Konzernsanierung Endspiel

Opel will Hilfe vom Staat. Der sollte den Antrag ohne Vorurteil prüfen.

Jetzt ist er endlich da, der »Opel-Zukunftsplan«. Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) hat wenig Überraschungen auf Lager. So ähnlich wollte schon der austrokanadische Magna-Konzern Opel sanieren, bevor ihm in letzter Minute die Übernahme verwehrt wurde – nur dass Magna noch stark auf Expansion in Russland setzte.

Auch jetzt soll die Kapazität der Fabriken um rund 20 Prozent schrumpfen und das Werk in Antwerpen zugemacht werden. Europaweit sollen weniger Jobs wegfallen, aber immerhin doch 8400, davon 4000 in Deutschland. Geringer soll der Beitrag der europäischen Opel-Länder zum Überleben ausfallen – 2,7 Milliarden Euro an Krediten oder Kreditbürgschaften sind angefragt, rund 1,5 Milliarden davon in Deutschland. Für die Übernahme durch Magna hatte die Bundesregierung 4,5 Milliarden Euro zugesagt.

Anzeige

Also wirkte der neue Plan vergleichsweise preiswert – hätten sich nicht die Zeiten geändert. Der Drang der Politik zur Hilfeleistung hat deutlich nachgelassen. Und der neue Opel-Verantwortliche aus Britannien vermochte es nicht, die Betriebsräte auf seinen Entwurf einzuschwören. Dennoch muss die Politik den Antrag auf Subventionen unvoreingenommen prüfen. Als Magna vor der Tür stand, wurde zu Recht kritisiert, Schwarz-Rot sehe für Opel eine Sonderbehandlung im Positiven vor. Jetzt darf nicht eine im Negativen folgen.

Opel will den Deutschlandfonds anzapfen. Dessen Kreditmittel stehen prinzipiell allen Unternehmen zu, sofern ihre akuten Schwierigkeiten vor allem auf die Finanzkrise zurückzuführen sind. Diese Regel gilt auch für Opel. Wenn die Rüsselsheimer also belegen können, dass sie ein rechtmäßiger Anwärter sind, sollte man sie unabhängig von politischen Stimmungen auch bedenken.

Ein Gutachten unabhängiger Wirtschaftsprüfer liegt dem Wirtschaftsminister schon vor. Laut Opel bestätigt es die Tragfähigkeit des Plans. Sollte auch dieses Urteil allen Prüfungen standhalten und sollte dafür gesorgt werden, dass innerhalb der EU die Hilfe koordiniert wird, dann stehen Opel/GM auch Kredithilfen zu – fragt sich nur, in welcher Höhe. Da darf es keinen Unterschied machen, dass der heutige Wirtschaftsminister Brüderle ein FDP-Politiker ist, dessen Wähler Subventionen nur in Spezialfällen mögen.

Allerdings: Gerettet wäre Opel dadurch noch lange nicht. Ob VW, Renault oder Fiat: Die Konkurrenz wird Opel keinen einzigen Kunden herschenken.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 10.02.2010 um 15:41 Uhr

    ...verstehen? Wichtige Aspekte fehlen und desinformieren dadurch. Deutschland hat Geld einem Anleger (Magna) illegal zugesagt und so das Deal mit RIHJ, das GM abschließen wollte, sabotiert. Die deutsche Regierung wollte die Magna Übernahme nicht aus wirtschaftlichen sondern weil eine Wahl anstand und der latente Antiamerikanismus der Wähler gut passte und aus anderen politischen Gründen, was ja auch von Putin und Schröder und etlichen Verhandlungsbeteiligten bestätigt wurde. Dass solche Zusagen jedem Anleger gleichermaßen gelten müssen bestätigte die EU woraufhin GM den Deal mit Magna ablehnte; es war ja nun klar, dass das Geld auch GM zusteht.
    Nun wäre noch die Frage der Haftung der Bundesrepublik für die Folgen aus der illegalen Zusage, aber das wär hier kulturfremd.

    PS: Nun arbeitet die Bundesregierung im Hintergrund Brüssels daran, die Subventionen generell verbieten zu lassen, Das hört man zumindest. Ob es stimmt wird man bei so byzantinischen Strukturen nie wissen können, aber es würde passen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Abenteuerlich. Ausgerechnet GM, die seit Jahren beweisen, dass sie nicht in der Lage sind wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen. Sie können nur Billig!

    Abenteuerlich. Ausgerechnet GM, die seit Jahren beweisen, dass sie nicht in der Lage sind wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen. Sie können nur Billig!

  1. Opel hat in Deutschland noch nie Steuern gezahlt. Gewinne wurden in die USA transferiert, Verluste in Deutschland abgeschrieben. http://tinyurl.com/yjhko53

    Und so einem Unternehmen soll aus Steuermitteln geholfen werden ?

    Dagegen sind Schwarzgeldkonten in der Schweiz ein Kavaliersdelikt.

    Wenn Hilfe, dann nur gegen teilweise Besitzübernahme wie bei GM / USA.

    Zahlen, ohne mitzureden ?
    Warum das denn ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mir platzt der Kragen, überall werden staatliche Leistungen gekürzt – und hier verzockt das Land Niedersachsen Steuermilliarden: http://www.prcenter.de/Ne....
    Ganz schön mies, wenn mit Steuergeldern fahrlässig umgegangen wird, denn der Auftragnehmer arbeitet schlampig - und ist ein Multi mit einer deutschen Niederlassung.

    Mir platzt der Kragen, überall werden staatliche Leistungen gekürzt – und hier verzockt das Land Niedersachsen Steuermilliarden: http://www.prcenter.de/Ne....
    Ganz schön mies, wenn mit Steuergeldern fahrlässig umgegangen wird, denn der Auftragnehmer arbeitet schlampig - und ist ein Multi mit einer deutschen Niederlassung.

  2. Nun kann Herr Brüderle zeigen, ob er als Wirtschaftsminister oder als "Wirtschaftsverhinderungsminister" in die Geschichtsbücher eingehen wird. Und höchste Zeit für die FDP, um nach der heissen Wahlkampfphase in der kühlen Realität anzukommen, in der es um die langfristige Erhaltung tausender industrieller Arbeitsplätze geht.

  3. Industrien sind und werden im Wandel sein. Stichworte sind Kohlebergbau und Standard-Schiffbau versus Minimalinvasive OP-Techniken und Solartechnologie.
    Die Planwirtschaft hat versucht solche Entwicklungen am Schreibtisch abzubilden. Der Ausgang ist bekannt.
    Opel hat rund 15 Jahre nicht marktgängige Produkte gebaut. Audi hat's anders herum gehandhabt. Die Ergebnisse sind sichtbar.
    Würden Sie Opel vermissen? Die Welt kommt ohne Simca gut zu Recht!
    Den Wandel kann niemand anhalten. Er kann nur verzögert werden. Was einem Wirtschaftsraum hilft sind also nicht Verzögerungen. Was dann? Innovationen!
    Lassen Sie mich einen Gedanken anstoßen: warum nicht die geforderten Milliarden Euro in eine Tata, TESLA o.ä. Produktion in Großraum Bochum, Rüsselsheim, Eisenach oder Kaiserslautern investieren und den heutigen Opel-Mitarbeitern eine echte Perspektive bieten? Es könnte gut sein für die Natur, den Standort, das Selbstwertgefühl der Mitarbeiter, die Steuerkassen und den Wettbewerb. Die Wachstumsraten der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts könnten mit diesen Green Capital-Themen in einigen Branchen und Regionen repliziert werden.
    Vergeßt GM. Das Schlachtross hat lediglich ein Gnadenbrot im mittleren Westen der USA gefunden. Nichts mehr.

  4. Abenteuerlich. Ausgerechnet GM, die seit Jahren beweisen, dass sie nicht in der Lage sind wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen. Sie können nur Billig!

  5. Mal im Ernst: Ein von GM kontrollierter Opel-Konzern ist für Deutschlad so überflüssig wie ein Kropf. Mir kommt es wie eine Art Auffang-Gesellschaft für Metaller vor, die andernfalls direkt auf der Straße stünden.

    Und wie der Artikel schon andeutet wird der normale Wettbewerb im westlichen Europa verhindern, dass Opel selbst bei guten Produkten signifikante Gewinne schreibt. Und selbst wenn, dann flössen sie an GM.

    Über Magna hätte es einen Zugang zum Russischen Markt gegeben, ein Markt der sicherlich in mehrfacher Hinsicht noch mehr Potenzial hat. Eine engere Verzahnung westeuropäischer Unternehmen mit Russland und den CIS-Staaten fände ich höchst attraktiv, weil dann mögliche staatliche Investitionen durch entsprechende Wachstums-Potenziale auch zu rechtfertigen sind.

    Koppelte man dann staatliche Unterstützungen an nachhaltige Entwicklungen und Umweltschutz, dann könnte sich aus der Not heraus IMO ein konkurrenzfähiges Unternehmen mit langfristiger Perspektive entwickeln. Die Krise würde in eine echte Chance verwandelt werden.

    Mit GM ist aber weder ein Wechsel bei den Produktstrategie, noch bei den Absatzmärkten bzw. eine Minderung der Markteintrittsbarrieren auf neuen Auslandsmärkten (z.B. im Osten) zu erwarten.

    Ich denke, bei GM als Besitzer von Opel wirft unser Staat gutes Geld schlechtem hinterher und am Ende wird Opel dennoch nicht bestehen. Eine Schande, dass die Verträge mit GM damals so unfassbare Mängel aufwiesen - welcher Minister verlor dadurch seinen Kopf?

  6. Mir platzt der Kragen, überall werden staatliche Leistungen gekürzt – und hier verzockt das Land Niedersachsen Steuermilliarden: http://www.prcenter.de/Ne....
    Ganz schön mies, wenn mit Steuergeldern fahrlässig umgegangen wird, denn der Auftragnehmer arbeitet schlampig - und ist ein Multi mit einer deutschen Niederlassung.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service