Menschenrechte in China »Ich habe keine Feinde«
Trotz allem: Eines Tages wird die Freiheit auch nach China kommen. Die nicht gehaltene Verteidigungsrede eines Dissidenten
© Mike Clarke/AFP/Getty Images

Protest in Hongkong gegen das Urteil für Liu Xiaobo. Liu ist einer der prominentesten chinesischen Regimekritiker. Ende Dezember verurteilte ihn ein Gericht zu zehn Jahren Haft. Seine Verteidigungsrede, die wir hier in Auszügen dokumentieren, durfte er nicht vortragen.
Im Juni 1989 (als die Studentenproteste auf dem Tiananmen-Platz in Peking gewaltsam niedergeschlagen wurden, Anm. d. Red.) erlebte ich den größten Wendepunkt meines bislang 50-jährigen Lebens. Davor war ich einer der ersten Studenten gewesen, als nach der Kulturrevolution erstmals wieder die Aufnahmeprüfungen für die Universität stattfanden. Meine Universitätskarriere war ein sanfter Ritt vom Grundstudium über das Diplom bis hin zur Promotion. Nach dem Abschluss blieb ich als Lektor an der Pekinger Normalen Universität. Als Dozent war ich bei den Studenten beliebt. Gleichzeitig veröffentlichte ich zahlreiche Artikel und Bücher, die für Aufmerksamkeit sorgten. Ich war oft als Redner eingeladen und besuchte Europa und die USA als Gastdozent.
Als Person und Autor habe ich mir stets abverlangt, in Ehrlichkeit, mit Würde und Verantwortung zu leben. Nachdem ich aus den USA zurückkehrte, um an der Bewegung von 1989 teilzunehmen, wurde ich wegen »konterrevolutionärer Propaganda und Aufwiegelung zu kriminellen Handlungen« eingesperrt. Von da an war es mir in China verboten, etwas zu veröffentlichen oder öffentlich das Wort zu ergreifen.
Nur weil er eine abweichende politische Meinung äußert, weil er an einer friedlichen und demokratischen Bewegung teilnimmt, kann ein Dozent seine Lehrtätigkeit verlieren; kann ein Intellektueller die Möglichkeit, öffentlich zu sprechen, und ein Autor das Recht zu schreiben verlieren. Das ist traurig, nicht nur für mich, sondern auch für ein China, das drei Jahrzehnte der Öffnung und Reform erlebt hat.
Meine dramatischsten Erlebnisse nach dem 4. Juni 1989 haben allesamt mit Gerichten zu tun: zwei öffentliche Anhörungen vor dem Pekinger Volksgericht im Januar 1991 und jetzt diese hier. Die Anklage war jedes Mal unterschiedlich, doch handelt es sich im Kern stets um das Gleiche: Ich verstieß gegen das Gesetz, weil ich meine Meinung äußerte.
Der 4. Juni hat mich dazu bewogen, den Weg des Dissidententums zu beschreiten. Ich habe, seitdem ich 1991 das Qincheng-Gefängnis wieder verließ, das Recht verloren, mich öffentlich zu äußern. Es war mir nur möglich, dies über ausländische Medien zu tun. Viele Jahre lang wurde ich beobachtet, unter Aufsicht gestellt und zur Umerziehung in ein Arbeitslager gesteckt. Jetzt werde ich wieder von meinen Feinden im Regime unter Druck gesetzt. Aber ich möchte dem Regime, das mir meine Freiheit vorenthält, sagen: Ich habe keine Feinde. Weder die Polizisten, die mich überwacht, gefangen genommen und verhört haben, noch die Staatsanwälte, die mich angeklagt, noch die Richter, die mich verurteilt haben, sind meine Feinde. Ich akzeptiere eure Überwachung, euren Arrest, eure Urteile nicht, aber ich respektiere euren Beruf und eure Persönlichkeiten.
Der Hass zerfrisst die Weisheit und das Gewissen einer Person. Das Feinddenken kann den Geist einer Nation vergiften, Toleranz und Menschlichkeit zerstören und den Weg zu Fortschritt und Demokratie verstellen. Ich hoffe, in der Lage zu sein, die Feindseligkeit des Regimes mit besten Absichten zu erwidern und Hass mit Liebe zu entschärfen.
