Energie Brücke ins Öko-Zeitalter
Im Atomstreit geht ein entscheidender Punkt unter: Dem Klima kann es helfen, wenn Nuklearstrom etwas länger genutzt wird
Selten ist ein Konservativer dermaßen unter Beschuss befreundeter Politiker geraten. Auf Norbert Röttgen, den Bundesumweltminister, haben Spitzenleute sämtlicher Regierungsparteien das Friendly Fire eröffnet. Es ging sofort los, nachdem dieser sich öffentlich zur Zukunft der Kernenergie in Deutschland geäußert hatte. Offenbar war es den Kritikern nicht euphorisch genug, was Röttgen (CDU) zur künftigen Rolle der Atomenergie zu sagen hatte: Ihre Zukunft endet, wenn zusätzlicher Ökostrom den Nuklearstrom vollständig ersetzen kann – und zwar »verlässlich«.
Guido Westerwelle attackierte Röttgen, als habe dieser den Sofortausstieg gefordert. »Ein absolut schwerer Fehler, jetzt aus der Kerntechnik auszusteigen«, sagte der FDP-Chef. Hatte jemand etwas von »jetzt« gesagt? Die FDP, in deren Reihen vermeintlich ökonomischer Sachverstand zu Hause ist, warnte obendrein vor explodierenden Stromrechnungen und erklärte, Röttgens Kurs sei »unsozial«.
Auch viele von Röttgens Parteifreunden äußerten sich enttäuscht – besonders die für die Meiler zuständigen Minister von Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. Sie warnten Röttgen davor, »Vorfestlegungen« in puncto Kernenergie zu treffen, bevor man sich, wie geplant, im Herbst auf ein Gesamtenergiekonzept geeinigt habe. Die Minister selbst machten sich aber, als wäre das keine Vorfestlegung, für längere Laufzeiten stark: speziell für Biblis A (Hessen), Neckarwestheim 1 (Baden-Württemberg) und Isar 1 (Bayern), für jene drei Meiler, die nach geltendem Recht demnächst vom Netz müssen.
So gilt Röttgen jetzt als Ausstiegsminister, obwohl er nie gesagt hat, längere Laufzeiten seien mit ihm nicht zu machen. So verrückt ist die neue Atomdebatte! Tatsächlich wird die Regierung die Reaktorlaufzeiten wohl verlängern, schon deswegen, weil es im Koalitionsvertrag steht. Ob der Schritt sachlich gerechtfertigt wäre oder nicht, das hat aller Streit bisher nicht klären können.
Zugegeben, es geht um viel. Es geht um die Frage, ob alle oder manche der 17 deutschen Meiler länger am Netz bleiben als einst von der rot-grünen Regierung beschlossen. Es geht also auch um Geld und um Jobs, um Gewinne der Stromriesen und um die Lufthoheit über den Stammtischen. Besonders diesem letzten Ziel dienen derzeit auffallend viele Argumente, mit denen für längere Laufzeiten gekämpft wird.
So ist die deutsche Stromwirtschaft unbestritten Teil eines europäischen Stromverbundes. Dennoch machen sich drei Landesminister mit dem Argument für die Kernenergie stark, in ihrem Sprengel trügen die Meiler nicht, wie im Bundesdurchschnitt, nur 23 Prozent, sondern mehr als 50 Prozent zur Stromproduktion bei.
Der Strompreis wird an der Börse ermittelt; er gilt für ganz Deutschland. Dennoch wird der Eindruck erweckt, dass in Bayern Strom teurer wird, wenn dort ein Meiler vom Netz geht.
- Datum 19.02.2010 - 10:07 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.02.2010 Nr. 08
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Na Hr. Vorholz, an dem Akzeptanzproblem haben Sie doch in der Vergangenheit eifrig mitgeschrieben.
Hier wird ja so getan, als ob es künftig gar keinen Grundlastbetrieb mehr gäbe. Das zweifle ich an. Weder die alternativen Energien noch die Gas-KW sind aber für Grundlast die erste Wahl.
Die Folge des Ausstiegs aus der Kernkraft ist der vermehrte Einstieg in Kohleverstromung. Derzeit in Kohleblock-Neubauten in Hamburg, NRW, Mannheim, Karlsruhe etc. gut zu beobachten. Alles andere ist Augenwischerei.
werden die Entsorgungs- und Sicherheitsprobleme? Muessen hier neue Lagerstaetten erschlossen werden, oder werden bestehende intensiver genutzt? An der Lagerungsproblematik aendert sich doch durch einen laengeren Betrieb nichts fundamental, oder?
Es gibt in Frankreich verschiedene Tarife, aber hier
http://www.edf-bleuciel.f...
kostet der Basistarif keine 10 Euro im Monat plus keine 12 Cent pro kWh. In D zahlt man fast doppelt so viel, oder habe ich was übersehen?
Der Autor des Artikels meinte nicht den Endkundenpreis, sondern den Großhandelspreis für Strom. Der ist hier abrufbar:
http://www.eex.com/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Der Autor des Artikels meinte nicht den Endkundenpreis, sondern den Großhandelspreis für Strom. Der ist hier abrufbar:
http://www.eex.com/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Eine längere Laufzeit ändert in der Tat nichts an dem Problem, dass wir in 50, 100 und vielen 1000 Jahren Atomkraftwerksruinen und verrostete Atommuellkastoren herumstehen haben, mit denen unsere Kindeskinder (oder was sonst bei dieser Entwicklung auf dieser Welt dann noch überlebt) nicht mehr viel damit anfangen können, außer vielleicht damit unwissend strahlend spielen zu können. Vielleicht habe ich aber mit 50 Jahren zumindest bei den Kastoren auch schon viel zu hoch gegriffen (wenn ich an die vielen überraschenden Bombenfunde aus Kriegszeiten denke).
Es muss uns Menschen erst ein Atomkraftwerk wirklich um die Ohren fliegen, um mehrheitlich zu begreifen, dass jeder andere Kraftwerkstyp vernünftiger gewesen wäre.
Ich kann mich Ihnen nur voll und ganz anschließen. Es macht mich wütend, dass in der ganzen Debatte die mehr denn je ungelöste Endlagerungsfrage weiterhin ignoriert wird. Die Kernenergie ist eine kurzsichtige Strategie zur Stromerzeugung, die weitaus schwerwiegendere Probleme aufwirft, als sie löst.
Wie wäre es eigentlich mal mit mehr Anstrengungen beim Stromsparen? Wir haben doch beispielsweise ein "Lichtsmog"-Problem in den Großstädten. Muss dieser ganze Leuchtreklame-Mist denn immer sein? Sind giftige Energiespar-Lämpchen da nicht eine Augenwischer-Lösung?
In den Reihen der FDP ist kein (ökonomischer) Verstand zu
Hause, sondern die Atomlobby. Ich bin mir sicher und freue mich darauf, dass diese Partei bei der NRW-Wahl eine deftige Klatsche abbekommen wird.
Ich kann mich Ihnen nur voll und ganz anschließen. Es macht mich wütend, dass in der ganzen Debatte die mehr denn je ungelöste Endlagerungsfrage weiterhin ignoriert wird. Die Kernenergie ist eine kurzsichtige Strategie zur Stromerzeugung, die weitaus schwerwiegendere Probleme aufwirft, als sie löst.
Wie wäre es eigentlich mal mit mehr Anstrengungen beim Stromsparen? Wir haben doch beispielsweise ein "Lichtsmog"-Problem in den Großstädten. Muss dieser ganze Leuchtreklame-Mist denn immer sein? Sind giftige Energiespar-Lämpchen da nicht eine Augenwischer-Lösung?
In den Reihen der FDP ist kein (ökonomischer) Verstand zu
Hause, sondern die Atomlobby. Ich bin mir sicher und freue mich darauf, dass diese Partei bei der NRW-Wahl eine deftige Klatsche abbekommen wird.
Danke für die informative Seite der EdF. Interessant ist, dass offenbar in Frankreich Kleinverbraucher (bis 6 kW Anschluß) n o c h geringere Preise für die kWh zahlen als größere. Und es ist ein sehr klares Tarifmodell, was es für dt. Verkomplizierungswut womöglich schon suspekt macht.
