Bis in die sechziger Jahre hinein gab es in gut sortierten Schuhfachgeschäften ein futuristisch anmutendes Gerät: einen hölzenen Kasten mit einer Öffnung am unteren Ende, in die Kinder ihre neu beschuhten Füße hineinsteckten. Durch ein Guckloch konnten sie dann von oben ihre Zehenknochen in grünlichem Glanz wackeln sehen – falls der Schuh ausreichend Spielraum ließ.

Damit sich auch Mutti und die fachkundige Verkäuferin davon überzeugen konnten, hatte das Pedoskop links und rechts zwei weitere Gucklöcher. Als ihre schädliche Wirkung noch nicht bekannt war, machten Röntgenstrahlen sichtbar, was so manchen Eltern heute verborgen bleibt: ob ein Kinderschuh auch wirklich passt.

Liest man die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Medizinischen Universität Wien , wünscht man sich fast das Pedoskop zurück: Knapp siebzig Prozent der 858 untersuchten Kindergartenkinder trugen zu kurze Straßenschuhe, bei Hausschuhen waren es sogar mehr als 88 Prozent. Die deutsche Betriebskrankenkasse (BKK) kam bei Untersuchungen an je etwa 1000 Kindern in Bayern , Rheinland-Pfalz und Hessen vor einigen Jahren zu ähnlichen Ergebnissen.

Nur bei rund 35 Prozent der Kinder passten die Schuhe richtig, 12 Prozent der Kinder aus Bayern und Rheinland-Pfalz und 28 Prozent der hessischen Kinder zeigten orthopädische Auffälligkeiten und sollten medizinisch betreut werden.