FDP Geistig-politische Leere

Lässt die FDP den Liberalismus zur Ideologie verkommen?

Die Welt hat sich dramatisch verändert: Aber FDP-Chef Guido Westerwelle singt immerzu das ewig gleiche Lied von den Steuersenkungen

Die Welt hat sich dramatisch verändert: Aber FDP-Chef Guido Westerwelle singt immerzu das ewig gleiche Lied von den Steuersenkungen

Die FDP steckt in einer Krise, die Parteiführung begeht viele taktische Fehler. Da liegt es nahe, zu denken, dass die Fehler die Ursache der Krise sind und dass die Krise endet, sobald die Fehler unterbleiben.

Abgesehen davon denken viele Menschen in Deutschland wohl, dass eine Krise der FDP nur das ist, was eine Karrieristen- und Klientelpartei ohnehin verdient. Für sie ist nicht begründungspflichtig, dass es den Liberalen schlecht geht, sondern dass es ihnen ab und an gut geht.

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Hier soll etwas anderes plausibel gemacht werden: dass nämlich der Liberalismus insgesamt in einer geistig-politischen, auch in einer moralischen Krise steckt; und dass die Art, wie die FDP ihren Liberalismus im Moment handhabt, immer wieder zu strategischen Fehlern führen wird.

Vertrauen in das Individuum, Skepsis gegenüber dem Staat, Freiheit vor Sicherheit, damit ist in immer noch gültigen Schlagworten umschrieben, was liberal gesonnene Bürger seit mehr als zwei Jahrhunderten eint. Liberalismus, das vergisst man leicht, ist eine große Sache. Doch wer so denkt, wer daran glaubt, den müssten die vergangenen zehn Jahre ungeheuer aufgewühlt haben.

Mit dem Internet ist eine zweite, virtuelle Welt von rasant wachsender Bedeutung entstanden, in der die freie Betätigung der Individuen zu massenhafter Anarchie führt, der Rechtsstaat gilt hier nicht wirklich, er läuft nur gelegentlich Patrouille. Gleichzeitig bilden sich mit Google oder Apple übermächtige Oligopole. Deren Fähigkeit, die Menschen zu überwachen, zu bevormunden und zu manipulieren, übertrifft oft schon jetzt die entsprechenden Möglichkeiten von Staaten, jedenfalls von demokratischen. Bürgerliche Rechte wie das Urheberrecht werden mit Füßen getreten.

Mit der Klimakatastrophe hat ein Thema existenzielle Bedeutung erlangt, das sich den gewöhnlichen Schemata liberalen Denkens widersetzt. Schließlich ist die Erwärmung der Erdatmosphäre gewiss keine Nebenfolge überbordenden staatlichen Handelns, sondern – im Gegenteil – ungewollte Nebenwirkung individuellen Konsum- und Wirtschaftsverhaltens. Ohne ein deutliches Mehr an staatlichem Regeln und staatlicher Steuerung ist dieser Gefahr kaum beizukommen.

Ein deregulierter, freier, globaler Finanzmarkt hat die ganze Welt von einer Stunde auf die andere in die Nähe des wirtschaftlichen Abgrunds geführt. Nur mit äußerster Anstrengung ist es den Regierungen der gottlob noch einigermaßen starken Staaten gelungen, das Schlimmste zu verhindern.

Alle drei Krisen, andere wie der internationale Terrorismus ließen sich ergänzen, haben zweierlei gemeinsam. Zum einen liegt ihre Ursache nicht in staatlichem Handeln, sondern in der kaum kontrollierten Betätigung individueller Freiheit. Zum anderen: Nur mit einer deutlichen Ausweitung staatlicher Macht lässt sich dem beikommen.

Damit ist der Liberalismus nicht schon widerlegt oder aus der Zeit gefallen. Denn gerade Staatlichkeit, die sich ausdehnen muss, wird das oft auf die falsche Weise und an der falschen Stelle tun. Und dass der Staat immer in der Gefahr ist, überbordend und ineffizient zu werden, lässt sich kaum bestreiten. Dennoch muss es den Liberalismus zutiefst verstören, dass heute – jedenfalls in den Demokratien – womöglich mehr Gefahren von der Betätigung der individuellen Freiheit ausgehen als von ihrer Beschränkung durch den Staat.

Der Liberalismus fühlte sich in Europa stets in der Opposition gegen eine etatistisch orientierte Mehrheit. Daraus speist sich der durchgehend rebellische Ton, den Margaret Thatcher auch in ihren langen Jahren an der Macht nicht abzulegen vermochte. Aus diesem Denken stammt auch Ralf Dahrendorfs berühmtes Diktum vom Ende des sozialdemokratischen Jahrhunderts. Dabei entging ihm, dass die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts weltweit eher ein Siegeszug des Liberalismus war. Die Namen Ronald Reagan, Margaret Thatcher, Tony Blair, George W. Bush und in abgeschwächter Form Gerhard Schröder stehen schließlich für weniger Staat, vor allem weniger Sozialstaat.

