StudiengebührenFalscher Sieg

Die Abschaffung der Gebühren schadet den Studierenden von 

Unter den saarländischen Studenten herrscht Partystimmung. Der Landtag in Saarbrücken hat mit der Mehrheit der Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und den Grünen das Aus für die ungeliebten Studiengebühren beschlossen. Nach Hessen ist das Saarland das zweite Bundesland, in dem die CDU nach einer knapp vermiedenen Wahlniederlage das Bezahlstudium auf den Müllhaufen der Bildungsgeschichte wirft. Die Abschaffung der Gebühren ist dabei so konsequent, wie sie falsch ist.

Konsequent ist sie, weil die Gebührenstifter aus CDU und FDP – vor allem sie trieben in den Ländern die Einführung voran – es trotz großer Versprechungen in keinem der zwischenzeitlich sieben gebührenpflichtigen Bundesländer geschafft haben, die soziale Verträglichkeit mit einem fairen Kreditsystem sicherzustellen (ironische Fußnote: Ausgerechnet das Saarland war kürzlich dem Ziel, wenn auch zu spät, ziemlich nahegekommen). Angesichts der hohen Darlehenszinsen musste so fast zwangsläufig der Eindruck entstehen, die Gebühren dienten allein der Sanierung der Staatsfinanzen. Dies galt umso mehr, je weniger Christdemokraten den Mut fanden, die unpopuläre »Campus-Maut« öffentlich als sinnvoll zu verteidigen. Im Gegenteil: Fast erleichtert haben sie die Gebühren in Koalitionsgesprächen zur Verhandlungsmasse erklärt.

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Dennoch ist ihre Abschaffung ein Fehler, und ausgerechnet die feiernden Studenten werden ihn am deutlichsten zu spüren bekommen. Denn was angesichts des Darlehensfiaskos aus dem Blick geraten ist: Die Studentenmillionen haben die Studienbedingungen vielerorts spürbar verbessert.

Tausende zusätzlicher Dozenten wurden eingestellt, überfällige Bauvorhaben verwirklicht, die Hörsaaltechnik wurde auf den neuesten Stand gebracht. Zwar versichert die Saarbrücker Regierung nun wie zuvor jene in Hessen, die durch den Gebührenstopp entstehenden finanziellen Ausfälle auszugleichen. Doch die bisherigen Erfahrungen mit der Verlässlichkeit staatlicher Bildungsfinanzierung lehren, was so eine Zusage langfristig wert ist: wenig.

So geht der Blick der saarländischen Rektoren sorgenvoll in jene Bundesländer, die eine Beitragspflicht für Studenten nie eingeführt und ihre Hochschulen somit in dem bekannten Mangelzustand belassen haben. Auch die Rektoren in den verbliebenen Gebührenländern machen sich ihre Gedanken: Sind Hessen und das Saarland die Vorboten für das Ende des kostenpflichtigen Studiums in ganz Deutschland? Je länger die glühenden Gebührenfans von einst nun schweigen und untätig bleiben, um so sicherer lautet die Antwort: Ja.

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Leserkommentare
    • Ewok
    • 18. Februar 2010 10:24 Uhr

    Als Student aus Niedersachsen, der Gebührenhochburg schlechthin mit >750 EUR pro Semester, kann ich der betrachtungsweise im Artikel nicht zustimmen. Tatsächlich wurden unsere Studiengebühren teilweise für sinnvolle Dinge ausgegeben, etwa mehr Bücher in der Bibliothek oder Simulatortrainingsmaterial für bestimmte Kurse. Allerdings handelt es sich dabei um Tropfen auf dem heißen Stein, und es entsteht außerdem bei uns Studenten der Eindruck dass für viele Dinge statt Landesmitteln für die Hochschule dann eben Studiengebühren verwendet werden. Außerdem "parkt" ein großer Teil der Gebühren einfach auf den Konten der Hochschule, entweder weil das rigide Gesetz verhindert, dass die Mittel überall dort angewendet werden wo es hilfreich wäre, oder aber auch weil die Univerwaltung einfach unfähig ist. Wahrscheinlich beides, denn eine Univerwaltung ist per definition immer unfähig.

    Ich bin, wie übrigens viele meiner Komillitonen, kein prinzipieller Gegner von Studiengebühren so diese denn sinnvoll eingesetzt werden und zusätzliche Verbesserungen ermöglichen, anstatt Löcher zu stopfen. Außerdem sollten sie durch ein Stipendiensystem oder wenigstens zinslose Kredite niemanden der prinzipiell studierwillig ist abschrecken. All diese Bedingungen werden bisher nicht erfüllt, meines Wissens nach in keinem Gebührenland. Daher gehören die Gebühren abgeschafft und die Länder müssen endlich die Zahlungen leisten die sie so lange aufgeschoben haben.

