Überfischung Fische in Not

Bis 2015 will die EU die Fischbestände in Nordsee und Nordostatlantik so weit aufbauen, dass sie einen nachhaltigen Ertrag liefern können. Die Zeit wird knapp: Nur drei von 54 Fischarten haben bisher eine ausreichende Menge erreicht, 12 Arten stehen hingegen kurz vor dem Kollaps, alle anderen sind immer noch überfischt.

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Auch für das Jahr 2010 liegen die Fangquoten in europäischen Gewässern wieder weit über den Mengen, die einen nachhaltigen Aufbau der Fischbestände zulassen würden, heißt es in einer neuen Untersuchung des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften in Kiel (IFM-Geomar). Ein großes Problem dabei ist, dass viele Fische schon als Jungtiere gefangen werden, also noch bevor sie sich fortpflanzen können – beim stark bedrohten Nordsee-Kabeljau beträgt die Babyfischrate mehr als 80 Prozent.

Was deutsche Fischer fangen und welcher Fisch auf den Tellern deutscher Konsumenten landet, sind zwei verschiedene Paar Schuh. Rund 300.000 Tonnen Fisch wurden 2008 auf deutschen Kuttern angelandet, davon 20 Prozent Schildmakrelen, 15 Prozent Heringe und zehn Prozent Sprotten. Im gleichen Zeitraum verzehrten die Deutschen 1,3 Millionen Tonnen Fisch, am beliebtesten dabei war, mit einem Anteil von fast einem Viertel der Alaska-Seelachs. Danach folgt der Hering mit etwas mehr als 20 Prozent als einzige einheimische Arte unter den fünf beliebtesten Speisefischen (3. Lachs, 4. Thunfisch, 5. Pangasius). Jährlich werden mehr als eine Millionen Tonnen Speisefisch importiert.

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Wer Fisch mit gutem Gewissen genießen möchte, dem hilft das Siegel des Marine Stewartship Council. Der "Rat zur Bewahrung der Meere" ist eine weltweit tätige, unabhängige Einrichtung, die sich für eine nachhaltige und verantwortungsvolle Fischerei einsetzt. Er hat ein Programm entwickelt, mit dem die Fischereien die Umweltverträglichkeit ihrer Produktion prüfen und zertifizieren lassen können. Regelmäßig gibt außerdem die Umweltschutzorganisation World Wide Funf for Nature (WWF) einen Einkaufsratgeber heraus, in dem Speisefische in drei Kategorien eingeteilt sind: Rot für überfischt, Gelb für kritisch und Grün für nachhaltig.

Das IFM-Geomar hat die Daten von fünf europäischen Fischarten in Nordsee und Norwegischer See (Seelachs) für DIE ZEIT ausgewertet. In der Infografik zu sehen ist die Bestandsentwicklung seit 1970 relativ zur optimalen Bestandsgröße. Aktuell sind Hering und Seezunge überfischt, Kabeljau und Scholle droht die Ausrottung, nur dem Seelachs-Bestand geht es vergleichsweise gut.

Kabeljau

Was in der Nordsee Kabeljau heißt, nennt man in der Ostsee Dorsch (Gadus morhua). In beiden Gebieten ist die Art überfischt, doch während sich dort der Bestand in der Ostsee langsam erholt, droht in der Nordsee der Zusammenbruch. Die Fische werden hauptsächlich mit Grundschleppnetzen gefangen, dabei wird der Meeresboden geschädigt und es landen auch Jungfische und andere Arten als Beifang im Netz – ein Problem, das mit vergrößerten Maschen behoben wäre.

Scholle

Nach einer stetigen Ausweitung der Fischerei nach dem zweiten Weltkrieg, gehört die Scholle (Pleuronectes platessa) zu den Arten, die schon früh überfischt war. In der Nordsee hat sich der Schollenbestand seit Kurzem wieder etwas erholt. Schollen werden vorwiegend mit so genannten Baumkurren gefangen: Um die Plattfische aufzuscheuchen, wird der Meeresboden mit schweren Ketten durchpflügt. Auch viele andere Bodenlebewesen werden so mit gefangen, verletzt oder getötet.

Hering

Mithilfe eines 1997 eingeführten Managementprogramms konnte sich der damals stark bedrohte Heringsbestand (Clupea harengus) wieder erholen. Mittlerweile ist die Bestandsgröße wieder unter ein nachhaltiges Optimum gesunken, weshalb im vergangenen Jahr ein neuer Managementplan beschlossen wurde. Ein Teil der Nordseefischerei wurde schon jetzt mit dem MSC-Siegel für bestandserhaltende Fischerei ausgezeichnet. Heringe werden mit Schleppnetzen gefangen, die den Meeresboden nicht berühren – die Beifangquote ist vergleichsweise gering.

