EinzelhandelSie können nur billig

Die Chefs der deutschen Handelsunternehmen verrennen sich in einem gnadenlosen Preiskampf – auf Kosten der Beschäftigten von 

Alle wissen um die verheerende Wirkung – und tun es trotzdem immer wieder: Sie senken die Preise. Die mächtigen Chefs der großen Handelskonzerne können es nicht lassen, weil die Deutschen Schnäppchenjäger sind und selbst für gute Lebensmittel angeblich kein Geld übrig haben. Manche Waren werden geradezu verramscht. Doch auch das hat seinen Preis. Den zahlen häufig jene, die in den Läden hinter der Theke stehen, Regale einräumen oder an der Kasse sitzen. Wer im Handel beschäftigt ist, muss mit Lohndrückerei, Schikanen oder Schnüffeleien rechnen.

»Keiner ist billiger!« – mit diesem Slogan versucht die Rewe-Gruppe seit einigen Wochen, dem Discountkönig Aldi Paroli zu bieten. Ein Pfund Haferflocken gingen schon für 25 Cent über den Scanner, Joghurt für 29 Cent. Aldi reagierte prompt. »Die Preisoffensive geht weiter«, ließ das Unternehmen wissen und verschleuderte ein Pfund Kaffee für 2,49 Euro und ein Liter Pflanzenöl für 95 Cent. Auch Edeka ließ sich nicht lumpen: »Nirgendwo günstiger – versprochen«, versichert die Handelsgruppe.

Anzeige

Gerade so, als seien sie nicht selbst die Akteure, beklagen fast alle die Folgen ihres Handelns. Vor allem Rewe überrascht mit seiner Billig-Offensive. Gehört Konzernchef Alain Caparros doch zu jenen, die den massiven Preisverfall immer wieder anprangern: Reiner Preiswettbewerb sei kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell. »Wir machen mit, weil wir dazu gezwungen sind«, räumt er ein. »Mörderisch« nennt Metro-Chef Eckhard Cordes die Entwicklung. »Ich hoffe, dass bald wieder Vernunft einkehrt«, sagte er Mitte Januar der Wirtschaftswoche. Edeka-Chef Markus Mosa glaubt hingegen, dass die Preisrunden der vergangenen Monate nur einen Vorgeschmack auf die künftige Entwicklung liefern.

Die Handelsstrategen setzen sich damit massiv unter Druck. Und den bekommen die Mitarbeiter zu spüren. Was liegt näher, als beim Personal zu sparen, wenn die Margen schwinden? Wer stark genug ist, kann zunächst noch versuchen, beim Einkauf die Lieferanten auszupressen (siehe Artikel unten). Doch das klappt nur begrenzt. Lohnkosten zu senken ist der einfachere Weg, seitdem vor rund zehn Jahren die ersten Händler begannen, aus der Tarifgemeinschaft auszuscheren und die ausgehandelten Verträge mit den Gewerkschaften zu ignorieren. Inzwischen werden Gehälter bis an die Grenze der Sittenwidrigkeit gedrückt – und manchmal sogar darunter. Und dort, wo es Betriebsräte gibt, scheut so mancher Vorgesetzte nicht davor zurück, selbst Gesetz und Recht zu brechen.

»Man siegt sich zu Tode«, sagt Rechtsanwalt Jens-Uwe Thümer, der schon öfter die Interessen des Betriebsrates einer Kaufland-Filiale in Lüneburg vor Gericht vertreten hat. Ein Fall, so sagt er, sei besonders krass gewesen. Der Betriebsratsvorsitzenden war unterstellt worden, sie habe eine EC-Karte gefunden und diese der Eigentümerin nicht zurückgegeben. Ihr wurde gekündigt. Vor dem Arbeitsgericht konnte Kaufland mit dem Vorwurf nicht bestehen. Die Frau musste weiterbeschäftigt werden. Da wirkt der jüngste Vorfall fast harmlos: Der Betriebsrat soll daran gehindert worden sein, den eigenen Büroraum zu betreten, indem das Schloss heimlich ausgetauscht wurde.