Die Politik der Reform und Öffnung hat Staat und Gesellschaft weiterentwickelt. Wir begannen, uns vom Prinzip des Klassenkampfes zu verabschieden, das die Mao-Ära dominierte. Stattdessen verpflichteten wir uns wirtschaftlicher Entwicklung und sozialer Harmonie. Wir lösten uns von der »Philosophie des Kampfes« und vom Feinddenken. Davon profitierte nicht nur die Marktorientierung der Wirtschaft, sondern auch die kulturelle Diversität. Langsam wandelte sich das Land hin zu mehr Rechtsstaatlichkeit. Selbst im politischen Bereich, wo der Fortschritt am langsamsten ist, hat der Abschied vom Feinddenken dazu beigetragen, dass die Politik der Gesellschaft gegenüber toleranter geworden ist und Dissidenten nicht mehr ganz so hart verfolgt werden. Die Bewegung von 1989 galt fortan nicht mehr als »angestiftete Rebellion«, sondern als »politische Erhebung«.
- Datum 12.02.2010 - 15:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.02.2010 Nr. 07
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Die Worte von Herrn Liu Xiaobo nötigen mir tiefsten Respekt ab. Er glaubt an die Macht des Guten. Ich hoffe er behält recht.
Unverständnis habe ich für die Haltung unserer so beliebten Spitzenpolitiker, die zum Wohle des Götzen Marktwirtschaft alle unliebsamen Fragen zu Menschenrechten und -würde verdrängen. Natürlich wird Herr Xiaobo nicht morgen gerecht behandelt, wenn das nächste iPhone - Assembled in China - von kritischen Menschen nicht mehr gekauft werden sollte.
Aber es gab Zeiten, da hat sich die Mehrheit der demokratischen Staaten wenigstens diplomatisch engagiert.
Es scheint wir sind heute viel zu sehr mit der Verteidigung unseres eigenen Wohlstands beschäftigt. Ich kann mir nicht helfen ich komme mir zunehmend wie ein willfähriger Konsumsklave vor, der ausser Polit-Clowns Pensionen zu ermöglichen am besten auf Haltung, Meinung und Einfluss zu verzichten hat.
...als haetten die 1,3 Milliarden Chinesen nichts besseres zu tun als sich den ganzen lieben langen Tag ueber "Menschenrechte" den Kopf zu zerbrechen. Man soll mal von seinem hohen westlichen Ross runterkommen.
Der gemeine chinesische Bauer kennt das Wort fuer Menschenrechte gar nicht sondern ist vielmehr 14 Stunden am Tag damit beschaeftigt, sein Feld zu bestellen. Das sind doch Luxusdiskussionen.
Diese sogenannten Dissidenten sind doch nur Angehoerige einer privilegierten Minderheit (genauso wie die von westlichen Medien geheiligte "Opposition" im Iran) die feige die Flucht suchten und nun aus ihren wohligen westlichen Wohlstandsnestern heraus ihrem Land schaden.
Es sollte hier mal mit etwas mehr Respekt von den gigantischen zivilisatorischen Leistungen des chinesischen Volkes ueber die letzten 50 Jahre gesprochen werden!
Deutschland masst sich immer noch an an China "Ermahnungen" wegen der Menschenrechte auszusprechen...hat ueberhaupt jemand mitbekommen dass wir von China bereits ueberholt worden sind?
In 20 Jahren wird China die USA als neue Supermacht abgeloest haben, und sie werden es erleben wie dann alle westlichen Politiker ganz brav kriechen werden, wie sie es heute vor den USA tun.
Ist es nicht normal, dass in einem Land, in dem Menschenrechte allerhöchstens eine Fußnote sind, sich die Menschen Gedanken genau darüber machen. Und ist es nicht ein Unding, für Meinungsäußerungen Redeverbot zu bekommen und im Endeffekt weggesperrt zu werden, nur um dem Regieme nicht zu schaden? Sie würden sich darüber wahrscheinlich genauso aufregen, wenn sie ihre Meinung nicht mehr öffentlich kundgeben dürften.
