Berlinale-Jurypräsident Werner Herzog Herr der SchmerzenSeite 5/5
ZEIT: Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen ist eine größere Studioproduktion, Ihre Dokumentarfilme sind in den USA im Fernsehen und auf DVD erfolgreich, amerikanische Independent-Regisseure wie Harmony Korine setzen Sie als Schauspieler ein. Könnte man sagen, dass Sie in den USA eine zweite Karriere gemacht haben?
Herzog: Hier wurde ich immer geschätzt. In den letzten zwölf Jahren habe ich 15 Filme gedreht, die alle in den USA und in anderen Ländern liefen, aber nicht in Deutschland. In Deutschland wissen viele gar nicht, dass ich noch Filme mache. Na ja, das kann sich ja jetzt ändern, indem ich als Jurypräsident der Berlinale Flagge zeige.
ZEIT: Sind Sie in den USA eine Art Popstar?
Herzog: Eigentlich nicht. Ich bin hier in Los Angeles nie sichtbar, ich war in zehn Jahren auf zwei Partys und zweimal auf dem roten Teppich. Aber es gibt eben viele junge Regisseure, die in mir eine Art Hoffnung sehen. Deswegen habe ich jetzt auch die »Schurken-Filmschule« – The Rogue film school – eröffnet.
ZEIT: Auf der Website stehen als Lehrinhalte unter anderem: die Kunst des Holzsammelns, das Hochgefühl, erfolglos angeschossen werden, zu Fuß reisen, die athletische Seite des Filmemachens, Guerillataktiken.
Herzog: Das ist provozierend gemeint. Es geht nicht um die technische Seite des Filmemachens, die man auf einer normalen Filmschule lernt. Es geht auch, in gewisser Weise, um eine Lebensform. Um eine Grundhaltung. Wie sieht ein Leben aus, wenn man Filme machen oder schreiben will?
ZEIT: Was ist das für eine Lebensform?
Herzog: Das lässt sich gar nicht von außen beschreiben. Filme zu machen und sie so zu machen wie ich scheint mir die natürlichste Lebensform der Welt. Ich habe da auch gar keine Wahl. Denn kaum ist ein Film fertig, dringen wie Einbrecher in der Nacht neue Projekte auf mich ein. Und ich muss mit ihnen ringen und kämpfen und sehen, wie ich sie aus dem Haus herausbekomme. Oder als Filmprojekte auf eine Leinwand.
ZEIT: Wären Sie froh, wenn eines Tages keine Dämonen oder Einbrecher mehr kämen?
Herzog: Die Frage stellt sich eigentlich nicht. Ich habe in mir eine Fülle von richtig guten Storys mindestens für die nächsten 104 Jahre. Und ich übertreib jetzt nicht. Na ja, vielleicht doch. Aber eigentlich auch nicht.
Das Gespräch führte Katja Nicodemus
- Datum 09.02.2010 - 09:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.02.2010 Nr. 06
- Kommentare 12
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Ja, wunderbar wie Herzog seine Lebensschau durch sein Erfahrungsfilter laufen läßt und als Extrakt wiedergibt.
Da ist so manches von uns Konsumbürger Schall und Rauch!
...den mag ich....
danke für's Interview.
danke für's Interview.
danke für's Interview.
>>Weil jeder dunkle Winkel unserer Seele unbedingt ausgeleuchtet werden muss. Aber eine Wohnung, die bis zum letzten Winkel ausgeleuchtet ist, wird unbewohnbar. Und Menschen, die durch Psychoanalyse bis in den letzten Winkel erforscht sind, werden unbewohnbare Menschen.<<
Ein von Angst geprägtes und von Kenntnis unberührtes Bild von Psychoanalyse, das Herzog da zeichnet. Schon die von z.B. Jung und Freud beobachtete Autonomie des Unbewussten ist vielmehr dazu geeignet, seelischen Bereichen einen akzeptierten Platz zuzugestehen, als dies viele andere Modelle des Menschen zulassen, eine meiner Lieblingsidiotien in diesem Zusammenhang: homo oeconomicus.
Aus der eigenen Angst vor eigenen Abgründen wird die Intention des Analytikers, diese ausleuchten zu wollen, abgeleitet - ohne dass es dafür Belege gäbe.
Man könnte hier von einer Projektion sprechen, und m.E. wären wir auch gesellschaftlich gesehen gut beraten, uns mit diesem analytischen Begriff zu beschäftigen.
Dann könnten wir beispielsweise konstatieren, dass wir ausgerechnet zu einer Zeit, in der persönliche Freiheiten über die Massen eingeschränkt werden - die gefundenen Maultaschen, die Frikadelle, die aufgegessen werden und zum Verlust fast des gesamten bisher Ersparten führen, weil gesellschaftliche Teilhabe für den 'Teilbereich' Arbeit ab da nicht mehr gewährt wird - oder der Verlust der Privatspäre nwiederbringbar scheint, s. Facebook et al.
(Forts. folgt)
http://www.faz.net/s/Rub4...
dass also ausgerechnet in einer solchen Zeit die unglaublich schrille Diskussion nicht über die Defizite westlicher Gesellschaften geführt wird, sondern darüber, welche Freiheiten der Islam seinen Anhängern gewährt.
In Berlin, Thilo Sarrazin hat kürzlich darauf aufmerkasam gemacht, leben Muslime als Obst- und Gemüsehändler offenbar ganz friedlich mit ihren Frauen, Kindern, Freunden, Kunden ein, unbehelligt von Zeitarbeit und Facebook, relativ selbstbestimmtes Leben - deren Religionszugehörigkeit muss aber als Vorwand dafür herhalten, zu behaupten, dass so zu leben sich nicht lohne.
Legt man auch nur kurz den analytischen Begriff 'Projektion' an diese neurotische Verzerrung an, käme man darauf, zu reflektieren, ob es nicht die (tatsächliche, aber - Freiheit = Westen! - nicht wahrgenommene) eigene Eingebundenheit in ein zunehmend totalitäres Gesellschaftssystem und kontrastiert dies mit der tatsächlichen Freiheit jener Muslime (die geflissentlich übersehen wird), stellt sich die überbordende Hatz auf Muslime, die in den Diskussionen zu beobachten ist, schnell als die Hexenjagd heraus, die sie tatsächlich ist.
Demokratische Verhältnisse a la Zeitarbeit, Coca Cola und Facebook im Irak oder in Afghanistan, die der rückständige Islam zu verhindern trachtet: das Massaker von Kundus zeigt, dass wir eher unter einem Mangel an Selbstanalyse leiden.
Ganz offenbar überfordert mich diese Beschränkung auf 1500 Zeichen.
Der vorletzte Absatz von #5 soll lauten:
Legt man auch nur kurz den analytischen Begriff 'Projektion' an diese neurotische Verzerrung an, käme man darauf, zu reflektieren, ob es nicht die (tatsächliche, aber - Axiom: Freiheit = Westen! - nicht wahrgenommene) eigene Eingebundenheit in ein zunehmend totalitäres Gesellschaftssystem ist, die einen so irritiert, und kontrastiert man diese Eingebundenheit dann mit der tatsächlichen Freiheit (geflissentlich übersehen) jener Muslime, stellt sich die überbordende Hatz auf sie, die in Diskussionen immer häufiger zu beobachten ist, schnell als die Hexenjagd heraus, die sie tatsächlich ist.
Wer sich dies klar macht, ist vielleicht eher bereit, auf den Scheiterhaufen zu verzichten.
Ganz offenbar überfordert mich diese Beschränkung auf 1500 Zeichen.
Der vorletzte Absatz von #5 soll lauten:
Legt man auch nur kurz den analytischen Begriff 'Projektion' an diese neurotische Verzerrung an, käme man darauf, zu reflektieren, ob es nicht die (tatsächliche, aber - Axiom: Freiheit = Westen! - nicht wahrgenommene) eigene Eingebundenheit in ein zunehmend totalitäres Gesellschaftssystem ist, die einen so irritiert, und kontrastiert man diese Eingebundenheit dann mit der tatsächlichen Freiheit (geflissentlich übersehen) jener Muslime, stellt sich die überbordende Hatz auf sie, die in Diskussionen immer häufiger zu beobachten ist, schnell als die Hexenjagd heraus, die sie tatsächlich ist.