Trotz juristischer Erfolge habe es immer wieder neue Verstöße gegeben, so Rechtsanwalt Thümer – bis es reichte. Er stellte einen Strafantrag wegen Behinderung des Betriebsrates. Für den zuständigen Verkaufsleiter von Kaufland hat das nun Konsequenzen. Vor knapp drei Wochen erließ das Amtsgericht Lüneburg einen Strafbefehl gegen ihn. Die enthält eine Verwarnung. Im Falle eines weiteren Verstoßes wird eine Geldstrafe fällig. Der Vorwurf, die Arbeit des Betriebsrates zu behindern, entbehre jeglicher Grundlage, teilt eine Unternehmenssprecherin zu Beginn dieser Woche mit. Der betroffene Verkaufsleiter habe Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Jetzt kommt es zur mündlichen Verhandlung.

Mitte Januar geriet erstmals ein Edeka-Händler ins Visier der Staatsanwaltschaft. Gegen ihn hatte die Gewerkschaft ver.di einen Strafantrag gestellt. Eigentlich hat Edeka ein gutes Image als Arbeitgeber. In diesem Fall aber sollen Mitarbeiter auf zweifelhafte Weise überwacht worden sein. Außerdem wird untersucht, ob womöglich noch Geld an den Sozialkassen vorbeigeschleust wurde. Kaufmann Peter Simmel, er zählt zu den größten der 4500 selbstständigen Unternehmer in der Gruppe, hat das alles stets bestritten. Die von ihm selbst beauftragten Prüfer hätten ihn entlastet, ließ er zu Beginn des Jahres wissen. Kurz darauf verlor er seinen Posten als Aufsichtsratschef der Edeka AG. Und die Ermittlungen laufen noch.

Edekas Discounter Netto ist ebenfalls dabei, seinen Ruf zu verspielen. Wie in vielen anderen Fällen auch, trauen sich Mitarbeiter zwar nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen, doch in Internetforen klagen viele anonym über unerträglichen Druck. Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Berichte, dass ein zu geringer Lohn sowie unbezahlte Überstunden zum Alltag gehörten. Eine Sprecherin des Unternehmens bestreitet das. Ein Mitarbeiter wagte es zu Beginn des Jahres allerdings, vor Gericht zu ziehen. Er war als sogenannte Pauschalkraft bei Netto beschäftigt und fordert eine Lohnnachzahlung. Das Verfahren läuft noch. Textilhändler KiK hat einen solchen Prozess schon hinter sich. Ende März vergangenen Jahres wurde das Unternehmen wegen der Zahlung sittenwidriger Löhne verurteilt.

Schlechter Umgang mit Angestellten ist hierzulande nicht nur ein Fall für Gewerkschaften und Staatsanwälte, sondern auch für Datenschützer. Neuerdings ermittelt die Behörde in Niedersachsen gegen die Drogeriekette Ihr Platz, die zu Schlecker gehört. Ein Kunde hatte sich über die vielen Kameras in einer Filiale gewundert – und die Behörde alarmiert. Nun wird untersucht, ob der massive Einsatz der Geräte gesetzeswidrig erfolgte. In Baden-Württemberg sahen sich die Datenschützer gezwungen, gegen die Drogeriekette Müller vorzugehen. Dort hatte man massenhaft Krankheitsdaten von Mitarbeitern gespeichert. Deswegen wurde der Konzern mit einem Bußgeld in Höhe von 137.500 Euro bestraft.

Billiganbieter Lidl zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Er schafft es immer wieder, sein schlechtes Image aufzufrischen. Seitdem die Gewerkschaft ver.di vor gut drei Jahren das Schwarzbuch über die Arbeitsverhältnisse im Konzern mit dem Titel Billig auf Kosten der Beschäftigten veröffentlicht hat, wurden laufend neue Skandale bekannt: Überwachung an den Kassen mit versteckten Kameras; Protokolle darüber, wann Mitarbeiterinnen zur Toilette gehen; penible Buchführung über Krankheiten der Mitarbeiter. Insgesamt musste Lidl 1,5 Millionen Euro Bußgeld wegen Bespitzelung seiner Beschäftigten zahlen.

Und was ist mit Aldi? Die beiden Unternehmenszentralen Nord und Süd sind sehr sparsam, auch mit ihren Auskünften. Anscheinend fährt man gut mit dieser Strategie. Es herrscht Ruhe rund um die Geschäfte der beiden Aldi-Brüder. Das könnte sich bald ändern. Andreas Hamann, jener Autor, der bereits den Arbeitsalltag bei Lidl in seinem Schwarzbuch enthüllte, ist inzwischen den Arbeitsbedingungen beim Konkurrenten auf der Spur. Trotz schwieriger Recherchebedingungen hat sein Team schon etliche Aussagen und Belege von Mitarbeitern gesammelt. »Allein diese Informationen stellen das Wir-sind-die-Guten-Image von Aldi sehr infrage«, sagt Hamann.

