Kinder können den Unterschied oft schlicht nicht spüren: Ihre Füße sind weich und biegsam und zudem schmerzunempfindlich für Druck. Auch der alte Daumentrick funktioniert nicht zuverlässig. Dabei drückt man mit dem Daumen auf die Schuhspitze; sind die Zehen nicht zu spüren, ist genug Platz vorhanden – so dachte man zumindest. Leider unterlaufen die Kleinen den Test und ziehen reflexartig die Zehen ein.

Die Schuhkette Reno hat sich dem Problem der falschen Kennzeichnung gestellt. Sie misst die Innenlänge aller Kinderschuhe in ihrem Sortiment nach und kennzeichnet das Schuhwerk mit der »Echtgröße«. Der Hauptverband der Deutschen Schuhindustrie verweist auf das von ihm entwickelte Weiten-Maß-System (WMS) . Mit einem speziellen Schubmessgerät wird neben der Länge auch die Breite des Fußes gemessen. Schuhhersteller, die das WMS-Zertifikat tragen, bieten Kinderschuhe in drei genormten Weiten an: schmal, mittel und weit. Allerdings: Unter Kinz’ Stichprobenuntersuchung erwiesen sich auch WMS-Schuhe als zu kurz.

Wollen Eltern ermitteln, ob ein Schuh passt, können sie sich selbst helfen: einfach den Umriss der Füße auf Pappe nachzeichnen und 12 bis 17 Millimeter Spielraum dazu rechnen. Passt die Schablone locker in den Schuh, sitzt er richtig.

Kinderfüße wachsen etwa einen Millimeter pro Monat, also zwei Schuhgrößen im Jahr – das geht ins Geld! Wer nun aber meint, dass die teuersten Schuhe auch die besten wären, muss sich von Wieland Kinz enttäuschen lassen: »Wir konnten keine Qualitätsunterschiede zwischen Markenschuhen und Billigfabrikaten finden, zu kurz sind sie alle.« Er rät daher, die Verwendung von gebrauchten Schuhen zu prüfen. Seien diese nicht einseitig abgelaufen, seien sie gesundheitlich unbedenklich. Außerdem ist die Zweitverwendung ebenso ökonomisch wie ökologisch sinnvoll.