Gesellschaftskritik Über Oettingers Englisch

Die Ausspracheschwierigkeiten des zukünftigen EU-Politikers veranlassen viele Bürger zu Spott und Häme. Heike Faller findet Günther Oettingers Englisch nicht so schlimm.

Thank you for inviting me to the 50th annual conference at the renowned Columbia University ist ein korrekter englischer Satz. On the one hand the crisis has revealed that there is a need for more governmental regulation, on the other hand we have to find a way of drastically limiting the governmental interference into economic activities… Auch dieser Satz – völlig ok. Günther Oettingers Englisch ist nicht falsch. Interference into, da stolpert man ein wenig, interference with klingt richtiger, im Internet finden sich aber zahlreiche Beispiele für Ersteres. Auffällig an der Oettinger-Rede ist allein die stark schwäbische Aussprache, sein mangelndes Talent fürs th, die Buchstabendreher, die Weise, wie er jedem Vokal nachspürt, statt englisch-lässig über ihn hinwegzugehen, die kleinen Auslasser zum Ende hin, als ihn offenbar leichte Panik erfasst und er nur noch will, dass es vorbei ist. Dank Kommentarfunktion im Internet prügeln jetzt alle auf Oettinger herum, schämen sich fremd, fühlen sich schlecht repräsentiert von einem Demnächst-EU-Politiker, der redet wie ein deutscher Soldat in einem alten Kriegsfilm, und malen sich aus, was die Nachbarn denken könnten.

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Aber was sollen sie schon denken? Alles, was uns Oettingers Aussprache über ihn erzählt, ist, dass er offenbar nie in London gelebt hat, nie sechs Wochen durch die USA gereist ist oder ein Mini-Sabbatical in Harvard verbracht hat. Er ist nicht besonders begabt darin, einen fremden Sprachklang nachzuahmen, und an diesem Tag war er ein bisschen nervös, aber was soll’s, es ist ja eigentlich auch egal. Who cares.

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In ICEs erlebt man es häufig, dass sich Mitfahrer, sobald sich der Zugführer im bahntypischen Englisch zu Wort meldet, vielsagende Blicke zuwerfen. Das soll heißen: Wie peinlich. Und: Mein Englisch ist so gut, dass ich erkennen kann, wie schlecht sein Englisch ist. Aber noch deutscher als deutsches Englisch ist die übertriebene Scham deswegen. Jeder, der je mit einem Amerikaner zu tun hatte, weiß, dass diese im Allgemeinen so peinlich berührt von ihrer eigenen Einsprachigkeit sind, dass gerade die unbeholfeneren Versuche, sich ihnen in ihrer eigenen Sprache zu nähern, eher als Mahnung verstanden werden, es doch mal selbst zu versuchen. Anyway, Mr. Oettinger: Chin up. You just need to brush up your pronunciation and you'll be alright!

 
Leser-Kommentare
  1. Peinlich an Oettinger ist weniger das schlechte Englisch an sich, als der Zusammenhang, in den man ihn stellen muss. Der Zusammenschnitt bei Youtube beginnt mit Oettingers Mahnung, alle sollten Englisch können. Alle, nur er nicht?

    Man kann natürlich auch einwenden, er können ja nicht einmal Hochdeutsch, wie solle er da eine fremdere Sprache können? Das ist weder Häme als die traurige Wahrheit, die aber auf viele Politiker zutrifft.

    Die Arbeit eines Politikers ist die Kommunikation. Man sollte deshalb erwarten, daß er alle Facetten der Kommunikation beherrscht, je höher er steigt. Das ist bei Oettinger nicht der Fall. Seine Reden sind weder interessant noch mitreissend, in Interviews wirkt er nicht gewinnend, sondern abschreckend. Er kann kein Hochdeutsch, er beherrscht Englisch in einer miserablen Aussprache. Welche Qualifikation hat er also für seinen Job? Kann er wenigstens mit einem Computer umgehen, E-Mails schreiben und selber Recherchieren? Ich kann es mir nicht vorstellen.

    Welche Qualifikation hat ihn also zu seinem aktuellen Job und denen davor gebracht? Sie können nichts mit Kommunikation zu tun haben. Ich warte noch darauf, daß sich Professionalität unter Politikern breit macht.

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    Natürlich ist Oettinger peinlich. Aber es ist nicht peinlich, daß er nicht englisch kann, auch nicht, daß er nicht hochdeutsch kann. Vor 50 Jahren konnte beides kaum ein Politiker; schlechter als die heutigen waren die damals auch nicht. Peinlich ist, daß es den Deutschen peinlich ist, wenn sie nicht englisch können, und den Schwaben, wenn sie das Hochdeutsche nicht beherrschen.
    Apropos hochdeutsch. Sehr geehrter Herr Grochtdreis, da wollen wir doch mal sehen, wie es bei Ihnen damit aussieht:
    "Peinlich an Oettinger ist weniger das schlechte Englisch an sich, als der Zusammenhang, in den man IHN stellen muss."
    "Das ist weder Häme ALS die traurige Wahrheit, die aber auf viele Politiker zutrifft."
    "Die Arbeit eines Politikers ist die Kommunikation."
    "[E]r beherrscht Englisch in einer miserablen Aussprache."

    Das ist nur eine Auswahl. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen

    Natürlich ist Oettinger peinlich. Aber es ist nicht peinlich, daß er nicht englisch kann, auch nicht, daß er nicht hochdeutsch kann. Vor 50 Jahren konnte beides kaum ein Politiker; schlechter als die heutigen waren die damals auch nicht. Peinlich ist, daß es den Deutschen peinlich ist, wenn sie nicht englisch können, und den Schwaben, wenn sie das Hochdeutsche nicht beherrschen.
    Apropos hochdeutsch. Sehr geehrter Herr Grochtdreis, da wollen wir doch mal sehen, wie es bei Ihnen damit aussieht:
    "Peinlich an Oettinger ist weniger das schlechte Englisch an sich, als der Zusammenhang, in den man IHN stellen muss."
    "Das ist weder Häme ALS die traurige Wahrheit, die aber auf viele Politiker zutrifft."
    "Die Arbeit eines Politikers ist die Kommunikation."
    "[E]r beherrscht Englisch in einer miserablen Aussprache."