Öffentlichkeit mag auch der Inhaber der größten Drogeriekette Deutschlands nicht. Ärger hatte Anton Schlecker zwar immer mal wieder. Aber der hielt sich in Grenzen – bis er die wahren Chancen des flexiblen deutschen Arbeitsmarktes entdeckte. Schlecker kündigte Mitarbeiterinnen im großen Stil, um sie über eine Zeitarbeitsfirma wieder einzustellen – zu bedeutend schlechteren Konditionen. Zwar war schon länger bekannt, dass der eigenwillige Unternehmer ohne Skrupel und rigoros seine Personalkosten drückt. Allerdings holte sich im November vergangenen Jahres die Partei Die Linke mit einer Anfrage noch eine Abfuhr. Damals erklärte die Bundesregierung im Fall Schlecker, sie sei »kein Forschungsinstitut«, dessen Aufgabe es sei, solchen Einzelfällen nachzugehen. Im Januar erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen dann aber doch, man wolle die Sache prüfen. Plötzlich meldeten sich Vertreter aller Parteien zu Wort: Man müsse den Missbrauch von Leiharbeit stoppen.

Achim Neumann, der bei ver.di den Fall Schlecker betreut, bleibt skeptisch. Zwar habe das Unternehmen zugesagt, die Kooperation mit der Zeitarbeitsfirma zu beenden. Doch Neumann hegt den Verdacht, dass Anton Schlecker auch weiter »alle Schlupflöcher nutzen wird, die sich ihm bieten«. Nur eines findet er positiv: Schlecker-Beschäftigte organisierten sich in Scharen bei ver.di und gründeten weitere Betriebsräte.

»In der Branche wächst der Druck gewaltig«, sagt Ulrich Dalibor, der bei ver.di für den gesamten Einzelhandel zuständig ist. Es würden einerseits immer neue Märkte eröffnet, die Flächen vergrößert und die Öffnungszeiten verlängert. Andererseits stagnierten die Umsätze, und die Preise gäben nach. »Eine gefährliche Kombination«, so Dalibor. Viele Marktleiter geraten in eine ausweglose Lage. Nach der Erfahrung von Rechtsanwalt Thümer können sie entweder die Vorgaben erfüllen oder die Gesetze einhalten, »beides zugleich ist nicht zu schaffen«.

Schon heute zählt der Einzelhandel zu jenen Branchen mit den meisten prekären Arbeitsplätzen. Die Mitarbeiter in diesen Jobs, auch »atypisch Beschäftigte« genannt, sind nur ausgeliehen, haben lediglich einen befristeten Vertrag oder einen Minijob. Fast 1,2 Millionen Menschen arbeiten im Handel zu diesen Konditionen, was meistens bedeutet, dass sie sich mit Niedriglöhnen abfinden müssen. »Atypisch Beschäftigte verdienen im Schnitt ein Drittel weniger als normale Beschäftigte«, stellte das Statistische Bundesamt fest.

Die Preis-Lohn-Spirale nach unten vermag die Branche selbst nicht zu stoppen. »Wir sind sicherlich couragiert, aber nicht verrückt«, sagt Rewe-Chef Caparros, wenn er zu seiner eigenen Billigaktion befragt wird. Unbeirrt plädiert er trotzdem dafür, die Preissenkungsmaschine anzuhalten, »um gerecht bezahltes und qualifiziertes Personal, fair gehandelte Ware und verlässliche Qualitätssicherung« garantieren zu können. Auch Metro-Chef Eckhard Cordes findet, dass der Preiskampf »sinnlos ist«. Weil alle nachzögen, sobald einer die Preise senke, könne niemand Marktanteile gewinnen: »Dieser Zusammenhang müsste allen Beteiligten klar sein.«

Selbst wenn das so wäre, hätten alle ein Problem: das Kartellamt. Gerade erst durchsuchte es 15 Unternehmen wegen des Verdachts der Preisabsprachen. Die sind in Deutschland streng verboten. Bliebe also nur die Hilfe aus der Politik. Dort debattiert man schon seit Langem über die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Nach dem Fall Schlecker dürfte außerdem die Neuregelung der Zeitarbeit auf die politische Agenda rücken.

