Internet Angriff aus dem Cyberspace
Seite 9/9:

Weltweit wachsen die Cyberarmeen

Konsequent: Für Ende Februar hat Clinton die Vorstandschefs von führenden IT-Konzernen eingeladen, um über ein gemeinsames Vorgehen zu beraten. Der technische Geheimdienst der USA, die National Security Agency, baut eine ganz neue Organisation für Kriege im Internet auf. Schon heute geben die USA jährlich geschätzte 15 Milliarden Dollar für solche Zwecke aus. »Es ist ganz klar, dass diese neue Cyberagentur der Verteidigung wie auch dem Angriff dient«, sagt James Bamford, ein amerikanischer Geheimdienstexperte. Die Trennlinien zwischen strategischer, militärischer Operation und kommerziellen Interessen verschwimmen.

Und das nicht bloß in Amerika. Die kalifornische Sicherheitsfirma McAfee schätzt, dass derzeit 120 Länder ihre Cyberarmeen aufbauen oder erweitern. Auch Deutschland rüstet auf. Die Bundeswehr schult – streng abgeschottet von der Öffentlichkeit in Rheinbach bei Bonn – 76 Mann in den neuesten Methoden. Sie sollen in fremde Netzwerke eindringen, diese auskundschaften und manipulieren können. Die Gruppe untersteht Brigadegeneral Friedrich Wilhelm Kriesel, der das Kommando Strategische Aufklärung bei der Bundeswehr leitet. Offiziell nimmt das Verteidigungsministerium aber »zu Fragen der Offensivverteidigung« keine Stellung.

Anzeige

Die Eskalation im Cyberspace bedroht die Weltwirtschaft. Schließlich waren die geringen Kosten der Datenkommunikation ein wichtiger Treiber für den vergangenen Boom, und künftig will man sich erst recht darauf verlassen. Längst wird Software für deutsche Firmen in Indien entwickelt. Ingenieurteams planen rund um die Uhr in Singapur, New York und München neue Großanlagen für Siemens.

Konzernsoldaten reisen um die Welt und tauschen Geschäftsgeheimnisse über Laptops mit der Zentrale aus. Menschen tragen Mobiltelefone, kaufen damit ein, erledigen Bankgeschäfte, hinterlassen eine Datenspur über ihre Aufenthaltsorte, Vorlieben und sozialen Beziehungen. Kaum noch ein Wasserwerk, eine Ampelschaltanlage oder ein Stromnetz funktioniert heute ohne Computer, die ans Internet angeschlossen sind. Im Stromnetz der Zukunft soll sogar jeder Zähler ein kleiner vernetzter Computer werden!

Und das soll sicher sein?

Das Vertrauen in die Grundlagen dieser Welt schwindet bereits. In einer Umfrage der amerikanischen Sicherheitsfirma RSA unter 4500 Verbrauchern in 22 Ländern gibt ein Drittel an, schon einmal das Opfer eines Hackers geworden zu sein. Zwei Jahre zuvor waren es nur zehn Prozent. Die Zahl derer, die sich um die Sicherheit des Internets sorgen, ist in den vergangenen zwei Jahren von 10 auf 90 Prozent gestiegen.

In Washington erfährt deshalb Matthew Sklerov mit seinen Thesen viel Aufmerksamkeit. Er arbeitet im Verteidigungsministerium und fordert, Staaten sollten für alle Hackerangriffe verantwortlich gemacht werden, die von ihrem Boden ausgehen. Nach dem Motto: Entweder werden die Schuldigen ausgeliefert, oder man betrachte das Hacken als einen Kriegsakt! Ronald Deibert, ein Cyberwar-Experte an der Universität Toronto, sieht ebenfalls die Staaten in der Pflicht. »Es wäre besser, durch internationale Abkommen und die Zusammenarbeit der Polizeibehörden das Hacken und die Spionage einzudämmen«, sagt er.

Aber was soll man tun, wenn die Hacker selbst im Dienst des Staates stehen? »Das ist hier genauso wie bei den Atomwaffen«, sagt Deibert. »Die richtige Antwort auf eine Rüstungsspirale ist ein Abkommen zur Waffenkontrolle«.

Mitarbeit: Kerstin Bund und Frank Sieren

 
Leser-Kommentare
  1. Warum sind denn überhaupt so wichtge Daten wie die "Baupläne des neuen US-Kampfflugzeugs Lightning II" auf Computern gespeichert die ans Internet angeschlossen sind?

    Ich mein auch die kleversten Hacker kommen nicht an Daten wenn keine Verbindung besteht. Jedenfalls nicht ohne vor Ort zu sein.