Das 21. Jahrhunderts jedoch wird wohl kaum noch einmal dem Liberalismus gehören. Eher wird es sich mit den Folgen dieser Siege befassen, sie einhegen und heilen müssen.

Dass in diesen Jahren das liberale Jahrhundert endet, muss eine FDP natürlich nicht so sehen. Ihre geistig-politische Krise besteht vielmehr darin, dass sie von alldem so ganz und gar unirritiert ist. Statt sich zum Austragungsort der inneren Widersprüche liberalen Denkens zu machen, behandelt die FDP den Liberalismus wie eine stets richtige Ideologie, die nur immer neu auf die Realität bezogen werden muss. Wenn nicht gar die Wirklichkeit auf die Theorie angewendet werden muss.

Damit droht sich die FDP beständig von der Wirklichkeit und von der Mehrheit zu entfernen. Während viele immer öfter das – vielleicht übertriebene – Gefühl haben, dass der Staat ihre letzte Rettung sein könnte, gilt er der FDP nach wie vor als die größte Gefahr. Die Steuersenkung ist das Fanal, das immerzu an diese Differenz zwischen den Liberalen und den 85 Prozent erinnert, die sie nicht gewählt haben.

Doch egal, was geschieht, stets erweckt die FDP den Eindruck, die Antwort schon zu haben, während andere noch grübeln. Meistens lautet die Antwort: Steuersenkung, oft: weniger Staat. In der Regierung zeigt sich nun, dass das nicht reicht.

Warum ist die sonst meist resolute Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger beim Thema Steuersünderdatei so leise? Weil hier der Rechtsstaat mittels kriminell erworbener Daten Straftaten aufklären soll, die in einem Land verübt wurden, das so dereguliert ist, wie die FDP sich das immer wünscht. Und weil die FDP bis vor wenigen Monaten den Steuerstaat als einen Moloch dargestellt hat, gegen den aufzubegehren fast schon wie ein legitimer Akt des zivilen Ungehorsams erscheinen musste.

Warum verbindet niemand die FDP mit der Forderung, dass der Rechtsstaat nun endlich auch im Internet durchgesetzt werden muss?

Warum plädiert die Fraktionschefin Homburger dafür, dass manche Familien anstelle des Betreuungsgeldes staatliche Gutscheine bekommen, also in extremster Weise bevormundet werden?

Hier zeigt sich eine andere Dimension der geistig-politischen FDP-Krise. Da die individuelle Freiheit heute nur noch wenige Beschränkungen erfährt, weil sie mobil ist, weil sie im Netz weder räumliche noch moralische Barrieren findet, weil Institutionen wie die Kirche oder die Parteien, aber auch die Medien an Autorität verlieren, gerät der Grenzen sprengende Liberalismus immer öfter in Konflikt mit dem Bürgerlichen, das ja Maß und Mitte sucht, das Tradition liebt und Formen.

Darum müsste eine moderne liberale Partei im Namen der Bürgerlichkeit gegen die Auswüchse des Liberalismus vorgehen. Tut sie es nicht, dann vagabundiert der Liberalismus und sucht sich andere, scheinhafte Sicherheiten. Anti-Islamismus, Ausländerfeindlichkeit, Israelfeindlichkeit beispielsweise. Es zeugt von der zurzeit fehlenden intellektuellen Tiefe der FDP, dass es sie nicht umtreibt, wenn in den Niederlanden, in der Schweiz und in Österreich ausgerechnet liberale Parteien zum Sammelbecken von Ressentiments werden. In diese Reihe gehört übrigens auch der Fall Jürgen W. Möllemann, den die FDP als bloßen Betriebsunfall verbucht hat, der jedoch die Verführbarkeit verunsicherten liberalen Denkens für rechten Populismus belegte.

Wenn der heutige Liberalismus mit schweren inneren Widersprüchen zu kämpfen hat, die FDP ihn aber behandelt wie eine in sich schlüssige Ideologie, dann macht sich die Partei lernunfähig. Sie versteift sich in der öffentlichen Debatte auf die Steuersenkung um jeden Preis, weil sie meint, nur dann glaubwürdig zu sein, wenn sie an etwas unbedingt festhält, nicht wenn sie produktiv streitet oder gar umdenkt. Auf ihre aktuelle Krise reagiert die verzweifelt-entschlossene Führung, indem sie verspricht, den bisherigen Kurs weiterzufahren – nur »schneller« und »härter«. Die Liberalen sind geistig an einem toten Punkt angekommen.