Wer sich dies klar macht, ist vielleicht eher bereit, auf den Scheiterhaufen zu verzichten.
Ganz offenbar überfordert mich diese Beschränkung auf 1500 Zeichen.
Der vorletzte Absatz von #5 soll lauten:
Legt man auch nur kurz den analytischen Begriff 'Projektion' an diese neurotische Verzerrung an, käme man darauf, zu reflektieren, ob es nicht die (tatsächliche, aber - Axiom: Freiheit = Westen! - nicht wahrgenommene) eigene Eingebundenheit in ein zunehmend totalitäres Gesellschaftssystem ist, die einen so irritiert, und kontrastiert man diese Eingebundenheit dann mit der tatsächlichen Freiheit (geflissentlich übersehen) jener Muslime, stellt sich die überbordende Hatz auf sie, die in Diskussionen immer häufiger zu beobachten ist, schnell als die Hexenjagd heraus, die sie tatsächlich ist.
Wer sich dies klar macht, ist vielleicht eher bereit, auf den Scheiterhaufen zu verzichten.
...verstehe gar nicht, wieso Herzog so eine Phobie - ein gepflegtes Feindbild - in Sachen Psychologie hervorkehrt. Muss meinem Vorredner da recht geben...eine reine Unterstellung und Projektion eines Ahnungslosen, sogar eines mit leichtem Schwachsinn befallenen Fanatikers... Als ob die Analyse einen Menschen vollkommen ausleuchten könnte...und er eine feste Wohnung bilde, die in ihrer Ordnung ein unveränderbar starres Gebilde ist (nur eben einmal verdunkelt und einmal beleichtet)...War für Freud die Analyse nicht ein unendliches Unterfangen? (bin kein Experte) Das starre Gebilde jedenfalls scheint mir der Herzog zu sein...nicht die "Inquisition" der Psychoanalyse...
erstmal ist ein selbstbestimmtes Leben kaum mögblich. Sicher
waren unter den vielen Erdbebenopfer in Haiti auch viele
die ihr Leben scheinbar "selbstbestimmt" haben"
Meinen inneren Schweinehund kann ich selbst an die Kette
legen. Wenn nicht,bekomme ich die Gesetzesknute zu spüren. Der Psychiater will doch nur mein Geld.
Viel schlimmer ist die Datensammlerwut. Da bin ich schon gläsern geworden.
Wenn es nicht nur um Sie geht, sondern es Menschen gibt, denen Psychiater, also zumeist ausgebildete Ärzte, helfen können - wie glauben Sie, wirkt Ihre Pauschalisierung wohl auf jemanden, der vielleicht dringend Hilfe bräuchte, aber Schwierigkeiten hat, sich das einzugestehen?
'Der will eh nur mein Geld' - so können Sie nahezu jeden Beruf denunzieren, und Sie verkennen dabei offensichtlich, dass sich niemand leisten kann, seine Arbeitszeit komplett zu verschenken.
Mich ärgert Ihre gedankenlose Behauptung sehr, dennoch sei hier die Telefonseelsorge erwähnt: Um deren Hilfe in Anspruch zu nehmen, braucht man vielleicht nicht so tiefverwurzelte Vorurteile zu überwinden.
Wenn es nicht nur um Sie geht, sondern es Menschen gibt, denen Psychiater, also zumeist ausgebildete Ärzte, helfen können - wie glauben Sie, wirkt Ihre Pauschalisierung wohl auf jemanden, der vielleicht dringend Hilfe bräuchte, aber Schwierigkeiten hat, sich das einzugestehen?
'Der will eh nur mein Geld' - so können Sie nahezu jeden Beruf denunzieren, und Sie verkennen dabei offensichtlich, dass sich niemand leisten kann, seine Arbeitszeit komplett zu verschenken.
Mich ärgert Ihre gedankenlose Behauptung sehr, dennoch sei hier die Telefonseelsorge erwähnt: Um deren Hilfe in Anspruch zu nehmen, braucht man vielleicht nicht so tiefverwurzelte Vorurteile zu überwinden.
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