Recht in FrankreichDie fünf Bücher Bonapartes

Nicht nur als Feldherr, auch als Gesetzgeber schrieb Napoleon Geschichte: Vor 200 Jahren vollendete er mit dem Code pénal seine neue Rechtsordnung. von Uwe Wesel

Napoleon Bonaparte Frankreich Revolution

Dieses Gemälde zeigt Napoleon Bonaparte auf einem Feldzug  |  © Hulton Archive/Getty Images

Mit dem Jahr 1789 hatte ein neues Zeitalter begonnen, nicht nur in Frankreich , sondern in ganz Europa . Eine jahrhundertealte Ordnung war zusammengebrochen. Der Adel hatte auf seine Privilegien verzichtet, der König war nicht länger der Staat. In Paris wurden die Menschen- und Bürgerrechte verkündet und die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz. Und doch war, sieht man genauer hin, in Frankreich vieles beim Alten geblieben, vor allem im Rechtssystem des Landes.

Größtes Problem war das für die Wirtschaft so wichtige Privatrecht. Noch immer fand sich Frankreich hier in zwei große Gebiete geteilt: Im Süden galt das droit écrit, das geschriebene Recht, das alte römische mit manchem Zopf. Viel schlimmer war es im Norden, wo das uralte Gewohnheitsrecht herrschte, das droit coutumier . Der Philosoph Voltaire spottete, dort würden mehr als 140 Volksstämme als angebliche Landsleute leben, die sich aber tatsächlich fremd geblieben seien.

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In den zehn Jahren seit dem Sturm auf die Bastille war es nicht gelungen, das Chaos zu beenden. Immerhin hatte man sich 1792 auf ein liberales Eherecht einigen können ohne, oder besser: gegen die Kirche. Im Übrigen scheiterte im Streit der verschiedensten Interessen eine Kommission nach der anderen. Bis 1799 Napoleon kam.

Sein Staatsstreich vom 18. Brumaire – nach heutigem Kalender der 9. November – machte ihn mit 30 Jahren zum mächtigen Ersten Konsul. Rasch ging er eine Verwaltungsreform an, suchte den für das katholische Land wichtigen Ausgleich mit dem Papst – und beschloss, endlich dem Privatrecht eine neue Form und Grundlage zu geben.

Napoleon wollte nicht nur groß sein als Feldherr, auch als Gesetzgeber. Das hat er gleich verkündet und mit der Arbeit am Code civil begonnen. 1804, in dem Jahr, in dem der General sich selbst zum Kaiser krönte, war das Werk vollendet. Aber dabei blieb es nicht. Insgesamt wurden es fünf Codes , fünf Gesetzbücher. 1806 kam der Code de procédure civile , die Zivilprozessordnung. 1807 der Code de commerce , das Handelsgesetzbuch. 1808 der Code d’instruction criminelle , die Strafprozessordnung. Und Ende Februar 1810, vor 200 Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Macht, als Schlussstein der Code pénal , das Strafgesetzbuch. Alle enthielten sie wichtige Neuerungen und sollten beträchtlichen Einfluss auf andere Länder bekommen. Auf diese Weise wurde Napoleon zu Europas größtem Gesetzgeber – gleich nach dem römischen Kaiser Justinian und dessen Corpus Iuris Civilis.

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