Hartz-IV-Urteil Arbeitsauftrag für Schwarz-GelbSeite 2/2

Werden höhere Bedarfssätze nötig, hat das allerdings Folgen, die weit über Hartz IV hinausreichen. Denn jede Erhöhung des Existenzminimums strahlt auf das Steuer- und Sozialsystem aus.

Zum einen, weil der gesetzliche Mindestbedarf viele Bestimmungen berührt: etwa die Sozialhilfe für Erwerbsunfähige, das Unterhaltsrecht, die Grundsicherung im Alter oder die Grund- und Kinderfreibeträge im Steuerrecht. »Das Existenzminimum«, sagt Ulrich Schneider, der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, »ist die entscheidende Kennziffer im Sozialstaat.«

Zum anderen, weil höhere Hartz-IV-Zahlungen indirekt auch auf den Arbeitsmarkt wirken. Wenn die Bedarfssätze zunehmen, steigt automatisch auch die Einkommensgrenze, bis zu der man Anspruch auf staatliche Hilfen hat. Das heißt: Viele Geringverdiener, die bisher keinen Anspruch hatten, könnten erstmals Hilfe beantragen. Schon heute erhalten rund 300.000 voll Berufstätige für sich und ihre Familien ergänzende Leistungen aus dem Hartz-IV-System. Bei einer höheren Bedarfsgrenze könnten es leicht ein bis zwei Millionen mehr werden. Dann würde mehr als jeder zehnte Bundesbürger zumindest teilweise von Hartz IV leben.

Solche Schlüsse legen jedenfalls Berechnungen nahe, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg vor einiger Zeit vorgelegt hat. Die Forscher nahmen an, der Eckregelsatz – jener Betrag, der einem Single zusteht und von dem bisher auch die Kindersätze abgeleitet wurden – würde von rund 350 Euro im Monat auf 420 Euro angehoben. Die Folge wäre: bis zu zwei Millionen weitere Hilfeempfänger, zusätzliche Kosten von etwa zehn Milliarden Euro. Eine Summe, die etwa dem entspricht, was der Bund in diesem Jahr für Bildung und Forschung eingeplant hat. Und in der Studie ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass sich auch das Verhalten von Geringverdienern und Arbeitslosengeld-II-Beziehern verändern könnte. Wenn sie die Erfahrung machen, dass sie trotz aller Bemühungen nicht über das Hartz-IV-Niveau hinauskommen, könnte zumindest ein Teil von ihnen frustriert eigene Anstrengungen aufgeben.

Diese Gefahr besteht schon heute. Sie ist kein Argument gegen menschenwürdige Sozialleistungen. Aber sie zeigt: Das Karlsruher Urteil wirft auch die Frage neu auf, wie die Gesellschaft mit dem Niedriglohnsektor umgehen soll. Die SPD und der Deutsche Gewerkschaftsbund haben in ihren Reaktionen bereits gefordert, flächendeckende Mindestlöhne festzuschreiben. »Es kann nicht sein, dass jemand ohne Arbeit mehr Geld bekommt als jemand, der den ganzen Tag einer Arbeit nachgeht«, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann. Der Satz als solcher könnte auch von Schwarz oder Gelb stammen – bisher meist mit der Intention, die staatliche Hilfe zu senken.

Tatsächlich liegen die Löhne, die Geringqualifizierte erreichen können, bereits heute oft nicht höher als Hartz-IV-Sätze. Besonders eng ist der Lohnabstand, wenn ein Bürger mehrere Merkmale auf sich vereint: alleinerziehend, geringqualifiziert, bisher nur tätig im Dienstleistungssektor, gemeldet in Ostdeutschland. Diese Gruppe könne derzeit kaum einen Lohn oberhalb von Hartz IV erreichen, erklärt das Kieler Institut für Weltwirtschaft, das umfangreiche Lohnstatistiken ausgewertet und mit den Sozialleistungen verglichen hat. »In vielen Fällen«, sagt Klaus Schrader, einer der Autoren, »lohnt es sich für die Betroffenen finanziell nicht, einen Job anzunehmen. Und das Problem verschärft sich natürlich, wenn die Hartz-Sätze angehoben werden.«

