Brettspiel Schach
Karl erinnern Michael Ehn und Ernst Strouhal mit Wehmut an die Wiener Kaffeehaus-Schachkultur und an Hermann Bermadinger (1951–2003), der dort im Café Museum am Karlplatz sein abendliches Wohnzimmer gefunden hatte. »In seiner Jugend war er ein Athlet gewesen, später dann, als die Nächte immer häufiger durchgetrunken werden mussten, war der Bauch sein Markenzeichen. Der ›dicke Hermann‹ – jeder kannte ihn, aber kaum einer seinen Nachnamen – hatte nach wie vor eine gewaltige Kraft, und wenn er verzweifelt war und betrunken, ließ er manchen diese Kraft spüren. Dabei war der Hermann ein sanfter Mensch, bescheiden und gesellig – und unendlich einsam. Mit 18 Jahren kam er von Braunau in Oberösterreich nach Wien, verdiente sich sein Geld als Krankenpfleger, als Boxer, Gewichtheber und schließlich als Taxler, obwohl er diesen Job hasste. Viel lieber spielte er Schach.« Er war taktisch beschlagen, aber auch nicht mehr. Doch plötzlich, zu Beginn der neunziger, Jahre fasste er den Entschluss, Großmeister zu werden. »Das Unternehmen war natürlich vollkommen aussichtslos, wie vieles in seinem Leben, doch er begann, in seinem alten Mercedes nächtens Schachbücher zu studieren und in den alkoholfreien Zeitzonen Turniere zu spielen. Der Großmeistertitel war stets weiter entfernt als das transatlantische Ufer für die Atlantikschwimmer von Achternbusch, aber: Du hast keine Chance, also nütze sie!«
In der Kulturschachzeitschrift
Beim Wiener Open 1995 war er als Weißer gegen einen gewissen Pingitzer am Zug und spielte hier 1.Te1, wonach die Partie remis endete. Wie hätte er stattdessen schön gewinnen können?
Lösung aus Nr. 6:
Wie gewann Weiß am Zug schnell? 1.Td7! setzte der schwarzen Dame die Pistole auf die Brust. Nun ergäbe 1…Dxc6 nach 2.Ld6+ Ka8 und dem Turmopfer 3.Txa7+! Lxa7 4.Dxc6 ein schönes Matt, deshalb zog Schwarz seine Dame zurück: 1…Dc8. Doch jetzt krönte der weiße Freibauer nach 2.Ld6+ Ka8 3.Db7+ Dxb7 4.cxb7 matt sein Dasein
- Datum 08.02.2010 - 13:31 Uhr
- Quelle ZEITmagazin, 11.02.2010 Nr. 07
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