Und weil sie sich ihre Krise nicht erklären können, bezichtigen die Liberalen die Medien, die sie angeblich schlecht behandeln. Das würde die Liberalen selbst dann nicht weiterbringen, wenn es stimmte. Denn die Medien können sie gewiss nicht ändern.

Offenbar ist sich die Führung nicht bewusst, warum die FDP unter besonderer Medienbeobachtung steht. Dabei ist es ganz einfach: Die Liberalen changieren zwischen zwei politischen Zielen: Bürgertum für alle, heißt das eine; alles für das Bürgertum, das andere. Ob die FDP bürgerlich ist oder bourgeois, ob sie liberal ist oder klientelistisch, das ist oft nicht mit einem Blick zu erkennen und steht darum unter scharfer Beobachtung.

Die andere sich bürgerlich nennende Partei hat einen anderen Weg eingeschlagen. Angesichts einer sich ständig verändernden Gesellschaft mit einer unendlichen Zahl von Mitspielern hat die CDU damit begonnen, sich zu einem lernenden System umzubauen, das von einigen Werten und der Macht lose zusammengehalten wird – und eben vom Lernen selber.

Ähnlich wie die Westerwelle-Partei machen es die Grünen, die mit ihrem Ökologismus so umgehen wie die FDP mit dem Liberalismus. Allerdings ist die Nachhaltigkeit ein historisch junger Gedanke, der bislang nicht gesiegt hat und der noch nicht von seinen inneren Widersprüchen eingeholt werden konnte. Die grüne Ideologie ist sozusagen noch nicht so weit. Darum wirkt die Partei jünger, obwohl ihre Protagonisten es nicht mehr sind.

Die FDP steht in Zukunft, auch wenn es ihr nicht passt, in einem politischen und geistigen Wettbewerb mit den Grünen – um die CDU. In ihrem jetzigen Zustand kann sie diesen Kampf nicht gewinnen.

 
Leser-Kommentare
    • wp
    • 14.02.2010 um 20:37 Uhr

    Die Zeit-Schreiberling haben die FDP nie gemocht, mögen die FDP nicht und werden die FDP nicht mögen. [...]

    Bitte begründen Sie Ihre Kritik mit sachlichen Argumenten. Danke. Die Redaktion/sh

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    • Kelhim
    • 14.02.2010 um 20:51 Uhr

    Die lese ich aus deinem Kommentar, und sie reiht sich in die pauschalen Aburteilungen der ZEIT ein: Mal ist sie zu neoliberal, mal zu linkspopulistisch, und sowieso ist es immer "die" ZEIT, als gäbe es keine Vielzahl von politischen Meinungen und Köpfen innerhalb der Redaktionen.

    Mit denen müsste man sich ja inhaltlich auseinandersetzen.

    Ich kann Bernd Ulrich jedenfalls zustimmen und bin ihm auch dankbar dafür, die Gelegenheit nicht für ein momentan doch sehr wohlfeiles FDP-Bashing, sondern für ein paar Gedanken über die Verfassung des Liberalismus (der politischen Strömung) als solchen genutzt zu haben.

    Wenn die FDP nicht zur Kenntnis nimmt, dass der Rückzug des Staates kein Allheilmittel ist, und wenn die FDP nicht endlich auch die Schwachen der Gesellschaft affirmativ in ihre Rhetorik mitaufnmmt - dann wird die FDP kein zweites Ergebnis wie das von 2009 erhalten.

    Überbewertet ist die FDP wegen ihrer Rolle als Mehrheitsbeschaffer immer schon gewesen. Einen so überhitzten Vorsitzenden hatte sie bisher nicht. Als liberales Ausgleichsmoment zweier Blöcke ist sie in gewisser Weise Arbeitslos. Die Blöcke exitieren im Moment nicht. Daß Herr Westerwelle den Platz der FDP am rechten Rand, mit unter weiter rechts als die CSU, sucht, macht sie am Ende überflüssig. Zumindest wird aus der momentanen Situation dann eine Langzeitarbeitslosigkeit. Denn rechts von der CSU wird es geschmacklos. Und aus früher mal rechtschaffenden Liberalen werden wohl politische Harz IV Empfänger oder Asylbewerber in einer der Parteien, die sich so sehr um die Mitte bemühen.
    Mit meiner Wortwahl möchte ich übrigens in keiner Weise die realen Harz IV Empfänger oder Asylbewerber diskreditieren(ihnen gilt eher meine Solidarität), die Begriffe passen nur so schön ins Bild des Herrn Westerwelle.

