Pränataldiagnostik XY schnell gelöst

Bald lässt sich das Geschlecht eines Babys noch früher bestimmen.

Junge oder Mädchen? Eltern, die das vor der Geburt wissen wollen, können das Geschlecht ihres Kindes jetzt noch früher erfahren

Junge oder Mädchen? Eltern, die das vor der Geburt wissen wollen, können das Geschlecht ihres Kindes jetzt noch früher erfahren

Zwei Fragen beschäftigen Paare, die sich ein Kind wünschen. Hat es mit der Schwangerschaft geklappt? Und falls ja: Junge oder Mädchen? Die erste Unsicherheit lässt sich schnell und verlässlich aus der Welt räumen. Jede Apotheke bietet für ein paar Euro einen Schwangerschaftstest an, der in wenigen Minuten die frohe oder enttäuschende Botschaft bereithält. Die zweite Frage ist viel schwieriger zu beantworten – bis jetzt. Doch daran könnte sich bald etwas ändern.

Auch heute muss niemand, der das Geschlecht seines Kindes wissen möchte, bis zur Geburt warten. Per Ultraschall sieht der geübte Gynäkologe ab der 16. Schwangerschaftswoche einigermaßen sicher den kleinen Unterschied. Wer früher Gewissheit haben möchte – etwa um geschlechtsspezifische Erbkrankheiten zu entdecken – kann sich einer Amniozentese unterziehen. Doch diese Methode, bei der der Frau mit einer Nadel durch die Bauchdecke Fruchtwasser entnommen wird, funktioniert frühestens nach der 12. Schwangerschaftswoche. Und sie birgt Risiken: eine Fehlgeburt in einem von zweihundert Fällen.

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Seit Langem suchen Forscher deshalb nach anderen Wegen, das Geschlecht zu bestimmen. Jetzt scheinen sie einen gefunden zu haben. Im Blutplasma der Schwangeren zirkulieren auch einige Zellen des Ungeborenen. Bislang reichte die Technik nicht aus, diese Erbgutträger sicher zu entdecken. Nun aber erlauben ein kleiner Piks zur Blutentnahme und moderne Sequenziermethoden eine zuverlässige Geschlechtsbestimmung, wie niederländische Forscher in der Zeitschrift Obstetrics & Gynecology berichten. Sie testeten 201-mal – immer richtig. Was noch wichtiger ist: Ihr Ergebnis lag bereits in der 8. Schwangerschaftswoche vor.

Für werdende Mütter, die ein geschlechtsspezifisches Krankheitsgen in sich tragen, ist der simple Bluttest ein Segen. Früher als bisher und ohne auf eine invasive Technik angewiesen zu sein, können sie sich versichern, ob ihr Kind zum Beispiel an einer tödlichen Muskelschwäche leidet. In anderen Fällen erlaubt der neue Babycheck sogar eine Therapie im Mutterleib.

Doch wie so oft löst dieser medizinische Fortschritt nicht nur Probleme, sondern schafft gleichzeitig neue. So kann die neue Technik die Entscheidung für eine Abtreibung nicht nur erleichtern, weil eine Krankheit droht, sondern auch weil das Kind ein Junge oder (und das ist wahrscheinlicher) ein Mädchen wird – und die Eltern das andere Geschlecht bevorzugen. Besonders in Asien wird der Schnelltest reißenden Absatz finden. Weiblicher Nachwuchs zählt dort nicht viel, schon die Verbreitung von Ultraschall hatte schreckliche Folgen: In Indien »fehlen« Millionen Mädchen. Chinesen finden aufgrund des Männerüberschusses im Land keine Ehepartnerin.

Aber auch hierzulande könnte ein Schnelltest manches Paar zur Geschlechtswahl verführen – lange bevor sich das Kind im Bauch das erste Mal bewegt und die Schwangere eine Bindung zum Ungeborenen aufgebaut hat. Bevor ein neues Produkt in den Handel kommt, sollten Politiker und Ärzte sich deshalb mit Rat und Regelungen darauf vorbereiten.

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Leser-Kommentare
    • xoxox
    • 11.02.2010 um 12:18 Uhr

    Menschen töten Babys.

    Anstatt die Technik zu verurteilen, sollte man anfangen über die gesellschaftlichen Probleme zu reden.

  1. Die ethischen Probleme, die sich aus diesem Test ergeben, lassen sich doch ganz einfach lösen: Nach dem Test darf nicht mehr abgetrieben werden, egal in welcher Schwangerschaftswoche. Die Eltern, die das Geschlecht so früh wie möglich wissen wollen, können den Test dann ja gerne machen, aber dann müssen sie sich auch mit dem Ergebnis abfinden.

    • iv
    • 11.02.2010 um 16:43 Uhr

    Es ist eine äußerst gewagte Behauptung, Schwangere würden erst eine Bindung zu ihrem Kind aufbauen, wenn sie es zum ersten Mal spüren (was wohl vom Autor gemeint ist, denn 'zum ersten Mal bewegt' sich ein Embryo bereits in der 8. Woche). Man sollte in diesem Zusammenhang eher in Betracht ziehen, dass man bei der Ultraschalluntersuchung in der Regel das Kind sieht, nicht aber bei der Blutabnahme.

    Der letzte Absatz suggeriert, dass ein Schwangerschaftsabbruch verhindert werden könnte, wenn die Schwangere - nicht das werdende Elternpaar - rechtzeitig eine Bindung zu ihrem Kind aufbauen würde. Ich glaube, ich brauche nicht erläutern, warum das nicht irgend einer gesellschaftlichen Realität entspricht.

    Eine Einbindung in den größeren Gesamtzusammenhang fehlt. In China, Korea und Japan (evtl. auch anderen asiatischen Ländern) herrscht bekanntermaßen aufgrund des buddhistischen Hintergrunds eine andere Einstellung zu Leben und Tod. So ist beispielsweise in Japan Abtreibung keine Schande, sondern eine häufig praktizierte Alternative zu hormonellen Verhütungsmethoden, die als 'ungesund' gelten. Das lässt darauf schließen, dass Sozalisation einen großen Einfluss auf die Einstellung von Frauen und Männern zum ungeborenen Leben hat.

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