  1. Studiengebühren sind ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Es ist eine großartige Errungenschaft, dass das Bildungssystem nahezu kostenlos ist und somit wenigstens für ein bisschen Durchlässigkeit in unserer Gesellschaft sorgt. Alle Verbesserungen, die angeführt werden, könnten auch durch den Staat getragen werden, wenn ihm Bildung wichtiger wäre. Das was wirklich damit erreicht wird, dass eine größere Selektion auftritt, wird immer gerne überhört.

    Ich kann keine Studenten verstehen, die nicht prinzipiell gegen Studiengebühren sind. Studiengebühren sind nur ein erster Schritt hin zur Privatisierung oder Teilprivatisierung von Hochschulen mit allen Folgen und Konsequenzen. Und wer behauptet das wäre doch alles super, na der kann ja mal an seiner Uni nachfragen, welche Forschungsprojekte aus Drittmitteln von Unternehmen finanziert werden.

    Vielleicht sollte man mal bei der Zeit nachfragen, wie gut die Kontakte zu der CHE sind?

  2. Die Abschaffung der Gebühren schadet nur den zukünftigen Studenten.

    Denn wie der Text so schön sagt, wurden mit den Gebühren "überfällige Bauvorhaben verwirklicht und die Hörsaaltechnik auf den neuesten Stand gebracht."

    Verständlich ist der Protest der Studenten, wenn sie das Gefühl haben, dass von den Studiengebühren nichts bei ihnen ankommt, sie außschließlich für die Renovierung der Universität bezahlen und indirekt nur den zukünftigen Studenten unterstützen.

    Immer wieder wird das Argument gebracht, dass "tausende zusätzliche Dozenten eingestellt wurden." Als BWl-Student im Hauptstudium an der Uni Saarland müssen diese Stellen an mir vorbei gegangen sein.
    Denn Nichts hat sich verändert, außer dem Baulärm, der das Lernen an der Uni seit 2 Jahren unmöglich macht.

    Ein kleines Beispiel:
    Als einer der wichtigsten Anlaufstellen im Studium dient das Prüfungssekretariat. Unverständlicherweise hat das Sekretariat drei Mitarbeiter (jeder für ein bestimmtes Thema), die für weit über 1000 BWL Studenten zuständig sind. Sprechstunde ist jeden Tag von 14 bis 15 Uhr und wer vor halb zwei nicht da ist, brauch sich in die lange Schlange schon nicht mehr anzustellen.

    Dies ist ein Beispiel von Vielen. Daher war die Abschaffung der Studiengebühren in dieser Form absolut richtig.

    Von der Grundidee sind Gebühren das Richtige, wenn sie richtig verteilt sind und sie wirklich als Verbesserungen der Lehre bei den Studenten ankommen! Davon war die Uni Saarland leider weit entfernt!

  3. Die Abschaffung der Gebühren schadet nur den zukünftigen Studenten.

    Denn wie der Text so schön sagt, wurden mit den Gebühren "überfällige Bauvorhaben verwirklicht, die Hörsaaltechnik wurde auf den neuesten Stand gebracht."

    Verständlich ist der Protest der Studenten, wenn sie das Gefühl haben, dass von den Studiengebühren Nichts bei ihnen ankommt, sie außschließlich für die Renovierung der Universität bezahlen und indirekt nur den zukünftigen Studenten unterstützen.

    Immer wieder wird das Argument gebracht, dass "tausende zusätzliche Dozenten eingestellt wurden." Als BWl-Student im Hauptstudium an der Uni Saarland müssen diese Stellen an mir vorbei gegangen sein.
    Denn Nichts hat sich verändert, außer dem Baulärm, der das Lernen an der Uni seit 2 Jahren unmöglich macht.

    Ein kleines Beispiel:
    Als einer der wichtigsten Anlaufstellen im Studium dient das Prüfungssekretariat. Unverständlicherweise hat das Sekretariat drei Mitarbeiter (jeder für ein bestimmtes Thema), die für weit über 1000 BWL Studenten zuständig sind. Sprechstunde ist jeden Tag von 14 bis 15 Uhr und wer vor halb zwei nicht da ist, brauch sich in die lange Schlange schon nicht mehr anzustellen.

    Dies ist ein Beispiel von Vielen. Daher war die Abschaffung der Studiengebühren in dieser Form absolut richtig.

    Von der Grundidee sind Gebühren das Richtige, wenn sie richtig verteilt sind und sie wirklich als Verbesserungwn der Lehre bei den Studenten ankommen! Davon war die Uni Saarland leider weit entfernt!