Dass sich eher die intellektuelle Schicht der Bürger mit solchen Fragen auseinander zu setzen scheint, ist wahrscheinlich der Tatsache gegründet, dass die armen Bauern ihre Zeit dazu nutzen, um ihre Existenz zu kämpfen. Wenn sich ihrer Meinung nach der Diskurs um Menschenrechte als Luxusproblem darstellt, dann sind aber zumindest die Menschenrechte selbst das Grundsatzproblem, und zu denen gehört auch die freie Meinungsäußerung.
Dass sie nun aber mit Aussagen über die Größe, Macht und Einfluss Chinas daherkommen und daraus ableiten, dass andere, "kleinere" Staaten oder Gesellschaften nicht an dem Diskurs über die Menschenrechte teilnehmen dürfen, widerspricht zum einen der freien Meinungsäußerung selbst und entwirft zum anderen ein typisches Bild von jemandem, der sich Leopold von Ranke nennt und sich damit scheinbar dem Historismus, der "Geschichte der großen Männer" und dem Nationalstaatsdenken des 19.Jahrhunderts verbunden fühlt.
Zitat:"Der gemeine chinesische Bauer kennt das Wort fuer Menschenrechte gar nicht sondern ist vielmehr 14 Stunden am Tag damit beschaeftigt, sein Feld zu bestellen. [...]
Diese sogenannten Dissidenten sind doch nur Angehoerige einer privilegierten Minderheit"Zitat Ende
Darf ich Sie daran ernnern, dass der Dissident Liu Xiaobo auch ein Bauer war?
1969 ging er mit seinen Eltern aufs Land, von 1974 bis 1976 arbeitete Liu als Bauer in einer "Volkskommune" in Jilin.1976 wurde er Bauarbeiter und 1977 begann er mit seinem Studium.
Sie müssen noch mehr mißverstanden haben. Herr Liu hat nicht aus einem "wohligen westlichen Wohlstandsnest" heraus seinem Land geschadet. Sollte es Ihnen entgangen sein: Er wurde in China verurteilt (für das Recht der freien Meinungsäußerung, das auch in China besteht), und er wird in China ins Gefängnis gesteckt - als Chinese. -
>>Der gemeine chinesische Bauer kennt das Wort fuer Menschenrechte gar nicht sondern ist vielmehr 14 Stunden am Tag damit beschaeftigt, sein Feld zu bestellen. Das sind doch Luxusdiskussionen.<<
So einen Unfug muss ich leider öfter lesen.
Keine Menschenrechte zu haben heißt für den von Ihnen erwähnten Bauern nicht, nicht in intellektuellen Zirkeln über die große Politik debattieren zu dürfen, die sein Leben nicht berührt. Es heißt konkret: OB er sein Land morgen noch bestellen kann, hängt von der Gnade und Barmherzigkeit des örtlichen Parteisekretärs ab. Wenn der will, nimmt er ihmn das Land einfach weg, und der Bauer guckt in die Röhre bzw. ist soeben vom Bauern zum Wanderarbeiter avanciert, der, wenn er Pech hat, für lau schuften darf.
Wehrt er sich dagegen, gibt's Dresche von der örtlichen Polizei, besonders, wenn er es wagen sollte, nach Beijing zu fahren. Nimmt er sich einen Anwalt, landet der u.U. im Knast.
Wenn "vom hohen westlichen Ross heruntersteigen" bei Ihnen impliziert, DAS in Ordnung zu finden, werden Sie einem chinesischen Bauern nur schwerlich klarmachen können, dass Ihre "chinafreundliche" Einstellung gut für ihn ist.
Sie scheinen sich geradezu darauf zu freuen, dass alle brav den Kotau vor der Führung der VR machen. Das Schöne für Sie ist: Sie dürfen das sagen und werden weder gefoltert noch vergewaltigt, weil wir hierzulande noch nicht "vom hohen westlichen Ross heruntergekommen" sind.
Ist es nicht normal, dass in einem Land, in dem Menschenrechte allerhöchstens eine Fußnote sind, sich die Menschen Gedanken genau darüber machen. Und ist es nicht ein Unding, für Meinungsäußerungen Redeverbot zu bekommen und im Endeffekt weggesperrt zu werden, nur um dem Regieme nicht zu schaden? Sie würden sich darüber wahrscheinlich genauso aufregen, wenn sie ihre Meinung nicht mehr öffentlich kundgeben dürften.
