Wandern Rooibostee auf der Alm

Wer auf dem Mehloding Trail in den Drakensbergen wandert, lernt die Welt der südafrikanischen Hirten kennen. Vier Tage durch grünes Hochland mit Nachtlagern in Rundhütten und Geschichten von den Ahnen.

Eine Viehherde grast am Fuß der Drakensberge

Eine Viehherde grast am Fuß der Drakensberge

Der Weg in die Drakensberge führt durch die Missionsstation Mariazell. Die Beete sind ordentlich umzäunt, die Kirchturmuhr zeigt die Stunde an, ein Wetterhahn die Windrichtung. Father George grüßt, aber er hört mich nicht. Der 84-jährige Missionar geht gebeugt, sein Lächeln ist jungenhaft. Ich brülle ihm ins Ohr, auf Englisch und, weil er Schweizer ist, auf Deutsch. Er geht zurück in die Werkstatt. Robert, mein Begleiter, und ich laufen durch die Missionsstation, wo einheimische Frauen auf der Erde hocken und Grasbüschel schneiden. Und weiter durch sattgrüne Weiden, fast wie in der Steiermark. In der Ferne sehen wir ein großes Kreuz auf einem Felsen. Die Missionare haben ihren Glauben in die Landschaft montiert. Wir verlassen ihre Welt. Über einen Fluss, den sie Jordan nennen, gelangen wir nach Afrika.

Das Dorf auf der anderen Seite wacht gerade auf, Rauch steigt aus den Strohdächern, ein Mann geht über einen Acker, wohl um nach den Pferden zu schauen, er ist eingewickelt in eine bunte Decke. Es ist noch früh und kühl. Die Wolken liegen wie nasse Watte auf den Gipfeln. Erst gegen Mittag wird die Sonne durchbrechen, später wird Sturm aufziehen und Regen mitbringen, heißt es, vielleicht ein Gewitter. Dann wollen wir in Makhulong sein.

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Robert geht voran, ein bisschen schnell, wie ich finde, zumindest für den Anfang. Er trägt einen roten Rucksack und einen Schlapphut, die gestreifte Trainingshose hat er bis zu den Knien hochgekrempelt. Er ist Wanderführer, 48 Jahre alt, doch er sieht zehn Jahre jünger aus. Vielleicht, weil er ständig in den Bergen herumläuft. Als Gelegenheitswanderer bin ich da im Nachteil, ich spüre jeden Stein in den Sehnen. Nur langsam gewöhne ich mich daran, beginne, auf die Landschaft zu achten.

Der Mehloding Trail führt durch bäuerliches Kulturland in Südafrikas Ostkap-Provinz, durch Dörfer mit weit verstreuten Häusern und Maisfeldern, hoch auf sattgrüne Almen, auf denen Hirten mit langen Stöcken ihre Herden hüten, Schafe, Ziegen, Kühe. Nur wenige Menschen dringen in die Hochtäler vor.

Vier Tage sind für die rund 60 Kilometer veranschlagt. Man übernachtet unterwegs in einfachen Rundhütten am Wegesrand, die von Dorfgemeinschaften unterhalten werden. Es ist keine Hochgebirgstour, wir bleiben an den sanft geschwungenen Flanken der südlichen Drakensberge, unterhalb von 2000 Metern. Doch die spitzen Gipfel haben wir immer im Blick. Die Zulu nennen sie uKhahlamba, Wall der aufgestellten Speere. Dahinter liegt das Königreich Lesotho. Es ist Grenzland, eine abgelegener Winkel Südafrikas, der sich nicht für Touristen herausputzt. 

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