Personenrätsel Lebensgeschichte

Es war eine reizvolle Landschaft, in der er aufwuchs, doch die Welt in seinem Heimatdorf war eng. Der Vater versuchte sich als Fuhrunternehmer, Holzhändler und Landwirt, glücklos versank er immer öfter im Alkohol und prügelte auf Frau und Kinder ein. Von ihm lernte der älteste Sohn nichts als eine tiefe Abscheu vor Gewalt. Für seine schulischen Leistungen interessierte sich in seinem deprimierenden Elternhaus niemand – Hauptsache, er arbeitete nach dem Unterricht kräftig in der Landwirtschaft mit. Die Ausbildung in einem Traditionsbetrieb der Eisenindustrie musste er aufgeben, der Metallstaub hatte seiner Gesundheit zugesetzt. In seiner zweiten Lehrzeit erwarb er sich Fähigkeiten, auf die er sein Leben lang stolz war. Seinen Beruf verstand er als Kunst, der er sich mit Geschick, Ehrgeiz und Fantasie widmete. Von der zerrütteten Familie löste sich der junge Mann früh. Er arbeitete hier und dort in der angenehmen Gegend um einen See, der in freundlicher Übertreibung »Meer« genannt wird. Zumeist blieb er seinem Fach treu, eignete sich aber auch Kenntnisse der Feinmechanik an. Um Politik kümmerte er sich wenig, Frauen interessierten ihn schon mehr. Und der begabte Zitherspieler mit der schwungvollen Haartolle hatte bei ihnen durchaus Erfolg.

Nach glücklichen Jahren fern der Familie folgte er einem Hilferuf seiner Mutter und fuhr in seine Heimat, um Hab und Gut vor dem trunksüchtigen Vater zu retten. Der endlosen Streitereien müde, zog er sich wieder zurück, konzentrierte sich auf seine Arbeit und wenige Freundschaften. Er war still, liebte aber Geselligkeit, Musik, Wanderungen, Tanzen und war stets zu nachbarschaftlichen Hilfsdiensten bereit.

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Als er in eine Gewerkschaft eintrat, ging es ihm nicht um idealistische Programme, sondern um alltägliche Ziele wie gerechten Lohn und die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Arbeiter. Aktionismus und Parteidisziplin lehnte er ab, dennoch gehörte er später einem kämpferischen Bund an. Sein Handeln war geleitet von seinem protestantisch geprägten Gewissen und dem Glauben an Freiheit und Gerechtigkeit. Er misstraute Parolen und Propaganda einer angeblich neuen Zeit, registrierte aber die wachsende Unzufriedenheit der Arbeiter, die Lohnkürzungen, auch die ersten Anzeichen einer Kriegsproduktion. Die brüllenden Verkünder von Macht und Herrlichkeit hatten ihn von Anfang an abgestoßen, der kluge Beobachter befürchtete eine kollektive Katastrophe. Er war überzeugt, sie ließe sich nur durch eine entschlossene Tat verhindern, und fühlte sich von seinem Gewissen zum Handeln aufgerufen. Seine Vorbereitungen waren technisch perfekt, doch ungünstiges Wetter und ein unflexibles Eisenbahnamt vereitelten den Erfolg. Von langer Anspannung erschöpft, verhielt er sich fahrlässig und lief diensteifrigen Beamten in die Arme. Später ärgerte er sich über seinen Leichtsinn. Einen Prozess gegen ihn gab es nicht; er starb kurz vor dem Mann, der für ihn alles Unheil verkörperte. Wer war's?

Lösung aus Nr. 6:
Muhammad Ali, geboren 1942 als Cassius Marcellus Clay, gilt als einer der größten Boxer aller Zeiten. Der zum Islam konvertierte Sportler mischte sich auch politisch ein, so lehnte er den Vietnamkrieg ab und verweigerte 1967 den Wehrdienst. Zur Strafe wurde ihm der Weltmeistertitel aberkannt, die drohende Gefängnisstrafe wurde gegen Kaution ausgesetzt. 1970 kehrte er in den Ring zurück, 1974 eroberte er den Weltmeistertitel im Schwergewicht wieder, als er den amtierenden Titelträger George Foreman schlug. Zu weltweiten TV-Spektakeln gerieten auch die drei Kämpfe gegen Joe Frazier

 
  • Serie Lebensgeschichte
  • Quelle ZEITmagazin, 11.02.2010 Nr. 07
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  • Schlagworte Freizeit | Rätsel
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