Als Antwort darauf fordern Gewerkschafter, die weitere Ausbreitung von Niedrigsteinkommen zu stoppen. Durch Mindestlöhne oder Schranken für Minijobs und Leiharbeit. Schrader empfiehlt, besser die Nettogehälter der Geringverdiener aufzustocken. Andere Experten raten, niedrige Mindestlöhne zu bestimmen und die Sozialabgaben der Geringverdiener zu senken.

Doch alle Ideen, Einkommen staatlich aufzustocken, würden Geld kosten – zusätzlich zu dem, was der Staat für höhere Hartz-IV-Sätze ausgeben müsste. Das scheint kaum finanzierbar, erst recht nicht, wenn die FDP an ihren Steuersenkungsplänen festhält. Wie die Koalition auch auf das Urteil in Karlsruhe reagieren wird, eines haben die Richter schon entschieden: Ausgerechnet die schwarz-gelbe Regierung, die neben Hoteliers vor allem der Mittelschicht zur Hilfe eilen wollte, wird sich intensiv den Armen und Niedriglöhnern widmen müssen.

Mitarbeit: Ulrike Meyer-Timpe

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Autor Rudzio: "Künftig wird der Staat ihnen mehr Geld geben müssen." Auf welchem Palaneten lebt Rudzio? Zur Erinnerung: Der Spekulant Issung, Deutschland-Chef von Goldman-Sachs, ist von Merkel beauftragt, "neue Regelungen auf den internationalen Finanzmärkten" zu machen; Rösler holt sich einen Pharmalobbyisten für "Einsparungen im Gesundheitswesen" usw. usw. Entsprechend wird ein Arbeitgeber-"Experte" beauftragt werden, die Hartzer zu ignorieren, den Niedriglohnsektor auszubauern und die Mitteelschicht zu zerstören. Die Regierung wird weiter nach ganz oben umverteilen, aber Hr. Rudzio bekommt nichts mit.
    Die Zeit informiert leider nicht mehr grundsätzlich über die Vorgänge in Deutschland, nur noch ignorante Meinungsmache.

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    • Hokan
    • 10.02.2010 um 17:07 Uhr

    Kann mich Ihrer generellen Aussage über die Zeit so nicht ganz anschließen. Hängt sehr stark davon ab, welcher Redaktionsfraktion der Autor angehört. Gestern war hier ein sehr guter Artikel aus der Feder von Markus Horeld zum Hartz-IV Komplex zu lesen. Heute nun dieser haarsträubende von Kolja Rudzio. Die ZEIT-Redaktion ist kein monolithischer Block. Die Mehrheit hatten seit etlichen Jahren die Garde der Neoliberalen, allen voran Bernd Ulrich. Vor der September-Wahl verging kaum eine Woche, dass hier nicht von der Frontseite zum Kampf gegen den Linksruck in „diesem unseren Lande“ aufgerufen wurde. Heute hat sich das Bild ein wenig gewandelt. Sieht aus, als duckten sie sich weg, die Vertreter der „geistig-politischen Wende“. „Vorsicht“ lautet wohl die Devise. Und dann hagelt's so verdruckste Artikel wie dieser hier von Rudzio.

    • Hokan
    • 10.02.2010 um 17:07 Uhr

    Kann mich Ihrer generellen Aussage über die Zeit so nicht ganz anschließen. Hängt sehr stark davon ab, welcher Redaktionsfraktion der Autor angehört. Gestern war hier ein sehr guter Artikel aus der Feder von Markus Horeld zum Hartz-IV Komplex zu lesen. Heute nun dieser haarsträubende von Kolja Rudzio. Die ZEIT-Redaktion ist kein monolithischer Block. Die Mehrheit hatten seit etlichen Jahren die Garde der Neoliberalen, allen voran Bernd Ulrich. Vor der September-Wahl verging kaum eine Woche, dass hier nicht von der Frontseite zum Kampf gegen den Linksruck in „diesem unseren Lande“ aufgerufen wurde. Heute hat sich das Bild ein wenig gewandelt. Sieht aus, als duckten sie sich weg, die Vertreter der „geistig-politischen Wende“. „Vorsicht“ lautet wohl die Devise. Und dann hagelt's so verdruckste Artikel wie dieser hier von Rudzio.

