Stilkolumne Die Rückkehr der langen Beine

Lange Unterhosen waren früher ein Statussymbol. Heute müssen sich sogar Fußballer rechtfertigen, wenn sie welche tragen.

Für Herren gelten lange Utnerhosen als No-Go. Frauen haben es da besser: Leggins von Hanro

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Dabei spricht vieles für wärmende Unterwäsche, schützt sie uns doch vor den Unbilden des Winters. Ein Bekenntnis zu ihr ist allerdings problematisch. Sie gilt als etwas, von dem sich die Frauen mit Grausen abwenden. Warum? Liegt eine Erotik in der Vorstellung von frierenden Beinen? Es ergeht Herrn Robben da übrigens nicht anders als seinen sportlichen Vorfahren. Lange Unterhosen werden auch "Long Johns" genannt – angeblich nach dem Boxer John L. Sullivan, der Ende des 19. Jahrhunderts für Aufruhr sorgte, als er mit derlei Beinkleidern in den Ring stieg.

Man darf Unterwäsche offenbar aus allen möglichen Gründen tragen – nur nicht aus praktischen. Man muss sich nur den Fußballspieler Arjen Robben betrachten, der seit Wochen über die Seiten der Boulevardpresse getrieben wird, weil er auf dem Platz lange, graue Unterhosen trägt. Er sah sich sogar zu der Aussage gezwungen, privat trage er so etwas nicht. Zuletzt wurde ihm die graue Unterhose gar vom DFB verboten, die Farbe irritiere angeblich.

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Stilkolumne
Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

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Bei all der Ablehnung wärmender Unterwäsche vergessen wir, dass sie eine Errungenschaft der Zivilisation ist. Noch im 18. Jahrhundert war es für Männer üblich, sich die langen Schöße ihrer Hemden im Schritt zusammenzubinden. Bei den Damen trug man schon länger Korsagen und allerlei Unterröcke, die Unterhose kam jedoch erst im 19. Jahrhundert auf. Dass sie ein Triumph der Hygiene war, erkennt man schon an der Bezeichnung "Unterwäsche". Wäsche hieß die Kleidung, weil sie regelmäßig gewaschen wurde. Eine weiße Unterhose war ein Statussymbol. Sie zeigte: Ich kann es mir leisten, sauber zu sein.

Viele schöne Kleidungsstücke sind der Evolution zum Opfer gefallen. Darunter etwa der Herrenbody. Heute tragen Männer ihn nur im Säuglingsalter. Einst diente er dem Mann als Nacht- und Tageskleid. Andere Kleidungsstücke, die heute jeder trägt, haben ihre Wurzeln in der Unterwäsche. So war das T-Shirt früher einfach ein Männerunterhemd.

Während die Herren sich ihrer praktischen Unterwäsche heute schämen, machen die Damen sie zur Mode. Die knielange Unterhose, die Damen Anfang des vorigen Jahrhunderts trugen, ist nun wie eine Leggins tragbar. Und sicherlich werden auch die klassischen Long Johns bald als Accessoire in die Mode einkehren. Dann ist frau froh, wenn sie einen Mann hat, vom dem sie eine lange Unterhose leihen kann.

 
Leser-Kommentare
    • pekka
    • 15.02.2010 um 8:02 Uhr

    die dinger sind einfach nur praktisch, allerdings sollte man auf die farbe achten, denn ne buntgemusterte lange unterhose, die unter der anzughose sichtbar ist, ist dann doch nicht ideal, zum glück gibt es die auch in schwarz und stilvoll
    aber an alle die lästern: schonmal bei minus 20 grad im anzug länger draußen gewesen? irgendwann wird es kalt an den beinen und dann ist man froh über eine lange unterhose

  1. "Sie gilt als etwas, von dem sich die Frauen mit Grausen abwenden"

    Nun ja, was den Damen grauenvolle Männerunterhosen, sind Männern Frauenstrumpfhosen, vor allem, wenn die Dinger auch noch kackbraun sind.

  2. 3. :-)

    "Viele schöne Kleidungsstücke sind der Evolution zum Opfer gefallen."

    :-)

    "Und sicherlich werden auch die klassischen Long Johns bald als Accessoire in die Mode einkehren."

    Das wird vermutlich noch einige Winter dauern... ;-) ....derzeit trägt frau bereits "Thermoleggings" - außen glatt und (ggfs.) farbig, innen mit Fleece und schön warm...daher bezweifle ich, dass der Rückgriff auf das Original so schnell erfolgen wird... ;-)

  3. "Hihihi - guck mal, der trägt lange Unterhosen!" - Oder: "Männer, die Strumpfhosen tragen, sind Schwuchteln!" - Sind wir immer noch nicht aus diesem Stadium heraus? Traurig, traurig. Für Frauen gibt es in der Mode keine Tabus. Sie tragen dass, was Ihnen gefällt - sei es modisch oder einfach nur praktisch. Wir Männer dürfen das immer noch nicht. Ok, es gibt einige Gebiete, da ist es etwas lockerer geworden. Bei so manchem Sport (z.B. Jogging, Biken) tragen Männer inzwischen ganz selbstverständlich Leggings - auch wenn man sie lieber nicht so nennt. Die Firmen nennen sie "Tights" - lustigerweise das englische Wort für Strumpfhosen. Also warum sollen nicht auch die Fußballer sowas tragen? Oder warum soll ich als Mann im Winter nix langes drunter tragen? Blödsinn alles! Ich machs einfach, egal wie andere das finden. Und: es verbirgt sich mehr hinter dem Thema als mancher glauben mag: Man google einfach mal nach den Worten "Männer Strumpfhosen". Seid überrascht, liebe Leser, was sich da für ein Abgrund auftut! Das wäre ein eigener Zeit-Artikel Wert!

  4. seit der Vertreibung aus dem Paradies, nur bekleidet mit einem von Eva ausgesuchten Feigenblatt, werden wir kleidungstechnisch geduckt, unterdrückt und gegängelt. Oma sucht uns die Strampler aus, Mama die passende Schulkleidung, die erste Freundin die coolen, angesagten T-Shirts bei H & M, bis wir letztendlich in der ehelichen Leibeigenschaft enden, wo 40- oder 50jährige Kerle demütig bei C & A schicksalsergeben neben dem Krabbeltisch darauf warten, was die angeheirate Mama an Krawatten und Unterhosen für ihn aussucht.

    „Frauen tragen dass, was Ihnen gefällt Wir Männer dürfen das immer noch nicht!!!“

    Dazu kann ich nur Kant zitieren: „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen schlechten Geschmacks zu bedienen.“

    Oder wie Marx propagierte: „Männer aller Länder, vereinigt euch! Ihr habt nichts zu verlieren als eure Krawatten!“

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