Der Handelsverband Deutschland, in dem die Branche organisiert ist, lehnt beides allerdings strikt ab. Die Pläne der Politik hält Hauptgeschäftsführer Stefan Genth für »blinden Aktionismus«.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • lepkeb
    • 15. Februar 2010 11:02 Uhr

    sind keine Schnäppchenjäger, sondern sie haben kein Geld mehr.
    Denn mit 1000 Euro Netto kann man halt nach Abzug von Miete Nebenkosten keine großen Sprünge mehr machen und die Discounter haben es schon erkannt.
    Das wird sich in den anderen Industriezweigen auch noch manifestieren, denn mit dem Lohndumping und der Geldentwertung der letzten Jahre werden die Fantasiepreise in D_land nicht mehr zu halten sein. Aber man hat ha noch die Zkuftsmärkte in Asien. Wie ein Kollege berichtete, leben viele Leute dort von 50 Dollar im Monat, da ist unendlich viel Kaufkraft da.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zahlt man über einer Million Beschäftigten in Deutschland Billiglohn ist logisch das mindestens diese Million kein Geld mehr in der Tasche hat um vernünftig Lebensmittel und andere Dinge einzukaufen. Schließt man andere Sparten mit ein, die zu wenig Lohn zahlen, bewegt man sich nach meinem Volkswirtschaft Grundwissen irgendwie in die falsche Richtung, oder. Ich hoffe ich irre mich.

    • PigDog
    • 29. September 2011 14:50 Uhr

    aber eigentlich nur eine praktische Ausrede für den Unwillen, Geld für vernünftige, qualitativ höherwertige LM auszugeben anstatt für iPad, Smartphon, Alufelgen und Billigflug nach Malle...

    Recherchetip:
    Wieviel Prozent ihres Nettolohnens geben Deutsche für LM aus?
    Wieviel Prozent Franzosen, Spanier, Italiener...???

    Praktische Hausaufgabe:
    Zum nächsten Billigsupermarkt gehen und nachzählen, wieviele Autos mit einem Alter unter drei Jahren und eine, Neupreis von über 50.000,- € auf dem Parkplatz stehen...

  1. Zahlt man über einer Million Beschäftigten in Deutschland Billiglohn ist logisch das mindestens diese Million kein Geld mehr in der Tasche hat um vernünftig Lebensmittel und andere Dinge einzukaufen. Schließt man andere Sparten mit ein, die zu wenig Lohn zahlen, bewegt man sich nach meinem Volkswirtschaft Grundwissen irgendwie in die falsche Richtung, oder. Ich hoffe ich irre mich.

    Antwort auf "Nein die Deutschen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • johaupt
    • 15. Februar 2010 11:34 Uhr

    ... du irrst dich nicht. Zumindest wenn man Ökonomen wie Heiner Flaßbeck http://www.flassbeck.de/ glauben darf. Der übrigens immer wieder sehr lesenwerte Beiträge kostenlos ins Internet stellt (unter Publikationen).

    Aber das ist natürlich Glaubenssache, auch wenn obiger Ökonom imho zu den wenigen Lichtblicken zählt, so bewegt(e) sich der Mainstream mehr um so Witzfiguren wie Hans-Werner Sinn herum. Der zumindest meistens dann richtig liegt, wenn er erklärt, warum seine Prognosen falsch waren...

    Leider sind Ökonomen die eigentlich immer "Lohnzurückhaltung" fordern, beim Besitzstand und der Milliardärspresse umso beliebter.

    • johaupt
    • 15. Februar 2010 11:26 Uhr

    ... Konkurrenz auf Kosten der Mitarbeiter? Wer hätte das gedacht! Wo das deutsche Tarifrecht sowieso eines der schwächsten und lächerlichsten auf der Welt ist (keine politischen Streiks, keine Flächentarife, einfaches Austreten aus der AG-Vereinigung entbindet von fairen Löhnen). Und damit das auch so bleibt, hat man mit Zeitarbeit, H4 und der Verhinderung eines effektiven Mindestlohns noch einen draufgelegt unter den neoliberal-grün-roten, unter den "Pragmatikern" Fischer, Schröder, Clement und wie sie alle hießen, die Verbrecher. Dass die Wespenkoalition mit der "Nein-zum-Mindestlohnkanzlerin" daran nichts ändert, war auch klar.

    Es aber immer wieder den angeblich "Geiz-ist-geil"-Deutschen in die Schuhe zu schieben, die sich als Schnäppchenjäger schlicht kapitalistisch-rational verhalten, empfinde ich als Ärgernis. Dank sinkender Reallöhne haben die auch kaum eine andere Chance. Das jahrelange Ausbluten der Einzelhandels mit ständigen Umsatzrückkgängen spricht eine deutliche Sprache:
    http://www.jjahnke.net/in...

