Fritz Langs "Metropolis" Die Lang-FassungSeite 5/5

Es blieben ihm noch zweieinhalb Wochen für diese Arbeit. Am 10. Januar hat er sie vollbracht, er muss nur noch eine Szene bearbeiten, in der die Hauptfigur Maria verzweifelt versucht, das Wasser zu stoppen, das die Unterstadt von Metropolis überflutet. Dabei zieht Bakels den Rauch seiner Zigarette tief ein, seine Fußspitzen drehen sich leicht verkrampft nach innen. Auch jetzt keinen Fehler mehr machen.

Wien, eine Woche später, weniger als vier Wochen bis zur Premiere des wiederentdeckten Films, mit großem Orchester, zeitgleich in Berlin und Frankfurt am Main – Arte überträgt live zur besten Sendezeit, seit Jahren wurde diese Ehre keinem Stummfilm mehr zuteil. Was jetzt noch fehlt, ist, jeder einzelnen Szene das richtige Licht und den richtigen Kontrast zu geben. Mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Wilkening, Koerber und Bakels sitzen in einem ansonsten leeren Vorführraum in Wien. Zum ersten Mal sehen die drei den restaurierten Film auf einer großen Leinwand.

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»Wäre ich doch bloß Gärtner geworden«, sagt Martin Koerber. »Wieso?«, fragt Anke Wilkening. »Dann müsste ich nicht wie seit 25 Jahren ständig im Dunklen sitzen. Obwohl – dann müsste ich jetzt meine Zeit in einem stickigen Gewächshaus zubringen und die richtige Farbe der Kirschblüten der nächsten Bundesgartenschau auswählen.« Ansonsten wird nicht viel geredet an diesem Wochenende in Wien. Sie sagen »heller«, »dunkler«, »mehr Kontrast«, knappe Sätze. Bakels erzählt am ersten Tag noch Anekdoten aus seiner Tontechnikerzeit, aber er lässt es bald.

Als endlich das Licht stimmt, der Film fertig ist, auf den die Filmwelt seit Jahrzehnten hoffte, sagt Koerber: »Dann nehmen wir jetzt mal unsere Mundwinkel in die Hand und ziehen sie nach oben und sind zufrieden.«

Als die drei zum Essen gehen, werden die Schnitzel mit Kartoffelsalat ohne jede Konversation verzehrt. Ein Stummfilm, hat Martin Koerber gesagt, ist ja gar nicht stumm, er hat auch Musik. Stumm, so scheint es, sind manchmal die Experten.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Fleißarbeit der Restauratoren und die für die damalige Zeit spektakulären Effekte des Films können nicht darüber hinwegtäuschen, daß Metropolis eines der dümmsten Machwerke der Filmgeschichte ist, das durch die schleimtriefende Musik von Gottfried Huppertz den Schutzwall zur Unerträglichkeit durchbricht.
    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie trotz aller Kritik auf beleidigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/vv]

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    • Lapje
    • 11.02.2010 um 19:37 Uhr

    so schreibt es sich, wenn man den Film nicht verstanden hat. Den gerade in der heutigen Zeit ist Metropolis aktueller den je...

    • Lapje
    • 11.02.2010 um 19:37 Uhr

    so schreibt es sich, wenn man den Film nicht verstanden hat. Den gerade in der heutigen Zeit ist Metropolis aktueller den je...

  2. Das wird wahrscheinlich ein ähnlicher Event wie ihn Paolo Villaggio anfang der 70er Jahre in einem seiner ersten Fantozzi Filme thematisiert hat: Alle Mitarbeiter seiner Firma wollten ihren Intellekt beweisen und gingen regelmäßig zur Präsentation des Films "Panzerkreuzer Potjemkin". Alle schliefen während der Film lief. Danach fand eine Podiumsdiskussion mit dem Präsentator statt, bei der jeder irgendetwas erfand, um intellektueller als seine Kollegen zu wirken.
    Nur Fantozzi, dem es peinlich war gefragt zu werden hat es auf den Punkt gebracht: "Panzerkreuzer Potjemkin ist ein granatenmäßiger Sch...". Natürlich wurde er von seinen zuvor schlafenden Kollegen ausgebuht, weil er einfach weniger intellektuell als diese war...

