Wintersport in Tirol Wo die Oberstufe abfährt

Das Skigymnasium im Tiroler Dorf Stams ist die Kaderschmiede des österreichischen Skisports. Frühmorgens, wenn die Touristen noch schlafen, rasen die Schüler über die Pisten

Die Skitalente Daniel Hemetsberger (links im Bild) und Clemens Dorner unterwegs in Stams

Die Skitalente Daniel Hemetsberger (links im Bild) und Clemens Dorner unterwegs in Stams

Skifahren vor Sonnenaufgang, nach einem hastigen Frühstück, in lausiger Kälte auf gefrorenem Steilhang – das muss man mögen. Es ist 8.15 Uhr, ein Dienstag Ende Januar im Tiroler Kühtai, einem Skigebiet in den Stubaier Bergen. Schwer zu sagen, was die sechs stillen Jungs in Rennanzügen empfinden. Sie sind Schüler des Skiinternats von Stams am Inn, das heißt: einerseits normale Gymnasiasten mit Ziel Abitur und gleichzeitig schon Skirennläufer mit Ziel Weltcup, Olympia. In zwei Tagen werden sie ein Abfahrtsrennen in Südtirol fahren, international besetzt. Dafür muss heute trainiert werden.

Aus dem Schigymnasium Stams kommt die Hälfte aller namhaften Skirennläufer Österreichs und 90 Prozent der Skispringer; aber der Ort selbst, ein kleines Dorf westlich von Innsbruck, hat weder Skilifte noch Pisten, noch Wintertourismus. Die Springer können auf zwei schuleigenen Schanzen üben, die Alpinen müssen zum Slalom- und Abfahrtstraining in eins der vielen nahen Skigebiete: Pitztal, Ötztal, Stubai, Seefeld, auch der Arlberg ist nicht weit. Müde und blass haben die Frühschichtler im Kleinbus gesessen, mit dem der Trainer sie vom Internat hinauf ins Kühtai karriolt hatte. 1400 Höhenmeter auf enger Bergstraße, Vollgas im Dritten, Serpentine, Vollgas im Zweiten, in den Dritten, Serpentine… Müsli, bitte bleib unten. Auf dem noch leeren Parkplatz steigen sie jetzt in die Stiefel, setzen Schutzhelme und Schutzbrillen auf, ein alter Mann mit Raucherhusten sagt »Griass enk, Buam« und schaltet den Schlepplift ein. Paarweise greifen sich die jungen Männer einen Bügel und gleiten schweigend nach oben – fast wie Bergleute in den Schacht.

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Das Kühtai ist ein baumloses Hochtal, auf seinem Scheitelpunkt liegt, 2000 Meter hoch, der gleichnamige Ort, ein Dienstleistungsdorf für den Wintertourismus. Das Skigebiet ist überschaubar: ein halbes Dutzend rote Pisten auf der sonnigen, vier schwarze auf der schattigen Talseite. In ein paar Stunden werden die Bergbahnen Scharen ausgeruhter Urlauber mit Skiern und Snowboards in Richtung Hocheder, Gaiskogel und Sulzkogel befördern. Die Südhänge werden in der Sonne liegen, auf der Terrasse der Kaiser-Max-Hütte wird man Jagertee und Germknödel bestellen, und die Musi wird dudeln dazu.

Aber noch herrscht nicht Gaudi, sondern Arbeitsethos auf der Piste. »Tuts euch beim Freifahren Sprünge suchen«, hat Trainer Alois Scheiber den Schülern aufgetragen, »der Kurs im Sarntal ist bucklig.« Während er rote und blaue Stangen für einen Riesentorlauf steckt, rasen daneben die »Buam« in der Abfahrtshocke auf jede Bodenwelle los. In die Luft geworfen, klappen sie Z-förmig zusammen, Knie zur Brust, Arme nach unten, Fäuste mit den Stöcken auf Höhe der Skier. Bei der Landung patscht es wie Ohrfeigen. Ein solcher Abfahrtssprung hat einen ehemaligen Mitschüler vor einem Jahr fast das Leben gekostet: Der Schweizer Daniel Albrecht, Stamser Skigymnasiast von 1998 bis 2002 und späterer Weltmeister, verlor am berüchtigten Kitzbüheler Hahnenkamm bei Tempo 130 in der Luft die Kontrolle und flog 70 Meter weit, bevor er rücklings auf die Piste knallte. Schädelhirntrauma, Lungenquetschung. Künstliches Koma, drei Monate Krankenhaus.

Leser-Kommentare
  1. 1. Dank

    Herzlichen Dank dafür, dass sie auf der Karte Südtirol zu Österreich geschlagen haben, wo es ja auch hingehört und viele Jahrhunderte lang war. So ist die Lücke zwischen Nord- und Osttirol durch das eigentliche Herzstück Tirols schön ausgefüllt.

    • Corte
    • 13.02.2010 um 19:13 Uhr
    2. ???

    ..die ist ja wirklich merkwürdig diese Tirol-Karte. Wie kann das passieren?

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