HD-Fernsehen Das scharfe Versprechen
Die Olympischen Spiele von Vancouver strahlen ARD und ZDF hochauflösend aus, in HDTV. Den Fernsehzuschauer verwirrt aber ein Durcheinander verschiedener Formate.
Der champagne powder, der trockene kanadische Pulverschnee, stiebt kräftig auf, als der Slalomläufer seine Ski in den Hang stemmt. Ein jeder Schneekristall scheint zum Greifen nahe. So soll es aussehen, wenn ARD und ZDF ihre Fernsehbilder pünktlich zum Beginn der Olympischen Winterspiele in Vancouver auch in HDTV ausstrahlen. Vom 12. Februar an wollen die beiden Sender durchgehend hochaufgelöstes Fernsehen anbieten – und es damit der privaten Konkurrenz gleichtun.
Um aber in den Genuss detailreicherer Bilder zu kommen, müssen die Zuschauer einige Widerstände überwinden. Denn Fernsehen mit hoher Auflösung ( high definition , HD) war in Deutschland bislang ein großes Missverständnis. Während in den USA, die jahrzehntelang wegen ihrer miserablen Bildqualität verspottet wurden, mittlerweile fast alle Programme hochaufgelöst senden, sah es hierzulande düster aus. Zwar kauften die Zuschauer schon vor vier Jahren, zur Fußball WM in Deutschland, in Massen die HD-fähigen Flachbildfernseher – aber wenn sie ihr neues Gerät an die Antenne oder den heimischen Kabelanschluss stöpselten, erlebten sie regelmäßig eine Enttäuschung. Die Bilder waren flau, unscharf, zum Abgewöhnen. Per Satellit oder Kabel ließen sich die Programme zwar in besserer Qualität digital empfangen, aber die hohe Auflösung der neuen Bildschirme wurde nicht ausgenutzt.
Nun soll wieder ein Sportereignis den Durchbruch für die neue Technik bringen. Für hundert bis tausend Euro können Zuschauer sich eine neue, HD-fähige Settop-Box zulegen – vorausgesetzt, ihr Kabelnetz ist modern genug, um die neuen Kanäle zu empfangen. Und wer glaubt, er könne damit neben ARD, ZDF, Arte und ein paar Spartensendern auch die großen privaten Programme sehen, schaut in die Röhre. Denn die Privaten nutzen nicht den offenen HDTV-Standard, sondern haben ihr eigenes, verschlüsseltes Format namens HD+ erfunden.
Auch technisch setzen die Sender auf unterschiedliche Systeme: Während die Privaten die volle Auflösung moderner Geräte von 1080 Bildzeilen ausnutzen (ein herkömmliches Fernsehbild hat nur 576 sichtbare Zeilen), werden ARD und ZDF nur 720 Zeilen senden – die aber mit 50 Vollbildern pro Sekunde statt jeweils 25 Halbbildern, was insbesondere bei der Übertragung schneller Sportereignisse das Bild weniger ruckeln lässt.
Für den Zuschauer bedeutet der Standard-Wirrwarr, dass er mit seinem frisch für den Empfang der Öffentlich-Rechtlichen gekauften HDTV-Receiver keine privaten Programme schauen kann. Dafür ist ein weiterer Empfänger nötig. Das Versprechen, ältere Receiver auch für HD+ empfänglich zu machen, konnten die Privaten bislang nicht einlösen. Man spricht von technischen Schwierigkeiten.
Geklärt sind dagegen die finanziellen Fragen. Im ersten Jahr soll HD+ noch kostenlos sein, danach wird man jährlich 50 Euro verlangen. Verglichen mit traditionellem Pay-TV ist das wenig, allerdings ist der Zuschauer in seinen Möglichkeiten auch beschränkt: HD+ erlaubt es dem Sender, Aufzeichnungen komplett zu unterbinden, das Abspielen archivierter Aufnahmen nur einige Tage lang zu ermöglichen oder das Vorspulen in der Werbepause zu sperren. »Der Zuschauer würde zum Werbekonsum verdammt«, sagt Michael Bobrowski vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.
All diese Probleme hat das öffentlich-rechtliche HDTV nicht. Seine Macher fürchten allenfalls, dass ein paar Wintersportler in den kanadischen Bergen die Deutschen nicht massenhaft zum Kauf von HDTV-Receivern anstacheln werden. Aber im Sommer kommt ja das nächste TV-Großereignis, die Fußball-WM in Südafrika. Auch die soll komplett hochaufgelöst übertragen werden. Viele Fans, so hoffen die Öffentlich-Rechtlichen, werden dann noch einmal in die Tasche greifen, damit ihre vor vier Jahren gekauften Fernseher nun auch endlich die Fußballspiele in der höheren Auflösung zeigen.
- Datum 13.02.2010 - 13:55 Uhr
- Serie Technik im Trend
- Quelle DIE ZEIT, 11.02.2010 Nr. 07
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







probleme ergeben sich dann, wenn die menschen die 50€ für HD der privaten bezahlen, wenn sie eine zeit lang verzichten fällt diese geldeintreibermethode ins wasser
Unity Media ist der größte Kabelnetzbetreiber in NRW, aber dort hat man von HD leider noch nichts gehört. Dafür bietet man Highlights wie "Romance TV" oder "Body in Balance".
Ein frustrierter Kunde
Nur wenn man in einem "ausgebauten" Gebiet ist, kann man dort wohl ARD, ZDF und Arte in HD empfangen... sonst schaut man auch in die Röhre. Und nach der Frage wann denn ein Ausbau geplant ist, bekommt man auch keine konkrete Antwort. Vielleicht baut Kabel Deutschland bestimmte Netze auch überhaupt nicht aus. Dafür wird man per EMail mit Internet per Kabel-Angeboten zugeschüttet, die man aber auch nur nutzen kann, wenn das Kabelnetz ausgebaut ist...
also auch bei Kabel Deutschland kann man Kunde frustriert sein...
nun gibt es also doppelt so viele Zeilen, und die Pixelchen sind noch brillianter als wie zuvor (warum muss ich hier an Waschmittelwerbung denken?). Die Sportler gehen deswegen keine ms früher durch das Ziel. Nur die Werbebanner leuchten farbenfroher in die Wohnstuben. Die Verdopplung der Zeilen wird den Gebrauch an Dopingmittel um keine einzige Einheit reduzieren. Beim Fullball in Südafrika, das nächste grosse Kaufevent, wird kein einziger Fan weniger zu Tode getrampelt oder geschlagen. Sport war schon immer (schon zur 1936'er Olympiade in Berlin) ein grosser Anreiz neue Fernsehgeräte zu kaufen. Doch während sich die Technik entwickelte, ändert sich an der Anspruchslosigkeit der Inhalte nichts. Mit einer Investition in ein vernünftiges Buch wäre das Geld besser angelegt. Dort dürfte man auch weiterblättern, oder eine interessante Stelle 2x lesen!
... via DVB-T in HD auszustrahlen; und anscheinend hat sie das auch nicht vor. Komisch, dass die BBC und die Australier das hinbekommen.
Naja, es wird schon einen Grund haben, warum so viele Leute schwarzsehen.
Soweit ich weiß liegt das nicht an der ARD sondern ist generell in Deutschland nicht für DVB-T vorgesehen.
Soweit ich weiß liegt das nicht an der ARD sondern ist generell in Deutschland nicht für DVB-T vorgesehen.
Soweit ich weiß liegt das nicht an der ARD sondern ist generell in Deutschland nicht für DVB-T vorgesehen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren