Jobchancen in der Autobranche Der Überzeugte
Egal, wie die Zeiten sind: Auf seiner Jobmesse gibt der »Auto-Papst«, Ferdinand Dudenhöffer, Gas für Studenten
Es ist an diesem Tag viel vom »Einstellungsstopp« die Rede. Ferdinand Dudenhöffer sagt: »Das ist ein schlechtes Zeichen, wenn der größte Zulieferer nicht kommt, weil er absolut niemanden sucht.« Dudenhöffer, 58 Jahre alt und Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, lädt zur Fachmesse für die Automobilwirtschaft. Am Dienstag ist Karrieretag auf der CAR (Center Automotive Research), da bringt er rund 60 Autobauer und Zulieferer mit Studenten und Absolventen zusammen: Die Branche brauche auch in der Krise Nachwuchs, da ist Dudenhöffer sich sicher – und auch in der Krise wollten junge Menschen Autos bauen und vermarkten. Der Zulieferer Bosch ist in diesem Jahr zwar nicht gekommen, trotzdem sind die Gänge in der Bochumer Kongresshalle gut gefüllt. Erleichtert sieht Dudenhöffer, dass doch noch Personalchefs, Studenten und Absolventen ins Gespräch vertieft sind.
Wann immer es um die Zukunft des Autos geht, ist Ferdinand Dudenhöffer nicht weit. Seit 25 Jahren forscht er für und über die Automobilindustrie. Er hat Krisen kommen und gehen sehen, und auch diese Absatzflaute soll seinen Lebenstraum von einer Zukunft mit Automobil nicht zerstören.
»Wenn Sie kurzfristig suchen, können wir Ihnen gerade nicht weiterhelfen«, sagt Tanja Wiede von Ford. Markus Wieckzeck, 28, seit September letzten Jahres Diplom-Mechatroniker, sucht eine Stelle. »Die Unternehmen sagen, sie seien in der Krise, sie stellten nicht ein«, klagt er. »Waren Sie schon mal bei Magna?«, fragt Dudenhöffer zurück. »Nein, nur bei zwei anderen Autobauern«, sagt Wieckzeck, der seriös im blau-weiß gestreiften Hemd erschienen ist. Dudenhöffer kennt die Vorlieben. »Autobauer sind starke Marken, bei denen viele Absolventen gern arbeiten wollen.« Doch 75 Prozent der Teile für ein Auto fertigten heute die Zulieferer – auch das seien gute Arbeitgeber. Und mächtige Unternehmen: Immerhin wollte Magna im letzten Jahr Opel zum Teil übernehmen – und war erst in letzter Sekunde abgeblitzt.
Auf dem Weg zum roten Stand des Zulieferers erklärt Dudenhöffer allerdings auch: »Momentan sind einfach nicht viele Stellen frei. Wir sind froh, dass die Unternehmen überhaupt hier sind, um sich zu zeigen.« Die meisten Aussteller suchen Praktikanten oder Studenten, die bei ihnen ihre Bachelor- oder Masterarbeit schreiben möchten. Das CAR-Institut, das Dudenhöffer an der Universität Duisburg-Essen leitet, bestätigt die unschöne Realität: 2010 wird für die Automobilbranche ein hartes Jahr. Die Autobauer werden höchstens 2,7 Millionen Neuwagen verkaufen, das sind weniger als im Vorkrisenjahr 2008. Die Umsatzzahlen der Hersteller großer Autos sind bereits im letzten Jahr eingebrochen, die Autobauer kleinerer Modelle konnten nur dank der Abwrackprämie mehr Neuwagen als 2008 verkaufen.
Ferdinand Dudenhöffer will dennoch junge Menschen für die Automobilwirtschaft begeistern. Er erlaubt sich keinen Zweifel: Autos müssten in Zeiten des Klimawandels weg von fossilen Brennstoffen und hohem Spritverbrauch. Die Entwicklung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen werde weiter fortschreiten, und schon in der zweiten Jahreshälfte dürften alle großen Autobauer und Zulieferer händeringend nach Ingenieuren und Wirtschaftsingenieuren suchen – auch die, die im Moment nicht einstellen.
- Datum 18.02.2010 - 14:38 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.02.2010 Nr. 08
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