Dass sich eher die intellektuelle Schicht der Bürger mit solchen Fragen auseinander zu setzen scheint, ist wahrscheinlich der Tatsache gegründet, dass die armen Bauern ihre Zeit dazu nutzen, um ihre Existenz zu kämpfen. Wenn sich ihrer Meinung nach der Diskurs um Menschenrechte als Luxusproblem darstellt, dann sind aber zumindest die Menschenrechte selbst das Grundsatzproblem, und zu denen gehört auch die freie Meinungsäußerung.
Dass sie nun aber mit Aussagen über die Größe, Macht und Einfluss Chinas daherkommen und daraus ableiten, dass andere, "kleinere" Staaten oder Gesellschaften nicht an dem Diskurs über die Menschenrechte teilnehmen dürfen, widerspricht zum einen der freien Meinungsäußerung selbst und entwirft zum anderen ein typisches Bild von jemandem, der sich Leopold von Ranke nennt und sich damit scheinbar dem Historismus, der "Geschichte der großen Männer" und dem Nationalstaatsdenken des 19.Jahrhunderts verbunden fühlt.
Zitat:"Der gemeine chinesische Bauer kennt das Wort fuer Menschenrechte gar nicht sondern ist vielmehr 14 Stunden am Tag damit beschaeftigt, sein Feld zu bestellen. [...]
Diese sogenannten Dissidenten sind doch nur Angehoerige einer privilegierten Minderheit"Zitat Ende
Darf ich Sie daran ernnern, dass der Dissident Liu Xiaobo auch ein Bauer war?
1969 ging er mit seinen Eltern aufs Land, von 1974 bis 1976 arbeitete Liu als Bauer in einer "Volkskommune" in Jilin.1976 wurde er Bauarbeiter und 1977 begann er mit seinem Studium.
Sie müssen noch mehr mißverstanden haben. Herr Liu hat nicht aus einem "wohligen westlichen Wohlstandsnest" heraus seinem Land geschadet. Sollte es Ihnen entgangen sein: Er wurde in China verurteilt (für das Recht der freien Meinungsäußerung, das auch in China besteht), und er wird in China ins Gefängnis gesteckt - als Chinese. -
>>Der gemeine chinesische Bauer kennt das Wort fuer Menschenrechte gar nicht sondern ist vielmehr 14 Stunden am Tag damit beschaeftigt, sein Feld zu bestellen. Das sind doch Luxusdiskussionen.<<
So einen Unfug muss ich leider öfter lesen.
Keine Menschenrechte zu haben heißt für den von Ihnen erwähnten Bauern nicht, nicht in intellektuellen Zirkeln über die große Politik debattieren zu dürfen, die sein Leben nicht berührt. Es heißt konkret: OB er sein Land morgen noch bestellen kann, hängt von der Gnade und Barmherzigkeit des örtlichen Parteisekretärs ab. Wenn der will, nimmt er ihmn das Land einfach weg, und der Bauer guckt in die Röhre bzw. ist soeben vom Bauern zum Wanderarbeiter avanciert, der, wenn er Pech hat, für lau schuften darf.
Wehrt er sich dagegen, gibt's Dresche von der örtlichen Polizei, besonders, wenn er es wagen sollte, nach Beijing zu fahren. Nimmt er sich einen Anwalt, landet der u.U. im Knast.
Wenn "vom hohen westlichen Ross heruntersteigen" bei Ihnen impliziert, DAS in Ordnung zu finden, werden Sie einem chinesischen Bauern nur schwerlich klarmachen können, dass Ihre "chinafreundliche" Einstellung gut für ihn ist.
Sie scheinen sich geradezu darauf zu freuen, dass alle brav den Kotau vor der Führung der VR machen. Das Schöne für Sie ist: Sie dürfen das sagen und werden weder gefoltert noch vergewaltigt, weil wir hierzulande noch nicht "vom hohen westlichen Ross heruntergekommen" sind.
Ich geb dir Recht, dass die Chinesen andere Probleme haben;
wenn sie dann aber zur Supermacht geworden sind, sollten sie sich aber auch ihrer Verantwortung bewusst werden:
Ein Regime, dass die Menschenrechte nicht achtet, ist grotesk.
