Internet Angriff aus dem Cyberspace

Computerhacker fallen über westliche Konzerne her. Oft führen ihre Spuren nach China. Auch die USA rüsten für den digitalen Wirtschaftskrieg. Eine Reise ins Krisengebiet

Diese Pistole ist nicht scharf geladen: Sie gehört zu einem Computerspiel der US Army.

Diese Pistole ist nicht scharf geladen: Sie gehört zu einem Computerspiel der US Army.

Die Sache mit den Nacktfotos war primitiv, aber erfolgreich. Die Studentin Yin Hong von der Maritime University in Shanghai hatte sich von ihrem Freund ohne Kleider ablichten lassen, angeblich, und später kursierten 30 solcher Bilder im Internet. Sie verbreiteten sich massenhaft. So weit, so normal.

Allerdings hatten Hacker viele dieser Fotos mit kunstvoll programmierten Datenanhängen präpariert. Sie hatten Programme in ihnen versteckt, die in aller Stille die Computer der Spanner unterwanderten, sobald eins der Bilder geöffnet wurde. Eine Hintertür ging dann für die Hacker auf. Sie konnten Dateien lesen oder löschen. Sie konnten Passwörter entwenden oder gar per Webkamera sehen, wer gerade vor dem Rechner saß.

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Solche Tricks gibt es so lange, wie es Computer gibt. Genauso alt ist das Katz-und-Maus-Spiel zwischen anarchischen Computerfreaks und nervösen Sicherheitsexperten, zwischen Flaumbartträgern in Jugendzimmern und Schnauzbärten in Konzernen und Behörden. Die Öffentlichkeit hat sich selten dafür interessiert. Jetzt sollte sie es aber. Denn aus der Spielerei ist Ernst geworden. Ein elektronisch geführter Wirtschaftskrieg, der über die Macht im Informationszeitalter entscheidet. Es geht um die Verteilung von Datenressourcen, die wichtiger sind als Öl. Und es geht um die Verlässlichkeit einer Infrastruktur aus Computern und Datenleitungen, auf der die Staaten des Westens ihren Wohlstand bauen. »Das ist ein Angriff auf das Herz, auf die Quelle unseres Wohlstands«, erregt sich Simon Rosenberg, der Leiter eines Thinktanks namens New Democratic Network. James Mulvenon, ein US-Experte für Militärtechnik und Cyberspionage, sagt: »Wir haben eine neue Eskalationsstufe erreicht.«

Als Vorbote dieses neuen Wirtschaftskrieges gilt eine mehrjährige Angriffswelle, der amerikanische Sicherheitsexperten den Codenamen Titan Rain gaben. Unbekannte Hacker nahmen Anfang des Jahrzehnts systematisch Rüstungs- und Industrieziele in den USA aufs Korn, darunter den Flugzeugbauer Lockheed Martin und Elektrizitätswerke. Sie hätten Baupläne und Geschäftsinformationen im großen Stil entwendet, heißt es in Sicherheitskreisen.

Seither sind die Abstände zwischen den Großangriffen kleiner geworden. Es traf Computersysteme in Nordamerika, Europa, Asien. Anfang des Jahres 2009 stahlen Hacker Baupläne des neuen US-Kampfflugzeugs Lightning II. Im April infiltrierten Unbekannte das Stromnetz der USA und hinterließen Programme, die den Betrieb massiv hätten stören können. Im Sommer wurden 100 kalifornische Hightechunternehmen übers Internet bestohlen.

Leser-Kommentare
  1. Warum sind denn überhaupt so wichtge Daten wie die "Baupläne des neuen US-Kampfflugzeugs Lightning II" auf Computern gespeichert die ans Internet angeschlossen sind?

    Ich mein auch die kleversten Hacker kommen nicht an Daten wenn keine Verbindung besteht. Jedenfalls nicht ohne vor Ort zu sein.

  2. ...genau, @Murphy-1989, immer schön alle geheimen Daten durchs Internet kursieren lassen, damit der Hackersport am Laufen bleibt...die Cyber-Revolution zum Ausgang des letzten Jahrhunderts ging von den Flaumbärchen-Trägern und verklemmten Informatiker-Typen aus...da machen die sich jetzt ein Machtspielchen draus...die kleinen Jungs dürfen jetzt ganz groß mitspielen...in den Konzernen...ist doch egal, ob als Hacker oder als Vorstandsmitglied...eine globale Gesellschaft von kleinen machtgeilen und verantwortungslosen Jungs entsteht...