Denke übrigens nicht, dass S i e etwas übersehen haben (eher der Autor).
Die zentraler verwaltete Grande Nation hatte sich klar für durch Sicherheitsstandards eingehegte Kernenergie entschieden. Und ist sie damit bislang schlecht gefahren?
Der Autor des Artikels meinte nicht den Endkundenpreis, sondern den Großhandelspreis für Strom. Der ist hier abrufbar:
http://www.eex.com/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Vergleiche der Strompreise sind nicht ganz einfach. Z. B. gibt es erhebliche Unterschiede je nach Märkten (Strombörse, Industrie, Endverbraucher...) oder den Randbedingungen unter denen der Preis gilt.
Beim Stromhandel zwischen Deutschland und Frankreich fällt auf, dass der französische Strom tatsächlich oft teurer als der deutsche ist, aber dennoch erheblich mehr Strom von Frankreich nach Deutschland fließt als in die umgekehrte Richtung. Dass Deutschland sich Strom aus Frankreich liefern lässt auch wenn dieser teurer ist gilt als ein klassischer Fall von Marktversagen. Manche Fachleute meinen, dass dies an einem mangelhaften Informationsfluss liegt (oder einer zu trägen Umsetzung).
Denkbar wäre aber auch, dass die Marktteilnehmer Vereinbarungen getroffen haben, von denen die Öffentlichkeit nichts weiß. Die am Stromhandel Beteiligten könnten vom überteuerten Strom durchaus profitieren - mehr zahlen müssen nur die Verbraucher.
Vergleiche der Strompreise sind nicht ganz einfach. Z. B. gibt es erhebliche Unterschiede je nach Märkten (Strombörse, Industrie, Endverbraucher...) oder den Randbedingungen unter denen der Preis gilt.
Beim Stromhandel zwischen Deutschland und Frankreich fällt auf, dass der französische Strom tatsächlich oft teurer als der deutsche ist, aber dennoch erheblich mehr Strom von Frankreich nach Deutschland fließt als in die umgekehrte Richtung. Dass Deutschland sich Strom aus Frankreich liefern lässt auch wenn dieser teurer ist gilt als ein klassischer Fall von Marktversagen. Manche Fachleute meinen, dass dies an einem mangelhaften Informationsfluss liegt (oder einer zu trägen Umsetzung).
Denkbar wäre aber auch, dass die Marktteilnehmer Vereinbarungen getroffen haben, von denen die Öffentlichkeit nichts weiß. Die am Stromhandel Beteiligten könnten vom überteuerten Strom durchaus profitieren - mehr zahlen müssen nur die Verbraucher.
Ich kann mich Ihnen nur voll und ganz anschließen. Es macht mich wütend, dass in der ganzen Debatte die mehr denn je ungelöste Endlagerungsfrage weiterhin ignoriert wird. Die Kernenergie ist eine kurzsichtige Strategie zur Stromerzeugung, die weitaus schwerwiegendere Probleme aufwirft, als sie löst.
Wie wäre es eigentlich mal mit mehr Anstrengungen beim Stromsparen? Wir haben doch beispielsweise ein "Lichtsmog"-Problem in den Großstädten. Muss dieser ganze Leuchtreklame-Mist denn immer sein? Sind giftige Energiespar-Lämpchen da nicht eine Augenwischer-Lösung?
In den Reihen der FDP ist kein (ökonomischer) Verstand zu
Hause, sondern die Atomlobby. Ich bin mir sicher und freue mich darauf, dass diese Partei bei der NRW-Wahl eine deftige Klatsche abbekommen wird.
Ich bin auf folgenden Artikel bei www.energiestiftung.ch aufmerksam geworden.
"Um die Welt mit Atomstrom zu versorgen, müssten hunderttausende neue Atomkraftwerke errichtet werden", so Sabine von Stockar, Projektleiterin Atom & Strom bei der Schweizerischen Energie-Stiftung gegenüber pressetext. Das sei alleine schon deshalb nicht machbar, weil die weltweiten Uranvorräte beim gegenwärtigen Jahresverbrauch für nur noch 65 Jahre ausreichen.
Soweit in die Zukunft denkt kein Politiker, leider auch kein Barack Obama.
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