  2. Spekulanten-Freund Steinmeier wird schon dafür sorgen, dass die SPD keine Oppositionspolitik zugunsten der Harzter macht.

  3. ... auch wenn die Finanzierungsfrage sich für mich nicht stellt, angesichts der enormen und offensichtlich vollkommen sinnlosen Steuernachlässe des letzten Jahrzehnts. Da ist noch viel zu holen.

    Was ich nicht verstehe:
    "Alle fünf Jahre werden die Ausgaben der Bürger analysiert, die sich im untersten Fünftel der Einkommenspyramide bewegen. Von ihren Ausgaben werden Abschläge gemacht, um den Bedarf zu ermitteln, der für die physische Existenzsicherung und ein Mindestmaß an sozialkultureller Teilhabe nötig ist. Das alles, urteilten die Richter, sei in Ordnung."

    Damit ist doch für die Wespe alles klar, oder? Das untere Fünftel sind (anders als zur Einführung von H4) mittlerweile zum Großteil Niedriglöhner, die ohne Aufstockung von ihrem Lohn nicht mehr leben können. Weg frei für H4-Senkung? Oder habe ich was übersehen, kommt in der Rechnung am Ende doch noch der tatsächliche Bedarf, zu realistischen Kosten, zum Tragen? Können die "Abschläge" auch negativer Natur sein (also Aufstockungen), scheinbar schon.

    Auch die Etablierung eines komplett neuen Systems könnte die Wespe machen, dauert ja wieder Jahre, bis das zum Verfassungsgericht sickert und Politiker müssen sich ohnehin nie für ihre Fehlentscheidungen verantworten. Im besten Fall werden sie nicht mehr gewählt, wenn der zeitliche Abstand groß genug ist, spielt nichtmal das eine Rolle. Der Schaden ist auf jeden Fall angerichtet und die Glaubwürdigkeit der Wespe ist ohnehin nahe Null, sie hat nicht viel zu verlieren.

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    "... auch wenn die Finanzierungsfrage sich für mich nicht stellt, angesichts der enormen und offensichtlich vollkommen sinnlosen Steuernachlässe des letzten Jahrzehnts. Da ist noch viel zu holen."

    Was aber nichts ueber die grundsaetzlich fragwuerdige Entwicklung aussagt, dass es in Deutschland bald mehr Transferempfaenger als Beitragszahler gibt.

    Wollen Sie wirklich diese Schieflage erhalten?

    • joG
    • 10.02.2010 um 14:44 Uhr

    ...."zu holen"? Es kann doch sein, dass die SPD/Grüne Regierung den Willkürlich festgelegten HartzIV Betrag höher festlegte, als hätte sein müssen, wenn man mit spitzer Feder rechnet. Immerhin wollten sie nicht alle Stimmen dieser Leute verlieren....

    So kommt womöglich auf die CDU/FDP die unangenehme Situation zu, den Leuten sagen zu müssen, man haben geirrt und der Satz müsse reduziert werden. Das kann man dann fein und säuberlich vorrechnen und belegen, wie die Richter das verlangten und die SPD steht als unehrlicher Verschwender da. Ich vermute, dass die Sätze so viel zu joch sind, dass die Einsparung und die notwendige Anhebung der Kindersätze sich egalisieren. Das ist ein reiner Zufall.

    "... auch wenn die Finanzierungsfrage sich für mich nicht stellt, angesichts der enormen und offensichtlich vollkommen sinnlosen Steuernachlässe des letzten Jahrzehnts. Da ist noch viel zu holen."