    Und beweist mal wieder: der Exportweltmeister nutzt nur ganz wenigen was, der Binnenmarkt hungert.

    • johaupt
    • 15. Februar 2010 11:34 Uhr

    ... du irrst dich nicht. Zumindest wenn man Ökonomen wie Heiner Flaßbeck http://www.flassbeck.de/ glauben darf. Der übrigens immer wieder sehr lesenwerte Beiträge kostenlos ins Internet stellt (unter Publikationen).

    Aber das ist natürlich Glaubenssache, auch wenn obiger Ökonom imho zu den wenigen Lichtblicken zählt, so bewegt(e) sich der Mainstream mehr um so Witzfiguren wie Hans-Werner Sinn herum. Der zumindest meistens dann richtig liegt, wenn er erklärt, warum seine Prognosen falsch waren...

    Leider sind Ökonomen die eigentlich immer "Lohnzurückhaltung" fordern, beim Besitzstand und der Milliardärspresse umso beliebter.

  2. Ich wollte eigentlich nicht so viel zum FDP-Bashing beitragen, aber es stellen sich mir doch folgende Fragen:

    Wie kann durch Wettbewerb sichergestellt werden, dass die Angestellten einen vernünftigen Lohn bekommen? Man wird schließlich dazu genötigt, für einen Hungerlohn zu arbeiten, damit man sich nicht als Sozialschmarotzer fühlt und Lücken in seinem Lebenslauf hinterlässt. Der Menschenverstand sagt einem, dass niemand unter dem Hartz IV-Satz arbeiten würde. Aber dennoch wird es getan.
    Echter Wettbewerb wäre es, wenn alle Deutschen ab einem gewissen Lohn die Arbeit verweigern würde. Da das nicht erreichbar ist, muss eben der Staat als Korrektiv eingreifen. Sicherlich keine schöne Lösung, aber auch nicht die schlechteste.

    Wann kommt Westerwave mit dem Slogan "Mehr Netto vom Penny"? Ich finde: Lidl muss sich wieder lohnen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • fanta4
    • 15. Februar 2010 12:22 Uhr

    Ja, der Staat muss eingreifen. Warum? Weil die Gewerkschaften versagt haben!

    Die mittlerweile schon ewige Leier von der Lohnzurückhaltung, hat zu dieser sehr schädlichen Entwicklung geführt.

    Denn die Oberen Etagen haben sich nicht zurückgehalten. Dort sind die Bezahlungen explodiert.

    Von Verdienst kann ich da nicht sprechen, denn keiner kann ein Arbeitsleistung erbringen, die X Millionen entspricht.

    • keox
    • 16. Februar 2010 21:32 Uhr

    ist immer für eine miese Parole gut. Unvergessen:

    "Die Gewerkschaften müssen zerschlagen werden."

    Schon einige Jahre her, aber vergessen wird nix, vergeben schon gar nix.

  3. Eine Preis-Lohn-Spirale ist in einigen Branchen schon seit einigen Jahren zu beobachten, auch zeichnen sich die Folgen dieser Fehlentwicklung seit einigen Jahren in einer lahmenden Binnennachfrage ab.
    Umso verwunderlicher ist es, dass in Deutschland über flächendeckende Mindestlöhne gestritten wird. Die Einführung von Mindestlöhnen wäre eine der wenigen Maßnahmen, mit der man dieser (volkswirtschaftlich äußerst schädlichen) Entwicklung etwas entgegen wirken könnte.
    Unsere Volksvertreter sind leider keine Volkswirte, sondern leider meist nur Rechtswissenschaftler.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • LJA
    • 15. Februar 2010 13:54 Uhr

