Bäume im Computertomografen Erst sehen, dann sägen

Computertomografen, in der Medizin unentbehrlich, sollen jetzt auch Baumstämme durchleuchten und die Holzverarbeitung optimieren. Freiburger Forscher testen einen Prototypen.

Bislang hat man einen Baumstamm aufgeschnitten und hinterher die entstandenen Bretter nach ihrer Qualität sortiert, heute sollen Computertomographen dabei helfen

Bislang hat man einen Baumstamm aufgeschnitten und hinterher die entstandenen Bretter nach ihrer Qualität sortiert, heute sollen Computertomographen dabei helfen

Es dauert etwa so lang wie ein Menschenleben, bis aus einem Fichtensamen ein Baum erwachsen ist, der als Bauholz taugt. Bis ein solcher Waldriese zu Balken, Brettern, Dachlatten und Sägemehl verarbeitet ist, vergehen nur ein paar Augenblicke.

In modernen Sägewerken passiert das fast vollautomatisch. Laserscanner vermessen die Stämme bei der Anlieferung millimetergenau und schicken die Daten an einen Computer. Der entscheidet, ob daraus ein Dachstuhl, Fensterleisten oder Rauholz für Lkw-Paletten wird. Ein paar Minuten später klappert hinten der Zuschnitt in die Sortieranlage.

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Nur auf den äußeren Anschein allein mögen sich manche dieser halbautonomen Sägewerke nicht mehr verlassen. Sie nutzen neuerdings medizintechnische Geräte, um einen Baumstamm auch nach seinen inneren Werten zu beurteilen. Herkömmliche Röntgengeräte für diesen Zweck gibt es seit einigen Jahren auf dem Markt. Sie durchleuchten das Holz aus einer Richtung, ähnlich wie einen Knochenbruch beim Orthopäden.

Für Röntgenstrahlen besteht nur ein sehr kleiner Unterschied zwischen Holz und menschlichem Gewebe.

Owe Lindgren, Professor am Department für Holzforschung und -technik in Skellefteå

Derzeit wird die nächste Gerätegeneration für ihren Einsatz im Sägewerk vorbereitet: Computertomografen (CT), die eigentlich dazu da sind, feinste Verletzungen, Schwellungen oder Geschwüre im menschlichen Körper zu entdecken. Sie sollen ein detailliertes dreidimensionales Bild des Holzkörpers abliefern. »Die hohe Kunst besteht darin, am Ast vorbeizusägen, ohne ihn auf der Oberfläche sehen zu können«, erklärt Udo Sauter von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt des Landes Baden-Württemberg in Freiburg. Er arbeitet mit seinen Kollegen daran, den ersten kommerziellen Baum-CT der Welt zur Serienreife zu bringen.

Bislang hat man einen Baumstamm aufgeschnitten und hinterher die entstandenen Bretter nach ihrer Qualität sortiert. Äste, Faulstellen oder breite Jahresringe mindern die Qualität und damit den Preis. Erkennt der Säger die Problemstellen per Röntgenblick schon vor dem Schnitt, kann er den Stamm noch besser zu möglichst vielen hochklassigen Brettern und Balken filetieren. Durch die höhere Ausbeute könne die Wertschöpfung eines durchschnittlichen Betriebes um bis zu zehn Prozent steigen, schätzt Sauter.

Ein Beispiel? Angenommen in einem Stammabschnitt gammelt das Holz unter der Rinde. Wird der Stamm nun so in die senkrecht stehende Brettsäge eingespannt, dass die Faulstelle oben oder unten liegt, werden die meisten Bretter, die dabei herauskommen, den Fehler tragen. Wird der Klotz aber um neunzig Grad gedreht, sodass der Fehler an der Seite liegt, ist mindestens die Hälfte der Bretter fehlerfrei. Statt etwa zehn Brettern minderer Qualität kommen fünf hochwertige heraus, die sich zu einem besseren Preis verkaufen lassen, und außerdem noch ein bisschen B-Ware. Der Rest wandert in den Schredder und wird zu Hackschnitzeln für das nächste Biomassekraftwerk.

Die Geschichte der Holzdurchleuchtung begann Ende der 1980er Jahre in Schweden, mit einer Kaffeepause an der Technischen Universität Luleå. Einige Studenten kabbelten sich, und dabei sei das Wort »Holzkopf« gefallen, erinnert sich Owe Lindgren. Damals war er einer der angehenden Holzforscher, heute ist er Professor am Department für Holzforschung und -technik in Skellefteå, 130 Kilometer von Luleå in Nordschweden entfernt. Die freundschaftliche Pöbelei war der Anlass, ein paar Tage später ein Stück Holz in einen Computertomografen zu legen.

Die Forscher waren überrascht vom Resultat. »Für Röntgenstrahlen besteht nur ein sehr kleiner Unterschied zwischen Holz und menschlichem Gewebe«, sagt Lindgren. Die festen Knochen erscheinen im Röntgenbild heller als weiches Gewebe. Genauso ist es beim Holz: Bereiche mit hoher Dichte absorbieren die durchdringende Strahlung stärker als Zonen mit geringerer Dichte. Die Durchleuchtung erlaubt dabei eine Beurteilung der Holzqualität, denn die Dichte beeinflusst die Festigkeit eines Brettes oder eines Balkens. 1992 schrieb Lindgren seine Dissertation über die Dichte- und Feuchtigkeitsmessung von Holz mithilfe eines medizinischen CT-Scanners.

Leser-Kommentare
  1. Im Zusammenhang mit Ihrem Artikelüber Holz-Computer-Tomographie möchte ich Sie freundlich auf folgende Erfindung hinweisen:

    Prof. A. Habermehl und sein Assistent H-W Ridder (Philipps-Universität Marburg/Lahn) haben bereits am 23. März 1979 ein United States Patent # 4 283 629 Aug 11, 1981 angemeldet mit dem Titel "Method and apparatus for testing materials such as disease in living trees". Wie Sie aus der Patentschrift ersehen können, haben die Forscher das Computertomographische Verfahren aus der Nuklearmedizinischen Klinik in Marburg in der Wald mitgenommen und das damals aktuelle Waldsterben zu untersuchen. Zu dieser Zeit war ich als Physik-Diplomand in diesem Labor tätig.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr Peter Grass

    • MW_81
    • 18.02.2010 um 10:39 Uhr

    Die Wertschöpfung in den Sägewerken zu erhöhen um mehr Qualitätsholz rauszubekommen ist sicherlich nicht verkehrt.
    Dennoch sollte bedacht werden, dass schon in der Ernte jede Menge know-how und Erfahrung drinsteckt und schon dort Holzqualität beurteilt wird.

    Statt schon die Forstunternehmen mittels Lohndumping zu geißeln bis nur noch Menge pro Zeit zählt sollte dort etwas von der erhöhten Wertschöpfung ankommen. Die werden bei weitem nicht nur fürs "abhacken" bezahlt. Fällt dann den Holzfällern auf, dass im Bestand x sogar teilweise besser Abschnitte als die auf dem Bestellzettel geforderten rauszuholen sind, gibts noch Ärger wegen Einmischen.

    Kurzum: Sägewerke efiizienter gestalten: Prima. Es sollte aber auch schon bei der Ernte auf die Beurteilungskräfte der Waldarbeiter die ihren Job schon lange machen gehört werden.

    • marix
    • 12.04.2010 um 10:57 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/se

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