Passanten vor dem kolumbianischen Nationalkongress in Bogotá. Das Wände des Gebäudes sind von großen Skulpturen in Ameisengestalt bedeckt. Sie sollen die zahlreichen Flüchtlinge symbolisieren, die durch den bewaffneten Konflikt im Land vertrieben wurden © Rodrigo Arangua/AFP/Getty Images

Trotz deutlicher Bedenken von Gewerkschaften und Parlamentariern will die Europäische Kommission möglichst bald schon Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Kolumbien abschließen. Unter anderem geht es dabei um den Abbau von Zöllen und Importquoten bei Gütern wie Bananen, Zucker, Fleisch oder Milch.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kämpft heftig gegen das Abkommen. »In keinem anderen Land der Welt ist es für unsere Kolleginnen und Kollegen gefährlicher, für den Schutz der elementarsten Menschen- und Gewerkschaftsrechte einzustehen«, schrieb DGB-Chef Michael Sommer an Martin Schulz, den Fraktionschef der Sozialisten im Europäischen Parlament. Allein 2008 seien 49 Gewerkschafter in Kolumbien ermordet worden, schreibt Sommer.

Nicht nur Gewerkschafter, sondern auch Abgeordnete des Europäischen Parlaments hegen Zweifel an dem Vorhaben der Kommissare. In einer Anfrage an die Kommission zeigt sich der Liberale Graham Watson aus Großbritannien besorgt. Er möchte wissen, ob »in dem Freihandelsabkommen konkrete Schritte festgelegt werden, die Kolumbien zum Schutz der Demokratie und Menschenrechte ergreifen muss?« Konservative Abgeordnete wie Daniel Caspary (CDU) hoffen darauf, dass sich mithilfe klarer Forderungen seitens der Europäischen Union (EU) die Lage in Kolumbien stabilisieren könnte.

Eine klare Reaktion auf die Bedenken gibt es noch nicht. Die Kommission teilte nur nüchtern mit, dass gerade über diese Fragen ein ernsthafter Dialog in Gang gekommen sei. Nur eines steht schon fest: »Isolation ist keine Lösung«, heißt es aus dem Handelsressort, das seit Kurzem vom Belgier Karel De Gucht geführt wird.

Die nächste Verhandlungsrunde zwischen der EU-Kommission und der kolumbianischen Delegation ist für Ende Februar geplant. Danach wird sich zeigen, wie empfänglich der neue Handelskommissar für die Anregungen der Kritiker ist.