    Lieber wp,
    ich finde weder etwas liebens- noch begehrenswertes an dieser Partei. Mir erscheint die FDP als ziemlich retardierte Gruppierung. Die penetranten Äusserungen des Herrn Westerwelle verstärken meine negativen Gefühle und Empfindungen mehr, als mir das eigentlich lieb ist. Ich habe auch überhaupt kein Verständnis an der Kritik von Westerwelle an der Hartz-IV-Debatte. Die Attacke von WW befremdet mich zunehmend und hinterlässt mehr als nur einen schalen Geschmack. Entweder geht WW in der nächsten Zeit vermehrt aus der Deckung und erklärt uns seine Republik, oder der Spuk hat bald ein Ende.

    dass die ZEIT-redakteure sich noch einen rest politischen denkens erhalten haben.
    nebenbei bemerkt, geht es nicht mdehr um die FDP, es geht um die renegaten, die die FDP für persönliche zwecke missbrauchen.

    • joG
    • 15.02.2010 um 10:50 Uhr

    ....das ist ein wirklich schlechter Artikel (s.u.). Er ist ein hervorragendes Beispiel der Vermischung von Meinung und Fakten, um Meinung zu machen. Das ist ein hier weit verbreitetes Instrument der gesellschaftlichen Gleichschaltung, weil die meisten Leser die Fakten nicht kennen und sie nicht gegenchecken. Meistens werden allerdings die Fakten nicht ganz so dreist verfälscht. Es ist auch ein Beispiel der fatalen Art des Journalismus, die zu der Liberalitätsfeindlichkeit des Autors gut passt.

    • WeLi
    • 27.02.2010 um 8:08 Uhr

    Wenn Ihnen auf die Kritik an der FDP nichts weiter einfällt, als eine absurde Medien-Verschwörungstheorie, scheinen Sie immer mir im Hinblick auf Argumente, milde gesprochen, ein wenig überfordert.
    Aber das macht ja nichts. Der FDP geht es ja nicht anders.

    Da die Medienlandschaft in Deutschland wie überall überwiegend von bürgerlich konservativen Weltbild beherrscht wird, muss diesen Anhängern jede liberale Zeitung oder Zeitschrift links erscheinen.

    Vielleicht bemerken einige Leser angesichts der jetzigen Regierung wie ungerecht und fragwürdig die Kritik an führenden Politikern in der SPD gewesen ist. Viele liberale Geister müssen nun wohl erkennen, dass sie sich in dieser auf Klientelpolitik reduzierten Gemeinschaft nicht mehr wiederfinden.

    Der liberale Geist weht leider nur in ganz wenigen Medien in Deutschland. Die ZEIT ist weiterhin eines davon.

    • Kelhim
    • 14.02.2010 um 20:51 Uhr

    Die lese ich aus deinem Kommentar, und sie reiht sich in die pauschalen Aburteilungen der ZEIT ein: Mal ist sie zu neoliberal, mal zu linkspopulistisch, und sowieso ist es immer "die" ZEIT, als gäbe es keine Vielzahl von politischen Meinungen und Köpfen innerhalb der Redaktionen.

    Mit denen müsste man sich ja inhaltlich auseinandersetzen.

    Ich kann Bernd Ulrich jedenfalls zustimmen und bin ihm auch dankbar dafür, die Gelegenheit nicht für ein momentan doch sehr wohlfeiles FDP-Bashing, sondern für ein paar Gedanken über die Verfassung des Liberalismus (der politischen Strömung) als solchen genutzt zu haben.

    Wenn die FDP nicht zur Kenntnis nimmt, dass der Rückzug des Staates kein Allheilmittel ist, und wenn die FDP nicht endlich auch die Schwachen der Gesellschaft affirmativ in ihre Rhetorik mitaufnmmt - dann wird die FDP kein zweites Ergebnis wie das von 2009 erhalten.

    Überbewertet ist die FDP wegen ihrer Rolle als Mehrheitsbeschaffer immer schon gewesen. Einen so überhitzten Vorsitzenden hatte sie bisher nicht. Als liberales Ausgleichsmoment zweier Blöcke ist sie in gewisser Weise Arbeitslos. Die Blöcke exitieren im Moment nicht. Daß Herr Westerwelle den Platz der FDP am rechten Rand, mit unter weiter rechts als die CSU, sucht, macht sie am Ende überflüssig. Zumindest wird aus der momentanen Situation dann eine Langzeitarbeitslosigkeit. Denn rechts von der CSU wird es geschmacklos. Und aus früher mal rechtschaffenden Liberalen werden wohl politische Harz IV Empfänger oder Asylbewerber in einer der Parteien, die sich so sehr um die Mitte bemühen.
    Mit meiner Wortwahl möchte ich übrigens in keiner Weise die realen Harz IV Empfänger oder Asylbewerber diskreditieren(ihnen gilt eher meine Solidarität), die Begriffe passen nur so schön ins Bild des Herrn Westerwelle.

