Familienministerin Köhler Raufbold im Armani-Anzug

Mehr traditionelle Werte – auch in der Schwulenehe: Familienministerin Kristina Köhler vertritt einen modernisierten Konservatismus

Wahrscheinlich hat er es nett gemeint. Wahrscheinlich will der Vorsitzende des »Verschönerungs- und Verkehrsvereins Biebrich am Rhein« an diesem Sonntagmorgen seinen prominentesten Gast einfach nur warmherzig begrüßen. »Wir freuen uns besonders über den Besuch von Bundesfamilienministerin Kristina Köhler«, sagt Klaus Zengerle und macht eine Pause. Etwa hundert Gäste sitzen zwischen Marmorsäulen im Biebricher Schloss, applaudieren und gucken neugierig in Köhlers Richtung. Dann kommt es: »Großartig, dass Sie da sind«, sagt Zengerle, »so kurz vor dem schönsten Tag Ihres Lebens.« Die neue Ministerin, sie trägt Kostüm und Pferdeschwanz, versucht zu lächeln.

So geht das seit Wochen. Egal wo die mit 32 Jahren jüngste Ministerin in Angela Merkels Kabinett erscheint – wenig scheint das Publikum so zu elektrisieren wie die Tatsache, dass sie am kommenden Samstag ihren Freund Ole Schröder heiraten wird, der als parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium ebenfalls zum Berliner Kabinett gehört. Auf einer Pressekonferenz von Unicef soll Köhler erläutern, warum sie nicht ihren Mädchennamen behält. Bild druckt ein Interview, in dem die CDU-Ministerin gleich dreimal nach der Trauung gefragt wird – obwohl sie keine Antworten gibt. Ein bisschen wirkt es wie ein Crashkurs in Gender-Politik, für die Köhler, offiziell seit Ende November »Ministerin für Familie, Frauen, Senioren und Jugend«, ja verantwortlich ist. »Schönster Tag im Leben« – das bekäme ein Mann wohl kaum zu hören.

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Dabei ließe sich gerade in dieser Woche, in der das Bundesverfassungsgericht über Kinderarmut urteilte, gut beobachten, wie Kristina Köhler politisch tickt. Konservativ, eine innenpolitische Hardlinerin, die illegal in Deutschland lebenden Ausländern nur die zum Überleben notwendige medizinische Behandlung gewähren will, ein »Alfred Dregger im Armani-Anzug« – so beschreiben sie selbst einige in ihrer Fraktion. Gleichzeitig schwärmt sie in Interviews für die Grünen. Und tritt für die Aufwertung der Schwulenehe ein, begründet das aber damit, »dass in homosexuellen Partnerschaften konservative Werte gelebt werden«.

Köhler will mehr Wachsamkeit gegenüber dem Islamismus und erklärt das »mit der Sorge um die liberalen Errungenschaften unserer Gesellschaft«. Köhler will, dass die Vertreibung der Deutschen infolge des Zweiten Weltkriegs stärker in der Schule behandelt wird, aber anders als andere CDU-Minister findet sie die Idee abwegig, eine schwarz-rot-goldene Fahne im Büro aufzustellen.

Sie gehöre keinem Flügel der Partei an, sagt Köhler, könne aber vielleicht die Sehnsucht der Konservativen in der Union nach klareren Zeiten besser nachempfinden als ihre Vorgängerin. Das glaubt man ihr sofort. Kristina Köhler ist ein Parteigewächs, groß geworden in der hessischen Jungen Union, zu der sie als Teenager wegen ihrer Begeisterung für Helmut Kohl gelangte. Als Mittzwanzigerin wechselte sie vom Hörsaal in den Plenarsaal, sie schrieb sogar ihre Dissertation über den Gerechtigkeitsbegriff der CDU. Ihre Parteivita ist der eine große Unterschied zu ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen, der Quereinsteigerin.

Sie will »die Schwachen vor den Faulen schützen«

Der andere Unterschied zeigte sich diese Woche in der Hartz-IV-Debatte. Von der Leyens große Projekte, Elterngeld und Kita-Ausbau, hätte es ohne Glauben an die Gestaltungskraft des Staates nie gegeben. Köhler »tickt«, wie sie selbst sagt, »bei vielen wirtschaftspolitischen Fragen eher liberal«. Sie schaue »eher skeptisch darauf, was und wie viel der Staat regelt«.

