Währungsunion Griechische TragödieSeite 2/2

Das ist die ökonomische Entscheidung, vor der die Regierungen der Euro-Zone nun stehen: Entweder opfern sie einen Teil originär nationaler Politik, um den Euro zu erhalten. Oder sie opfern den Euro – und verkleinern das Währungsgebiet auf jene fünf oder sechs großen Staaten, die sich schon heute wirtschaftlich sehr ähnlich sind. Ersteres wäre extrem schmerzhaft. Letzteres ein Desaster.

Zur politischen Realität Europas gehört freilich, dass seine Regierungen sich solch klaren Alternativen regelmäßig verweigert haben. Zwar ist die Einheit des Kontinents immer wieder durch entschlossene Politiker vorangetrieben worden. Helmut Schmidt erfand die Währungsunion gemeinsam mit Giscard d’Estaing, als niemand glaubte, sie könne funktionieren. Helmut Kohl setzte den Abschied von der D-Mark durch, auch gegen innenpolitischen Widerstand. Aber sie und ihre Nachfolger schreckten auch davor zurück, zu viel auf einmal zu wollen. Sie wussten: Europa wird gewollt, aber nicht geliebt. Und eine zu schnelle politische Integration hätte in allen Mitgliedsstaaten zu einer unkontrollierbaren Gegenbewegung geführt.

Sieben Jahre verhandelten die 27 EU-Länder, bis 2009 endlich der Lissabon-Vertrag in Kraft trat, der die politische Union noch mal ein Stück näher brachte. Sieben Jahre: So viel Zeit werden die 16 Länder der Euro-Zone nicht haben, um sich neue Regeln zu geben. Wahrscheinlich haben sie nicht einmal sieben Monate.

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Leser-Kommentare
  1. Es ist erfreulich, daß endlich einmal klar ausgesprochen wird, was auf uns zukommt: Entweder wir zahlen für die Griechen, Spanier, Portugiesen etc. oder der Euro kommt an sein Ende. Anders als Herr Brost bevorzuge ich die zweite Alternative.

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    • BerndL
    • 26.02.2010 um 23:11 Uhr

    Je schneller desto besser. Denken wir mal an die "Irrtümer" BMW-Rover oder Daimler-Chrysler- die Trennung wirkte dann wie eine Erlösung!

    • BerndL
    • 26.02.2010 um 23:11 Uhr

    Je schneller desto besser. Denken wir mal an die "Irrtümer" BMW-Rover oder Daimler-Chrysler- die Trennung wirkte dann wie eine Erlösung!

  2. kallewestrich: Die Hilfe ist bereits seit Tagen zugesagt, die EU und Berlin haben ihren Lösungsweg, nur wir Leser wissen noch nicht, welchen sie gehen wollen... Der Euro ist nicht das Problem, aber die Verdoppler des Preises in den Anfängen, die Teurofabrikanten und -lieferanten.... Griechenland muss in die Warteschleife entlassen werden ....

  3. Überall werden die Staatshaushalte geplündert, um letztlich die Schulden der Banken zu bedienen indem man Schulden meist bei denselben aufnimmt.
    Alles natürlich "systemrelevant", und ob Betrügerei im Hintergrund ihr Unwesen trieb, interessiert die Regierung wenn´s denn zum Schwur kommt nicht.

    Diese Ausplünderung der den Wohlstand schaffenden Bevölkerung ist allerdings bald systemrelevant. Lieber mit GR jetzt ein Ende mit Schrecken als ein Euro-Schrecken ohne Ende.

  4. Als hätte es keiner gewusst, dass Griechenland ein Wackelkandidat ist.

    Ich kann mich an die Diskusion genau erinnern...und dachte damals oh! da werden die Regeln aber weich ausgelegt. Damals war ich naiv genug zu glauben, das Regeln befolgt werden und Regelverstöße geahndet werden. Tatsächlich werden Regeln aber nur zur Beruhigung gemacht (Opium für das Volk) sie sind seit jeher der Beliebigkeit unterworfen.

    Man sieht allenthalben ein Achselzucken der Schuldigen, aber die gibt es ja bei politisch verantwortlichen nicht.

    Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Griechenland an der Eurokrise in spé nicht schuldig ist. Denn es hat sich ja nur "kreativ" in den Euro-Club zu geblufft. Schuldig sind die die es hätten wissen können.

    Göttlich: Es werde Geld!

    P.S. Möglicherweise kommt eine starke Euro-Abwertung den exportorientierten Länder ja doch ganz gelegen.

  5. Das Euro/Maastricht/Lissabon-System ist tot.
    Und wie reagieren Europas Eliten? Ach pumpen wir noch ein paar Milliarden ins System.
    Und anschließend? Europäische Wirtschaftsdiktatur unter Leitung der grün-neoliberalen Brüsseler Bürokraten.
    Und wenn Brüssel dann den Rest der Realwirtschaft ruiniert hat, ist es Zeit für den GröFaZ der EU. Die Bewerbungs-Hetzreden für den Posten laufen bereits europaweit.

  6. Zum Schluss machen wir unsere DM wieder. Das Weltgeldsystem zerbricht, das ist, was wir als Bankenkrise wahrnehmen. Wenn der Zins nicht ins Negative treiben kann dann bringt das Sparen das System um - deshalb braucht es dann immer die großen Kriege - die Gründe werden dazu gemacht.

  7. http://www.freitag.de/dat...

    der exportweltmeister und die folgen in unmittelbarer nähe

    • ddkddk
    • 21.02.2010 um 22:43 Uhr

    Nie durfte das Volk darüber abstimmen, ob der Euro eingeführt wurde, es wäre ja dagegen gewesen.

    Nie durfte das Volk darüber abstimmen, ob es sinnvoll ist, die EU in Nullkommanix auf 27 Staaten auszudehen, es wäre ja dagegen gewesen.

    Die Ausdehnung der EU auf Staaten, die weit unter unserem Lebenshaltungsstandard lagen hat das System überdehnt. Der Versuch, die neuen Länder auf unser Niveau zu hieven, hatte unweigerlich zur Folge, dass wir uns deren Niveau annähern mussten. Dass es nun auch bei uns im Gebälk knirscht, ist eine logische Folge davon. Ein Beispiel ist, dass die Hartz IV-Sätze teilweise höher sind, als die erzielbaren Löhne.

    Die Einführung des Euro und die voreilige Ausdehnung auf möglichst viele nach wie vor souveräne Staaten hat den jeweiligen Nationalstaaten die Möglichkeit genommen, durch Anpasssung der Währungsparitäten auf ihre wirtschaftlichen Probleme adäquat zu reagieren.

    Griechenland ist nur der Anfang. Portugal, Spanien und Italien werden das nächste Problem werden.

    Großbritannien hat sich zum Glück dem Euro verweigert. Es scheint zur Zeit mehr Probleme als Griechenland zu haben.

    Die EU steht vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte.

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