  2. ...genau, @Murphy-1989, immer schön alle geheimen Daten durchs Internet kursieren lassen, damit der Hackersport am Laufen bleibt...die Cyber-Revolution zum Ausgang des letzten Jahrhunderts ging von den Flaumbärchen-Trägern und verklemmten Informatiker-Typen aus...da machen die sich jetzt ein Machtspielchen draus...die kleinen Jungs dürfen jetzt ganz groß mitspielen...in den Konzernen...ist doch egal, ob als Hacker oder als Vorstandsmitglied...eine globale Gesellschaft von kleinen machtgeilen und verantwortungslosen Jungs entsteht...

  3. 3. Danke!

    Liebe Zeit, liebe Autoren, danke für den aufwendigen und umfangreichen Artikel!

  4. [...] Bitte schreiben Sie Kommentare, die sich direkt mit dem Thema des Artikels auseinandersetzen. Danke. Die Redaktion/sh

  5. Ja, China unser großer neuer Medienfeind...
    Wieder mit ein bis zwei Jahren Verspätung ist die Angst vor dem Schwellenland über dem Atlantik bis zu uns gekommen, wie vor geraumer Zeit schon jene vor den Taliban.
    Wenn Russland, Brasilien oder Israel hackt insteressiert dies wohl nicht, aber bei China sieht es anders aus, denn davor hat man Angst und mit dieser lässt sich ja bekanntlich gut Geld verdienen, denn was Angst macht wird gelesen.
    So verlange ich nun nicht die chinesische Volksrepublik nicht zu rügen für Datendiebstahl im Ausland, sondern auch die anderen, selbst Cyberangriffe ausführenden Nationen so ausführlich zu erwähnen, dass es nicht den Anschein erweckt, als sei China das schwarze Schaf.

  6. Hallo liebe Zeit Autoren

    Die "Öffentlichkeit" interessiert sich u.a. aufgrund des Umgangs mit Informationen nicht mit dieser Problematik. Jeder Artikel ist doch bares Geld und übersteigt dadurch den Wissenswert und leider auch den Wahrheitsgehalt der Veröffentlichungen.

    Sie wissen doch gar nicht ob das tatsächlich möglich ist, was Sie hier veröffentlichen und mit Sicherheit haben Sie nur Aussagen von angeblichen Fachleuten. Unsere wunderbaren Gesellschaftssysteme mit ihren fachlichen Kompetenzen..

    Ihr Artikel ist interessant, jedoch fehlt mir persönlich und ich kann die Thematik aus einer tendenziell fachlichen Position betrachten, vor jeder Ihrer "Tatsachen" ein "angeblich". Denn das was Sie hier beschreiben ist nicht wirklich belegbar. Wenn Sie sich nicht durch Nutznießer solcher Artikel finanzieren, dann haben Sie sich leider durch sie instrumentalisieren lassen.

    nächste Seite >
    HP

  7. Ich würde auch dazu raten, jede Art des Angriffs technisch genau zu erläutern. Wir haben ja die Zeit sie zu lesen und so dann besser zu verstehen. Nutzen Sie dazu unabhängige Techniker und versuchen Sie die Dinge mit klaren Worten zu beschreiben. Nur dann kann dieser Artikel als tendenziell glaubhaft eingeschätzt werden.

    Jeder Technikleihe kann sich gut vorstellen wie chinesische Hacker amerikanische Unternehmen angreifen (oder umgekehrt), da er überhaupt keine Ahnung hat, jedoch mit Angst und Vorurteilen bestückt sich ein hübsches fanatsievolles Gebilde aufbaut.

    Ein Beispiel: Ein kleines schädliches Programm, welches sich als unsichtbarer E-Mailclient auf tausenden von ungeschützen Computersystemen einnistet, ist in der Lage an einen Adressaten innerhalb von kürzester Zeit Millionen von Mails zu senden. Wir ignorieren hier bei einmal die Methode des Serveraustauschs (providerseitig) beim Mailaustausch. Bei dieser möglichen Flut und ein paar Fehleinstellungen, kann das die Resourcen des Servers in die Knie zwingen. Klingt doch alles logisch oder?

    Ihre Artikel halte ich daher für leider gefährlich, weil er verschiedene primitive Feinbilder bedient.

    HP

    • iDog
    • 21.02.2010 um 12:07 Uhr

    sie treffen den nagel auf den kopf

    jounalismus beschraenkt sich immer mehr auf das produzieren oder bewerben von interessengeleiteten feindbildern im rechtfertigungsgeschaeft der agressiven politik.
    politik ist immer wirtschaftspolitik, sei dabei bemerkt.

    ganz schlicht und direkt nennt man das wohl propaganda.

    und wenn politik und wirtschaft unter den gleichen einfluss geraten nennt man das faschismus, zumindest nach der berühmten definition mussolinis - der wird es gewusst haben, sollte man meinen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service