Kölle alaaf! Hanswurst wird frech
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1849 wird Franz Raveaux zum Tode verurteilt

Just während dieser Audienz lodert in der Stadt die Revolution auf. Nach blutigen Übergriffen der Soldaten gehen die Berliner auf die Barrikaden. Für eine Nacht, die glorreiche Nacht des 18. März 1848, kämpfen Bürger und Arbeiter Seite an Seite gegen das Hohenzollern-Regime, das sich mit aller Härte zu behaupten sucht. Raveaux wird zum Augenzeugen des Geschehens, ist erschüttert und empört angesichts der Schreckensbilder in den Straßen.

Das brutale Vorgehen der Soldaten nützt nichts. Am Ende werden sie zum Rückzug gezwungen; Kronprinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm???I., schleicht sich ins englische Exil. Sein Bruder, der König, muss sich vom Balkon des Schlosses aus vor den aufgebahrten Särgen der 150 Gefallenen mit entblößtem Haupt verneigen. Er verspricht, alle Gefangenen freizulassen und die Truppen aus Berlin abzuziehen. Natürlich ist er zu keinem Moment gewillt, wirkliche Konzessionen zu machen.

1849 wird Franz Raveaux zum Tode verurteilt

Die heimkehrenden Gemeinderäte werden in Köln mit Jubel empfangen. Wenig später reist Raveaux nach Frankfurt am Main, zur Deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche – als Kölns erster demokratischer Abgeordneter. Doch das Werk der Einigung in Freiheit misslingt. Zwar wird im Winter 1848/49 noch eine Verfassung für Deutschland verabschiedet, doch da haben die alten Mächte längst wieder Oberwasser. Wien, wo Raveaux’ Bruder Ludwig kämpfte, ist seit dem Herbst von kaisertreuen Truppen besetzt. Ein letzter Aufstand in der Pfalz und in Baden wird von Preußens Soldaten blutig niederschlagen.

Raveaux, der demokratischen Sache treu, hat mitgefochten – fast bis zum bitteren Ende. Erst im Juni 1849 entschließt er sich, zusammen mit seiner Frau in die Schweiz zu fliehen. Eine Rückkehr nach Deutschland ist unmöglich; wegen »Rebellion und Hochverrat« wird er in Köln zum Tode verurteilt.

Über Frankreich geht er nach Belgien, arbeitet weiter für die demokratische Bewegung. Er schickt auch manch subversives Karnevalslied an die Freunde in Köln, die Gitarre stets zur Hand. Doch seine Lungenkrankheit zwingt ihn nieder. Am 13. September 1851 stirbt Franz Raveaux in Laeken bei Brüssel, für Karl Varnhagen von Ense »einer der edelsten Männer des Jahres 1848«.

Zwei Tage später wird er auf dem dortigen Friedhof zu Grabe getragen. Mitstreiter aus der Paulskirche begleiten ihn. »Ihnen folgten«, so berichtet die Kölnische Zeitung, »sämtliche in Brüssel verweilende deutsche, französische und andere Flüchtlinge sowie die dort lebenden deutschen Arbeiter, welche für diesen Tag die Arbeit eingestellt hatten.«

Serie: ZEITläufte
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Nach der niedergeworfenen Revolution wird auch der Karneval wieder brav. Kölns Bürgertum sucht den Ausgleich mit Berlin. Und der Düsseldorfer Heinrich Heine dichtet in seiner Pariser Matratzengruft einen Abgesang auf den Freiheitskampf: »Gelegt hat sich der starke Wind, / Und wieder stille wird’s daheime; / Germania, das große Kind, / Erfreut sich wieder seiner Weihnachtsbäume.« Erneut herrsche überall politischer Stillstand, und das Land gerate wieder unter das Joch von »Wölfen, Schweinen und gemeinen Hunden«: »Das heult und bellt und grunzt – ich kann / Ertragen kaum den Duft der Sieger. / Doch still, Poet, das greift dich an – / Du bist so krank und schweigen wäre klüger.«

Der Autor ist Theologe und Historiker und lebt in Köln. Mehr zum Thema in seinem Buch »Franz Raveaux – Karnevalist und Pionier des demokratischen Aufbruchs in Deutschland«; Greven Verlag, Köln; 2001, 180 S., 14,90 €

 
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