  4. Es ist schon unfreillig komisch, dass Arbeitgeber-Organisationen wie 'Gesamtmetall', die zurecht den Ingenieurmangel beklagen, gleichzeitig neoliberale Propaganda-Allianzen wie die sog. 'Initiative neue soziale Marktwirtschaft' ins Leben rufen, die massiv für Studiengebühren eintreten und dabei auch vor Neidkampagnen nicht zurückschrecken. Nach dem Motto: da muss die Brotvekäuferin dem feinen Studenten noch das Studium finanzieren. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Damit der Sohn der Brotverkäuferin nicht selbst Brotverkäufer wird, sondern als Ingenieur die deutsche Wirtschaft voranbringen kann, darf er nicht durch Studiengebühren vom Aufstieg abgehalten werden...

    • oooo
    • 18. Februar 2010 10:58 Uhr

    Ich bin in Saarbrücken aufgewachsen und habe dort letztes Jahr mein Abitur gemacht.
    In Saarbrücken zu bleiben kam für mich schon aufgrund der Studiengebühren nicht in Frage. Seit einem Semester studiere ich nun in Dresden Physik. Hier gibt es -trotz CDU-Landesregierung- keine Studiengebühren. Die Befürchtungen des Autors kann ich nicht nachvollziehen. Die Hörsäle für Physik und Mathe wurden vor einem halben Jahr renoviert, die hochmoderne Landesbibliothek liegt direkt daneben, die Betreuung ist gut und zur nächsten Mensa sind es nie mehr als 200 Meter.
    Gut, in manchen Gebäuden ist das Laminat schon ein bisschen abgenutzt, und einzelne Toiletten könnten eine Renovierung vertragen. Aber tausend Euro Studiengebühren wäre mir das -selbst wenn ich es bezahlen könnte- sicher nicht wert.

  5. Dann rechnen Sie mir doch bitte - Betriebswirtschaftlich korrekt - die Kosten aus, die ein Student verursacht.

    Da fängt der Spaß nämlich an, denn wieviel "kostet" ein Professor für die Lehre und wieviel ist Forschung?
    Sind am Ende nicht die Räume das Teuerste am Studium?

    Bevor wir über mehr Geld für die Uni reden, sollten wir uns endlich einmal über andere Strukturen unterhalten - dazu zählt auch eine Demokratisierung der Uni und eine Beteiligung der Studenten an sinnvollen Studienreformen.

    Was mir einfach nicht einleuchten möchte ist, wieso die neuen Medien wie das Internet nicht stärker genutzt werden. Wieso werden alte Vorlesungen nicht aufgezeichnet? Nur wenige Pioniere haben dieses Mittel genutzt. Fragen können in den meisten Massenveranstaltungen per se nicht beantwortet werden.

    Studiengebühren sind nicht sozial - egal ob das Fam. Einkommen 100.000 € ist und Papa das aus der Portokasse bezahlt, oder 10.000 € und der Student selbst blechen darf, Sie betragen immer 1200 € im Jahr - ein Haufen Geld für unklare Leistungen.

    • Atarius
    • 18. Februar 2010 11:38 Uhr

    ist auch unter Studenten verbreitet. Sonst machen die Studiosi gerne einen aud international, aber wenn es um die international üblichen Studiengebühren geht, schwenken sie gerne das nationale Fähnchen.
    Wieso soll deutschen Studenten nicht zumutbar sein, was in Japan, China, Australien oder USA eine Selbstverständlichkeit ist? Wenn ich der Meinung bin, ich müsse mit einem BMW durch die Gegend fahren, muß ich eben einen Kredit aufnehmen, um mir die Karre leisten zu können. Niemand zwingt mich dazu. Ist auch nicht Sache der Gesellschaft, meine Eigentumswohnung oder meine Fernreisen zu finanzieren.

    Wenn Sie pro Semester 500 Euro Kredit aufnehmen und 12 Semester Studieren, haben Sie für Ihr Studium in 6000 Euro Schulden gemacht. Na und? Wieviele Leute nehmen für ihre Privatinteressen (Auto, Wohnung) weit größere Schulden auf und schaffen es auch, diese abzuzahlen?

    Diese Alles-umsonst-und-nur-vom-Besten-Mentalität in diesem Land (Krankenkassen, Studium, staatl. Beihilfen etc.)und das bei einem Lebensstandard, von dem andere Völker nur träumen können, ist manchmal einfach nur noch zum Kotzen.

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  • Schlagworte CDU | FDP | Grüne | Hochschule | Staatsfinanzen | Gebühr
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