Seezunge

Die Seezunge (Solea solea) wächst langsam und ist daher anfällig für Überfischung. Sie wird ebenfalls mit Baumkurren gefangen – oft in der gemischten Fischerei, bei der verschiedene Arten zusammen gefangen werden. Weil die Seezunge kleiner und schmaler als andere Plattfischarten ist, beträgt die erlaubte Maschenweite 80 Millimeter. So werden sehr viele Jungfische anderer Arten gefangen. Für ein Kilo Seezunge werden bis zu sechs Kilogramm andere Meerestiere – meist tot – zurückgeworfen.

Seelachs

Der Seelachs (Pollachius virens) ist eigentlich kein Lachs, sondern gehört zu den Dorschen – sein eigentlicher Name lautet Köhler oder Kohlfisch. Weil das aber nicht so hübsch klingt, hat sich die Lebensmittelindustrie einen Verkaufsnamen ausgedacht, der sich mehr nach einem schmackhaften, teuren Fisch anhört. Den Beständen im Nordatlantik geht es vergleichsweise gut. Das liegt auch daran,, dass er im Gegensatz zu Deutschland etwa in Großbritannien geschmäht wird. Sein Fleisch ist nicht weiß genug, um als Fish and Chips akzeptiert zu werden. Die Beifangquote ist gering.

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Leser-Kommentare
  1. Hier hätte der Mensch Einfluss, um diesen Überfischungswahnsinn zu stoppen. Man kümmert sich lieber um den Klimawandel, den wir m.E. überhaupt nicht beeinflussen können. Wen wunderts, mit dem Schutz der Meeresbewohner lässt sich eben kein Geld verdienen.

  2. Weil in der EU zuviele sinnlose Bürokraten sitzen (z.T.gekaufte und gesponserte und ausrangierte Politiker). Das ist keine Beleidigung ,sondern ein Fakt !

  3. Es gibt zwar Fangquoten aber die verhindern Beifang nicht. Sie sorgen nur dafür, dass der Beifang, meist tot, wieder ins Meer zurückgeworfen wird.

    Es wäre dringend nötig neue Fangmethoden und alternative Quotenregelungen zu finden um wirklich nachhaltig zu sein. Aber es ist hier wie überall in der Wirtschaft. So lange man der Natur keinen Preis veraufschlagt der bezahlt werden muss, wird die Wirtschaft agieren als ob es kein Morgen gäbe. Dabei gibts inzwischen Methoden um den Nutzen der Natur zumindest ansatzweise zu berechnen.

    Der Mensch, als die Summe von 7 Milliarden und ihrer Lebensgewohnheiten, hat durchaus Einfluss auf das ökologische System, zu dem auch das Klima gehört. Das heutzutage noch zu bestreiten hat in der Psychologie einen Namen. Man nennt es Verdrängung und das ist eine Krankheit, zumindest wenn es zu einer Schädigung der eigenen Gesundheit führt. Im Fall Klima bedeutet es mittelfristig schwere Hungersnöte und langfristig das Aussterben des Menschen und der meisten Arten. Die Erde als Steinkugel wirds nicht jucken und als ökologisches System wird sie neue Arten hervorbringen. Nur der Mensch, der wird nicht mehr sein.

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    • otto_B
    • 16.02.2010 um 22:49 Uhr

    "Im Fall Klima bedeutet es mittelfristig schwere Hungersnöte und langfristig das Aussterben des Menschen und der meisten Arten. Die Erde als Steinkugel wirds nicht jucken und als ökologisches System wird sie neue Arten hervorbringen. Nur der Mensch, der wird nicht mehr sein."

    Ein bischen dick tragen Sie ja auf. Ihren Äußerungen zur Ökologie ist zuzustimmen, der Rahmen aber durchaus weiterzufassen. Wenn das Zeitalter der Fischstäbchen in der Süpermarktkühltheke zuende gehen sollte, oder das der Pauschalurlaube auf Mallorca, das der "freinen Fahrt für freie Bürger" ........ - das gleichzusetzen mit dem Ende der Art - das hat mehr gemein mit der endzeitlichen Visionen mancher Religionen, als mit einem "ökologischen" Blick auf die Welt im Wortsinn.
    Das mit dem Management hat doch viel mit einer Erhaltung "nutzbarer" Bestände zu tun. Wenn ein Bestand klein ist, hört eine wirtschaftliche Ausbeutbarkeit auf. Zum Überleben der Art finden sich aber meistens doch genügend Nieschen.
    Nach 200 Jahren Aufklärung scheint die Gesellschaft mal wieder die Apokalypse schick zu finden.

