Geisterjagd in EnglandSpuk und Trug

Muncaster Castle ist das gespenstischste Schloss in England. Im Park rufen die Eulen, und nachts um vier dreht sich der Türknauf. Ein Geisterforscher geht mit Besuchern dem Grusel auf den Grund von Angelika Franz

Meistbespuktes Schloss

Soviel Spuk ist nirgends: Muncaster Castle in England  |  © Sabine Bungert für DIE ZEIT

Peter Frost-Pennington glaubt an Geister. Er lebt schließlich mit ihnen. Zu den Bewohnern seines Hauses gehören außer seiner Frau, seinen drei Kindern und den Schwiegereltern auch noch die Geister von Tom Skelter, Mary Bragg, Margaret Pennington und anderen ruhelosen Seelen. Genug Platz ist für alle da, denn die Penningtons leben auf Muncaster Castle, einem Schloss mit 90 Zimmern. Die Schwiegereltern, Patrick Gordon-Duff-Pennington und Phyllida Pennington, bewohnen den alten Festungsturm. Peter und seine Familie den neueren Turm auf der anderen Seite. Die Geister wohnen dazwischen, im Mittelteil des Hauses. Man stört sich nicht. Die Geister betreten nie die Wohnräume der Familie. Und die bleibt deren Quartier fern: »Ich habe noch nie versucht, in den Räumen zu übernachten, in denen es spukt.«

Peter steht in Cordhose und mit tief ins Gesicht gezogener Wollmütze im Park seines Schlosses, über das sich langsam die Nacht breitet. Die Schatten der Türme werden länger, Nebelschwaden wabern durch die Bäume des Parks. Plötzlich taucht aus dem Grau ein Mann mit langen Haaren auf. »Ah, da ist Jason«, ruft Peter erfreut und schüttelt dem Ankömmling die Hand.

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Jason Braithwaite glaubt nicht an Geister. Dennoch kommt er ihretwegen nach Muncaster Castle. Jason ist Geisterjäger und hat schon oft in jenen Räumen übernachtet, in denen angeblich die Untoten hausen. »Ich habe immer gut dort geschlafen«, beteuert er. Genau genommen sucht er nämlich gar nicht im Schloss selber nach Geistern – sondern in den Gehirnen der Menschen, die dort Geister gesehen haben wollen. »Mich interessiert, was wir aus unnormalen Erfahrungen über die normalen Funktionen des Gehirns lernen können«, sagt der Neuropsychologe, der an der Uni Birmingham lehrt.

Das Schloss, das als das meistbespukte Englands gilt, liegt im Lake District oberhalb des Dorfes Ravenglass an der Irischen See. Auf der anderen Seite ragt die Spitze des Scafell Pike, mit 978 Metern der höchste Berg Englands, in den blassblauen Himmel. Das graue Gebäude ist ganz im Stil britischer Palastarchitektur gehalten. Der Schlossgarten ist berühmt für seine Rhododendren. Hier wachsen viele alte und exotische Arten, die sonst kaum noch irgendwo auf der Welt anzutreffen sind.

Ein Gast wurde von einer unsichtbaren Kraft aus dem Bett geworfen

Allein wegen der rot-weißen Rhododendronflut kommen viele Besucher nach Muncaster. Und wegen der 40 Eulenarten, die hinter den alten Ställen im World Owl Center leben, darunter auch viele Käuzchen – denen man nachsagt, ihr Schrei sei ein Ruf nach den Seelen der Toten. Seit einiger Zeit dürfen die Gäste auch über Nacht bleiben: Bis zu sechs Leute können im Tapestry Room schlafen, dem meistbespukten Zimmer dieses meistbespukten Schlosses.

Der Geisterforscher selbst ist es, der Gäste in die Spukgeschichte der Gegend einführt. »Sollen wir ein bisschen herumfahren?«, fragt Jason und öffnet die Tür seines VW. »Vielleicht treffen wir ja Mary Bragg«, fügt er augenzwinkernd hinzu. »Mary ist ein klassischer Straßengeist«, erzählt Jason. Die Magd beging Anfang des 19. Jahrhunderts den Fehler, sich mit dem falschen Mann einzulassen. Den nämlich, den auch die Vorsteherin der Bediensteten auf Muncaster begehrte. Gekränkt überredete sie zwei Freunde, die Magd aus dem Weg zu schaffen. Die Männer lockten Mary zum Schloss und schossen ihr ein Loch in den Kopf.

Verständlicherweise fand Marys Geist keine Ruhe. Viele Zeugen berichten von einem weiß gekleideten Mädchen auf der Straße beim Schlosstor. Autofahrer versuchen, ihr noch im letzten Moment auszuweichen. »Eines Abends passierte ein Ehepaar auf dem Weg nach Hause eine Frau, die sich über eine Mauer beugte, als ob ihr schlecht sei«, sagt Jason. »Während der Mann den Wagen parken wollte, eilte seine Ehefrau schon zurück, um zu helfen. Doch die Leidende war verschwunden. Hinterher erst begann die Frau sich zu wundern, warum die junge Dame ein so altertümliches Kostüm getragen hatte.« Heute Nacht aber will partout keine hilflose Frau am Straßenrand auftauchen.

Leserkommentare
    • Clerk
    • 20. Februar 2010 16:34 Uhr

    Nette Werbung :-)

  1. muß einen guten Fundus für Marketing haben, denn einen Geisterexperten zu beschäftigen ist sicher nicht ganz billig wenn auch ein eher seltenes und daher ein echtes Nischenangebot. Ob es dort tatsächlich Geister gibt, darüber sagt die Anwensenheit des Experten nämlich nichts aus: entweder es gibt welche, damit gäbe es für den Experten naturgemäß ein Betätigungsfeld, dann hätte er aber eher weniger Zeit für Touristen. Oder er hat bisher noch keine gefunden und sucht sie noch, somit liegt er eher den Eigentümern des Schlosses auf der solventen Tasche....

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