BESONDERS in einem zur Supermacht aufsteigendem Land. Das 3. Reich ist durch die Nazis auch wirtschaftlich aufgestiegen, aber wie hoch war der Preis dafür?
Die westlichen Staaten sollten aufhören zu reden und China unterstützen, sodass es auf dem Weg der Menschlichkeit bleibt.
Vermutlich haben die westlichen Mächte aber mal wieder nur Angst um ihre eigene Vormachtstellung...
Das ist auch der Grund, weshalb ich daran glaube, dass die Menschheit sich selbst vernichten wird.
Die Welt ist geprägt von Hass, Neid und Eifersucht.
Würde man ein unsere Sprache verstehendes Tier als "menschlich" bezeichnen, würde es sich beleidigt fühlen...
viereggtext - Wir sind von einer Millionenflut von chinesischen Produkten überflutet und werden dauernd daran erinnert, was für brutale Menschenrechtsverletzungen in diesem Land stattfinden. Eigentlich sollte man alles nicht mehr unterstützen. China aus dem Haushalt verbannen. Geht das heute noch?
Ist es nicht normal, dass in einem Land, in dem Menschenrechte allerhöchstens eine Fußnote sind, sich die Menschen Gedanken genau darüber machen. Und ist es nicht ein Unding, für Meinungsäußerungen Redeverbot zu bekommen und im Endeffekt weggesperrt zu werden, nur um dem Regieme nicht zu schaden? Sie würden sich darüber wahrscheinlich genauso aufregen, wenn sie ihre Meinung nicht mehr öffentlich kundgeben dürften.
Dass sich eher die intellektuelle Schicht der Bürger mit solchen Fragen auseinander zu setzen scheint, ist wahrscheinlich der Tatsache gegründet, dass die armen Bauern ihre Zeit dazu nutzen, um ihre Existenz zu kämpfen. Wenn sich ihrer Meinung nach der Diskurs um Menschenrechte als Luxusproblem darstellt, dann sind aber zumindest die Menschenrechte selbst das Grundsatzproblem, und zu denen gehört auch die freie Meinungsäußerung.
Dass sie nun aber mit Aussagen über die Größe, Macht und Einfluss Chinas daherkommen und daraus ableiten, dass andere, "kleinere" Staaten oder Gesellschaften nicht an dem Diskurs über die Menschenrechte teilnehmen dürfen, widerspricht zum einen der freien Meinungsäußerung selbst und entwirft zum anderen ein typisches Bild von jemandem, der sich Leopold von Ranke nennt und sich damit scheinbar dem Historismus, der "Geschichte der großen Männer" und dem Nationalstaatsdenken des 19.Jahrhunderts verbunden fühlt.
Sie schreiben
"Sie würden sich darüber wahrscheinlich genauso aufregen, wenn sie ihre Meinung nicht mehr öffentlich kundgeben dürften."
Nun, in der Tat, dort sind wir schon. Waere es zB meine Meinung, dass im 3. Reich nicht alles schlecht war, so stuende ich bereits mit einem Bein im Gefaengnis, waere jedenfalls der oeffentlichen Aechtung und groesster Anfeindung ausgesetzt. Nicht dass ich diese Meinung haette, aber Sie werden den Punkt verstehen.
Aber das ist ja nicht das Entscheidende.
Selbstverstaendlich duerfen "kleinere Laender" diskutieren ueber was sie wollen. Nur wird es zunehmend nichts bewirken.
Unser heutiges Konzept von "Menschenrechten", "Menschenwuerde" etc ist keinesfalls von uns Deutschen erfunden worden, sondern verbreitete sich ueber Frankreich (Revolution), das British Empire (Locke, Parlamentarismus) und schliesslich die USA (Declaration of Independence, Wilson) ueber die ganze Welt.
Dumm nur, dass die amerikanisch-britische Weltherrschaft langsam aber sicher ihrem Ende entgegen geht. In Europa, besonders in Deutschland, herrscht die Vorstellung vor, die aufstrebenden Kraftzentren vor allem in Asien muessten quasi automatisch die Ideale der Aufklaerung uebernehmen.
Ein Irrglaube. Die Aufklaerung ist eine historische Erscheinung, die in einem zunehmend kriegerischen 21. Jahrhundert keine Zukunft mehr hat.