    Das ist nur eine Auswahl. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen

  2. 2. ;-)

    der autor hat völlig recht. das gemäkel an der aussprache ist ein ausdruck von kleingeistigkeit, wie sie meist aus den reihen derer kommt, deren englischkenntnisse zwar ausreichen, eine schlechte aussprache zu erkennen, die aber in der praxis weit davon entfernt sind, sich qualitativ hochwertig in einer fremden sprache auszudrücken.

  3. Diese ständigen Kommentare wegen der schlechten Aussprache stören mich auch schon lange.
    Und Kommentare wegen deutschen Dialekten erst recht.
    Ich find Dialekte schön und es gut, wenn jemand zu seiner Herkunft steht.

  4. Zweierlei Dinge sollte man ab doch noch bedenken:
    1. Die Rede hat bestimmt nicht er geschrieben, also kann man nicht sagen, dass nur weil die Grammatik korrekt ist SEIN Englisch gut ist
    2. In jedem x-beliebigen DAX-Konzern würde man heutzutage nichtmal mehr ein Praktikum zum Brötchenholen bekommen, wenn man mit solcher Aussprache antanzt.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. 5. ha joh

    es gibt english, singlish, chinlish,japlish, american english, warum nicht auch shablish. Die Anglos sind Akzente und anders verwendete Praepositionen gewohnt......

  6. Natürlich ist es nicht seine Aussprache, die zur Scham führt. Dennoch werden solche Dinge besonders attackiert, wenn die Person im Allgemeinen verachtenswert ist - also der Politiker darf gern sein Handeln verspottet sehen und eben nicht nur ein Detail wie sein schlechtes Englisch.
    Als wäre das kein alltägliches Phänomen.

    • Kainyc
    • 11.02.2010 um 12:05 Uhr
    7. Bitte?

    Es geht hier doch gar nicht darum, ob Dialekte schoen sind oder nicht, die Deutschen sich generell ueber ihre Englisch-Kenntnisse schaemen muessen oder Amerikaner Frendsprachen eher nicht lernen. Es geht hier darum ob jemand seinen Job gut macht oder nicht. Englisch ist fuer Menschen der westlichen Hemisphaere (anders als fuer Asiaten beispeilsweise) die leichteste Fremdsprache, die man ueberhaupt erlernen kann. Wenn unsere Politiker uns repraesentieren wollen und vor allem kommunizieren koennen muessen, dann sollten sie gefaelligst gutes Englisch sprechen. - (Fast) ohne Akzent, mit richtiger Grammatik und ohne grosse Auslassungen. Soviel Professionalitaet kann man ja wohl auf der Weltbuehne, wie man so schoen sagt erwarten. - Von Herrn Oettinger, als auch von Herrn Westerwelle, der uebrigens auch kein Englisch spricht. Ziemlich peinlich!!!

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    Wer herab von so hohem Rosse blickt,
    der sieht nur Verarmtes, Verirrtes.
    Ich sage: Wer so ein Zeug schreibt, ist verrückt,
    und wer es für wahr nimmt, wird es.

    Nichts für ungut!

    Wer herab von so hohem Rosse blickt,
    der sieht nur Verarmtes, Verirrtes.
    Ich sage: Wer so ein Zeug schreibt, ist verrückt,
    und wer es für wahr nimmt, wird es.

    Nichts für ungut!

  7. Ich verstehe nicht, warum ein Politiker aus einem nicht-englischsprachigen Land ueberhaupt englisch sprechen muss. Ich dachte immer, die Idee der Europaeischen Einigung sollte nicht auf Kosten der sprachlichen Vielfalt gehen, die unser Kontinent nun einmal hat. Wozu gibt es Konferenz-Dolmetscher? Ich glaube, es waere fuer diese eine weitaus leichtere Aufgabe, von deutsch in englisch zu uebersetzen, als radebrechenes Englisch zu entziffern.
    Die Franzosen, Spanier, Chinesen oder Russen wuerden niemals der englischen Sprache eine Hoeherwertigkeit gegenueber der eigenen einraeumen. Warum haben wir Deutschen von unserer Sprache so eine schlechte Meinung? Gehoeren Unterwerfungsgesten gegenueber der Anglo-amerikanischen Zivilisation zum guten Ton in der Politik?

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    Der einzige Vorwurf den man Herrn Öttinger machen kann, ist der, dass er nicht deutsch gesprochen hat.
    Wenn ich mir die täglichen schlechten Beispiele von Denglish ansehe und höre, wird mir ganz schlecht. Auf diesem Sektor toben sich Mitmenschen aus, deren Englischkenntnisse auch noch stark verbesserungswürdig sind.

    ...die Vorgeschichte. Ich habe sie in meinem vorigen Kommentar nach meinen Erinnerungen geschildert.

    Der einzige Vorwurf den man Herrn Öttinger machen kann, ist der, dass er nicht deutsch gesprochen hat.
    Wenn ich mir die täglichen schlechten Beispiele von Denglish ansehe und höre, wird mir ganz schlecht. Auf diesem Sektor toben sich Mitmenschen aus, deren Englischkenntnisse auch noch stark verbesserungswürdig sind.

    ...die Vorgeschichte. Ich habe sie in meinem vorigen Kommentar nach meinen Erinnerungen geschildert.

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