    Lieber wp,
    ich finde weder etwas liebens- noch begehrenswertes an dieser Partei. Mir erscheint die FDP als ziemlich retardierte Gruppierung. Die penetranten Äusserungen des Herrn Westerwelle verstärken meine negativen Gefühle und Empfindungen mehr, als mir das eigentlich lieb ist. Ich habe auch überhaupt kein Verständnis an der Kritik von Westerwelle an der Hartz-IV-Debatte. Die Attacke von WW befremdet mich zunehmend und hinterlässt mehr als nur einen schalen Geschmack. Entweder geht WW in der nächsten Zeit vermehrt aus der Deckung und erklärt uns seine Republik, oder der Spuk hat bald ein Ende.

    dass die ZEIT-redakteure sich noch einen rest politischen denkens erhalten haben.
    nebenbei bemerkt, geht es nicht mdehr um die FDP, es geht um die renegaten, die die FDP für persönliche zwecke missbrauchen.

    • joG
    • 15.02.2010 um 10:50 Uhr

    ....das ist ein wirklich schlechter Artikel (s.u.). Er ist ein hervorragendes Beispiel der Vermischung von Meinung und Fakten, um Meinung zu machen. Das ist ein hier weit verbreitetes Instrument der gesellschaftlichen Gleichschaltung, weil die meisten Leser die Fakten nicht kennen und sie nicht gegenchecken. Meistens werden allerdings die Fakten nicht ganz so dreist verfälscht. Es ist auch ein Beispiel der fatalen Art des Journalismus, die zu der Liberalitätsfeindlichkeit des Autors gut passt.

    • WeLi
    • 27.02.2010 um 8:08 Uhr

    Wenn Ihnen auf die Kritik an der FDP nichts weiter einfällt, als eine absurde Medien-Verschwörungstheorie, scheinen Sie immer mir im Hinblick auf Argumente, milde gesprochen, ein wenig überfordert.
    Aber das macht ja nichts. Der FDP geht es ja nicht anders.

    Da die Medienlandschaft in Deutschland wie überall überwiegend von bürgerlich konservativen Weltbild beherrscht wird, muss diesen Anhängern jede liberale Zeitung oder Zeitschrift links erscheinen.

    Vielleicht bemerken einige Leser angesichts der jetzigen Regierung wie ungerecht und fragwürdig die Kritik an führenden Politikern in der SPD gewesen ist. Viele liberale Geister müssen nun wohl erkennen, dass sie sich in dieser auf Klientelpolitik reduzierten Gemeinschaft nicht mehr wiederfinden.

    Der liberale Geist weht leider nur in ganz wenigen Medien in Deutschland. Die ZEIT ist weiterhin eines davon.

    • Kelhim
    • 14.02.2010 um 20:51 Uhr

    Die lese ich aus deinem Kommentar, und sie reiht sich in die pauschalen Aburteilungen der ZEIT ein: Mal ist sie zu neoliberal, mal zu linkspopulistisch, und sowieso ist es immer "die" ZEIT, als gäbe es keine Vielzahl von politischen Meinungen und Köpfen innerhalb der Redaktionen.

    Mit denen müsste man sich ja inhaltlich auseinandersetzen.

    Ich kann Bernd Ulrich jedenfalls zustimmen und bin ihm auch dankbar dafür, die Gelegenheit nicht für ein momentan doch sehr wohlfeiles FDP-Bashing, sondern für ein paar Gedanken über die Verfassung des Liberalismus (der politischen Strömung) als solchen genutzt zu haben.

    Wenn die FDP nicht zur Kenntnis nimmt, dass der Rückzug des Staates kein Allheilmittel ist, und wenn die FDP nicht endlich auch die Schwachen der Gesellschaft affirmativ in ihre Rhetorik mitaufnmmt - dann wird die FDP kein zweites Ergebnis wie das von 2009 erhalten.

    Antwort auf "Halten wir mal fest"
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    • joG
    • 15.02.2010 um 10:40 Uhr