Insofern, lieber Herr Aexl21, sehe ich einer Wiedergeburt der Nationalstaaten i.S.d. 19.Jhd. in der Tat mit Freude entgegen.
Sie schreiben
"Sie würden sich darüber wahrscheinlich genauso aufregen, wenn sie ihre Meinung nicht mehr öffentlich kundgeben dürften."
Nun, in der Tat, dort sind wir schon. Waere es zB meine Meinung, dass im 3. Reich nicht alles schlecht war, so stuende ich bereits mit einem Bein im Gefaengnis, waere jedenfalls der oeffentlichen Aechtung und groesster Anfeindung ausgesetzt. Nicht dass ich diese Meinung haette, aber Sie werden den Punkt verstehen.
Aber das ist ja nicht das Entscheidende.
Selbstverstaendlich duerfen "kleinere Laender" diskutieren ueber was sie wollen. Nur wird es zunehmend nichts bewirken.
Unser heutiges Konzept von "Menschenrechten", "Menschenwuerde" etc ist keinesfalls von uns Deutschen erfunden worden, sondern verbreitete sich ueber Frankreich (Revolution), das British Empire (Locke, Parlamentarismus) und schliesslich die USA (Declaration of Independence, Wilson) ueber die ganze Welt.
Dumm nur, dass die amerikanisch-britische Weltherrschaft langsam aber sicher ihrem Ende entgegen geht. In Europa, besonders in Deutschland, herrscht die Vorstellung vor, die aufstrebenden Kraftzentren vor allem in Asien muessten quasi automatisch die Ideale der Aufklaerung uebernehmen.
Ein Irrglaube. Die Aufklaerung ist eine historische Erscheinung, die in einem zunehmend kriegerischen 21. Jahrhundert keine Zukunft mehr hat.
Insofern, lieber Herr Aexl21, sehe ich einer Wiedergeburt der Nationalstaaten i.S.d. 19.Jhd. in der Tat mit Freude entgegen.
der mann schien offenbar genau zu wissen auf was er sich eingelassen hat. er kannte die gegebenheiten in china und hat eine entscheidung getroffen.
übrigens, die frage der freien meinungsäußerung betrifft in allen gesellschaften ausschließlich die intellektuelle schicht. wir könnten zu jeder zeit öffentlich unsere meinung äußern, doch wie oft nehmen wir dieses recht wahr? sehr wenige menschen haben ein bedürfnis danach. die meisten menschen möchten vor allem von ihrer arbeit leben können. darauf stellt sich die chinesische regierung ein. mehr als eine milliarde menschen ernähren zu können und gleichzeitig meinungsfreiheit und menschenrechte duchzusetzen ist in china momentan nicht möglich. doch wir scheinen es mit unserer selbstbestätigung besonders eilig zu haben.
viele menschen sagen, wir müssten aufgrund unserer geschichte (wir haben übrigen auch eine geschichte in china) andere völker auf mögliche gefahren aufmerksam machen. man könnte auch sagen, wir sollten aufgrund unserer geschichte einfach mal die schnauze halten.
@anyweb
Aber ich weise gerne darauf hin, dass Dein Zitat "die frage der freien meinungsäußerung betrifft in allen gesellschaften ausschließlich die intellektuelle schicht" falscher nicht sein kann.
Natürlich kümmert sich ein Schichtarbeiter in DEU wie in China wenig um die inhaltliche Dimension der Frage der Menschenrechte oder Meinungsäußerung. Aber für genau diesen Personenkreis setzten sich Menschen wie Xiaobo ein. Damit der "Nicht-Intellektuelle" wie der andersdenkende Politiker in einem Land leben können, dass nicht von politischer Willkür, faschistoiden Exekutiven und Angst geprägt ist.
>>man könnte auch sagen, wir sollten aufgrund unserer geschichte einfach mal die schnauze halten.<<
Wenn Sie das ernst meinen, können Sie ja gern mit gutem Beispiel vorangehen. ;-)
Sie können es natürlich auch lassen. Ist ein freies Land. Ist das nicht schön?
@anyweb
Aber ich weise gerne darauf hin, dass Dein Zitat "die frage der freien meinungsäußerung betrifft in allen gesellschaften ausschließlich die intellektuelle schicht" falscher nicht sein kann.
