Fritz Langs "Metropolis" Die Lang-Fassung
Vor zwei Jahren entdeckte das ZEITmagazin die seit 80 Jahren verschollenen Szenen von Fritz Langs "Metropolis". Seither arbeiten vier Restauratoren fieberhaft an dem Film. Während der Berlinale feiert er Weltpremiere
Als der Filmrestaurator Thomas Bakels im Sommer 2008 im ZEITmagazin die ersten Bilder des wiederentdeckten Films Metropolis sah, dachte er sich: »Die arme Sau, die das restaurieren muss.« Ein Jahr später wusste er: Es hatte ihn getroffen. Wenn er heute über die Qualität der Kopie spricht, flucht Bakels, als tue es ihm persönlich weh. Er spricht von dem Film wie von einem Patienten, von »Verletzungen«, die der erlitten habe, von »gesundem und schadhaftem Material«, als ginge es darum, einen Tumor aus dem Körper zu holen. »In diesem Material ist der Horror«, sagt er.
Tatsächlich hat die Kopie, so wie sie entdeckt wurde, alle erdenklichen Fehler, die ein Film haben kann. An den oberen und unteren Rändern überlappen sich die Einzelbilder. Es sind Löcher in den Film gestanzt. Öl aus den Projektoren hat auf dem Film unzählige Flecken hinterlassen, genauso wie Staub und Dreck. Klebestellen sind sichtbar. Die Bilder sind schief kopiert. Und vor allem ist da dieser schwarze Regen, der es einem kaum möglich macht, sich auf den Film zu konzentrieren, und der die Details der Bilder hinwegspült: vertikale Kratzer, die beim Abspielen entstehen. Oder beim falschen Lagern. Nicht richtig aufgerollt, reibt das Filmband beim Transport wie Schmirgelpapier aneinander. »Schlamperei ist ein Grundübel des Menschen. Wer gibt sich denn noch wirklich Mühe?« Thomas Bakels, der in seinem Fleece-Pulli so gemütlich und freundlich aussieht, wird richtig ärgerlich.
Metropolis, so wie es im Herbst 2009 in Bakels’ Werkstatt ankam, glich einer zerbombten Stadt. Von den Filmwissenschaftlern hatte er die Pläne, wie sie wiederaufzubauen war. Es blieben ihm nur ein paar Monate, und er wusste: Noch nie wurde ein derart kaputter Film wieder restauriert. Und er ahnte außerdem: Das Werkzeug, um ihn wiederherzustellen, musste er erst noch selber erfinden.
Entdeckt wurden die alten Filmrollen in Argentinien. Die Museumdirektorin Paula Félix-Didier und der Filmwissenschaftler Fernando Peña hatten die Kopie im Archiv des Museo del Cine in Buenos Aires aufgestöbert, nachdem sie jahrelang keinen Zutritt dorthin hatten. Sie fanden eine 16Millimeter-Negativkopie, die Anfang der siebziger Jahre gezogen wurde von einer 35-Millimeter-Langfassung, von der die Filmwelt dachte, dass sie nicht mehr existieren würde. Metropolis, 1927 von Fritz Lang gedreht, ein Meisterwerk der Science-Fiction, der bis dahin teuerste deutsche Film, wurde unmittelbar nach seiner Uraufführung in Berlin in Hollywood umgeschnitten und zerstümmelt. Die Originalfassung galt als für immer verschollen, viele Szenen des Films als für immer verloren. Bis die beiden Argentinier die Filmrollen in Buenos Aires entdeckten.
Im Sommer 2008 widmete das ZEITmagazin dem Fund von "Metropolis" ein Heft
Paula Félix-Didier brachte eine DVD mit einer Kopie ihres Fundes zur Prüfung nach Deutschland, wo eine Runde von Fritz-Lang-Kennern im Juni 2008 im Auftrag des ZEITmagazins den Film begutachteten. Als der Berliner Filmrestaurator Martin Koerber damals den Fund sichtet, sagt er ein paarmal leise »super«. Metropolis , eines der größten Werke der Filmgeschichte, war wiederentdeckt. Doch als die Lichter im Vorführsaal wieder angehen, ist Martin Koerber ganz sachlich: »Ich habe noch nie so schlechtes Bildmaterial gesehen.« Die jubelnden Töne sind nicht die Sache der Filmrestauratoren.
Mit Koerber im Vorführraum sitzt damals Anke Wilkening. Sie ist verantwortliche Restauratorin der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Sie ist 35, sieht aber noch deutlich jünger aus in ihrer rosa Bluse. Als hätte sie sich die Worte zurechtgelegt, sagt sie: »Wir als Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung sehen uns in der Verantwortung, das Material der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.« Und wenig später verkündet sie: Ziel soll es sein, dass der Film zur Berlinale 2010 gezeigt wird. Das Ganze kostet mehr als eine halbe Million Euro, sehr viel Geld für einen Stummfilm. Es blieben weniger als zwei Jahre Zeit.
Erst musste der Fund noch nach Deutschland kommen. Zähe Verhandlungen begannen zwischen der Murnau-Stiftung und dem Minister für Kultur in Buenos Aires. Es meldeten sich private Sammler, die viel Geld für den Sensationsfund boten. Auch wenn die Rechte des Werkes von Fritz Lang bei der Murnau-Stiftung liegen: Solange die Kopie nicht in Deutschland war, konnte die Stiftung sie nicht restaurieren.
