Sind private Schulen besser? Ja, sagt Bernhard Bueb

Sie werden dem einzelnen Kind stärker gerecht. Und sie arbeiten effizienter als staatliche Schulen.

Pro

Reform durch Schulgründung«, so lautet die Formel, nach der Privatschulen entstehen. Wie im Mittelalter Mönche aus den verkrusteten, behäbig gewordenen Klöstern auszogen, um durch Gründung neuer Klöster den Geist der christlichen Botschaft wiederzubeleben, so verlassen seit über hundert Jahren Eltern oder Lehrer verwaltete Staatsschulen, um ihre Vorstellungen von kindgerechter Pädagogik in unabhängigen Schulen zu verwirklichen. Sie verstehen sich als »öffentliche Schulen in freier Trägerschaft«. Sie unterstehen der staatlichen Schulaufsicht. Sie arbeiten aber selbstständig und eigenverantwortlich.

Der Staat garantiert die Bildung für alle Bürger und legt die Standards der Bildung fest. Staatsschulen sorgen seit Einführung der Schulpflicht flächendeckend dafür, dass Kinder jeder Region und jeder Schicht zur Schule gehen können. Staatliche Schulen sind daher unverzichtbar. Es dominiert aber ein Geist der Verwaltung. Zu viele Schulleiter und Lehrer neigen dazu, eher Verwaltungsvorschriften zu folgen als ihrem pädagogischen Impetus. Die Berufung auf Vorschriften dient als Vorwand, die Anstrengung von Reformen zu meiden. Reformfreudigen Eltern und Lehrern bleibt daher oft kein anderer Weg, als Privatschulen zu gründen. Sie nutzen den Spielraum, den der Staat gewährt, um eine ganzheitliche Bildung anzustreben und dem einzelnen Kind gerecht zu werden. Ihren Erfolg messen sie nicht an Prüfungsergebnissen, sondern am Lernfortschritt des einzelnen Kindes. »Hilf mir, es selbst zu tun« – dieser Satz von Maria Montessori prägt das Leitbild vieler Privatschulen. Diese Schulen haben neue Formen des Lehrens und Lernens entwickelt, sie integrieren Theater, Musik, Sport, Handwerk, Abenteuer und Erlebnis in den Schulalltag, sie beteiligen die Schüler verantwortlich an der Regelung des Zusammenlebens und gewähren der Persönlichkeitsentwicklung in einer »Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden« viel Zeit. Sie waren schon immer Brutstätten innovativer Ideen.

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Schulen in freier Trägerschaft garantieren eine Vielfalt von Schultypen – und Schulmodellen. Sie bieten Eltern und Kindern Wahlfreiheit durch das Angebot alternativer Wege der Schulbildung. Sie wollen der Vielfalt kindlicher Naturelle gerecht werden, vor allem auch Kindern mit besonderen Begabungen oder mit belasteten Biografien.

Privat geführte Schulen arbeiten effizienter als staatliche Schulen. Wettbewerb, Eigeninitiative, Selbstverwaltung und unternehmerisches Denken charakterisieren die Arbeit von Privatschulen. Sie arbeiten kostengünstiger, weil sie nach Bedarf Haushaltspläne aufstellen, flexibel investieren und sparsam wirtschaften.

Der Bildungsökonom Ludger Wößmann sieht vor allem im Wettbewerb der Privatschulen eine Ursache, warum in Ländern mit einer hohen Privatschulquote eine größere Zufriedenheit von Schülern und Lehrern festzustellen sei, deren Leistungen in der Folge besser seien.

Die Achillesferse der Privatschulen sind die Kosten. Deshalb sieht das Grundgesetz eine staatliche Förderung vor, die allerdings in Deutschland nicht den Kosten an staatlichen Schulen entspricht. Das ideale Schulmodell bildeten daher staatlich finanzierte Schulen, die privat geführt werden. In den Niederlanden sind 75 Prozent der Schulen so organisiert. Wößmann sieht einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den überwiegend privat geführten Schulen in den Niederlanden und ihrem überdurchschnittlich guten Abschneiden bei internationalen Vergleichen.

Deutsche Staatsgläubigkeit hat dazu geführt, dass Deutschland zu den wenigen westlichen Ländern mit einem geringen Anteil an Privatschulen zählt. Zugleich ist es das Land mit der ungerechtesten Verteilung von Bildungschancen. Mehr Privatschulen und damit mehr Vielfalt, mehr Eigenverantwortung, unabhängigeres Denken und weniger Beamtenmentalität in der Schullandschaft würden auch den Staatsschulen Beine machen zum Nutzen von Eltern, Lehrern und Schülern.