Natürlich kümmert sich ein Schichtarbeiter in DEU wie in China wenig um die inhaltliche Dimension der Frage der Menschenrechte oder Meinungsäußerung. Aber für genau diesen Personenkreis setzten sich Menschen wie Xiaobo ein. Damit der "Nicht-Intellektuelle" wie der andersdenkende Politiker in einem Land leben können, dass nicht von politischer Willkür, faschistoiden Exekutiven und Angst geprägt ist.
>>man könnte auch sagen, wir sollten aufgrund unserer geschichte einfach mal die schnauze halten.<<
Wenn Sie das ernst meinen, können Sie ja gern mit gutem Beispiel vorangehen. ;-)
Sie können es natürlich auch lassen. Ist ein freies Land. Ist das nicht schön?
Zuerst will ich erstmal klarstellen, dass das Dritte Reich keinen wirtschaftlichen Aufstieg verzeichnet hat. Es gab schon kurz vor Hiterls Antritt wieder leicht sinkende Arbeitslosenzahlen. Und die in Hitlers Regierungszeit erfolgte Wirtschaftspolitik war mehr Ideologie als Wirtschaft. Es wurde die Investitionsquote für Produktionsgüter stark angehoben, während die für Konsumgüter gesunken ist. Nicht wirtschaftlicher Wohlstand und florierender Konsum für die Bevölkerung war das Ziel, sondern eine massive Aufrüstung. Wofür sich das Nazi-Regime massiv verschuldet hat und eine verdeckte Inflation vorantrieb. Die Bevölkerung musste ihre Essgewohnheiten einschränken. Das war kein wirtschaftlicher Aufschwung!
Wohlstand ist ein sehr wichtiger Faktor. Ein Punkt der öfters in der Diskussion um Menschenrechte/China angesprochen wird, ist jener, dass China durch sein Wachstum, die Menschen ruhig halten könne. Im Großen und Ganzen stimmt das. Aber ich will darauf hinweißen, was für eine Hysterie jedes mal entsteht wenn das Wachstum in den westlichen Ländern ausbleibt, dem nur mit Heilsversprechen von kommendem Wachstum beizukommen ist. Da hilft auch keine Meinungsfreiheit. Es gibt eine Verbindung zwischen Menschenrecht und Wirtschaftswachstum in Bezug auf gesellschaftliche Spannung, die ich allerdings nur als latent beschreiben will.
Beim Thema Meinungsfreiheit sollte man auch die Bildung der Menschen, die Größe des Landes und die Thematik 'Mob-Bildung' nicht vernachlässigen.
Hallo Banause,
ist denn China diesbezüglich nicht ähnlich?
Ich meine, der Anteil der privaten Konsumausgaben am BIP beträgt in China nur 35 Prozent(zum Vergleich: der Anteil der privaten Konsumausgaben am BIP in Deutschland liegt bei 57 Prozent, in den USA bei über 70 Prozent).
Während der Anteil des Konsums am BIP weiter fällt, bleibt
der Anteil der Anlageinvestition am BIP in China sehr hoch (2008 über 50% des BIP).
Sicherlich haben viele Chinesen, vorallem in den Großstädten, von dem Wirtschaftswachstum profitiert.Für einen Großteil der chinesischen Bevölkerung ist der Lebensstandard aber seit den letzten 10 Jahren gesunken...
Hallo Banause,
ist denn China diesbezüglich nicht ähnlich?
Ich meine, der Anteil der privaten Konsumausgaben am BIP beträgt in China nur 35 Prozent(zum Vergleich: der Anteil der privaten Konsumausgaben am BIP in Deutschland liegt bei 57 Prozent, in den USA bei über 70 Prozent).
Während der Anteil des Konsums am BIP weiter fällt, bleibt
der Anteil der Anlageinvestition am BIP in China sehr hoch (2008 über 50% des BIP).
Sicherlich haben viele Chinesen, vorallem in den Großstädten, von dem Wirtschaftswachstum profitiert.Für einen Großteil der chinesischen Bevölkerung ist der Lebensstandard aber seit den letzten 10 Jahren gesunken...
Hallo Banause,
ist denn China diesbezüglich nicht ähnlich?
