Kanada Gold für OlympiaSeite 2/2

Bei Winterspielen wird der moderne Mensch wieder zum Naturwesen

Die Olympischen Spiele bieten alle zwei Jahre den Rahmen für ein Idealbild, das die Menschheit von sich gerne zeichnen möchte, mit Völkerfreundschaft, Fairness und Kreativität als zentralen Motiven. Bei den Winterspielen inszeniert sich der moderne Mensch darüber hinaus mit gewaltigem technischen Aufwand als Naturwesen, das durch den Wald läuft, auf die Jagd geht, zu fliegen versucht. Natürlich gehört zu alldem eine gehörige Portion Selbsttäuschung; aber wer kann, wer will ohne die leben?

Irgendwann freilich ist im Reich des schönen Scheins Zahltag. Irgendwer muss die zweijährliche Sause nämlich bezahlen, und das sind nicht die Herren und Damen vom IOC, sondern die Städte, die die Spiele ausrichten wollen. Schon in Vancouver wird der Wettkampf darum, wer den Zuschlag für das Jahr 2018 bekommt, auf Hochtouren laufen. München geht zusammen mit Garmisch-Partenkirchen an den Start; allein die Bewerbung gegen die Konkurrenten aus Frankreich (Annecy) und Südkorea (Pyeongchang) wird rund 30 Millionen Euro kosten, die Ausgaben für die Veranstaltung selbst gehen in die Milliarden.

Ist ein 16 Tage währendes Weltereignis so viel wert? Ist es vertretbar, in Zeiten der weltweiten Krisen so viel Geld für Olympia zu Füßen der Zugspitze auszugeben? Ja.

Auch die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland sah zunächst aus wie ökonomischer Irrsinn, hat sich aber in jeder Hinsicht ausgezahlt. Olympische Spiele können, allen Bedenken zum Trotz, einen ähnlichen Rausch bewirken, in dem ein ganzes Land für ein paar Tage ein anderes wird und sich so präsentiert, wie es am liebsten immer wäre: fröhlich, weltoffen, begeisterungsfähig. Und ein bisschen verrückt.

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