  3. 3. Danke!

    Liebe Zeit, liebe Autoren, danke für den aufwendigen und umfangreichen Artikel!

  4. [...] Bitte schreiben Sie Kommentare, die sich direkt mit dem Thema des Artikels auseinandersetzen. Danke. Die Redaktion/sh

  5. Ja, China unser großer neuer Medienfeind...
    Wieder mit ein bis zwei Jahren Verspätung ist die Angst vor dem Schwellenland über dem Atlantik bis zu uns gekommen, wie vor geraumer Zeit schon jene vor den Taliban.
    Wenn Russland, Brasilien oder Israel hackt insteressiert dies wohl nicht, aber bei China sieht es anders aus, denn davor hat man Angst und mit dieser lässt sich ja bekanntlich gut Geld verdienen, denn was Angst macht wird gelesen.
    So verlange ich nun nicht die chinesische Volksrepublik nicht zu rügen für Datendiebstahl im Ausland, sondern auch die anderen, selbst Cyberangriffe ausführenden Nationen so ausführlich zu erwähnen, dass es nicht den Anschein erweckt, als sei China das schwarze Schaf.

  6. Hallo liebe Zeit Autoren

    Die "Öffentlichkeit" interessiert sich u.a. aufgrund des Umgangs mit Informationen nicht mit dieser Problematik. Jeder Artikel ist doch bares Geld und übersteigt dadurch den Wissenswert und leider auch den Wahrheitsgehalt der Veröffentlichungen.

    Sie wissen doch gar nicht ob das tatsächlich möglich ist, was Sie hier veröffentlichen und mit Sicherheit haben Sie nur Aussagen von angeblichen Fachleuten. Unsere wunderbaren Gesellschaftssysteme mit ihren fachlichen Kompetenzen..

    Ihr Artikel ist interessant, jedoch fehlt mir persönlich und ich kann die Thematik aus einer tendenziell fachlichen Position betrachten, vor jeder Ihrer "Tatsachen" ein "angeblich". Denn das was Sie hier beschreiben ist nicht wirklich belegbar. Wenn Sie sich nicht durch Nutznießer solcher Artikel finanzieren, dann haben Sie sich leider durch sie instrumentalisieren lassen.

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    HP

  7. Ich würde auch dazu raten, jede Art des Angriffs technisch genau zu erläutern. Wir haben ja die Zeit sie zu lesen und so dann besser zu verstehen. Nutzen Sie dazu unabhängige Techniker und versuchen Sie die Dinge mit klaren Worten zu beschreiben. Nur dann kann dieser Artikel als tendenziell glaubhaft eingeschätzt werden.

    Jeder Technikleihe kann sich gut vorstellen wie chinesische Hacker amerikanische Unternehmen angreifen (oder umgekehrt), da er überhaupt keine Ahnung hat, jedoch mit Angst und Vorurteilen bestückt sich ein hübsches fanatsievolles Gebilde aufbaut.

    Ein Beispiel: Ein kleines schädliches Programm, welches sich als unsichtbarer E-Mailclient auf tausenden von ungeschützen Computersystemen einnistet, ist in der Lage an einen Adressaten innerhalb von kürzester Zeit Millionen von Mails zu senden. Wir ignorieren hier bei einmal die Methode des Serveraustauschs (providerseitig) beim Mailaustausch. Bei dieser möglichen Flut und ein paar Fehleinstellungen, kann das die Resourcen des Servers in die Knie zwingen. Klingt doch alles logisch oder?

    Ihre Artikel halte ich daher für leider gefährlich, weil er verschiedene primitive Feinbilder bedient.

    HP

    • iDog
    • 21.02.2010 um 12:07 Uhr

    sie treffen den nagel auf den kopf

    jounalismus beschraenkt sich immer mehr auf das produzieren oder bewerben von interessengeleiteten feindbildern im rechtfertigungsgeschaeft der agressiven politik.
    politik ist immer wirtschaftspolitik, sei dabei bemerkt.

    ganz schlicht und direkt nennt man das wohl propaganda.

    und wenn politik und wirtschaft unter den gleichen einfluss geraten nennt man das faschismus, zumindest nach der berühmten definition mussolinis - der wird es gewusst haben, sollte man meinen.

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