Ich meine, der Anteil der privaten Konsumausgaben am BIP beträgt in China nur 35 Prozent(zum Vergleich: der Anteil der privaten Konsumausgaben am BIP in Deutschland liegt bei 57 Prozent, in den USA bei über 70 Prozent).
Während der Anteil des Konsums am BIP weiter fällt, bleibt
der Anteil der Anlageinvestition am BIP in China sehr hoch (2008 über 50% des BIP).
Sicherlich haben viele Chinesen, vorallem in den Großstädten, von dem Wirtschaftswachstum profitiert.Für einen Großteil der chinesischen Bevölkerung ist der Lebensstandard aber seit den letzten 10 Jahren gesunken...
Hallo reven, :)
grob gesehen, gibt es das selbe Bild ab. Ein großer Unterschied ist, dass im Dritten Reich die Außenhandelsbilanz sehr schlecht war. Die Produktionsgüter wurden nicht (bzw. nur in sehr geringem Umfang) gehandelt/verkauft sondern nur für die Wiederwerhaftmachung/Aufrüstung genutzt. Außerdem war Deutschland zu dem Zeitpunkt, relativ gesehen, schon sehr weit industrialisiert, sodass eine so große Summe von Produktionsgütern selbst auf dem Binnenmarkt keinen Abnehmer gefunden hat (ausgenommen die Unternehmen die in Beziehung zur Rüstungsindustrie standen). Es ging halt nur um Aufrüstung.
Ich China allerdings, so denke ich jedenfalls, werden im Zuge des Wirtschaftswachstums (dass dort keinesfalls ausschließlich künstlich ist) Produktionsgüter gebraucht und auch ins Außland verkauft.
Mir ging es auch vorrangig nur darum, reven, die Aussage von einem wirtschaftlichen Aufschwung im Dritten Reich zu korrigieren.
Dass in China die privaten Konsumausgabe zu gering sind, da schließe ich mich Ihnen an, liegt wohl hauptsächlich daran, dass die breite Bevölkerung vom Wachstum nicht (vll. noch nicht) viel hat. Das ist aber ein Punkt, der weniger mit Menschenrechten zu tun hat als viel mehr mit Marktwirtschaft. Der sinkende Anteil am BIP muss nicht zwangsläufig absolut sein, da die anderen Anteile stärker gewachsen sein können. Absolute Zahlen des Anteils der privaten Konsumausgaben am BIP könnten uns hier vll. mehr aufschluss geben.
freundliche grüße!
Hallo reven, :)
grob gesehen, gibt es das selbe Bild ab. Ein großer Unterschied ist, dass im Dritten Reich die Außenhandelsbilanz sehr schlecht war. Die Produktionsgüter wurden nicht (bzw. nur in sehr geringem Umfang) gehandelt/verkauft sondern nur für die Wiederwerhaftmachung/Aufrüstung genutzt. Außerdem war Deutschland zu dem Zeitpunkt, relativ gesehen, schon sehr weit industrialisiert, sodass eine so große Summe von Produktionsgütern selbst auf dem Binnenmarkt keinen Abnehmer gefunden hat (ausgenommen die Unternehmen die in Beziehung zur Rüstungsindustrie standen). Es ging halt nur um Aufrüstung.
Ich China allerdings, so denke ich jedenfalls, werden im Zuge des Wirtschaftswachstums (dass dort keinesfalls ausschließlich künstlich ist) Produktionsgüter gebraucht und auch ins Außland verkauft.
Mir ging es auch vorrangig nur darum, reven, die Aussage von einem wirtschaftlichen Aufschwung im Dritten Reich zu korrigieren.
Dass in China die privaten Konsumausgabe zu gering sind, da schließe ich mich Ihnen an, liegt wohl hauptsächlich daran, dass die breite Bevölkerung vom Wachstum nicht (vll. noch nicht) viel hat. Das ist aber ein Punkt, der weniger mit Menschenrechten zu tun hat als viel mehr mit Marktwirtschaft. Der sinkende Anteil am BIP muss nicht zwangsläufig absolut sein, da die anderen Anteile stärker gewachsen sein können. Absolute Zahlen des Anteils der privaten Konsumausgaben am BIP könnten uns hier vll. mehr aufschluss geben.
freundliche grüße!
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