    ....wenn in einer Zeitung viele Meinungen Platz haben und vertreten werden dürfen. Schade ist es, wenn eine dargelegte Meinung so viele Falschaussagen und -Ableitungen enthält, dass man nur vermuten kann, es wäre eine Satire gewollt.
    Sätze wie:
    "Mit der Klimakatastrophe hat ein Thema existenzielle Bedeutung erlangt, das sich den gewöhnlichen Schemata liberalen Denkens widersetzt."
    sind groteske Verzerrungen liberalen Geistesguts. Ob der Autor lügt oder falsch informiert bleibt unklar. Hat der Mann denn nie den Economist gelesen?
    Wenn er dann aber sagt:
    "Ein deregulierter, freier, globaler Finanzmarkt hat die ganze Welt von einer Stunde auf die andere in die Nähe des wirtschaftlichen Abgrunds geführt. Nur mit äußerster Anstrengung ist es den Regierungen der gottlob noch einigermaßen starken Staaten gelungen, das Schlimmste zu verhindern."
    ist es offensichtlich, dass er nicht begreift, was die Ursachen waren noch wie intensiv die Regulierungen durch Staaten sein mussten, um zu den massiven weltweiten wirtschaftlichen Ungleichgewichten zu führen, die so mächtig wurden durch die mangelhafte Anpassungsfähigkeit zentraler, politischer Entscheidungsstellen, dass sie in den dafür vorgesehenen Märkten keinen Ausgleich mehr finden konnten.
    Sie entluden sich dann lediglich im Finanzmarkt zerstörerisch, weil die Kräfte dort zusammenlaufen.
    Ein sehr Kritik würdiger Artikel, der voll ist von falschen Annahmen und Vorstellungen. Meinung halt, die sich gibt als Wissen.

    • joG
    • 15.02.2010 um 10:40 Uhr

    ....wenn in einer Zeitung viele Meinungen Platz haben und vertreten werden dürfen. Schade ist es, wenn eine dargelegte Meinung so viele Falschaussagen und -Ableitungen enthält, dass man nur vermuten kann, es wäre eine Satire gewollt.
    Sätze wie:
    "Mit der Klimakatastrophe hat ein Thema existenzielle Bedeutung erlangt, das sich den gewöhnlichen Schemata liberalen Denkens widersetzt."
    sind groteske Verzerrungen liberalen Geistesguts. Ob der Autor lügt oder falsch informiert bleibt unklar. Hat der Mann denn nie den Economist gelesen?
    Wenn er dann aber sagt:
    "Ein deregulierter, freier, globaler Finanzmarkt hat die ganze Welt von einer Stunde auf die andere in die Nähe des wirtschaftlichen Abgrunds geführt. Nur mit äußerster Anstrengung ist es den Regierungen der gottlob noch einigermaßen starken Staaten gelungen, das Schlimmste zu verhindern."
    ist es offensichtlich, dass er nicht begreift, was die Ursachen waren noch wie intensiv die Regulierungen durch Staaten sein mussten, um zu den massiven weltweiten wirtschaftlichen Ungleichgewichten zu führen, die so mächtig wurden durch die mangelhafte Anpassungsfähigkeit zentraler, politischer Entscheidungsstellen, dass sie in den dafür vorgesehenen Märkten keinen Ausgleich mehr finden konnten.
    Sie entluden sich dann lediglich im Finanzmarkt zerstörerisch, weil die Kräfte dort zusammenlaufen.
    Ein sehr Kritik würdiger Artikel, der voll ist von falschen Annahmen und Vorstellungen. Meinung halt, die sich gibt als Wissen.

  1. Überbewertet ist die FDP wegen ihrer Rolle als Mehrheitsbeschaffer immer schon gewesen. Einen so überhitzten Vorsitzenden hatte sie bisher nicht. Als liberales Ausgleichsmoment zweier Blöcke ist sie in gewisser Weise Arbeitslos. Die Blöcke exitieren im Moment nicht. Daß Herr Westerwelle den Platz der FDP am rechten Rand, mit unter weiter rechts als die CSU, sucht, macht sie am Ende überflüssig. Zumindest wird aus der momentanen Situation dann eine Langzeitarbeitslosigkeit. Denn rechts von der CSU wird es geschmacklos. Und aus früher mal rechtschaffenden Liberalen werden wohl politische Harz IV Empfänger oder Asylbewerber in einer der Parteien, die sich so sehr um die Mitte bemühen.
    Mit meiner Wortwahl möchte ich übrigens in keiner Weise die realen Harz IV Empfänger oder Asylbewerber diskreditieren(ihnen gilt eher meine Solidarität), die Begriffe passen nur so schön ins Bild des Herrn Westerwelle.

    Antwort auf "Halten wir mal fest"
  2. Lieber wp,
    ich finde weder etwas liebens- noch begehrenswertes an dieser Partei. Mir erscheint die FDP als ziemlich retardierte Gruppierung. Die penetranten Äusserungen des Herrn Westerwelle verstärken meine negativen Gefühle und Empfindungen mehr, als mir das eigentlich lieb ist. Ich habe auch überhaupt kein Verständnis an der Kritik von Westerwelle an der Hartz-IV-Debatte. Die Attacke von WW befremdet mich zunehmend und hinterlässt mehr als nur einen schalen Geschmack. Entweder geht WW in der nächsten Zeit vermehrt aus der Deckung und erklärt uns seine Republik, oder der Spuk hat bald ein Ende.

