Siebeck Die Biomassen

Wolfram Siebeck über ökologische Lebensmittel, die nicht schmecken

Wie haben sie alle hämisch gegrinst, als die damalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast in der Zeit der rot-grünen Regierung den Biogedanken zum politischen Ziel erklärte! Bauern und Bäcker, so Künast, sollten naturgemäß produzieren, das hieß: kein Kunstdünger auf den Feldern, keine chemischen Zusatzstoffe in Lebensmitteln und keine Hormone im Schlachtvieh. Dieses solle, bitte sehr, auf Wiesen und Weiden groß werden.

Vor allem aber sollte die Käfighaltung der Hühner verurteilt und kurzfristig verboten werden. Dem machte Künasts Nachfolger Horst Seehofer, ganz im Sinne der Großagrarier, kurzerhand ein Ende.

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Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Überall im Land entstanden Biomärkte, Kleinbauern stellten ihre Betriebe auf Bio um, und die Konsumenten, vom Diktat der Industriefabrikate befreit, kauften Bio wie verrückt. Die Erwartungen der grünen Ruhestörer wurden weit übertroffen.

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Alle Restaurantkritiken und Kolumnen von Wolfram Siebeck im Überblick

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Zunächst waren Bioprodukte unansehnliche Feldfrüchte für teures Geld. Dann wurden die gutwilligen Kleinbauern von professionellen Kleingärtnern ersetzt, die Feldfrüchte glichen nun herkömmlichem Gemüse. Selbst gemachte Marmeladen, Kompotte, Würste und Gebäck tauchten auf, Naturprodukte wurden in speziellen Geschäften verkauft, die ersten Metzger boten Biofleisch von alten Schweinerassen an. Landrestaurants wurden populär, weil die Wirte selbst schlachteten oder dort schlachten ließen, wo garantiert keine Massentierhaltung beteiligt war. Und schließlich tauchten Bioprodukte in den großen Supermärkten auf, nicht zwischen den Massenfabrikaten versteckt, sondern gar nicht versteckt auf eigenen Ständen, das Charolais-Rind neben dem Biolachs aus Schottland.

Es wurde überdeutlich, dass der Verbraucher den billigen Schund nicht mehr will, mit dem er bisher abgefüttert wurde. Bio wurde zu einem Riesenerfolg. Mich stört dabei nicht einmal, dass der Sinneswandel der Konsumenten vielleicht eher aus Angst vor dem Kunstfraß der Industrie entstanden ist und nicht so sehr aus dem Bedürfnis nach kulinarischer Qualität. Denn ans bessere Essen gewöhnt sich der Mensch schneller als an das gesunde.

Die Kommerzialisierung des Biohandels birgt eine Gefahr: Wenn Bioprodukte nicht mehr als etwas Exquisites verkauft werden, bemerkt es der Verbraucher sehr schnell, wenn das Brot mit den Körnern weniger Geschmack hat als eines aus der Fabrik. Es enthält ja keine Geschmacksverstärker! Auch manchem Biotee mangelt es an Aroma.

Kein wirklicher Feinschmecker hält einer Brot- oder Teesorte nur deshalb die Treue, weil bei ihrer Herstellung keine Kinder und keine Chemiker beteiligt waren. Neben der zweifellos zu begrüßenden Eliminierung von Zusätzen in Lebensmitteln bedeutet dies nicht immer einen gustatorischen Gewinn für das jeweilige Produkt.

Der muss aber spürbar sein, wenn der Biotrend von Dauer sein soll.

 
Leser-Kommentare
    • Neelix
    • 14.02.2010 um 10:09 Uhr

    Bei der Einführung des Sechseck waren die privaten Anbauverbände zu Recht enttäuscht: laxe Vorschriften die den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Bio-Berechtigung suchten. Ein Demeter oder Bioland-Siegel ist dem Secheck immer vorzuziehen.

    Mein Vorschlag wäre ein abgestuftes SIegel, z.B. das Sechseck von mittel- bis Dunkelgrün in Schattierungen, an denen man ablesen kann zu wieviel Prozent das Produkt biologisch Verantwortlich hergestellt wurde. – Man kann dann maximal-strenge Regeln aufstellen und wer aus wirtschaftlichen Gründen die ein- oder andere Regel nicht befolgen will, der geht eben mit den Bio-Prozenten runter. – Das existierende Siegel wäre das Mindestmaß (hell-hell-grün .-)

  1. 2.

    Ja, ich finde es auch prima, was Rot-Grün geschafft hat! Bio ist stark geworden, dank der Politik damals. Das hat aber auch sicherlioch noch andere Gründe. Greenpeace wie der Deutsche Tierschutzbund und viele andere Organisationen haben kräftig gearbeitet, und heute ist Bio jedem ein Begriff. Selbst der schlchteste Biohof ist immernoch besser als der beste der konservativen Landwirtschaft.
    Was aebr nicht heissen soll "hauptsache Bio". Es gibt Vertriebe, wie Demetern, die wirklich hohe Standarts einhalten. Denen sollte man besonders treu bleiben.

