Ausgelassen und heiter geht es zu an diesem Abend im Kultursaal von Frauenstein in den Gurktaler Alpen. Die Faschingsgilde tritt auf, alte Männer in Damenroben, Frauen mit falschen Bärten. Sie witzeln über alles und jeden. Kaum jedoch über Politik. »Die Kärntner Politik ist sogar denen schon zu peinlich«, meint Vizebürgermeister Harald Jannach. In diesem Punkt ist er mit den Närrinnen und Narren seiner Heimatgemeinde einer Meinung. Jannach ist Obmann der FPÖ Kärnten, einer Parteiorganisation, die es nach dem Willen des freiheitlichen Parteichefs Heinz-Christian Strache in Wien nicht mehr lange geben soll.

Das närrische Treiben in Frauenstein lässt Strache in diesem Jahr lieber aus. Er amüsiert sich stattdessen bei der Faschingsgilde von Villach. Am Samstag, dem 6. Februar, trifft er dort im Rahmen der traditionellen Fernsehaufzeichnung mit Uwe Scheuch, dem Obmann der Freiheitlichen in Kärnten (FPK) zusammen. Mit Sekt stoßen die beiden auf ihre neue politische Freundschaft an. Jannach sitzt derweil in Frauenstein und kann nicht lachen.

Er ist der wahrscheinlich größte Verlierer jenes Coups, den Strache und Scheuch still und heimlich eingefädelt und vor zwei Monaten verkündet hatten: der Wiedervereinigung des dritten Lagers. Ganz auf sich gestellt, hatte der 37-jährige Milchbauer mit dem schütteren Haar in Kärnten die blaue Parteifahne hochgehalten. Plötzlich überrollten ihn die Ereignisse. »Ich habe mich persönlich noch nie so verraten und verkauft gefühlt wie an diesem Tag«, sagt er heute.

Zwei Verschwörer verfahren sich in Wien und bleiben im Verkehr stecken

Wien, Mittwoch, 16. Dezember, 15.45 Uhr: Gemeinsam betreten Strache und Scheuch den Sitzungssaal des freiheitlichen Klubs im Parlament. Es findet eine merkwürdige Mischung aus Parteifeier und Pressekonferenz statt. Applaus brandet auf. Scheuch begrüßt alle Mitglieder des FPÖ-Vorstands mit Handschlag, zuletzt den Abgeordneten Peter Fichtenbauer, der links vorne sitzt. Im Blitzlichtgewitter der Fotografen machen Strache und Scheuch ihren Coup öffentlich: Künftig werde man gemeinsam Politik machen, so wie dies CSU und CDU in Deutschland täten. Jetzt kehre das Kärntner BZÖ, die einzige schlagkräftige Landesorganisation jener Partei, mit der sich der verstorbene Jörg Haider fünf Jahre zuvor von der Mutterpartei FPÖ abgespalten hatte, als FPK unter das »blaue Dach« zurück. Aus den übrigen Bundesländern sei niemand von der orange Partei in dieser Partnerschaft willkommen, erläutert Strache. Scheuch kündigt an, nur mit seinen Kärntner Mandataren einen eigenen Parlamentsklub gründen zu wollen. Beide wirken aufgewühlt.

Mit rund zehnminütiger Verspätung geleitet Herbert Kickl die Kärntner BZÖ-Politiker Harald Dobernig und Kurt Scheuch in den Raum, die sich in Wien verfahren hatten und im Verkehr stecken geblieben waren. Sie werden von höflichem Zwischenapplaus begrüßt. Kickl ist Straches Generalsekretär und dessen engster Berater. Manchen gilt der Villacher als heimlicher Steuermann in der FPÖ.

Der 29-jährige Dobernig war früher Büroleiter von Landeshauptmann Haider. Nach dessen Tod übernahm er Haiders Ressorts und stieg zum Finanzlandesrat auf. Kurt Scheuch dient seiner Partei als Klubobmann im Kärntner Landtag. Der Großbauer wohnt gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Uwe auf dem Sternhof in Oberkärnten und ist sein Vertrauter. »Ein historischer Moment«, sagt Strache am Ende. Alle, die ihn herbeigeführt haben, sitzen nun beisammen. Die Berater Kickl, Dobernig und Kurt Scheuch, der Mitwisser Fichtenbauer, die Chefs, Strache und Uwe Scheuch.

Nicht einmal hundert Meter entfernt, berät derweil in der Doblhoffgasse eine Partei, die in ihrem Namen noch den Begriff Zukunft trägt, aber keine mehr hat. Der Bundesvorstand des Bundes Zukunft Österreich, der ohnehin um 15.00 Uhr getagt hätte, gerät zur Krisensitzung. Parteichef Josef Bucher kommt »mit käsebleichem Gesicht« herein, erzählt ein BZÖ-Abgeordneter. Bucher weiß, dass er in diesem Jahr etwas nicht mitbekommen hat.