    zwar schon häufiger erwähnt, aber hier noch einmal: Deutschland ist ein von Natur aus armes Land, das seinen derzeitigen relativen Wohlstand nur durch Erfolge auf den internationalen Märkten halten kann. Dabei rückt uns die Konkurenz aber immer mehr auf die Pelle. Viele Menschen merken das sehr direkt, wenn z.B. in Schlachtbertrieben flächendeckend neue Mitarbeiter aus Osteuropa die bisherigen Kräfte verdrängen. Andere eher dadurch, dass sich die Produkte ihrer Firmen nur noch mit Abschlägen weltweit verkaufen lassen, weil asiatische Wettbewerber ihren früheren technologischen Rückstand aufgeholt haben.
    Natürlich gibt es genug Manager und Firmeninhaber die diese Entwicklung ausnutzen und dann noch einen drauf setzen wollen. Das ist verwerflich, ändert aber nichts an der Gesamtsituation.
    Dabei leisten wir uns in Deutschland noch eine ausufernde Bürokratie auf allen Ebenen, die immer größere Teile der privaten Einkommen schluckt, sowie Denkverbote, wie im Bereich der Gentechnik oder Atomenergie, durch die mögliche Wachstumsmärkte für heimische Unternehmen von vorn herein versperrt sind.
    Die Zeiten der abgeschotteten Nationalökononmien sind endgültig vorbei. Statt immer noch in den Kategorien der 70er Jahre zu denken, sollten wir endlich anfangen uns den Realitäten zu stellen. Dazu gehört bisher leider auch das Deutschland ärmer wird. Aber ein, real, höheres Volkseinkommen lässt sich leider nicht durch politische Beschlüsse herbeiführen.

    • bomar
    • 15. Februar 2010 18:13 Uhr

    Hier kann ich nur zustimmen.
    Der Zusammenhang zwischen Preisen und Löhnen ist in der Branche der Handelsunternehmen doch eigentlich offensichtlich.
    Die einzigen Möglichkeiten eines Handelsunternehmens seine Preise zu senken bestehen doch numal darin entweder die Margen zu senken oder die Effizienz des Unternehmens zu erhöhen. Da eine Margensenkung allerdings erst in Frage kommt wenn wirklich nichts anderes mehr funktioniert wird die Effizienz erhöht. Dies hat zur Folge, das am Personal gepart wird oder die Beschaffungspreise gedrückt werden, was die ganze Problematik eine Ebene nach vorne auf den Lieferanten verlagert. Dieser ist dann wiederum zu ähnlichen Schritten gezwungen.
    Das ganze ist ein Wettlauf nach unten. Damit das ganze nicht endlos so weitergeht muss der Staat eingreifen. Mindestlöhne wäre da ein geeignetes Mittel.

  4. "Da das nicht erreichbar ist, muss eben der Staat als Korrektiv eingreifen." Das tut der Staat - genau: die Politik - doch, nur eben nicht zu Gunsten ihrer entmündigten Bürger sondernfür ihre Herren aus der Wirtschaft.
    Sie duldet den Austritt von immer mehr Unternehmen aus der Tarifgemeinschaft, damit diese nicht mehr an die Traifverträge gebunden sind. Sie akzeptiert die Gründung von Scheingewerkschaften durch Unternehmer, um die richtigen Gewerkschaften zu entmachten. Sie verweigert jedem, der selbst seine Arbeit als unzumutbar aufgibt, jede Unterstützung, sodass niemand mehr kündigen kann. Sie zwingt Arbeitlose, wieder durch Verweigerung des Lebensnotwendigtsten, wirklich jeden Job anzunehmen.
    Bisher haben wir Glück, dass die Wirtschaft diese Tatsache noch nicht bis zur letzten Konsequenz für sich nutzt, doch wir sind unaufhaltsam auf den Weg dahin.
    Und wohin uns das führt, ist vorhersehbar: in eine neue Sklavenhaltergesellschaft. Arbeit wird nur noch gegen minimalste Bezahlung zu haben sein und wer diese nicht annehmen will, wird durch die androhung von Hunger und Obdachlosigkeit dazu gewzungen. Warum sollten die Unternehmen also überhaupt noch Löhne zahlen? Eine Schüssel Reis am Tat und eine Wellblechhütte tun es doch auch. Und selbst wenn irgendein Unternehmer sich dieser Entwicklung verweigert, wird er dank der freien Marktwirtschaft - also des beständigen Konkurrenzdruckes - ganz schnell vom Markt gefegt und durch einen ambitionierteren Sklavenhalter ersetzt.

    • fanta4
    • 15. Februar 2010 12:22 Uhr

    Ja, der Staat muss eingreifen. Warum? Weil die Gewerkschaften versagt haben!

    Die mittlerweile schon ewige Leier von der Lohnzurückhaltung, hat zu dieser sehr schädlichen Entwicklung geführt.

    Denn die Oberen Etagen haben sich nicht zurückgehalten. Dort sind die Bezahlungen explodiert.

    Von Verdienst kann ich da nicht sprechen, denn keiner kann ein Arbeitsleistung erbringen, die X Millionen entspricht.

    Antwort auf "Trilemma"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service