  3. Habe ich das jetzt richtig verstanden: Sie zitieren einen italienischen Film, der sich über die Rezeption eines sowjetischen Filmes auslässt, lassen hierbei die Trennung zwischen Filmfigur und Autorenschaft außer Acht und übertragen dies auf einen Film, den wir so beide noch nicht gesehen haben können?

    Für mich wird am Freitag interessant werden, ob die Handlungs- und Logikbrüche geglättet werden konnten und die Motivation der Hauptfiguren nun verständlicher wird. Erst danach kann ich beurteilen, ob es sich inhaltlich nun um granatenmäßigen Mist, Soziokitsch oder eine Belanglosigkeit gehandelt hat.
    Die restauratorische Großleistung steht aber jetzt schon fest!

  4. Sie schreiben in den letzten Absätzen Ihres Artikels so, als wenn Sie die ganze Zeit danebengesessen hätten, als die Restaurateure die Endüberarbeitung in Wien vornahmen. Das nehme ich Ihnen einfach nicht ab. Es schaut so aus, als ob Sie sich das einzig aus den Fingern gesogen haben, um die Story aufzupeppen. So macht es die Bildzeitung auch immer (BILD war dabei). Das ist unlauterer Journalismus und steht einer Zeitung Ihres intelektuellen Anspruchs nicht gut an.

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    Redaktion

    Lieber Leser! Nehmen Sie es uns bitte doch ab. Das ZEITmagazin war in Wien dabei, zwei Tage lang. Beste Grüße! Karen Naundorf und Matthias Stolz

    Redaktion

    Lieber Leser! Nehmen Sie es uns bitte doch ab. Das ZEITmagazin war in Wien dabei, zwei Tage lang. Beste Grüße! Karen Naundorf und Matthias Stolz

  5. Redaktion

    Lieber Leser! Nehmen Sie es uns bitte doch ab. Das ZEITmagazin war in Wien dabei, zwei Tage lang. Beste Grüße! Karen Naundorf und Matthias Stolz

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    Gut, Entschuldigung, ich habe mich geirrt. Ich hoffe allerdings sehr, daß sie die guten Restaurateure auch in Ruhe haben arbeiten lassen.
    Einen Satz am Anfang Ihres Artikels muß ich aber doch noch beanstanden: Es stimmt einfach nicht, daß das ZEIT-Magazin die verschollenen Szenen entdeckt hat. Sie haben als erste darüber berichtet, aber gefunden haben Sie sie nicht.

    Gut, Entschuldigung, ich habe mich geirrt. Ich hoffe allerdings sehr, daß sie die guten Restaurateure auch in Ruhe haben arbeiten lassen.
    Einen Satz am Anfang Ihres Artikels muß ich aber doch noch beanstanden: Es stimmt einfach nicht, daß das ZEIT-Magazin die verschollenen Szenen entdeckt hat. Sie haben als erste darüber berichtet, aber gefunden haben Sie sie nicht.

    • Lapje
    • 11.02.2010 um 19:37 Uhr
    6. Tja,

    so schreibt es sich, wenn man den Film nicht verstanden hat. Den gerade in der heutigen Zeit ist Metropolis aktueller den je...

  6. Bildzeitungsniveau? Wie bitte? Ich bin entsetzt über Gospodin Andrejewitschs Wahrnehmung. Die angeblich so bildzeitungshaften Elemente sind ein Merkmal des guten Journalismus: Der Leser merkt, dass der Journalist tatsächlich vor Ort war. Wer das nicht erkennt, merkt wohl auch nicht den Unterschied zwischen einem Interview und einem «E-Mail-Interview».

  7. Gut, Entschuldigung, ich habe mich geirrt. Ich hoffe allerdings sehr, daß sie die guten Restaurateure auch in Ruhe haben arbeiten lassen.
    Einen Satz am Anfang Ihres Artikels muß ich aber doch noch beanstanden: Es stimmt einfach nicht, daß das ZEIT-Magazin die verschollenen Szenen entdeckt hat. Sie haben als erste darüber berichtet, aber gefunden haben Sie sie nicht.

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