    Was aber nichts ueber die grundsaetzlich fragwuerdige Entwicklung aussagt, dass es in Deutschland bald mehr Transferempfaenger als Beitragszahler gibt.

    Wollen Sie wirklich diese Schieflage erhalten?

    • joG
    • 10.02.2010 um 14:44 Uhr

    ...."zu holen"? Es kann doch sein, dass die SPD/Grüne Regierung den Willkürlich festgelegten HartzIV Betrag höher festlegte, als hätte sein müssen, wenn man mit spitzer Feder rechnet. Immerhin wollten sie nicht alle Stimmen dieser Leute verlieren....

    So kommt womöglich auf die CDU/FDP die unangenehme Situation zu, den Leuten sagen zu müssen, man haben geirrt und der Satz müsse reduziert werden. Das kann man dann fein und säuberlich vorrechnen und belegen, wie die Richter das verlangten und die SPD steht als unehrlicher Verschwender da. Ich vermute, dass die Sätze so viel zu joch sind, dass die Einsparung und die notwendige Anhebung der Kindersätze sich egalisieren. Das ist ein reiner Zufall.

    • eluutz
    • 10.02.2010 um 12:12 Uhr

    Beschäftigungsverhältnisse, die aufgrund des Existenzminimums auf staatliche Zuschüsse angewiesen sind, halte ich für extrem problematisch.

    - Signalwirkung: Ihr schafft es nicht, euch mit einem Vollzeitjob selbst zu erhalten
    - Sozialkassen: Wegfall der Einzahlungen in öffentliche Kassen
    - indirekte Subventionierung: Betriebe, Kommunen sparen Lohn; Konkurrenz zwischen prekären und normalen Beschäftigungsverhältnissen, Arbeitgeberargument "Ihr bekommt doch noch was Extra"

    Aus diesem Grund halte ich einen existenzsichernden Mindestlohn für absolut notwendig. Der Lohn einer Vollzeitstelle muss so hoch sein, dass der Nettolohn ausreichend für mindestens 1,5 Personen ist. Führt man sich die Gesamtkosten von Wohnung, Kleidung, Nahrung, ... vor Augen, so ist ein Stundensatz von € 8,- noch gering (war glaube ich ein Vorschlag der Linkspartei), das wäre ein Mindestmonatslohn von etwa 780 Euro (13 Gehälter, Jahresarbeitsstunden ca. 1680).

    Beschäftigungsverhältnisse mit staatlichem Zuschuss sind in den wenigsten Fällen ein Einstieg von Langzeiterwerbslosen in reguläre Arbeitsverhältnisse; meistens sind sie dauerhaft und subventionieren so unsere Friseurbesuche (10,- für Haarschnitt) oder privaten Putzhilfen, etc.

  4. 7.

    "... auch wenn die Finanzierungsfrage sich für mich nicht stellt, angesichts der enormen und offensichtlich vollkommen sinnlosen Steuernachlässe des letzten Jahrzehnts. Da ist noch viel zu holen."

    Was aber nichts ueber die grundsaetzlich fragwuerdige Entwicklung aussagt, dass es in Deutschland bald mehr Transferempfaenger als Beitragszahler gibt.

    Wollen Sie wirklich diese Schieflage erhalten?

    Antwort auf "Guter Artikel..."
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    "Was aber nichts ueber die grundsaetzlich fragwuerdige Entwicklung aussagt, dass es in Deutschland bald mehr Transferempfaenger als Beitragszahler gibt."

    Transferempfänger ~6 Mio (darunter viele Niedriglöhner), sv-Arbeitsplätze 26-28 Mio.