    Aufjedenfall ist Bio ne gute angelegenheit, beosnders was den Tierschutz angeht.

    @Neelix: Ja, eine interessante Idee haben Sie da. Eine Abstufung des Siegels finde ich gut. Die Anforderungen, die das Sechseck stellt sind teilweise wirklich ziemlich lasch. Aber auch Kontrollen sind viel zu gering. In dieser hinsicht braucht es noch viel Entwicklung und MUt. Spätestens wenn Grün wieder regiert dürfen Verbraucherschützer in dieser Richtung wieder Erfolge feiern. bis dahin müssen wir eben ausharren.

    • luccas
    • 14.02.2010 um 14:10 Uhr

    Neelix schrieb:
    "Ein Demeter oder Bioland-Siegel ist dem Secheck immer vorzuziehen."

    Demeter?
    Die beispielsweise ihre Paprikas aus Spanien beziehen, wo sie haufenweise mit Spritzmitteln vollgekleistert werden?
    Na denn mal gut Biss.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Beweise bitte - ansonsten ist das eine ganz fiese Verleumdung. -

    Beweise bitte - ansonsten ist das eine ganz fiese Verleumdung. -

  2. Beweise bitte - ansonsten ist das eine ganz fiese Verleumdung. -

    Antwort auf "Demeter?"
  3. Was will Herr Siebeck nun, BIO und trotzdem Geschmacksverstärker? - Wer sich erst einmal über den "Kunstfraß der Industrie" den Geschmack verdorben hat, diesen Fraß offensichtlich trotzdem jedoch gut fand, der wird eine Weile brauchen, um sich an den natürlichen, wunderbaren Geschmack der Produkte ohne Geschmacksverstärker etc. zu gewöhnen, und der "gustatorische Gewinn" ist garantiert. - Einfach weiter üben, Herr Siebeck. -

  4. 6. In den

    80-ern hat man sich beim Salateinkauf im Bioladen noch Würmer eingefangen. Inzwischen haben die Biobauern auch beim natürlichen Düngen dazugelernt. Es gibt eben auch in diesem Lebensmittelbereich inzwischen einen hygienischen Fortschritt.

  5. Zitat Deftone "Selbst der schlchteste Biohof ist immernoch besser als der beste der konservativen Landwirtschaft."
    Nichts ist besser, nur weil es zu den "Guten" gehört.

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    ich hätte die Worte einfügen sollen: "in der Regel".

    Ich habe auch shcon berichte von fürchterlichen Misständen in Biohöfen mitbekommen. Und doch waren diese Biohöfe immernoch nicht schlechter asl das was in der konservativen Landwirtscahft standart ist.

    ich hätte die Worte einfügen sollen: "in der Regel".

    Ich habe auch shcon berichte von fürchterlichen Misständen in Biohöfen mitbekommen. Und doch waren diese Biohöfe immernoch nicht schlechter asl das was in der konservativen Landwirtscahft standart ist.

  6. Die Qualität der Produkte hängt doch wohl von richten Auswahl der Sorten/Rassen in der jeweiligen Gegend/Jahreszeit, der artgerechten Produktion und der Bewirtschafteten Größe ab.
    Da kann er Bio oder konventionell sein. Das ist egal.

    Wenn sie schon einmal einen Demeter Mango-Rharbarber-Joghurt gegessen haben wissen sie was ich meine.

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    Es gehört natürlich viel mehr dazu als Bio, zumal ja Bio wie oben bereits erwähnt durchaus abzustufen ist. Zb gehört dazu Produkte aus der Region zu beziehen und nach der jeweiligen Jahreszeit zu kaufen. Aber das ist ja kein grund Bio abzulehnen. Bio gehört eigentlich dazu, wenn man verantwortlich konsumieren will. Zu vielen anderne Faktoren eben.

    wenn Ihnen der eine Demeter-Joghurt nicht schmeckt, nehmen Sie doch einen anderen; nicht jeder mag Mango. - Und konventionell zu wirtschaften, heißt, Kunstdünger zu benutzen, reines Kunstprodukt. Wenn Sie das wollen, essen Sie es eben gleich mit. Mal sehen, was Ihre Nieren oder die Leber dazu sagen.

    Es gehört natürlich viel mehr dazu als Bio, zumal ja Bio wie oben bereits erwähnt durchaus abzustufen ist. Zb gehört dazu Produkte aus der Region zu beziehen und nach der jeweiligen Jahreszeit zu kaufen. Aber das ist ja kein grund Bio abzulehnen. Bio gehört eigentlich dazu, wenn man verantwortlich konsumieren will. Zu vielen anderne Faktoren eben.

    wenn Ihnen der eine Demeter-Joghurt nicht schmeckt, nehmen Sie doch einen anderen; nicht jeder mag Mango. - Und konventionell zu wirtschaften, heißt, Kunstdünger zu benutzen, reines Kunstprodukt. Wenn Sie das wollen, essen Sie es eben gleich mit. Mal sehen, was Ihre Nieren oder die Leber dazu sagen.

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