Politik neu erfunden.

Der Bürgerschreck aus dem Stahl- und Kohlerevier im Osten mit den kräftigen Arbeiterhänden hat sich in einen Staatsmann im Brioni-Anzug verwandelt. Seit ihn amerikanische Polittechnologen beraten, tritt er in der Öffentlichkeit mit einem strahlenden Hollywood-Lächeln und offenen Armen als Geste auf – früher bevorzugte er eher das Geschachere im Hinterzimmer mit sauren Gürkchen zum Wodka. Statt in belehrenden Monologen spricht er nur noch in kurzen Sätzen. Er, der Russischsprachige, hat sogar so gut Ukrainisch gelernt, dass sein einstiger Rivale, der scheidende Präsident Wiktor Juschtschenko, im privaten Gespräch Respekt bekundet. Jetzt lernt der 59-Jährige Englisch. »Take a seat, please«, fordert er seine ausländischen Gäste auf.

Er hat viel gelernt, und seine demokratischen Losungen scheinen nicht nur angelernt. Zweimal immerhin akzeptierte Janukowitsch seine Niederlage bei den Parlamentswahlen und begnügte sich damit, die Opposition anzuführen. Aber im Kern bleibt er autoritär – wie seine jetzige Gegnerin Julija Timoschenko. Als die beiden im Juni vergangenen Jahres über eine Parlamentskoalition verhandelten, stimmten sie in fast allen Punkten überein, auch darin, die Pressefreiheit einzuschränken. Der Pakt scheiterte daran, dass Janukowitsch Timoschenko nicht traute. Für ihn kämen Frauen in der Ukraine für Führungspositionen nicht infrage, sagte er kürzlich. Und Timoschenko hat er mit ihren Launen öffentlich in die Küche verwünscht.

Seine Wähler lieben ihn dafür. Janukowitsch stammt aus einer armen Familie im sowjetisch geprägten Osten, dem Donezker Gebiet. Er hat seine Herkunft zur Marke gemacht. Seine westliche Runderneuerung und sein leises Abrücken von der früheren Forderung, Russisch neben Ukrainisch zur zwei-ten Staatssprache zu machen, stört sie kaum. Für die Menschen im Osten und Süden bleibt er einer von ihnen: ein Fußballfanatiker der Orange-Schwarzen von Schachtjor Donezk, ein Taubenzüchter, ein Angler und Jäger, ein Draufgänger am Steuer. Sie jubeln ihm zu als Mythos einer besseren Vergangenheit, in die es einen wie ihn kaum mehr zurückzieht. Denn er hat es geschafft. Er ist fast ganz oben.

Es ist ein kalter Januartag, sogar auf der Krim liegt Schnee. Janukowitsch hat seinen Wahlkampfauftritt in Simferopol. Er gleicht einem Heimspiel ohne Gegner, 61 Prozent der Stimmen hat er auf der Krim im ersten Wahlgang erhalten. In Simferopol steht er im kahlen Saal einer Baufirma, die neunstöckige Appartementburgen an die Schwarzmeerküste setzt. Er redet mit Unternehmern und verspricht viel: Rentenausgleich für Ex-Offiziere, einen erhöhten Mindestlohn. Die Ukraine steht vor dem Bankrott, aber niemand fragt, wie Janukowitsch das mit der leeren Staatskasse und den Forderungen des Internationalen Währungsfonds vereinbaren will. Er spricht langsam, was auf Wohlmeinende überlegt wirkt. Zuweilen macht er Pausen, als müsse ihm erst der Souffleur etwas zuflüstern. Die Hauptaufgabe seiner Wahlkampagne, sagen seine Begleiter, bestehe darin, keine Fehler zu machen. Wenn er das Kosovo mal wieder mit Montenegro verwechselt, rufen sie schnell »Kosovo!« dazwischen. Während Janukowitsch redet, nimmt er keinen Schluck aus dem Wasserglas; er trinkt direkt aus der Flasche.

Leser-Kommentare
  1. Wenn man der italienischen Justiz Glauben schenken will, ist Berlusconi gagegen ein 'Großkrimineller'. Hindert das die Großen, die Führer/-innen der freien Welt, sich mit ihn an einen Tisch zu setzen? Schließlich wurde er demokratisch gewählt ...

    • Amon45
    • 05.02.2010 um 21:18 Uhr

    [entfernt. Bitte bleiben Sie in Ihrer Kritik sachlich und fair. Vielen Dank. Die Redaktion/ew]

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