    Deine Aussage ist also schonmal grob polemisch. Nichtsdestotrotz glaube ich nicht, dass man an der Schieflage was ändert, wenn man Besserverdiener und Reiche entlastet. Im Gegenteil, die sparen das Geld so oder so weg und verspekulieren es. In die (deutsche) Realwirtschaft investieren lohnt sich ja nicht, da die Nachfrage ständig sinkt und wenn dann eher in irgendeinem Billigland, wo gerade 10% Wachstum angesagt sind und man einen viel besseren Schnitt machen kann. Die einzige Ausnahme ist die Exportwirtschaft, die haufenweise exportiert, dank unseres Niedriglohnsektors. Nur leider haben wir kaum was davon und das dadurch entstehende weltweite Ungleichgewicht (Stichwort: PIGS) dürfen dann auch wieder wir geraderücken...

    • joG
    • 10.02.2010 um 16:18 Uhr

    ....las ich diese Woche eine Studie der politischen Folgen hoher Zahlen von Transferempfänger für die Demokratie. Danach habe es bereits 2005 etwas mehr als 30 Millionen Transferempfänger gegeben. Dagegen standen knapp 26 Millionen Steuerzahler. Die Zahl ist seither gestiegen.

    "Was aber nichts ueber die grundsaetzlich fragwuerdige Entwicklung aussagt, dass es in Deutschland bald mehr Transferempfaenger als Beitragszahler gibt."

    Transferempfänger ~6 Mio (darunter viele Niedriglöhner), sv-Arbeitsplätze 26-28 Mio.

    Deine Aussage ist also schonmal grob polemisch. Nichtsdestotrotz glaube ich nicht, dass man an der Schieflage was ändert, wenn man Besserverdiener und Reiche entlastet. Im Gegenteil, die sparen das Geld so oder so weg und verspekulieren es. In die (deutsche) Realwirtschaft investieren lohnt sich ja nicht, da die Nachfrage ständig sinkt und wenn dann eher in irgendeinem Billigland, wo gerade 10% Wachstum angesagt sind und man einen viel besseren Schnitt machen kann. Die einzige Ausnahme ist die Exportwirtschaft, die haufenweise exportiert, dank unseres Niedriglohnsektors. Nur leider haben wir kaum was davon und das dadurch entstehende weltweite Ungleichgewicht (Stichwort: PIGS) dürfen dann auch wieder wir geraderücken...

    • joG
    • 10.02.2010 um 16:18 Uhr

    ....las ich diese Woche eine Studie der politischen Folgen hoher Zahlen von Transferempfänger für die Demokratie. Danach habe es bereits 2005 etwas mehr als 30 Millionen Transferempfänger gegeben. Dagegen standen knapp 26 Millionen Steuerzahler. Die Zahl ist seither gestiegen.

  5. Zunächst muss ich mich über die Doppelmoral ärgern, die sich dieser Tage in den großen Zeitungen breit macht. Als die Reformen eingeführt und über Jahre gegen heftige Proteste beibehalten wurden, kam aus der Presse überwiegend unterstützendes Echo nach dem Motto: "Recht so! Fördern und vor allem Fordern!"

    Nun entscheidet Deutschlands höchste richterliche Instanz, dass die Organisation Mist und die Bestimmung der Satzhöhe intransparent und verfassungswidrig sei. Da werden alle wieder zu Sozialtenören. Ich bin fast gewillt, die WELT für ihre straighte Linie zu loben; in der morgendlichen Presseschau des Deutschlandfunks war sie die einzige unter den "Großen", die hervorhob, dass die Konsequenz des Urteils keineswegs eine Beitragserhöhung sein müsse.

    Jetzt aber zum Thema. Ich bin der Auffassung, dass der deutsche Sozialstaat im gegenwärtigen Rechtsrahmen der EU nicht zu retten ist. Diese Auffassung gefällt mir selbst nicht, aber die historische Entwicklung der Mitgliedländer, unter denen die soziale Marktwirtschaft einen Sonderweg darstellt, der durch Exporterfolge und amerikanische Unterstützung gegangen werden konnte, stellt uns vor folgendes Problem: Solange EU-weit Arbeitsmarkt und Sozialversicherung anders organisiert sind als in Deutschland, ist Wettbewerb um Niedriglöhne und Billigproduktion aus Gründen wirtschaftlicher Logik nicht einzudämmen.

