Beliebt und umstritten: sofortüberweisung.de © Screenshot ZEIT ONLINE

So einfach kann Einkaufen im Internet sein: Der Kunde gibt seine Bankleitzahl, Kontonummer, die PIN fürs Onlinebanking und eine Transaktionsnummer ein – und nach wenigen Sekunden ist die Sache bezahlt. Auf dem Bildschirm erscheint eine Bestätigung, die der Onlinehändler ebenfalls erhält. Er kann die Ware sofort losschicken. Keine Registrierung ist nötig, keine Kreditkarte, keine Software.

Der schnelle Bezahldienst nennt sich sofortüberweisung.de und wird immer beliebter. Laut der unabhängigen Umfrage "Internet-Zahlungsverfahren aus Sicht der Händler" (IZH) bieten ihn mittlerweile 28 Prozent der befragten Onlineshopbetreiber an, weitere 20 Prozent wollen ihn 2010 einführen. Der Dienst selbst spricht von mehr als 10.000 Händlern, mit denen er kooperiere; unter ihnen finden sich Plus oder der Elektrofachhändler Conrad. Doch die leichte Bedienbarkeit ist auch der Haken an der Sache: Wer die Sofortüberweisung nutzen will, muss seine geheimen Bankinformationen auf einer fremden Webseite eingeben. Der Konkurrent Giropay findet das so bedenklich, dass er jüngst eine Wettbewerbsklage eingereicht hat.

Hinter sofortüberweisung.de steht Christoph Klein, ein heute 33-jähriger Unternehmer, der im Alter von 15 Jahren zu Hause auszog und seinen ersten Computerladen eröffnete. Später, als er auch online an Privatkunden verkaufte, stieß er auf das Bezahlsystem, das sich "ein paar Programmierer aus Butzbach" ausgedacht hatten. Klein probierte es im eigenen Onlineshop aus, sah, dass die Kunden es oft nutzten – und entschied sich, zum Zahlungsdienstleister zu werden. Er kaufte das System und gründete 2005 als Betreibergesellschaft die Firma Payment Network.

Seit dem letzten Quartal 2009 arbeitet das Unternehmen laut Klein profitabel. Allein im vergangenen Dezember seien 688.000 Transaktionen über sofortüberweisung.de gelaufen, für das ganze Jahr 2010 gibt der Chef als Ziel mehr als 12 Millionen Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von deutlich mehr als einer Milliarde Euro aus. Inzwischen ist mit Reimann Investors Advisory auch ein externer Investor beteiligt.

Umstritten war der Dienst von Anfang an. In Internetforen toben bis heute die Diskussionen. Auf der einen Seite stehen die Kritiker, die vor Datenmissbrauch warnen – und vor Konsequenzen für die Nutzer. Dabei geht es um mehrere strittige Fragen: Werden bei der Nutzung vertrauliche Daten unerlaubt an Dritte weitergegeben? Verstoßen die Nutzer so gegen die allgemeinen Geschäftsbedingungen ihrer Banken? Und hat dies Folgen für sie? Zur Verteidigung eilen regelmäßig Leute – auch Klein selbst oder seine Vorstandskollegen –, die darauf hinweisen, dass sofortüberweisung.de in Sachen Datenschutz ein Prüfsiegel des TÜV vorweisen könne und bislang noch kein Missbrauchsfall bekannt geworden sei. Die Daten lägen nie im Klartext vor, und für den Fall, dass Kunden wegen der Weitergabe von PIN und Transaktionsnummer (TAN) mit ihren Banken Probleme bekämen, habe Payment Network eine Versicherung abgeschlossen.

Zu den Fans zählt Michael Möller, Geschäftsführer des Elektroversenders Voltus. Wie manche seiner Kollegen ist Möller erzürnt darüber, dass er bei anderen Zahlungsarten zwei Prozent der Kaufsumme und mehr an Banken oder Kreditkartenfirmen abgeben muss – die hohen Gebühren sind für ihn "ein Fall fürs Kartellamt". Payment Network dagegen begnügt sich je nach Warenkategorie mit Gebühren um ein Prozent.

Günstiger wird es für Händler nur, wenn sie das Geld per Lastschrift einziehen oder es klassisch überweisen lassen. Beide Verfahren sind weit verbreitet, für die Händler aber mit Unsicherheiten verbunden. Eine große Rolle spielen laut der IZH-Studie auch Kreditkarten, Barzahlung per Nachnahme und der zu eBay gehörende Dienst PayPal, bei dem man ein eigenes Konto eröffnen muss. Giropay wird von zwölf Prozent der Händler angeboten, weitere fürs Internet entwickelte Verfahren wie Click&Buy oder T-Pay von der Deutschen Telekom fristen ein Nischendasein.