Liebeskolumne Kann er ihr je wieder vertrauen?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine Frage der Liebe. Diesmal: Darf man als Paar in Erziehungsfragen unterschiedlicher Meinung sein?

Wie viel man seinen Kindern erlaubt, ist ein häufiger Streitpunkt in Beziehungen
Die Frage: Max und Marianne kommen beide aus problembeladenen Familien und waren sehr froh, sich gefunden zu haben. Max erinnert sich noch genau, wie er während ihrer jungen Liebe neben Marianne auf einer Brücke stand und sich schwor, er werde Marianne nie so schlecht behandeln, wie er das im Verhältnis seiner Eltern erlebt hatte. Solange die beiden Kinder von Max und Marianne klein waren, blieb die Harmonie auch ungetrübt; Max war ein liebevoller Vater. Seit die Söhne in die Pubertät gekommen sind, schimpft er viel mit ihnen: Sie verschwendeten ihr Taschengeld, seien faul, säßen zu viel am Computer. Als Max erfährt, dass Marianne trotz seines strikten Verbotes einige Male heimlich Strafen für das Schwarzfahren der Söhne aus eigener Tasche bezahlt hat, ist Max außer sich. Wird er ihr jemals wieder vertrauen können?
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Das reife Vertrauen ist immer auch mit Misstrauen durchsetzt, nur dann wird es sehendes Vertrauen. Daher ist der Gegensatz zwischen "gesundem" Vertrauen und "krankem" Misstrauen falsch. Es geht darum, sehendes und blindes Vertrauen zu unterscheiden. Wer blind vertraut, endet im ebenso blinden Misstrauen.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Max kann sich in vielem auf Marianne verlassen, aber nicht in allem. Sobald er wieder sehen kann, dass sie es nicht böse mit ihm meint, sondern nur auf eine andere Weise gut mit den Söhnen, wird er sich mit ihr darüber auseinandersetzen und sich vielleicht damit abfinden, dass Eltern auch dort, wo sie keine gemeinsame Linie finden, einen gemeinsamen Erziehungsraum erschließen können, in dem unterschiedliche Einstellungen gelebt werden dürfen.
Wolfgang Schmidbauer, 68, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Zu dieser Kolumne ist das Buch »Lässt sich Sex verhandeln?« beim Gütersloher Verlagshaus erschienen
Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de
- Datum 08.02.2010 - 15:27 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle ZEITmagazin, 11.02.2010 Nr. 07
- Kommentare 5
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Liebe Redaktion, könnte man die Kolumne von Herrn Schmidbauer nicht einstellen und dafür die leider kürzlich abgesetzte Video-Serie über glückliche Paare wieder einführen?
Ich finde die Schmidbauer-Artikel doch recht ermüdend und uninteressant.
Glückliche Paare zu sehen, wen man ein Problem hat, bringt nichts. Ich finde die Kolumne von Herrn Schmidbauer klasse, und zwar nicht wegen der einzelnen Probleme, die sie behandelt - und die wohl kaum auf das Problem, das man gerade selbst hat, passen - sondern wegen der Art der Konfliktlösung, die er vermittelt. Den anderen mit Respekt zu sehen, zuzuhören und auch ihn zu verstehen. Nicht zu vergessen, dass der andere es vermutlich nur gut meint, auch wenn es gerade nicht so scheint.
Insofern: Weiter so! Eine sehr gelungene Kolumne!
Ja, das Misstrauen hat´s gut, da kümmert sich sogar der Schmidbauer drum! Und die Unzuverlässigkeit ist ihm auch nicht gleichgültig und das Auseinandersetzen und das Sichabfinden. Und die unterschiedlichsten Einstellungen, die sollen sogar einen gemeinsamen Erziehungsraum bekommen.
Durch Misstrauen wird Vertrauen vielleicht intelligenter. Aber wovon wird es souveräner? Wovon wird die Zuverlässigkeit interessierter am Leben? Wovon wird das Verständnis der schwachen Seelenkräfte größer? Wovon wächst die GÜTE der betroffenen Talente? Wovon wächst die eigene Persönlichkeit? Welche Kräfte in Max und Marianne und den Kindern sind hohl und bedürfen vermehrter Anerkennung und Neuorientierung? Wie redet man mit schwachen Stärken, um sie nicht zu vergraulen und zu verprellen sondern sie aufzurichten und zum Wachsen zu bringen? Wie kommt man so weit, in Schwierigkeiten Hinweise auf eigene Irrtümer zu erkennen?
Als Ich-kann-Schule-Lehrer stecke ich meine Energie nicht in das, was ich nicht will; dem entziehe ich sie und nähre damit genau das, was wachsen soll und sonst nichts. IKS-Erfahrung ist: "Wenn ich deine Talente BESSER behandle als Du, dann mögen sie mich und folgen mir lieber als Dir." Max verliert Einfluss, weil er die Talente seiner Frau und Kinder nich schlechter behandelt als diese. Wenn er das verstanden hat, wird er hoffentlich nicht so dumm sein, und das auch noch steigern. Einfache Umkehr genügt für die Lösung. Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe
... beschriebenen "Problem" einen "Paartherapeuten" braucht, ist wohl partnerschaftlich schon jenseits von gut und böse.
... die Überschrift sollte wohl lauten: "Wer bei dem oben ..."
... die Überschrift sollte wohl lauten: "Wer bei dem oben ..."
... die Überschrift sollte wohl lauten: "Wer bei dem oben ..."
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