Am Dienstag hatte das Bundesverfassungsgericht gefordert, die Unterstützung für Kinder in Hartz-IV-Familien neu zu berechnen. Am Ende wird der Staat mehr zahlen. Kristina Köhler hat das nicht gefordert, im Gegenteil. Sie glaubt, dass es problematisch wäre, wenn arbeitslose Eltern mit ihren Kindern mehr Geld vom Staat bekämen als Familien, bei denen die Eltern arbeiten gehen. Sie glaubt, dass man »die Schwachen vor den Faulen schützen« müsse. Sie sagt auch: »Ich finde die Debatte, die Roland Koch über Hartz IV begonnen hat, absolut berechtigt.« Koch wollte mehr Druck auf Arbeitslose, die keine Jobs annehmen. Von der Leyen hat ihm widersprochen.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    "»Ich finde die Debatte, die Roland Koch über Hartz IV begonnen hat, absolut berechtigt.« Koch wollte mehr Druck auf Arbeitslose, die keine Jobs annehmen."

    Was wollte Koch? Koch wollte sich als Konservativer weiter profilieren! Koch wollte den rechten Rand, das Bild-Lesertum bedienen! Koch hat gespalten. Er will spalten. Er hetzt gegen eine Minderheit. Er Spricht von einem Bruchteil derjenigen, die ALG2 ausnutzen. Die die dem Staat einige millionene kosten und verschweigt die Milliarden die die Bourgeoisie in die Schweiz, nach Lichtenstein oder sosntwohin verfrachtet. Er redet nicht über die Niedriglöhner, die voN Den reicheN Firmenbossen ausgenutzt werden. Von denen die den Karren wirklich ziehen, die Putzfrauen, die Kassiererinnen, die Bauearbeiter, die Klemptner und Lüftungstechniker, die Bäcker und Kellner. Die sind Herrn Koch egal. Erlügt und sagt: Die reichen Ziehen den Karren. Und verheimlicht dabei woher "die Reichen" ihren Karren herhaben. Wer die wirkliche arbeit macht. Frau von und zu Köhler ist vom sleben schlag, und warum man diese rechts-konservative Frau hier so freundlich vorstellt ist mir nicht klar. Redet lieber über die Frauen im Land die wirklich etwas leisten. Nicht über die die spalten.

  2. Die letzten Jahre sind reine Frauenpolitik gemacht worden. Es ist an der Zeit, dass wieder Familienpoltik gemacht wird. Frau Köhler bzw. Frau Schröder scheint das gut erkannt zu haben. Die Spalter sind meines Erachtens eher die 68´er mit Ihrem spaßorientierten egoistischen Motiven.

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    spaßorientierten Egoistisschen motiven? Was für ein Blödsinn! Damals ging es um Gemeinscahft! Um das Recht aller würdig zu leben! es ging und geht um eine soziale idee. Um das aufbrechen verkursteter strukturen.
    Frau Köhler ist das schlechteste was den Familien in Deutschland passieren kann, sofern sie nicht besserverdiener sind.
    [entfernt. Bitte verzichten Sie trotz aller Kritik auf herabwürdigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/vv]
    Alle Familien in denen wenig geld vorhanden ist, die womöglich sogar einwandererfamilien sind, all jene die Homosexuelle Elternteile beinhalten, die Familien die garkeine eltern haben, jede Form die vom chrsitlichen familienbild abweicht, wird im visier dieser person geraten.
    Bald wird es noch mehr drohungen gegen Schwule geben. Ich durfte agression solcher "konservativer" menschen gegen Homosexuelle am eigenen leibe erleben.

    Familienpolitik muss sich an alle Familien richten, wie auch immer sie geartet ist.

    schreiten Sie fort - und schreiten Sie fort ..... und denken Sie daran, daß Familien - vor allem der Gut- und Bestverdienenden - vom Staat aus Steuerzahlergeldern beim Ehegattensplitting immer noch und seit Urzeiten begünstigt werden. - Will das der Steuerzahler???? -

    spaßorientierten Egoistisschen motiven? Was für ein Blödsinn! Damals ging es um Gemeinscahft! Um das Recht aller würdig zu leben! es ging und geht um eine soziale idee. Um das aufbrechen verkursteter strukturen.
    Frau Köhler ist das schlechteste was den Familien in Deutschland passieren kann, sofern sie nicht besserverdiener sind.
    [entfernt. Bitte verzichten Sie trotz aller Kritik auf herabwürdigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/vv]
    Alle Familien in denen wenig geld vorhanden ist, die womöglich sogar einwandererfamilien sind, all jene die Homosexuelle Elternteile beinhalten, die Familien die garkeine eltern haben, jede Form die vom chrsitlichen familienbild abweicht, wird im visier dieser person geraten.
    Bald wird es noch mehr drohungen gegen Schwule geben. Ich durfte agression solcher "konservativer" menschen gegen Homosexuelle am eigenen leibe erleben.

    Familienpolitik muss sich an alle Familien richten, wie auch immer sie geartet ist.

    schreiten Sie fort - und schreiten Sie fort ..... und denken Sie daran, daß Familien - vor allem der Gut- und Bestverdienenden - vom Staat aus Steuerzahlergeldern beim Ehegattensplitting immer noch und seit Urzeiten begünstigt werden. - Will das der Steuerzahler???? -

  3. spaßorientierten Egoistisschen motiven? Was für ein Blödsinn! Damals ging es um Gemeinscahft! Um das Recht aller würdig zu leben! es ging und geht um eine soziale idee. Um das aufbrechen verkursteter strukturen.
    Frau Köhler ist das schlechteste was den Familien in Deutschland passieren kann, sofern sie nicht besserverdiener sind.
    [entfernt. Bitte verzichten Sie trotz aller Kritik auf herabwürdigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/vv]
    Alle Familien in denen wenig geld vorhanden ist, die womöglich sogar einwandererfamilien sind, all jene die Homosexuelle Elternteile beinhalten, die Familien die garkeine eltern haben, jede Form die vom chrsitlichen familienbild abweicht, wird im visier dieser person geraten.
    Bald wird es noch mehr drohungen gegen Schwule geben. Ich durfte agression solcher "konservativer" menschen gegen Homosexuelle am eigenen leibe erleben.

    Familienpolitik muss sich an alle Familien richten, wie auch immer sie geartet ist.

    Antwort auf "Fortschritt"
  4. auf einem Auge blind und einem Ohr taub? - "Man tritt Jürgen Rüttgers sicherlich nicht ....", aber "..., die Roland Koch über HartzIV begonnen hat, absolut berechtigt". Das tut weh! - Als Familienministerin wäre es auch schön, sie würde unter "HartzIV" Menschen verstehen, also Menschen, die ihre Arbeitsplätze verloren, weil man Geringverdienerjobs daraus machte, damit Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge sparen. Auf diese Menschen (ALGII-Bezieher), die sich zu 97,5 % an die Regeln halten und aushalten müssen, daß bei 30 % der Bescheide vom Geringen zu wenig bewilligt wurde, darf Herr Koch also einprügeln und er darf hetzen. - Da sehe ich schwarz, tiefschwarz und kein bißchen grün. -

  5. schreiten Sie fort - und schreiten Sie fort ..... und denken Sie daran, daß Familien - vor allem der Gut- und Bestverdienenden - vom Staat aus Steuerzahlergeldern beim Ehegattensplitting immer noch und seit Urzeiten begünstigt werden. - Will das der Steuerzahler???? -

    Antwort auf "Fortschritt"
    • joG
    • 13.02.2010 um 10:59 Uhr

    ....dass die Frau nicht hübsch und traditionell wäre. Das genügt nur kaum, wenn Interviews mit ihr die Einschätzung Deutschlands in der Welt nur in gewissen Kreisen förderlich ist und das allgemeine Vorurteil des xenophobischen Deutschen ugeniert Leben einhauchen:

    "Who the fuck is ... Kristina Köhler ?" http://www.youtube.com/wa...

    Aussagen dieser Art sind ebenfalls durchaus dazu angetan die Öffentliche Ordnung zu stören, weil sie dem Fremdenhass Munition liefern; in diesem Fall wohl auch mit einer als Forschungsergebnis aufgemachte Falschmeinung. Das ist unverantwortlich.

  6. Realitätssinn, wenn sie sagt, sie schaue »eher skeptisch darauf, was und wie viel der Staat regelt«. Das Demografie-Problem zumindest, ließ sich bislang mit den Post-’68-Konzepten (mehr Geld, mehr Staat) nicht lösen. Interessanterweise kommen in bestimmten Zuwnadererkreisen, dort wo das Geld auf jeden Fall knapper ist, als bei Durchschnittsdeutschen, mehr Kinder zu Welt. Ein Staat der sich über finanzielle Verteilungsgerechtigkeit definiert, produziert eine hohle Gesellschaft, die ihre Gemeinschaft bestenfalls in der alljährlichen Forderung nach mehr Einkommen erfährt. Hier den Finger auf die Wunde zu legen und über neue Ansätze nachzudenken ist m.E. begrüßenswert.

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    Sie haben meine volle Sympathie.
    Bei mir überwiegt nach 20 Jahren BRD-Erfahrung die Skepzis.
    Die 68iger waren doch geistig und biologisch nicht besonders produktiv. Warum sollte sich das jetzt im fortgeschrittenen Alter noch ändern ?

    Sie haben meine volle Sympathie.
    Bei mir überwiegt nach 20 Jahren BRD-Erfahrung die Skepzis.
    Die 68iger waren doch geistig und biologisch nicht besonders produktiv. Warum sollte sich das jetzt im fortgeschrittenen Alter noch ändern ?

  7. »Man tritt Kristina Köhler sicherlich nicht zu nahe, wenn man unterstellt, dass sie sich von ihrer neuen Rolle als Sarah Palin der CDU persönliche Vorteile verspricht.«

    ;)

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