    "Im Fall Klima bedeutet es mittelfristig schwere Hungersnöte und langfristig das Aussterben des Menschen und der meisten Arten."
    Mir fällt da nur der Begriff Chassandrenwahn ein...

    Wie eine Düngung der Atmosphäre mit der wichtigsten Grundlage für Pflanzen, CO2, zudem ein milderes Klima mit längerer Wachstumssaison und höheren Niederschlägen zu Hungersnöten führen soll, DAS möchte ich wirklich mal wissen, geschweige denn, welcher Klimaforscher so ein Zeug verbreitet...

    • otto_B
    • 16.02.2010 um 22:49 Uhr

    "Im Fall Klima bedeutet es mittelfristig schwere Hungersnöte und langfristig das Aussterben des Menschen und der meisten Arten. Die Erde als Steinkugel wirds nicht jucken und als ökologisches System wird sie neue Arten hervorbringen. Nur der Mensch, der wird nicht mehr sein."

    Ein bischen dick tragen Sie ja auf. Ihren Äußerungen zur Ökologie ist zuzustimmen, der Rahmen aber durchaus weiterzufassen. Wenn das Zeitalter der Fischstäbchen in der Süpermarktkühltheke zuende gehen sollte, oder das der Pauschalurlaube auf Mallorca, das der "freinen Fahrt für freie Bürger" ........ - das gleichzusetzen mit dem Ende der Art - das hat mehr gemein mit der endzeitlichen Visionen mancher Religionen, als mit einem "ökologischen" Blick auf die Welt im Wortsinn.
    Das mit dem Management hat doch viel mit einer Erhaltung "nutzbarer" Bestände zu tun. Wenn ein Bestand klein ist, hört eine wirtschaftliche Ausbeutbarkeit auf. Zum Überleben der Art finden sich aber meistens doch genügend Nieschen.
    Nach 200 Jahren Aufklärung scheint die Gesellschaft mal wieder die Apokalypse schick zu finden.

    "Im Fall Klima bedeutet es mittelfristig schwere Hungersnöte und langfristig das Aussterben des Menschen und der meisten Arten."
    Mir fällt da nur der Begriff Chassandrenwahn ein...

    Wie eine Düngung der Atmosphäre mit der wichtigsten Grundlage für Pflanzen, CO2, zudem ein milderes Klima mit längerer Wachstumssaison und höheren Niederschlägen zu Hungersnöten führen soll, DAS möchte ich wirklich mal wissen, geschweige denn, welcher Klimaforscher so ein Zeug verbreitet...

  4. In Segmenten wo es um natürliche Monopole geht! Wir ruinieren einfach das Meer und dann sind die Reichtümer für vielleicht immer verschwunden!

    Der Kapitalismus ist eine Seuche so wie es der Globalismus sein wird = kommt aus dem Geldlismus!

    Die Alternative heißt Freiwirtschaft und sehr viel würde sich dabei für Uns nicht einmal verändern!

    • otto_B
    • 16.02.2010 um 22:49 Uhr

    "Im Fall Klima bedeutet es mittelfristig schwere Hungersnöte und langfristig das Aussterben des Menschen und der meisten Arten. Die Erde als Steinkugel wirds nicht jucken und als ökologisches System wird sie neue Arten hervorbringen. Nur der Mensch, der wird nicht mehr sein."

    Ein bischen dick tragen Sie ja auf. Ihren Äußerungen zur Ökologie ist zuzustimmen, der Rahmen aber durchaus weiterzufassen. Wenn das Zeitalter der Fischstäbchen in der Süpermarktkühltheke zuende gehen sollte, oder das der Pauschalurlaube auf Mallorca, das der "freinen Fahrt für freie Bürger" ........ - das gleichzusetzen mit dem Ende der Art - das hat mehr gemein mit der endzeitlichen Visionen mancher Religionen, als mit einem "ökologischen" Blick auf die Welt im Wortsinn.
    Das mit dem Management hat doch viel mit einer Erhaltung "nutzbarer" Bestände zu tun. Wenn ein Bestand klein ist, hört eine wirtschaftliche Ausbeutbarkeit auf. Zum Überleben der Art finden sich aber meistens doch genügend Nieschen.
    Nach 200 Jahren Aufklärung scheint die Gesellschaft mal wieder die Apokalypse schick zu finden.