- Datum 11.02.2010 - 12:02 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEITmagazin, 11.02.2010 Nr. 07
- Kommentare 10
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Die Fleißarbeit der Restauratoren und die für die damalige Zeit spektakulären Effekte des Films können nicht darüber hinwegtäuschen, daß Metropolis eines der dümmsten Machwerke der Filmgeschichte ist, das durch die schleimtriefende Musik von Gottfried Huppertz den Schutzwall zur Unerträglichkeit durchbricht.
[Anmerkung: Bitte verzichten Sie trotz aller Kritik auf beleidigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/vv]
so schreibt es sich, wenn man den Film nicht verstanden hat. Den gerade in der heutigen Zeit ist Metropolis aktueller den je...
so schreibt es sich, wenn man den Film nicht verstanden hat. Den gerade in der heutigen Zeit ist Metropolis aktueller den je...
Das wird wahrscheinlich ein ähnlicher Event wie ihn Paolo Villaggio anfang der 70er Jahre in einem seiner ersten Fantozzi Filme thematisiert hat: Alle Mitarbeiter seiner Firma wollten ihren Intellekt beweisen und gingen regelmäßig zur Präsentation des Films "Panzerkreuzer Potjemkin". Alle schliefen während der Film lief. Danach fand eine Podiumsdiskussion mit dem Präsentator statt, bei der jeder irgendetwas erfand, um intellektueller als seine Kollegen zu wirken.
Nur Fantozzi, dem es peinlich war gefragt zu werden hat es auf den Punkt gebracht: "Panzerkreuzer Potjemkin ist ein granatenmäßiger Sch...". Natürlich wurde er von seinen zuvor schlafenden Kollegen ausgebuht, weil er einfach weniger intellektuell als diese war...
Habe ich das jetzt richtig verstanden: Sie zitieren einen italienischen Film, der sich über die Rezeption eines sowjetischen Filmes auslässt, lassen hierbei die Trennung zwischen Filmfigur und Autorenschaft außer Acht und übertragen dies auf einen Film, den wir so beide noch nicht gesehen haben können?
Für mich wird am Freitag interessant werden, ob die Handlungs- und Logikbrüche geglättet werden konnten und die Motivation der Hauptfiguren nun verständlicher wird. Erst danach kann ich beurteilen, ob es sich inhaltlich nun um granatenmäßigen Mist, Soziokitsch oder eine Belanglosigkeit gehandelt hat.
Die restauratorische Großleistung steht aber jetzt schon fest!
Sie schreiben in den letzten Absätzen Ihres Artikels so, als wenn Sie die ganze Zeit danebengesessen hätten, als die Restaurateure die Endüberarbeitung in Wien vornahmen. Das nehme ich Ihnen einfach nicht ab. Es schaut so aus, als ob Sie sich das einzig aus den Fingern gesogen haben, um die Story aufzupeppen. So macht es die Bildzeitung auch immer (BILD war dabei). Das ist unlauterer Journalismus und steht einer Zeitung Ihres intelektuellen Anspruchs nicht gut an.
Lieber Leser! Nehmen Sie es uns bitte doch ab. Das ZEITmagazin war in Wien dabei, zwei Tage lang. Beste Grüße! Karen Naundorf und Matthias Stolz
Lieber Leser! Nehmen Sie es uns bitte doch ab. Das ZEITmagazin war in Wien dabei, zwei Tage lang. Beste Grüße! Karen Naundorf und Matthias Stolz
Lieber Leser! Nehmen Sie es uns bitte doch ab. Das ZEITmagazin war in Wien dabei, zwei Tage lang. Beste Grüße! Karen Naundorf und Matthias Stolz
Gut, Entschuldigung, ich habe mich geirrt. Ich hoffe allerdings sehr, daß sie die guten Restaurateure auch in Ruhe haben arbeiten lassen.
Einen Satz am Anfang Ihres Artikels muß ich aber doch noch beanstanden: Es stimmt einfach nicht, daß das ZEIT-Magazin die verschollenen Szenen entdeckt hat. Sie haben als erste darüber berichtet, aber gefunden haben Sie sie nicht.
Gut, Entschuldigung, ich habe mich geirrt. Ich hoffe allerdings sehr, daß sie die guten Restaurateure auch in Ruhe haben arbeiten lassen.
Einen Satz am Anfang Ihres Artikels muß ich aber doch noch beanstanden: Es stimmt einfach nicht, daß das ZEIT-Magazin die verschollenen Szenen entdeckt hat. Sie haben als erste darüber berichtet, aber gefunden haben Sie sie nicht.
so schreibt es sich, wenn man den Film nicht verstanden hat. Den gerade in der heutigen Zeit ist Metropolis aktueller den je...
Bildzeitungsniveau? Wie bitte? Ich bin entsetzt über Gospodin Andrejewitschs Wahrnehmung. Die angeblich so bildzeitungshaften Elemente sind ein Merkmal des guten Journalismus: Der Leser merkt, dass der Journalist tatsächlich vor Ort war. Wer das nicht erkennt, merkt wohl auch nicht den Unterschied zwischen einem Interview und einem «E-Mail-Interview».
Gut, Entschuldigung, ich habe mich geirrt. Ich hoffe allerdings sehr, daß sie die guten Restaurateure auch in Ruhe haben arbeiten lassen.
Einen Satz am Anfang Ihres Artikels muß ich aber doch noch beanstanden: Es stimmt einfach nicht, daß das ZEIT-Magazin die verschollenen Szenen entdeckt hat. Sie haben als erste darüber berichtet, aber gefunden haben Sie sie nicht.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren