Wintersport in Tirol Wo die Oberstufe abfährtSeite 4/4
Mit neun war Clemens so gut, dass ihm ein Vertreter des Sportartikelherstellers Head ein Paar Firmenskier gab; bis heute ist Head sein Sponsor und rüstet ihn inzwischen mit zehn bis 15 Paar jährlich aus. Mit 14 bestand Clemens Dorner die dreitägige Aufnahmeprüfung im Skiinternat. Die Eltern waren stolz, die Spezln neidisch. Letzteres legte sich, als sie mitbekamen, wie ihr Freund zum Schwerstarbeiter wurde. Im Winter: Training, Rennen, Training, Rennen, vier-, fünfmal Ortswechsel in einer Woche, Leben aus der Sporttasche. Nach der Skisaison: Lernen, Büffeln, Lernen, Büffeln, Sechstageschulwoche, Zwischenprüfungen ohne Ende. Partys, Disco, Teenager-Spaß? Clemens hatte keine Zeit. Wer es in Stams schaffen will, muss schon mit 14, 15 Lebensjahren Härte und Disziplin entwickeln. Viele überfordert das, etwa ein Drittel der Aufgenommenen fliegt innerhalb der zwei Probejahre wieder raus.
Es ist drei Uhr nachmittags. Clemens lässt Kafka liegen, wählt Linkin Park auf dem iPod, stöpselt ein und geht über Gänge und Treppen zum Hausphysiotherapeuten. Bei ihm passierte es diesmal am 1. Dezember. Slalom auf dem Mölltaler Gletscher in Kärnten, Nebel, schlechte Sicht. Slalom ist ein bisschen wie Hochgeschwindigkeitszwiebelschneiden: Der Könner lenkt den Innenski auf der messerscharfen Kante zentimeterknapp, Millimeter sind noch besser, an der Torstange vorbei, wieder und wieder in jeder Kurve, hopp, hopp, hopp! Kein Wunder, wenn manchmal ein Ski auf der falschen Stangenseite »einfädelt«, wie ja auch in der Küche öfter mal Blut fließt. Clemens stürzte. Es tat weh. Er kannte diesen schrillen Schmerz im Knie – »’s Kreizbandl«, wieder mal. War ihm im zweiten Stamser Winter schon mal gerissen. Rettungsschlitten, Hubschrauber, Krankenhaus Innsbruck. Ein halbes Jahr ärztlich verordnetes Skiverbot.
Zwei Monate davon sind jetzt um. Clemens kämpft darum, den Anschluss nicht zu verlieren – »mordsfleißig«, wie ein Trainer im Kraftraum sagt. Nach der Physio steht der Junge jetzt in kurzen Hosen vor einem mannshohen Spiegel und macht Kniebeugen, mit einer 80-Kilo-Hantel auf dem Nacken. Erst auf zwei Beinen, dann nur auf dem gesunden Bein. Dann klettet er eine Stützmanschette ums verletzte Knie und beugt es, bis alle Muskeln zittern. Come Together, dröhnt es aus dem Kraftraum der Mädchen, die Version von Aerosmith. Zwei dünne Jungs stellen im Meterabstand vier hüfthohe Hürden auf und schnellen im Standsprung wie Frösche darüber – Skispringer, sie trainieren den Absprung vom Bakken. Ein dünnes Mädchen in Leggins frotzelt im Vorbeigehen: »Normal müsst das schon a bissl höher gehn!« In Stams trainieren zurzeit sechs Mädchen das Skispringen. In Vancouver wird es zwar noch kein Frauenspringen geben, das haben die alten Knaben vom Olympischen Komitee beschlossen. Aber 2014 in Sotschi wollen die Mädels dabei sein.
Die beiden Jungs grinsen der frechen Hübschen hinterher, während sie im Kraftraum verschwindet. Dann schauen sie sich an und stellen die Hürden eine Handbreit höher.
- Datum 11.02.2010 - 13:44 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.02.2010 Nr. 07
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Herzlichen Dank dafür, dass sie auf der Karte Südtirol zu Österreich geschlagen haben, wo es ja auch hingehört und viele Jahrhunderte lang war. So ist die Lücke zwischen Nord- und Osttirol durch das eigentliche Herzstück Tirols schön ausgefüllt.
..die ist ja wirklich merkwürdig diese Tirol-Karte. Wie kann das passieren?
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