    Antwort auf "Halten wir mal fest"
  3. Greife den Nackten zu tief ins' Gesäß und die roten Backen sind garantiert!

    • ddkddk
    • 14.02.2010 um 21:16 Uhr

    ist vergleichbar dem Wort demokratisch in der Staatsbezeichnung der ehemaligen DDR.

    Es ist ein okkupierter Name, sonst nichts.

    Die FDP versteht unter dem Wort liberal lediglich, dass man eine bestimmte, sehr kleine, sehr reiche, sehr arrogante, sehr ichbezogene, sehr neidische, sehr geizige und sehr raffgierige Bevölkerungsgruppe machen lassen soll, was sie will. Wer dagegen ist, ist nach der Definition der FDP unliberal.

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    Genau und auf den Punkt gebracht. Eine schöne Truppe diese FDP, ich darf noch ergänzend anfügen: liberal (vom lat. liber ‚frei‘), ist bei denen immer die Freiheit der Bessergestellten. Inhalte gibts bei denen nur im Portemonnaie, und wenn die Schweiz uns den Gefallen tun sollte die Politikerkonton offenzulegen, weden die FDP Leutchen garantiert am schlechtesten dastehen.

    naja - wer WW´s Bild nicht entspricht, ist SOZIALISTISCH - wenn ich mich nicht irre hat er sogar das BVG so bezeichnet (oder nur das Hartz IV Urteil?)

    Ich denke geistige Armut zeigt sich am deutlichsten in einem schwarz/weiß denken: Die guten, reichen "Leistungsträger" gegen
    (das ist besonders wichtig bei (neo-)liberalen: Alle stehen in Konkurrenz zueinander!)
    das arbeitsscheue Pack, das WW´s (noch) nicht so nennt, aber offensichtlich meint.

    Genau und auf den Punkt gebracht. Eine schöne Truppe diese FDP, ich darf noch ergänzend anfügen: liberal (vom lat. liber ‚frei‘), ist bei denen immer die Freiheit der Bessergestellten. Inhalte gibts bei denen nur im Portemonnaie, und wenn die Schweiz uns den Gefallen tun sollte die Politikerkonton offenzulegen, weden die FDP Leutchen garantiert am schlechtesten dastehen.

    naja - wer WW´s Bild nicht entspricht, ist SOZIALISTISCH - wenn ich mich nicht irre hat er sogar das BVG so bezeichnet (oder nur das Hartz IV Urteil?)

    Ich denke geistige Armut zeigt sich am deutlichsten in einem schwarz/weiß denken: Die guten, reichen "Leistungsträger" gegen
    (das ist besonders wichtig bei (neo-)liberalen: Alle stehen in Konkurrenz zueinander!)
    das arbeitsscheue Pack, das WW´s (noch) nicht so nennt, aber offensichtlich meint.

  4. Liberalismus ist das Eine, die Auswüchse des Sozialstaates das Andere. Hartz IV als einer der Auswüchse des überbordenden Sozialstaates zu kritisieren hat nichts mit der FDP oder dem Liberalismus zu tun. Endlich hat jemand den Mut diese Misere anzusprechen. Schon viel zu lange wird unser Sozialstaat missbraucht, [...]

    Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/sh

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    .. sehr richtig .. vor allem von der Klientel der Mövenpick-Partei

    Nun,wer sich die Mühe macht, näher hinzusehen und die rosarote bzw. gelbe Brille und die Scheuklappen abzunehmen, muß dann wohl erkennen, das das Klientel der FDP ausgerechnet Die armen Millionen Steuerhinterzieher sind,die vor lauter Habgier, Arbeitsplätze ins Ausland verlegt haben , oder nach dem sie ihr Geld in die Schweiz geschafft hatten, einen gesunden Konkurs angemeldet hatten ! Und nicht zu vergessen, wenn die Kanzlerin ins Ausland fliegt, begleiten sie immer Leute aus der Hochfinanz , die keine neuen Absatzmärkte suchen, sondern wo sie neue Werke eröffnen können, um dann in der BRD zuschließen ! Überings,als ich Kind war, gab es Salamander Schuhe, heute sehe ich keine Geschäfte mehr, aber in Ungarn habe ich eines in einem Einkaufszentrum gefunden ! Das gleiche gilt für Stollwerck-Produkte ! Welche Firma stellt denn noch Schuhe in der BRD her ? Wer trägt also die Schuld für die schwindenden Arbeitsplätze, der Arbeiter oder die jeweilige Regierung ?

    Und schon wieder ist jemand reingefallen auf die Polemik der Rosstäuscher.
    (1) Der Mißbrauch beträgt in der Regel weniger als drei Prozent. Das ist statistisch normal und bei jedem Gesetz unausweislich.
    (2) Der Mißbrauch von Subventionen oder Regelungen im Steuerrecht liegt häufig bei zehn und mehr Prozent und übertrifft den Betrug im Sozialbereich regelmäßig absoluten Einzel- wie auch Gesamtsummen. Viele dieser "Mißbräuche" sind jedoch legal (Landwirtschaftssubventionen, die in den Etats von Nestle oder Coca Cola landen). Strafrechtliche Mißbräuche liegen wahrscheinlich auch hier bei etwa drei Prozent.
    (3) Es wird gern mit falschen Zahlen operiert. Das neue Elterngeld, Eliteförderung usw. gehören statistisch in den Bereich der "sozialen" Ausgaben. Die Renten- und Pensionszahlungen des Staates ebenso. Diese werden ja aus den jeweils aktuellen Steuereinnahmen bezahlt, Rückstellungen und Pensionsfonds hat es hierfür in der Vergangenheit nicht gegeben.
    Diese drei Punkte allen leichtfertigen Schuldzuweisern bitte einmal zum Nachdenken.
    Und: In einer Demokratie werden wir übrigens von uns selbst regiert. Die Regierung für etwas zu beschuldigen, bedeutet in einer Demokratie für die Mehrheit der Gesellschaft einzugestehen, selbst etwas verkehrt gemacht zu haben. Durch Wahlen haben wir die Gelegenheit, einen Teil dieses Fehlers wieder zu korrigieren.

    .. sehr richtig .. vor allem von der Klientel der Mövenpick-Partei

    Nun,wer sich die Mühe macht, näher hinzusehen und die rosarote bzw. gelbe Brille und die Scheuklappen abzunehmen, muß dann wohl erkennen, das das Klientel der FDP ausgerechnet Die armen Millionen Steuerhinterzieher sind,die vor lauter Habgier, Arbeitsplätze ins Ausland verlegt haben , oder nach dem sie ihr Geld in die Schweiz geschafft hatten, einen gesunden Konkurs angemeldet hatten ! Und nicht zu vergessen, wenn die Kanzlerin ins Ausland fliegt, begleiten sie immer Leute aus der Hochfinanz , die keine neuen Absatzmärkte suchen, sondern wo sie neue Werke eröffnen können, um dann in der BRD zuschließen ! Überings,als ich Kind war, gab es Salamander Schuhe, heute sehe ich keine Geschäfte mehr, aber in Ungarn habe ich eines in einem Einkaufszentrum gefunden ! Das gleiche gilt für Stollwerck-Produkte ! Welche Firma stellt denn noch Schuhe in der BRD her ? Wer trägt also die Schuld für die schwindenden Arbeitsplätze, der Arbeiter oder die jeweilige Regierung ?

    Und schon wieder ist jemand reingefallen auf die Polemik der Rosstäuscher.
    (1) Der Mißbrauch beträgt in der Regel weniger als drei Prozent. Das ist statistisch normal und bei jedem Gesetz unausweislich.
    (2) Der Mißbrauch von Subventionen oder Regelungen im Steuerrecht liegt häufig bei zehn und mehr Prozent und übertrifft den Betrug im Sozialbereich regelmäßig absoluten Einzel- wie auch Gesamtsummen. Viele dieser "Mißbräuche" sind jedoch legal (Landwirtschaftssubventionen, die in den Etats von Nestle oder Coca Cola landen). Strafrechtliche Mißbräuche liegen wahrscheinlich auch hier bei etwa drei Prozent.
    (3) Es wird gern mit falschen Zahlen operiert. Das neue Elterngeld, Eliteförderung usw. gehören statistisch in den Bereich der "sozialen" Ausgaben. Die Renten- und Pensionszahlungen des Staates ebenso. Diese werden ja aus den jeweils aktuellen Steuereinnahmen bezahlt, Rückstellungen und Pensionsfonds hat es hierfür in der Vergangenheit nicht gegeben.
    Diese drei Punkte allen leichtfertigen Schuldzuweisern bitte einmal zum Nachdenken.
    Und: In einer Demokratie werden wir übrigens von uns selbst regiert. Die Regierung für etwas zu beschuldigen, bedeutet in einer Demokratie für die Mehrheit der Gesellschaft einzugestehen, selbst etwas verkehrt gemacht zu haben. Durch Wahlen haben wir die Gelegenheit, einen Teil dieses Fehlers wieder zu korrigieren.

    • SansS
    • 14.02.2010 um 21:22 Uhr

    Made my day und /sign
    Deswegen kann ich auch als eher liberaler Mensch diese Partei nicht ersntnehmen.

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