Lesen Sie das Contra von Gabriele Behler hier!

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • MMH
    • 15.02.2010 um 17:00 Uhr

    Der Link zum Contra-Artikel von Frau Behler funktioniert leider nicht!

  1. Erst einmal sollte es uns doch wohl darum gehen, dass DAS KIND SICH SELBST GERECHT WERDEN kann. Schule darf nicht eine immer noch perfektere tote Schablone für den Menschen sein. Der irreale spätpubertäre Wettbewerb "Wer macht die beste Schule" sollte endlich ein Ende finden; die Schulemacher müssen allesamt noch erwachsen werden und ihre Konstruktionen loslassen lernen.
    Es geht nicht um "besser" oder "schlechter", es geht etwa um "erträglich" und "frei wählbar". Unsere Schulemacher können ja meist noch nicht einmal das Wort Schule richtig erklären.
    Ich habe mit der neuen Ich-kann-Schule ein Beispiel zum Vergleich gegeben, das zeigt, dass wir nicht in Häusern lernen und nicht aus Pflicht. Wir lernen, weil das ganze LEBEN LERNEN ist, und wir lernen nicht in diesen komischen Häusern, die wir irreführend Schule nennen, sondern IN UNS SELBST. Jeder hat seine ICH-KANN-SCHULE IN SICH. Wir sollten endlich damit aufhören, durch eine lebensblinde Pädagogik, von diesem lebensentscheidenden Sachverhalt abzulenken.
    Unsere Unterrichtsvollzugsbeamte sollten endlich LEHRER werden, und der erste Schritt dafür ist LERNEN.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    in den letzten Jahren gut 200 Kommentare geschrieben und diese sind zu 95% Werbung für die "ICH-KANN-SCHULE"...

    Ich muss schon sagen: sehr engagiert!

    in den letzten Jahren gut 200 Kommentare geschrieben und diese sind zu 95% Werbung für die "ICH-KANN-SCHULE"...

    Ich muss schon sagen: sehr engagiert!

  2. in den letzten Jahren gut 200 Kommentare geschrieben und diese sind zu 95% Werbung für die "ICH-KANN-SCHULE"...

    Ich muss schon sagen: sehr engagiert!

  3. wird stets mit den gleichen Argumenten verteidigt. Die Förderung der herrenrassischen Leistungselite.

    Dumm nur, dass die Argumente von Bernhard Bueb auch die Argumente von Reinhard Heydrich waren, als er die Notwendigkeit für die Errichtung von mehr als den 1940 bestehenden Napolas gegenüber dem Herrn Reichskanzler vortrug.

    Vielleicht sollten wir sammeln und Herrn Bueb ein Videokassete mit dem Film "Napola - Elite für den Führer" schenken. Als dezentes Zusatzgeschenk sollten wir Herrn Bueb auch noch "Geisteswissenschaftliche Pädagogik und Nationalsozialismus" von Johanna L Brockmann, Wolfgang Klafki ISBN-10: 3-407-25250-1 mitgeben.

    Diese Philosophie hat unser Land schon einmal in Schutt und Asche gelegt. Aber scheinbar sind Deutsche wirklich was die Engländer und Amerikaner immer sagen: Krauts. Und Kraut macht bekanntermassen Blähungen.

  4. hinter! jeder! Meinungsäußerung! sind!!! echt eine Pest

  5. Zwei sehr interessante Artikel bezüglich des Themas Privatschulen vs. staatliche Schulen. Wenn man sich mit dieser Thematik tiefgehender auseinandersetzt und weitere Artikel und besonders Studien zu Rate zieht, ergibt sich ein sehr interessantes Bild. Hier nenne ich besonders Studien von Prof. Dr. Manfred Weiß (DIPF). Daraus ergibt sich ein differenzierteres Bild, nämlich dass Privatschulen nicht besser abschneiden als öffentliche Schulen.
    Hier ist unter anderem die nachfolgende Publikation zu nennen:
    Schümer, G., Weiß, M.: Bildungsökonomie und Qualität der Schulbildung, S. 32 ff.
    Dieses in der öffentlichen Meinungsbildung oft verwendete Argument ist also falsch.

    Näher darauf eingehen möchte ich nicht. Ich denke eine Grundposition aus diesen Erläuterungen kann man herausfiltern. Gerne diskutiere ich nach eingehenden Studien mit anderen Zeitlesern über diese Thematik.

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