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    > Wenn ein Bestand klein ist, hört eine wirtschaftliche Ausbeutbarkeit auf.
    Das dem nicht so ist zeigen z.B. Nashörner oder Wale oder auch die Ressource Rohöl. Zunächst bedeutet Knappheit ein hörer Preis und eine effizientere Ausbeutung. Also Fisch ist heute ein Massennahrungsmittel, wird er knapper wirds eine teuere Delikatesse, später dann ein Medikament und noch später ein exklusives Potenzmittel. Erst wenn (quasi) nichts mehr da ist, oder der Nutzen aderweitig befriedigt werden kann (z.B. Roh-Öl statt Wal-Öl) hört der wirtschaftliche Druck auf. Nashörner überleben dann im Zoo, für Sardinen könnten die becken knapp werden.

    > Wenn ein Bestand klein ist, hört eine wirtschaftliche Ausbeutbarkeit auf.
    Das dem nicht so ist zeigen z.B. Nashörner oder Wale oder auch die Ressource Rohöl. Zunächst bedeutet Knappheit ein hörer Preis und eine effizientere Ausbeutung. Also Fisch ist heute ein Massennahrungsmittel, wird er knapper wirds eine teuere Delikatesse, später dann ein Medikament und noch später ein exklusives Potenzmittel. Erst wenn (quasi) nichts mehr da ist, oder der Nutzen aderweitig befriedigt werden kann (z.B. Roh-Öl statt Wal-Öl) hört der wirtschaftliche Druck auf. Nashörner überleben dann im Zoo, für Sardinen könnten die becken knapp werden.

  5. Ich verzichte seit langem auf Fisch, und wenn dann aus dem Teich des nächsten Fischers kaufen. Wenn das mehr Menschen machen würden.....

    Ich glaube wir werden noch miterleben, wie die Meere leergefischt werden.

  6. > Wenn ein Bestand klein ist, hört eine wirtschaftliche Ausbeutbarkeit auf.
    Das dem nicht so ist zeigen z.B. Nashörner oder Wale oder auch die Ressource Rohöl. Zunächst bedeutet Knappheit ein hörer Preis und eine effizientere Ausbeutung. Also Fisch ist heute ein Massennahrungsmittel, wird er knapper wirds eine teuere Delikatesse, später dann ein Medikament und noch später ein exklusives Potenzmittel. Erst wenn (quasi) nichts mehr da ist, oder der Nutzen aderweitig befriedigt werden kann (z.B. Roh-Öl statt Wal-Öl) hört der wirtschaftliche Druck auf. Nashörner überleben dann im Zoo, für Sardinen könnten die becken knapp werden.

    Antwort auf "So schlimm?"
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    Aber leider zu spät...

    Wofür gibt es Fangquoten???
    Ich weiß gar nicht, wieso dies alles noch als großer Öko.Hokus-Pokus verkauft wird. Ist doch klar: Fangquoten verhindern Überfischung, man muss sie nur durchsetzen. Eine Alternative wäre die Privatisierung der Wildfischbestände.

    Aber da heutzutage so viel aus der Fischzucht kommt, kann uns das Problem relativ egal sein (nur 1% der Welternährung kommt aus dem Meer).

    Aber leider zu spät...

    Wofür gibt es Fangquoten???
    Ich weiß gar nicht, wieso dies alles noch als großer Öko.Hokus-Pokus verkauft wird. Ist doch klar: Fangquoten verhindern Überfischung, man muss sie nur durchsetzen. Eine Alternative wäre die Privatisierung der Wildfischbestände.

    Aber da heutzutage so viel aus der Fischzucht kommt, kann uns das Problem relativ egal sein (nur 1% der Welternährung kommt aus dem Meer).

  7. Aber leider zu spät...

    Wofür gibt es Fangquoten???
    Ich weiß gar nicht, wieso dies alles noch als großer Öko.Hokus-Pokus verkauft wird. Ist doch klar: Fangquoten verhindern Überfischung, man muss sie nur durchsetzen. Eine Alternative wäre die Privatisierung der Wildfischbestände.

    Aber da heutzutage so viel aus der Fischzucht kommt, kann uns das Problem relativ egal sein (nur 1% der Welternährung kommt aus dem Meer).

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