Donnerstalk Kunst für fast alle

Alfred Dorfer staunt darüber, wo überall Bilder aus dem Museum die Wände schmücken.

Aufgabe der Bundesmuseen ist es, Kunst unters Volk zu bringen. Wer allerdings genau zum Volk zu zählen ist, darüber wird penibel unterschieden. Daher zieren etwa 360 Objekte des Kunsthistorischen Museums verschiedene Büros in Botschaften oder Ministerien, obwohl sie eigentlich öffentlich zugänglich sein sollten. Das lässt sich jedoch plausibel erklären: Gewisse Meisterwerke benötigen intensive Zuwendung. Andernfalls entstünde durch die Blicke vieler inkompetenter Besucher eine unnötige Abnützung der Kunstschätze. Deshalb hängen auch immer wieder Alte Meister aus dem Museum in Privatwohnungen, etwa in jener des ehemaligen Direktors der Wiener Sängerknaben. Selbst ein Kuratoriumsmitglied der Albertina schmückte sein Büro mit Sammlungsbeständen. 

Logisch, im Depot wären sie wohl auch nass geworden, wenn es wieder mal durch die Decke des Tiefenspeichers regnen sollte. Humorlos, wie er nun einmal ist, bemängelte der Rechnungshof den nonchalanten Umgang der Bundesmuseen mit ihren Kostbarkeiten und deren Erfassung: »Ein etwaiger Verlust von Sammlungsobjekten fiele nicht auf.« Die wertvollsten Kunstgüter sind aber dennoch stets für jedermann zugänglich. Man braucht nur ein Baugerüst und ein wenig Chuzpe. Das bewies jener engagierte Mann, der sich einst die Saliera kurz auslieh, weil er daheim gerade nicht den passende Salzstreuer zur Hand hatte.

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    • Quelle DIE ZEIT, 18.02.2010 Nr. 08
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    • Schlagworte Kunst | Alfred Dorfer | Kulturbetrieb | Rechnungshof | Museum
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