"Belphégor" auf DVD Zeit der Träume

Die französische Serie "Belphégor" von 1965 auf DVD

Belphegor
Belphégor hinter seiner Maske

Belphégor hinter seiner Maske

Während uns das Fernsehen, wie es ist, gelinde gesagt auf den kulturellen Nerv geht, wächst ein nostalgisches Vergnügen an alten Serien auf DVD. An ihnen kann man nicht nur sehen, wie die Zeit vergeht, sondern auch, dass das Fernsehen gar nicht so sein müsste, wie es ist. Man nehme nur Belphégor, eine vierteilige französische Serie aus dem Jahr 1965 (3 DVDs, 317 Min., erschienen bei e-m-s).

Die Eingangsmusik: zuerst eine Trompete, die klingt wie eine Mischung aus rostiger Eisentür und Miles Davis, dann ein Trash-Stückchen, das einem deutschen Edgar-Wallace-Film entstammen könnte und zwanglos in einen Musette-Walzer übergeht. All das stammt von Antoine Duhamel, der im Jahr darauf die Musik zu Jean-Luc Godards Pierrot le Fou schrieb und viel für Truffaut und Tavernier arbeitete. Dazu Bilder, die noch gar nichts beweisen, die noch nicht »funktionieren« müssen, Bilder des aufmerksamen Flanierens: Der Flohmarkt, gleich dahinter die neuen Hochhäuser. Das alte Paris, das nicht so sehr pittoresk als vielmehr kaputt ist, und das neue, das nicht so sehr modern ist, sondern hässlich und leer. Und doch findet sich dazwischen reine Bildpoesie. Die Kamera führte Jacques Lemare, der Jean Renoirs Die Spielregel und ein paar der schönsten Lemmy-Caution-Filme fotografiert hat. So geht es vom Flohmarkt zum Louvre, auf den Spuren von Zola, Dumas, Feuillade und Tim und Struppi. Der Off-Kommentar (auch der lässt sich hier alle Zeit der Welt) bringt die Erzählstrategie auf den Punkt: »Die heutige Zeit braucht Träume ebenso wie Realitäten.« 

Die Handlung ist so schnell erzählt wie vergessen. Eine geheimnisvolle Gestalt geht im Louvre um. Während der Kommissar Ménardier die Ermittlungen mit zähem Nachdruck leitet, macht sich der junge Journalist André Bellegarde selbst auf die Suche und gerät dabei nicht nur in die übliche Verschwörung, sondern vor allem zwischen zwei Frauen. Hell und vernünftig die Tochter des Kommissars, dunkel und verführerisch die andere Frau (Juliette Gréco!).

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Im Grunde aber besteht die ganze Serie vor allem aus Abschweifungen und leicht verrückten Einfällen. Da wäre der alte Mann, der »Tatsachenberichte« aus den Zeitungen (Froschregen in Borneo) in Dosen einschließt, um sie über den unvermeidlichen Atomkrieg zu retten. Die geheimnisvolle alte Dame, die dem Kommissar einmal durchs Haar fahren möchte wie einem Lausbuben. Ein Haus, das unter der Last seiner Ornamente versinkt…

Den Autor und Regisseur Claude Barma kennt man hierzulande kaum. Begonnen hat er als Regisseur in der Zeit, als Fernsehen noch vor allem Live-Spektakel war. Im Kino hat er kaum Spuren hinterlassen. Seine Idee vom Bildererzählen passte nicht in das enge Zeitkorsett, Barma brauchte Raum für seine Abschweifungen, seine Charakterzeichnungen, seine Details, die daran erinnern, dass Fernsehen schon einmal drauf und dran war, eine eigene kinematografische Kunstform zu werden, dann allerdings… Aber das ist eine andere Geschichte.

 
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