    Fortsetzung folgt...

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    Der Wettbewerbsdruck um Niedriglöhne sorgt für die Verengung zwischen Einstiegsgehältern und sozialstaatlicher Förderung. Die deutsche Politik steht also nach meiner Überzeugung vor zwei Alternativen: Entweder sie nimmt mit anderen sozialdemokratisch orientierten Regierungen ernsthaften Einfluss auf die Arbeitsmarktpolitik der EU oder sie lässt auf Kosten der Ärmsten den Sozialstaat zugunsten kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg weiter vermodern.

    Schon die Vokabel "sozialdemokratisch" zeigt an, dass von Schwarz-Gelb eher die zweite Variante zu erwarten ist. Da helfen auch nicht gutmütige Lippenbekenntnisse wie die Presse sie dieser Tage für Hilfsbezieher übrig hat.

    "Ich bin der Auffassung, dass der deutsche Sozialstaat im gegenwärtigen Rechtsrahmen der EU nicht zu retten ist. Diese Auffassung gefällt mir selbst nicht, aber die historische Entwicklung der Mitgliedländer, unter denen die soziale Marktwirtschaft einen Sonderweg darstellt, der durch Exporterfolge und amerikanische Unterstützung gegangen werden konnte, stellt uns vor folgendes Problem: Solange EU-weit Arbeitsmarkt und Sozialversicherung anders organisiert sind als in Deutschland, ist Wettbewerb um Niedriglöhne und Billigproduktion aus Gründen wirtschaftlicher Logik nicht einzudämmen."

    Glaub doch nicht alles was die Politiker sagen. Die "Sachzwänge" die heute existieren, basieren auch nur auf politischen Fehlentscheidungen. Wer hat uns z.B. zur EU-Osterweiterung gezwungen? Und D ist das mächtigste EU-Land, wenn D nicht mehr mitspielt, dann ist die EU Vergangenheit. Ich wäre nicht besonders böse darüber.

    Der Wettbewerbsdruck um Niedriglöhne sorgt für die Verengung zwischen Einstiegsgehältern und sozialstaatlicher Förderung. Die deutsche Politik steht also nach meiner Überzeugung vor zwei Alternativen: Entweder sie nimmt mit anderen sozialdemokratisch orientierten Regierungen ernsthaften Einfluss auf die Arbeitsmarktpolitik der EU oder sie lässt auf Kosten der Ärmsten den Sozialstaat zugunsten kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg weiter vermodern.

    Schon die Vokabel "sozialdemokratisch" zeigt an, dass von Schwarz-Gelb eher die zweite Variante zu erwarten ist. Da helfen auch nicht gutmütige Lippenbekenntnisse wie die Presse sie dieser Tage für Hilfsbezieher übrig hat.

    "Ich bin der Auffassung, dass der deutsche Sozialstaat im gegenwärtigen Rechtsrahmen der EU nicht zu retten ist. Diese Auffassung gefällt mir selbst nicht, aber die historische Entwicklung der Mitgliedländer, unter denen die soziale Marktwirtschaft einen Sonderweg darstellt, der durch Exporterfolge und amerikanische Unterstützung gegangen werden konnte, stellt uns vor folgendes Problem: Solange EU-weit Arbeitsmarkt und Sozialversicherung anders organisiert sind als in Deutschland, ist Wettbewerb um Niedriglöhne und Billigproduktion aus Gründen wirtschaftlicher Logik nicht einzudämmen."

    Glaub doch nicht alles was die Politiker sagen. Die "Sachzwänge" die heute existieren, basieren auch nur auf politischen Fehlentscheidungen. Wer hat uns z.B. zur EU-Osterweiterung gezwungen? Und D ist das mächtigste EU-Land, wenn D nicht mehr mitspielt, dann ist die EU Vergangenheit. Ich wäre nicht besonders böse darüber.

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